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Ein Jahr in Deutschland – PASCH-Lehrkräfte berichten

​Einleitung

Heidi, Natia, Larissa, Uyanga und Gentiana unterrichten an PASCH-Schulen in Ägypten, Georgien, Brasilien, der Mongolei und Albanien. Im Rahmen des Weiterbildungsprogramms des Pädagogischen Austauschdienstes (PAD) des Sekretariats der Kultusministerkonferenz verbringen sie ein Jahr an einer Schule in Deutschland. Auf PASCH-net erzählen sie von ihren Erfahrungen.

Nahaufnahme einer Wahlurne aus Karton, die auf einem Tisch steht

7/8 Was mich in Deutschland überrascht hat…

Natia

Was hat mich in Deutschland besonders überrascht? Das war mit Abstand das Projekt „Juniorwahl“ an meiner Gastschule, der Fritz-Bauer-Gesamtschule. Die Juniorwahl ist eine realitätsgetreue Wahlsimulation an Schulen. Ziel des Projekts ist es, jungen Menschen das Erleben und Erlernen von Demokratie zu ermöglichen. Man möchte sie motivieren, wählen zu gehen, Begeisterung und Interesse an der Politik wecken und dadurch die Grundlage für gesellschaftliches Engagement schaffen. Die Vorbereitung der Heranwachsenden auf die künftige Teilnahme an Wahlen hat mich sehr beeindruckt! Durch die „Juniorwahl“ bekommen die Jugendlichen einen konkreten Eindruck, wie zum Beispiel Landtags-, Bundestags- oder Europawahlen ablaufen.

Eine andere Überraschung war für mich, dass es einen georgischen Schüler an meiner Gastschule gibt. An meinem ersten Schultag besuchte ich unterschiedliche Klassenstufen, stellte mich vor und berichtete über mein Land. In einer Klasse waren die Kinder besonders aufmerksam und zeigten ein außergewöhnlich großes Interesse. Plötzlich meldete sich ein Schüler zurückhaltend und sagte, er komme auch aus Georgien. Einen Georgier in einer kleinen Stadt wie Sankt Augustin zu treffen, schien mir unvorstellbar! Später haben wir uns unterhalten und ich habe erfahren, dass die Familie seit sechs Jahren in Sankt Augustin lebt und sich gut integriert hat. Der Schüler spricht Georgisch mit leichtem Akzent und ist stolz darauf, dass er noch eine zweite Heimat hat.

Gentiana

Fahrräder vor einem Gebäude im Herbst © privat

An meinem ersten Tag an meiner deutschen Gastschule sah ich vor dem Schulgebäude Hunderte von Fahrrädern. Das hatte ich so noch nie gesehen! Bei einem Spaziergang rund um das Gebäude stellte ich fest, dass es hinter der Schule noch viele weitere Fahrradständer gibt. Da die Schülerinnen und Schüler in dem Moment Unterricht hatten und in den Klassenräumen waren, hat es mich gereizt, sie zu zählen, aber dafür hätte ich sicher Stunden gebraucht ... Stattdessen betrachtete ich die unterschiedlichen Größen, Farben und Marken. Das hat mich wirklich beeindruckt und neugierig gemacht. Weil ich nicht davon ablassen konnte, habe ich mich informiert: Es sind genau 436 Fahrradständer! Diese Zahl ist für mich der Beweis: Das Anton-Philipp-Reclam-Gymnasium ist eine fahrradfreundliche Schule. Fast jeder zweite Schüler bzw. jede zweite Schülerin kommt mit dem Fahrrad zur Schule und kann es innerhalb des Schulgeländes abstellen. Ich kann mir vorstellen, dass bald noch weitere Plätze benötigt werden!

Fahrradfahren ist in Deutschland absolut im Trend und es hat so viele Vorteile: Man spart Zeit, Geld und macht dabei sogar noch Sport. Ich habe den Eindruck, dass die Zahl der Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer während der Corona-Pandemie noch weiter gestiegen ist. Diese Tendenz habe ich nicht nur bei mir an der Schule bemerkt, sondern auch in der Stadt, besonders bei der jungen Generation. Ich bin überzeugt, dass auch die sicheren Fahrradwege dazu beigetragen haben, dass Eltern ihren Kindern gerne Fahrräder kaufen. Eine fahrradfreundliche Schule liebt und schützt die Umwelt, – davon bin ich überzeugt. Das hat mich in Deutschland erstaunt – und vor allem inspiriert: Lasst uns alle mehr Fahrrad fahren!

Heidi

Straße in der Innenstadt, eine Frau steht an einer Ampel © privat

Mein Leben lang habe ich in Ägypten gewohnt. Das liegt etwas nördlich des Äquators. Und Deutschland liegt noch deutlich nördlicher! Was aber bedeutet das für mich? „Tschüss, kurze Hosen!“, „Tschüss, Palmen rund ums Jahr!“ und „Hallo, dicke Jacken, Regenschirme und Stiefel!“.

Zumindest habe ich mir das so vorgestellt. Nach meiner Ankunft war ich dann sehr überrascht, zum Beispiel über die Abendsonne: Im Sommer ist das Wetter in Deutschland sehr angenehm und der Tag fühlt sich unheimlich lang an. Bereits um fünf Uhr morgens geht die Sonne auf und um 21 Uhr geht sie unter. Die Sonnenuntergänge sind auch bei den Deutschen beliebt, was mich gewundert hat.
Es gibt viele weitere Kleinigkeiten im Alltag, die überraschend sind. Zum Beispiel wenn man in Deutschland an einer Ampel steht. Dann wartet jeder, bis das grüne Männchen erscheint. Egal, ob das nächste Auto hundert Meter oder einen Kilometer weit weg ist. Alle warten geduldig, bis die Straße überquert werden darf.

Und auch sonst überrascht mich die Genauigkeit in Deutschland. Es war für mich immer selbstverständlich, dass man pünktlich ist. Das Überraschende für mich war aber, dass die Deutschen nicht nur pünktlich um 14 Uhr da sind, sondern eine Viertelstunde vorher, da sie lieber 15 Minuten vor dem Termin warten!

Was ich auch nicht erwartet habe, ist, dass es in manchen Autos Sitzheizungen gibt. An den kalten Tagen wurde ich von meiner Kollegin mit dem Auto abgeholt. Auf einmal fühlte ich eine wunderschöne Wärme an meiner Sitzlehne. Das war eine wirklich angenehme Überraschung.

Larissa

  • Larissa in schwarzer Jacke und mit einem roten Schal und einer Sonnenbrille vor dem Heidelberger Schloss
    © privat
  • Aufnahme des Englischen Gartens in München im Herbst
    © privat
  • Ich bin nicht zum ersten Mal in Deutschland, aber auch dieses Mal gab es neue Überraschungen. Dieses Jahr betrachte ich Deutschland aus einer ganz anderen Perspektive, weil ich hier meine eigene Wohnung habe und mit den Einheimischen zusammenleben darf. Da ich viel durchs Land reisen kann, entdecke ich immer etwas Neues, und ich hätte nicht erwartet, dass Deutschland so facettenreich ist.

    In den Herbstferien bin ich mit meinem Mann durch Süddeutschland gereist: Rothenburg ob der Tauber, Nürnberg, Stuttgart, Heidelberg, München und die bayerischen Schlösser und Seen haben wir besichtigt. Die Landschaft und die Schlösser kannte ich schon, aber im Herbst waren die Orte noch schöner und bunter. Auch wenn die Sonne nicht schien, strahlten die Bäume in warmen Gelb-, Orange- und Rottönen und bezauberten uns.

    In München begeistert mich immer wieder der Englische Garten mit seiner unglaublichen Landschaft und Atmosphäre. Und ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich den Menschen am Eisbach beim Surfen zusehe. Im Herbst ist diese Erfahrung noch schöner.

    Aber nicht nur diese wunderschöne Landschaft hat mich überrascht, sondern auch die Menschen, die überall freundlich und hilfsbereit sind. Sehr oft wurden wir gefragt, ob wir Hilfe brauchen, wenn wir nach dem Weg suchten, oder ob wir ein Foto von uns beiden wollten. Die Menschen sind noch warmherziger und gastfreundlicher, als ich es in Erinnerung hatte!

    Uyanga

  • Modell einer Burg, von oben fotografiert
    © privat
  • Gebäudekomplex mit Turm, gelb und beige gestrichen
    © privat
  • Ich bin immer wieder überrascht von der Vielfalt der Architektur, Brunnen, Denkmäler, Statuen und der Kunst in Deutschland. Es gibt in jeder Stadt etwas Erstaunliches zu entdecken. Ich habe während meines Aufenthalts einige Museen und Residenzschlösser besucht und einmalige Erfahrungen gemacht. Das Residenzschloss in Würzburg und das Grüne Gewölbe in Dresden haben mich besonders beeindruckt.

    Der Bau des Würzburger Schlosses spiegelt die abendländischen Architekturströmungen jener Zeit wider: die französische Schlossarchitektur, Wiener Barock und den oberitalienischen Palast- und Sakralbau. Das gesamte Bauwerk hat mich verblüfft, aber auch den Hofgarten mit seiner wundervollen Hofarchitektur und den putzigen Engelsstatuen fand ich umwerfend.

    Das Grüne Gewölbe in Dresden ist ein prächtiges Schatzkammermuseum und zeigt die kostbare Juwelierkunst vom Mittelalter bis in die Moderne. Ehrlich gesagt reicht ein Tag nicht aus, um alles genau anzusehen. Jedes einzelne Stück erzählt eine Geschichte und zeigt, wie reich und mächtig die damaligen Herrscher waren.

    Obwohl während des Zweiten Weltkriegs viele wertvolle Museen und Residenzschlösser zerstört wurden, haben die Deutschen sie authentisch wiederhergestellt und -aufgebaut. Für die Historikerinnen und Historiker sowie die Künstlerinnen und Künstler habe ich daher großen Respekt.

    Plakat zur Ausstellung von Paula Modersohn-Becker, vor der Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main

    6/8 Meine Entdeckung in Deutschland

    Natia

    Deutschland ist das Land, in dem man in vielen Bereichen etwas Neues entdecken kann. Meine erste Entdeckung sind die köstlichen Walnussbrötchen. Dieses Gebäck ist ein richtiger Genuss für mich und bereichert meine Mahlzeiten. Da ich Walnussbrötchen oft esse, habe ich recherchiert, was alles darin steckt. Dabei habe ich herausgefunden, dass sie ein wichtiger Energielieferant für den Tag sind und weder Weißmehl noch Zucker enthalten. Mit etwas Herzhaftem wie beispielsweise Schinken, Käse, Frischkäse, Tomaten und Gurken, schmecken sie besonders lecker.

    Meine zweite bedeutsame Entdeckung habe ich in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main gemacht: Dort habe ich die Ausstellung von Paula Modersohn-Becker besucht und dabei viel Neues erfahren. Die deutsche Malerin ist eine der bedeutendsten Vertreterinnen des frühen Expressionismus. Die Kunst, die Paula Modersohn-Becker schuf, war schlicht, ausdrucksvoll und farbenprächtig. Der Name war mir bekannt, aber ich wusste zum Beispiel nicht, dass sie zwischen Niedersachsen (Worpswede) und Frankreich (Paris) pendelte. Diese Ausstellung war für mich ein Vergnügen, da ich auf viel Unerwartetes gestoßen bin.

    In der Ausstellung habe ich zum Beispiel auch erfahren, dass die „starke Frau mit starken Händen“ eine erfolglose Künstlerin war, deren Werke Zeit ihres Lebens nicht anerkannt wurden. Sie starb früh, im Alter von 31 Jahren, hinterließ 700 Gemälde und 1.500 Arbeiten auf Papier. Die für die damalige Zeit mutige Malerin malte auf ihre eigenwillige Art und Weise Kinderbildnisse, nackte Bäuerinnen mit groben Zügen und außergewöhnliche Selbstbilder. Sie schuf etwas Zeitloses, das – besonders mich – bis heute fasziniert.

    Gentiana

  • Bunt gestrichene Gartenlauben im Hintergrund, im Vordergrund ein Schild mit dem Titel "Historische Gartenlauben"
    © privat
  • Park mit mehreren Sitzbänken und Bäumen
    © privat
  • Verschiedene Blumen
    © privat
  • Ich habe schon sehr viele Museen besucht. Aber dieses Museum war etwas ganz Besonderes für mich: das Deutsche Kleingärtnermuseum. Grund ist, dass ich mit viel Natur um mich herum aufgewachsen bin. Meine Eltern hatten ein Haus mit Garten auf dem Land, mitten in einem kleinen Dorf. In der Großstadt hier in Deutschland habe ich das sehr vermisst.

    Das Deutsche Kleingärtnermuseum liegt in der Westvorstadt von Leipzig. Ich habe es durch Zufall entdeckt, als ich auf dem Weg zum Park war und den kürzesten Weg dorthin suchte. Ich ging einen schmalen Fußweg zwischen diesen kleinen Häuschen und Schrebergärten entlang und auf einmal war der laute Straßenlärm nicht mehr zu hören. Diese Stille kam so plötzlich – ich habe sie ungefähr dreihundert Meter lang sehr genossen.

    Auf dem Rückweg vom Park habe ich neugierig durch den Zaun geschaut, um herauszufinden, wie diese Häuschen gebaut sind und was in den Gärten gepflanzt wird: bunte Blumen, Kirsch- und Apfelbäume, Erdbeeren, Sonnenblumen, Kürbis und allerlei Gemüse, das ganz anders als im Supermarkt aussieht. Ich dachte: Was für eine tolle Idee! Ein Schild am Tor machte mir dann deutlich, dass es sich um ein Museum handelt. Kurzentschlossen habe ich mir eine Eintrittskarte gekauft und einen Rundgang gemacht.

    So konnte ich dann auch die Schrebergärten besichtigen. Jeder Garten hat eine Nummer und seine eigene Geschichte, die bis ins 19. Jahrhundert reicht. An jeder Tür hängt eine Informationstafel zu den früheren Gartenpächtern. Ich habe mir vorgestellt, wie Fleischermeister, Universitätsprofessor und Lehrer Zaun an Zaun gärtnerten. Während meines Spazierganges las ich Tor für Tor eine kurze Geschichte jeder Familie und jedes Gartens. Es ist schön, wie der Familienname durch den Garten weiterlebt.

    Eine wunderschöne Entdeckung und ich musste gar nicht lange danach suchen.

    Larissa

    Strand mit vielen Menschen und Strandkörben, im Hintergrund das Meer © privat

    Im Juli hat mich eine Freundin nach Kiel eingeladen. Ich kenne sie schon etwas länger, da sie vor einiger Zeit ein Praktikum an unserer Schule in Brasilien gemacht und bei mir gewohnt hat. Damals bin ich mit ihr zu einem brasilianischen Strand gefahren und jetzt wollte sie mir endlich einen deutschen Strand zeigen. Ich war sehr gespannt, hatte aber keine großen Erwartungen. Ich bin davon ausgegangen, dass es in Deutschland meistens Kiesstrände gibt, die nicht besonders schön aussehen. Und so war ich völlig überrascht und habe meine schönste Entdeckung gemacht: Sankt Peter-Ording.

    Sankt Peter-Ording liegt an der Nordseeküste, circa 120 Kilometer von Kiel entfernt. Das Wattenmeer ist Teil des UNESCO-Weltnaturerbes. Bei meiner Ankunft war ich verzaubert von den Deichen, der einzigartigen Landschaft mit der breiten Strandküste, dem weißen Sand, dem klaren Wasser und den Wellen.

    Den ganzen Tag durfte ich dort neue Entdeckungen machen: zuerst den FKK-Bereich mitten am Strand, dann die Pfahlbauten, die wegen der häufigen Sturmfluten gebaut wurden und zum Wahrzeichen des Ortes geworden sind. Auch die Strandkörbe haben mich beeindruckt. Als Wind aufkam, habe ich verstanden, warum man Strandkörbe statt Sonnenschirmen verwendet. Die Windstärke und der weite Strand haben das Kitesurfen dort zum Trendsport werden lassen.

    Egal ob man Sport machen, baden, sich sonnen, durch den feinsandigen Strand laufen oder einfach den Wind und die frische Luft fühlen möchte: Alle können in Sankt Peter-Ording wunderbare Momente erleben. Für mich war dieser Tag unvergesslich.

    Uyanga

  • Mehrere Fachwerkhäuser in einer Straße, von unten fotografiert
    © privat
  • Eine große Kirche mit mehreren Türmen
    © privat
  • Neues entdecken, erleben, erfahren – wie ein kleines Kind. Um das zu erreichen, gebe ich mich begeistert dem Augenblick hin und bin offen für alles, was das Leben für mich bereithält. Mein Jahr in Deutschland hat mir die Tür geöffnet, mich auf die Reise ins Unbekannte zu begeben und meine Neugier zu spüren. Um die Neugier zu wecken, stelle ich mir immer die Fragen „Warum?“ und „Wie?“. In der ersten Woche, als ich in Quarantäne war, habe ich mich gefragt: Warum läuten die Kirchenglocken überhaupt? Gibt es andere Anlässe außer den kirchlichen?

    Traditionell läuten die Kirchenglocken vor einem Gottesdienst, sodass sich die Gemeinde in der Kirche einfinden kann, sowie während des Gottesdienstes. Heutzutage gilt auch der sogenannte Stundenschlag, das regelmäßige Schlagzeichen zur vollen Stunde. Es stammt aus der Zeit des Mittelalters, als der Großteil der Bevölkerung keine Uhr hatte. Außerdem können die Kirchenglocken auch im Notfall geläutet werden, zum Beispiel bei Brand und Überschwemmung.

    In Bamberg gibt es schöne Kirchen und einen faszinierenden Dom. Deren Architektur erstaunt mich immer wieder. Barock, Gotik und Romantik: Jede Epoche hat ihre einzigartige Charakteristik. Der Bamberger Dom ist in seiner Architektur stilistisch kein einheitliches Bauwerk: für mich mischen sich die Stilelemente aus der Romanik und der Gotik ganz hervorragend! Während eines Spaziergangs durch die Stadt sind mir auch die verschiedenen Arten von Dächern aufgefallen: Sie sehen alle anders aus – mal hoch, mal niedrig, mal gewölbt. So vielfältig, obwohl sich die Häuser in einer Reihe befinden. Ich glaube, dass es in jeder Stadt in Deutschland etwas Besonderes zu entdecken gibt.

    Heidi

    Fluss, links und rechts von Bäumen umgeben © privat

    Deutschland habe ich als Naturparadies für mich entdeckt. Das Land ist einzigartig, ursprünglich und wild, mit beeindruckenden Tieren. Die Landschaft ist ganz anders als bei mir in Ägypten. Einfach märchenhaft. Der Wechsel der Jahreszeiten in Deutschland ist wie ein Wunder. Im Herbst entdecke ich jeden Tag ein neues Bild, das sich laufend verändert, und immer bunter, schöner und beeindruckender wird. Alle Laubbäume strahlen in prächtigen Farben. Rote, gelbe, braune und grüne Blätter hängen an den Ästen oder schmücken den Boden wie ein bunter Teppich.

    Die Vorstellung als Muslimin in Deutschland zu leben, bereitete mir vor meiner Abreise große Sorgen. Ich dachte, es würde für mich schwer sein, hier zu leben. In Deutschland angekommen, war ich erstaunt, dass Frauen und Mädchen mit Kopftuch in der Öffentlichkeit zu sehen sind und, dass sie von ihren Mitmenschen akzeptiert werden. Das war nicht nur sehr beruhigend, sondern ich war sehr froh, dadurch eine für mich ganz neue Seite der Deutschen entdeckt zu haben.

    Auch vor dem Fastenmonat Ramadan hatte ich große Bedenken. Da war es eine große Freude, dass meine Kolleginnen mehr davon erfahren und ihn mit mir zusammen erleben wollten. Gemeinsam haben wir traditionelle Ramadan-Speisen gekocht und nach Sonnenuntergang gegessen.

    Durch das Zusammenleben und die Toleranz in Deutschland fiel es mir leicht, mich zu integrieren, die Kultur besser kennenzulernen und schnell Freundschaften zu schließen. Als ich im Oktober zu Besuch in München war, habe ich mir sogar ein Dirndl ausgeliehen! Ich war sehr stolz, ein so schönes einheimisches Kleid tragen zu dürfen. Obwohl das Oktoberfest dieses Jahr nicht stattfinden konnte, war die Stimmung in München sehr schön und multikulturell.

    Geschmückte Bühne in der Schulaula

    5/8 Unterrichten in Deutschland

    Heidi

    Meistens komme ich eine Stunde vor Unterrichtsbeginn zur Schule und bereite meine Arbeit vor. Vieles, was Lehrkräfte tun, bekommen Eltern und Lernende gar nicht mit.

    Eine Lehrkraft braucht ein enormes Wissen, nicht nur Fachwissen, sondern auch Wissen über Entwicklungspsychologie, Motivationskonzepte und vieles mehr. Manchmal muss man auch erziehen, beurteilen und Werte vermitteln.

    Durch COVID-19 hat sich der Tagesablauf an den Schulen verändert. Alle Lernenden und Lehrenden müssen sich regelmäßig testen lassen. Alle Schülerinnen und Schüler sollten einen Drucker und einen Computer zu Hause haben. Das ist sehr wichtig geworden und gehört als Ausstattung zum Lehren und Lernen dazu.

    Letzte Woche fand die Einschulungsfeier an unserer Schule statt. Es war sehr schön. Alle Kinder sind mit ihren Eltern gekommen. Die Schultüten waren größer als die Kinder selbst. Es war ein Traum und ich habe jede Minute genossen.

    Für die Schülerinnen und Schüler ist es am Anfang nicht leicht, sich auf eine Sache zu konzentrieren, während hier und da etwas passiert, etwas herunterfällt, die Tür aufgeht oder manche tuscheln. Das ist eine Herausforderung für Kinder in der ersten Klasse. Die Lehrkraft muss daher sehr konsequent und gerecht mit der Klasse umgehen. Ständiges Wiederholen ist auch sehr wichtig. Die Kinder bekommen dadurch eine bessere Orientierung.

    Nach einem Vierteljahr kennen sich alle schon viel besser aus. Sie wissen zum Beispiel, wie man sich richtig hinsetzt, meldet oder seine Sachen auf dem Platz ordnet.

    Larissa

  • Eine aufgeklappte Speisekarte auf einem Tisch
    © privat
  • PC-Arbeitsplatz im Computerraum mit angeschaltetem Rechner
    © privat
  • An meiner Schule unterrichte ich das Fach Deutsch, aber nicht nur als Zweit- oder Fremdsprache, sondern auch Deutsch und Kommunikation für Muttersprachler in unterschiedlichen Schulformen: in der Berufseinstiegsschule, in der Berufsfachschule und in der Fachoberschule.

    Jeden Tag stoße ich auf neue Herausforderungen, sowohl aufgrund der Sprache als auch wegen der Themen, wie zum Beispiel Kommunikationsmodelle und Schaubildanalysen, mit denen ich in Brasilien noch nie gearbeitet habe. Diese Stunden fordern von mir viel mehr Vorbereitung und Lernen als sonst. Ich betrachte das aber eher positiv, denn ich kann täglich mein Sprach- und Weltwissen erweitern.

    Eine Schulstunde dauert 45 Minuten, aber wir haben immer Doppelstunden, sodass wir mehr Zeit für die Bearbeitung des Stoffs haben. Die Lehrkräfte haben hier mehr pädagogische und methodische Freiheit als in Brasilien. Die Schülerinnen und Schüler in Deutschland sind daran gewöhnt, den Stoff selbst zu erkunden, sich eine eigene Meinung zu bilden, Kritik zu äußern und sich gegenseitig Feedback zu geben.
    Ich experimentiere hier sehr viel und versuche meine Stunden schüler- und handlungsorientiert zu gestalten. Es wird viel in Gruppen gearbeitet. Das Einzige, was ich hier vermisse, ist der Einsatz von digitalen Medien. Die Schüler dürfen das Wifi der Schule nicht benutzen und deswegen ist es nicht immer möglich, Online-Übungen, Spiele, Abfragen oder Recherchen mit dem Handy zu machen. Trotzdem gehe ich oft mit den Schülerinnen und Schülern in den Computerraum und kann im Klassenzimmer mit vielen Materialien arbeiten, die den Unterricht noch bunter und interessanter machen.

    Uyanga

  • Selfie von Uyanga vor ihrem angeschalteten Laptop
    © privat
  • Aufgeklappter Laptop auf einem Schreibtisch
    © privat
  • Die Schülerinnen und Schüler an unserem Gymnasium sind mehrheitlich Muttersprachlerinnen und Muttersprachler. Deswegen ist es für mich eine große Herausforderung, sie zu unterrichten. Hinzu kommt, dass die Einheimischen der Stadt Bamberg meist Fränkisch sprechen. Ein Dialekt, der sich aus meiner Sicht recht niedlich anhört.

    Wenn ich im Unterricht hospitiere, setze ich mich nach hinten ins Klassenzimmer und beobachte die Schüleraktivitäten bzw. wie das Lernen und Lehren hier funktioniert.

    Unterrichten ist im Grunde ein fein durchdachter Lernprozess, bei dem durch vielfältige Methoden und sprachliches Handeln Fachkenntnisse vermittelt werden. Für Schülerinnen und Schüler bedeutet dies, dass sie lernen, Fachtexte zu lesen und zu verstehen, Vorträge zu halten und Sachverhalte zusammenhängend und nachvollziehbar darzulegen.

    Wenn ich selber vor der Klasse stehe, fühle ich mich wie eine „echte“ Lehrerin. Im Fach Deutsch steht die sogenannte Bildungssprache im Vordergrund. Ich mag es, wie die Lernenden meinen Erklärungen über die grammatikalische Richtigkeit, Vollständigkeit im Satzbau und Orthographie zuhören. Die Schülerinnen und Schüler überhäufen mich auch mit vielen Fragen, denn ich bin die Botschafterin einer ganz anderen Kultur. Das E.T.A-Hoffmann-Gymnasium ist anerkannte UNESCO-Projektschule und es gibt an der Schule für die Lernenden viele gute Angebote zum Interkulturellen Lernen.

    Gentiana

    Laptop und aufgeklapptes Notizbuch auf einem Tisch © privat

    Unterrichten ist für viele Lehrkräfte eine Leidenschaft. Durch die Pandemie hat sich der Lehreralltag jedoch sehr verändert. Technologie und digitale Medien werden nun ganz anders geschätzt. Im Lehrerzimmer, in Lehrerkonferenzen und in Fortbildungen wird viel über Digitales geredet: Internetzugang, WLAN, digitale Medien, digitale Kompetenzen, Online-Plattformen, Online-Seminare, digitale Lernplattformen, das digitale Klassenzimmer …  

    So schnell kann sich alles verändern. Neuerdings gibt es an meiner Schule auch ein digitales Klassenbuch. Wir hatten zur Vorbereitung viele Fortbildungsangebote. Die Themen, die fehlenden Stunden und auch die Noten werden online eingetragen. In Sachsen gibt es die digitale Lernplattform LernSax und jede Schule kann diese Kommunikations- und E-Learning-Plattform nutzen. Alle Informationen der Schule laufen über diese Plattform.

    Was ich von meiner Schule in Deutschland gelernt habe, ist, dass die nachhaltige Digitalisierung ein wichtiges Ziel für die Schulentwicklung ist.

    In meiner Schule gibt es eine Digitalisierungs-AG, einen Technikraum und es werden Techniksprechstunden angeboten. Die digitalen Geräte für die Schülerinnen und Schüler werden von der Schule angeboten. Wir sind von Technik und Technologien umgegeben. Als Lehrkräfte müssen wir damit umgehen können. Die Schule sei in einem Prozess der ständigen Entwicklung, erklärte die Schulleiterin in der Dienstbesprechung.

    Eine Lehrkraft ohne Computer und digitale Kompetenzen – das ist heute so wie früher eine Lehrkraft ohne Tafel und Kreide. Die Digitalisierung ist jedoch für uns alle eine große Herausforderung.

    Natia

  • Verschiedene Deutschbücher auf dem Tisch
    © privat
  • Mehrere Pfannkuchen auf einem Tisch
    © privat
  • In meiner Schule bin ich als Stipendiatin eingesetzt, das heißt, dass ich verschiedene Klassenstufen verschiedener Fächer besuche, überwiegend geisteswissenschaftliche Disziplinen, wie zum Beispiel Deutsch, Kunst, Praktische Philosophie oder Religion.

    Manchmal übernehme ich einzelne Abschnitte des Unterrichts oder ziehe bei bestimmten Themen Parallelen zu meinem Heimatland. Durch all das werde ich auch in das Unterrichtgeschehen mit einbezogen. In einigen Klassen habe ich sogar ein eigenes Projekt „Rico, Oskar und die Tieferschatten – Filmanalyse und Vergleich mit dem Buch“ durchgeführt.

    Die Schülerinnen und Schüler arbeiten aktiv und kreativ im Unterricht mit, machen eigene Vorschläge, probieren sich aus und bringen ihre Ideen in den Unterricht ein. Sie zeigen auch ein unheimlich großes Interesse für politische Themen und äußern ihre eigenen Standpunkte.

    Die Gruppen sind heterogen, starke und schwache Lernende arbeiten zusammen und versuchen gemeinsam das Ziel zu erreichen. Manchmal werden auch Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen mit Förderstunden und extra bereitgestellten Materialien mit einbezogen.

    Ein wichtiger Punkt unserer Ganztagsschule sind die vielfältigen Arbeitsgemeinschaften. Besonders beliebt ist die Koch-AG. Die Schülerinnen und Schüler werden in kleine Gruppen eingeteilt und kochen ein Rezept nach, das am Anfang vorgelesen und besprochen wird. Die Rezepte sind unterschiedlich, jeweils aus verschiedenen Ländern. Das macht den Lernenden ausgesprochen Spaß. Auch ich bin dabei und kann den Schülerinnen und Schülern Rezepte aus meinem Land zeigen.

    Gedeckter Frühstückstisch mit Kaffee, Brötchen, Brezeln und Erdbeeren

    4/8 Der Alltag in Deutschland: Was ist ähnlich, was ist anders?

    Larissa

    Mein Tag in Holzminden beginnt nicht so früh wie in São Paulo, nicht nur weil die Schule hier später anfängt, sondern auch weil man in São Paulo immer mit einem Verkehrsstau rechnen muss. Dort muss ich schon um 5:30 Uhr wach sein. Hier freue ich mich immer, dass ich von Montag bis Freitag um 6:30 Uhr aufstehen und mit dem Fahrrad zur Schule fahren kann. Das ist übrigens ein weiterer großer Unterschied: In meinem Heimatland fahre ich nie mit dem Rad, aber hier haben fast alle ein Fahrrad und man kann sich damit ohne Gefahr bewegen.

    In der Woche beginnt der Tag ohne ein großes Frühstück, aber am Wochenende darf das Frühstück in Deutschland nicht fehlen und das ist bei mir immer gemütlich. Vor allem am Sonntag ist mir das Frühstück besonders wichtig. Erst danach kann ich in den Tag starten. Im Gegensatz dazu hat das Mittagessen hier an Wert verloren. Ich merke, dass immer mehr Menschen in Deutschland nur etwas Kleines zu Mittag essen und dafür ein warmes Abendessen zu Hause zubereiten. In Brasilien war es immer das Gegenteil: Mittagessen warm und Abendessen kalt.

    Nach dem Abendessen kommen die Nachrichten um 20 Uhr und anschließend eine andere Abendsendung, die immer um 20:15 Uhr beginnt. Da habe ich meistens Feierabend und muss nicht arbeiten, wie es in São Paulo gewöhnlich war. Dennoch schaue ich selten Fernsehen, vor allem im Sommer, wenn es warm ist und die Sonne bis circa 21 Uhr scheint. Dann möchte ich lieber draußen sein und die seltenen Sonnenstunden genießen.

    Natia

  • Schwarzer Sessel und Tisch mit aufgeklapptem Laptop
    © privat
  • Bücherregale vor großen Fenstern mit rotem Sessel
    © privat
  • In Deutschland klingelt mein Wecker um 6 Uhr und ich beginne den Tag mit einer genüsslichen Tasse Kaffee. Dann fahre ich mit meinem geliebten Fahrrad in die Schule. Ohne mein Fahrrad wäre mein Alltag in Sankt Augustin unvorstellbar, weil ich fast überall damit hinfahre.

    Mein Schultag dauert von 7:45 Uhr bis ungefähr 15 Uhr. Im Lehrerzimmer erfahre ich vieles über Deutschland und das alltägliche Leben. Auch in Georgien habe ich den Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen sehr geschätzt.

    Nach der Schule begebe ich mich meistens in die Stadtbücherei. Die Atmosphäre dort ist motivierend, sodass ich den Unterricht stundenlang in Ruhe vorbereiten kann.

    Zu Hause in meinem Mietshaus plaudere ich erst eine Weile mit den Nachbarn und begebe mich dann wieder an den Schreibtisch, erledige alles Wichtige, scrolle durch die Sozialen Medien oder telefoniere mit meiner Familie. Abends schlage ich ein deutsches Buch auf und lese es laut vor dem Spiegel vor – eine gute Methode, um die Aussprache zu verbessern.

    Mein Tagesablauf in Georgien sieht recht ähnlich aus, jedoch mit kleinen Unterschieden. Mein Wecker klingelt eine Stunde später, da die Schule erst um 9 Uhr beginnt. Nach dem Frühstück mache ich mich zu Fuß auf den Weg zur Schule, die nur ein paar Schritte von meinem Haus entfernt ist.

    Nach Schulschluss empfange ich zu Hause meine Deutsch-Nachhilfeschüler. Mein Arbeitstag ist ewig lang und endet erst um 20 Uhr. Auch in Georgien lese ich abends einen deutschen Text vor dem Spiegel und gehe zeitig ins Bett, um den nächsten Tag mit voller Kraft zu beginnen.

    Heidi

    Kaffeegedeck im Garten © privat

    Mein Alltag in Deutschland ist gar nicht so anders als in Ägypten. Er ist aber besonders.

    Als Lehrerin fange ich meinen Tag um 5 Uhr morgens an. Um 7 Uhr muss ich in der Schule sein. Die ersten 15 Minuten verbringe ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen im Lehrerzimmer. Da trinken wir gemeinsam eine kleine Tasse Kaffee und bereiten uns für die erste Stunde vor. Diese Viertelstunde motiviert mich und bringt mir gute Laune. Auch in Ägypten begrüßen wir uns und trinken zusammen Kaffee oder Tee.

    Der Schultag verläuft ein wenig anders: In Deutschland gehen alle Schülerinnen und Schüler sofort in ihre Klasse. In Ägypten treffen sich die Lehrkräfte mit ihrer Klasse auf dem Schulhof, fangen mit dem Fahnengruß an und marschieren dann alle zusammen ins Klassenzimmer.

    In beiden Ländern hat der Alltag einer Lehrkraft denselben Ruf. Viele meinen, als Lehrer hätte man viel mehr Freizeit als in anderen Berufen. Dabei ist es wie bei Schauspielerinnen und Schauspielern: Obwohl man nur zwei Stunden am Abend auf der Bühne steht, ist enorm viel Zeit für das Proben nötig. Von Lehrkräften beider Länder wird zum Beispiel immer mehr erwartet, dass sie einen professionellen Umgang mit digitalen Medien vermitteln. Das ist eine große Herausforderung für die meisten Lehrkräfte.

    In Deutschland hat sich außerdem meine Vorbereitung für meine Stunden verändert. Da alle Schüler und Schülerinnen in Deutschland Muttersprachler sind, muss ich mich anders vorbereiten.

    Das Schöne am Lehrerberuf ist und bleibt aber die Abwechslung – ganz egal, wo auf der Welt. Natürlich muss ich mich an den Rahmenlehrplan halten, kann aber den Unterricht so gestalten, dass die Schülerinnen und Schüler mit Freude und Interesse dabei sind.

    Uyanga

    Uyanga sitzt in einem Sitzbereich und hält ihren Laptop in die Kamera © privat

    Mein Alltag änderte sich, als ich Anfang des Jahres aus der Mongolei in München nach etwa 25 Stunden Reise angekommen war. Schon nach wenigen Augenblicken wurden mir die Unterschiede bewusst. Die Menschen sehen anders aus, reden und bewegen sich anders. Die Gebäude und die Straßen fühlten sich auch ganz fremd an.

    Allein der klimatische Unterschied zwischen den beiden Ländern ist sehr gravierend. In der Mongolei lebe ich auf 1.500 Metern über dem Meeresspiegel, wo die Luft dünn und überwiegend sonnig ist. In Deutschland ist es regnerisch und die Luft ist sehr feucht. An manchen Tagen vermisse ich die Sonne, wenn sich der schöne blaue Himmel hinter der Wolkendecke versteckt. Trotzdem mag ich die Natur in Deutschland. Ich höre immer das Rauschen des Flusses, der neben meiner Wohnung fließt. Es ist wie ein bezauberndes Gutenacht-Lied, das ich gerne höre, bevor ich einschlafe.

    Auf dem Weg zur Schule zieren hübsche Blumen die Wege und Fensterbretter. Nach nur zehn Minuten bin ich schon da. In meiner Heimat dauert manchmal nur die Hinfahrt zur Arbeit zwei Stunden. Dank der guten Infrastruktur hier habe ich jetzt viel mehr Zeit für mich selbst und genieße sie – auch, wenn ich die Zeit lieber mit meiner Familie verbringen würde.

    Noch ein Unterschied ist die große Auswahl beim Einkaufen. Nachhaltigkeit wird in Deutschland viel diskutiert und hat einen großen Stellenwert, worauf auch ich in der letzten Zeit mehr achte. Ich denke, dass es gut ist, im Alltag Gewohnheiten öfter ändern zu müssen. Das ist eine gute Gelegenheit, sich weiterzuentwickeln.

    Gentiana

    Gentiana steht im Park und lächelt in die Kamera © privat

    Die Tage in Deutschland dauern viel länger als in Albanien, da es länger hell ist. Das Klima ist auch anders. In Deutschland kann man an einem Tag vier Jahreszeiten erleben.

    Mein Tag in Leipzig fängt sehr früh mit einem schnellen Frühstück und einer Tasse Kaffee an. Danach laufe ich zu Fuß zur Schule. Ich laufe gern. Unterwegs kann ich das Leben der Stadt beobachten. Ich finde es schön, dass so viel Fahrrad gefahren wird. Besonders die jungen Familien mit kleinen Kindern. In meinem Land wird viel Auto gefahren.

    Der Schultag ist in beiden Ländern vielfältig und bunt. In Leipzig unterrichte ich jeden Tag dieselbe DaZ-Schülergruppe. In Tirana sind es unterschiedliche Klassen. Der Schultag hier im Anton-Philipp-Reclam Gymnasium beginnt zuerst mit einem schönen „Guten Morgen“ im Lehrerzimmer. Das „Guten Morgen“ begleitet mich bis zum Klassenzimmer. Jeder begrüßt jeden. Ein schöner Einstieg in den Schultag.

    Ich erlebe hier einen sehr interaktiven und modernen Unterricht und die Lehrkräfte sind alle hochqualifiziert. Der Alltag wird aber auch durch die Corona-Pandemie geprägt: Hygienemaßnahmen, Abstandsregeln, Masken im Unterricht und zweimal die Woche Schnelltests sind vorgeschrieben.

    Die Nachmittage sind dann für die Schulvorbereitung da. Danach mache ich oft einen Spaziergang im Park. Ich gehe gerne über die Sachsenbrücke und genieße den Blick auf die Elster. Man kann dem Wasser lauschen und sieht einige Leute Boot fahren. Der Spaziergang durch den Johannapark ist Teil meines Alltages, wo ich den Sonnenuntergang am liebsten genieße.

    Alte Gebäude in Bamberg

    3/8 Mein Lieblingsort in der neuen Heimat

    Uyanga

    Jeder hat einen oder mehrere Lieblingsorte, eine Parkbank, wo es eine schöne Aussicht gibt, oder ein gemütliches Restaurant, wo viele Menschen sitzen und sich unterhalten. Aus verschiedenen Gründen kann man einen Ort lieben und mögen.

    In meiner neuen Heimat Bamberg habe ich zwei Orte gefunden, die für mich eine ganz besondere Ausstrahlung und Bedeutung haben. Einer meiner Lieblingsorte ist der Hain-Park, der zweitälteste Bürgerpark in Bayern (seit 1804), der gleichzeitig auch ein Naturschutzgebiet ist. Dort gehe ich gerne im Schatten der vom Wind umwehten Bäume spazieren und finde dabei innere Ruhe. Dabei bin ich tief in Gedanken versunken. Dann spüre ich alles Leben dieser Erde und wundere mich, wie sich die Welt für alle dreht. Der Hain-Park ist für mich wie ein Meditationsort.

    Mein anderer Lieblingsort sind die Straßen in der Altstadt. Die Stadt Bamberg zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die meisten Gebäude, die schon im 15. Jahrhundert erbaut wurden, sind wunderschön und atemberaubend. Ich liebe es, die unterschiedliche Architektur von Dächern und Außenfassaden anzusehen. Vor allem gefallen mir die Häuser im Barockstil. Die feinen Verzierungen und die warme Farbe der Sandsteine faszinieren mich einfach. Die Städte sind kulturell völlig anders und aufregend für mich, da meine Vorfahren Nomaden waren. In den nächsten Monaten versuche ich möglichst jede Ecke der Stadt und weitere schöne Orte in Deutschland zu entdecken.

    Larissa

  • Larissa am Weserkai mit zwei Figuren
    Weserkai in Holzminden © privat
  • Weg an der Weser
    © privat
  • „Stadt der Düfte und Aromen“: Dafür ist meine neue Heimat bekannt. Holzminden ist eine kleine, aber feine und hübsche Stadt, wo ein großes Unternehmen für Duft- und Geschmackstoffe seinen Hauptsitz hat und daher duftet es überall. 

    Es gibt viele schöne Ecken in der Stadt: die Teiche mit den kleinen Enten, die Straßen mit den Fachwerk- und Ackerbürgerhäusern, der Markplatz mit den schönen Lokalen und Eiscafés, aber es gibt einen Ort, der besonders beliebt ist: die Weser. An der Weser gibt es Rad- und Wanderwege, die Hafenbar und Bänke, wo man sitzen und die schöne Landschaft und die entspannte Atmosphäre genießen kann.

    Mein Lieblingsort ist am Weserkai, wo die Weserpromenade beginnt. Von dort aus habe ich zum ersten Mal die Weser gesehen und deswegen ist mir der Ort so wichtig geworden. Was ich schön finde ist, dass man an diesem Punkt einen schönen Blick sowohl auf den Fluss als auch auf die Stadt haben kann. Da ist ein beliebtes Fotomotiv mit dem Duftgarten, einem schönen Fachwerkhaus und der Lutherkirche im Hintergrund. Man kann sogar Bilder mit den zwei Figuren der Bildhauerin Christel Lechner, der „Fotograf“ und der „Zeitungsleser“ machen, die die Holzmindener „sympathische Botschafter der Stadt“ nennen. Der Ort erinnert mich daran, wie traumhaft dieser Austausch ist und ich schätze mich glücklich, dass ich an so einem friedlichen Ort wohnen darf.

    Heidi

    Blick auf einen Steg am Chiemsee, im Hintergrund die Berge Der Chiemsee in Bayern © privat

    Die Landschaft in Deutschland ist ganz anders als in Ägypten. Ich bin einfach in die deutsche Landschaft verliebt. Die großen Städte mit ihren Einkaufsläden, Biergärten, großen Straßen und das Multi-Kulti-Leben haben mich sehr beeindruckt. Aber auch die kleinen Dörfer mit ihrer Ruhe, netten Leuten, großen Holzhäusern und Terrassen sind einfach wunderschön.

    Wenn ich mich für einen Ort entscheiden muss, dann ist der Chiemsee bis jetzt mein Lieblingsort.

    Dort war ich zusammen mit meiner Lehrerkollegin und guten Freundin Andrea und alles war schön: Wir hatten sehr viel Spaß zusammen, haben Kaffee getrunken und leckeren Kuchen gegessen. Das Wetter war zwar kalt, aber trotzdem verflog die Zeit im Nu. Wir haben alles genossen: die Natur mit dem vielen Grün und den schneebedeckten Bergen, die kleinen Hotels mit netten Leuten, die einfach einen schönen, ruhigen Tag haben wollten. Leider konnten wir das Schloss nicht besichtigen. Der Ausflug war aber einfach unvergesslich.

    Mein Lieblingsort ist nicht an den Ort selbst, sondern an die Menschen gebunden. In Ägypten gibt es ein Sprichwort: „Zwischen Lachen und Spielen werden die Seelen gesund.“ Wer will am Ende keine gesunde Seele haben? Alleine kann man nicht lachen oder spielen, deswegen sind es die netten, freundlichen Menschen, die einen Lieblingsort erst zu dem machen, was er ist.  

    Gentiana

    Gentiana vor einem Café Der Marktplatz in Leipzig © privat

    Mein Lieblingsort in Leipzig ist der Marktplatz. Jeder, der einen Spaziergang durch die Innenstadt macht, kann nicht so einfach weitergehen, ohne dort kurz stehen zu bleiben, um den rechteckigen Platz mit den vielen schönen alten Gebäuden zu genießen. Vielleicht auch nur für ein schnelles Foto. Direkt am Marktplatz befindet sich auch das alte Rathaus mit dem Stadtgeschichtlichen Museum.

    Ich persönlich mache am Marktplatz immer eine Weile Halt. Bei meinen Spaziergängen durch die Innenstadt habe ich auch schon verschiedene Wochenmärkte erlebt. Zweimal pro Woche bietet der Markt frische, regionale Produkte an.

    Anfang Juli fand dort auch das Weinfest statt. Eine sehr beliebte Veranstaltung für Freunde des Weingenusses. In letzter Zeit, durch die Lockerung der Corona-Maßnahmen, ist dieser Ort wieder etwas voller. Während des Lockdowns hat der Marktplatz seine Besucher vermisst. Diese Besucher geben dem Platz nun wieder seine Identität zurück. Ich finde es total schön, wie sich die Stimmung letztendlich gebessert hat.

    Was mich noch an diesem Platz fasziniert, ist die alte und schöne Architektur. Dort kann man die mittelalterliche Stadtstruktur bestaunen. Das alte Rathaus im Hintergrund zeigt Merkmale der deutschen Renaissance. Ich finde es einfach einzigartig. Ich mag den Baustil und die Kombination von Farben. Am Markplatz bin ich gerne. Dieser Platz verbindet mich mit Leipzig.

    Natia

  • Ein Fahrrad neben einer Bank
    © privat
  • Shoppingcenter, Blick auf die Rolltreppen
    © privat
  • Mein Lieblingsort ist ein Ort, an dem ich mich zu Hause fühle. Wenn ich daran denke, fallen mir zwei Orte ein. Der Erste ist zum Faulenzen, Nichtstun und Nachdenken. Der Zweite ist die Shoppingwelt.

    Wenn ich mit dem Fahrrad von der Schule nach Hause fahre, liegt unmittelbar auf diesem Weg mein erster Lieblingsort. Dort steige ich vom Fahrrad ab, setze mich auf die Bank und versinke in Gedanken. Auf der Bank gegenüber sieht man eine von Mohnblüten rot getupfte Wiese. Ich beobachte das schöne Bild, lausche dem Zwitschern der Vögel und lese ein Buch oder höre Musik. Die hin und her sausenden Menschen stören mich nicht, sie gehören zum Bild dazu.

    Mein zweiter Lieblingsort unterscheidet sich völlig vom ersten. Ich gehe gerne in der Stadt bummeln und das große Einkaufszentrum in Sankt Augustin ist ein Ort, wo ich oft bin. Lebensmittel, Kleidung, Schuhe, Bücher oder Snacks, alles findet man unter einem Dach. Ich genieße diese Welt, schlendere voller Energie und Neugier umher, bleibe vor den Schaufenstern stehen und vergleiche, was sich von heute auf morgen alles verändert hat. Oft kaufe ich auch gar nichts, aber das Shoppingzentrum ist ein unverzichtbarer Teil meines Lebens in der neuen Heimat geworden.

    Selfie von Gentiana in einem leeren Klassenzimmer

    2/8 Meine neue Schule/meine Heimatschule: Was ist ähnlich, was ist anders?

    Gentiana aus Albanien

    Meine Heimatschule ist das Sami Frasheri Gymnasium in Tirana, Albanien. Das ist das einzige staatliche Gymnasium, an dem es eine bilingual-deutsch-albanische Abteilung gibt, in der die Schülerinnen und Schüler das Deutsche Sprachdiplom DSD II absolvieren können. Neben dem Fremdsprachenunterricht werden auch Mathe und Geografie in der deutschen Sprache unterrichtet. Bei uns in Albanien dauert das Gymnasium drei Jahre, beginnt ab der 10. Klasse und endet mit der Matura in der 12. Klasse. Ich mag den Unterricht in der deutschen Abteilung der Schule. Die Lernenden sind sehr motiviert und selbstbewusst. Das Interesse an der deutschen Sprache ist in Tirana in den letzten Jahren sehr gestiegen.

    Nun unterrichte ich am Anton-Philipp-Reclam-Gymnasium in Leipzig. Die Schule ist Bestandteil des Deutsch-Französischen-Bildungscampus und unterrichtet Deutsch als Zweitsprache (DaZ-Klassen). Ich begegne oft im Lehrerzimmer Kolleginnen und Kollegen, die Französisch-Muttersprachler sind. Die deutsche Sprache mit einem französischen Akzent klingt sehr schön. Seit 2012 ist das Gymnasium auch eine Europaschule. Man fühlt sich hier ganz international.

    Bisher habe ich nur albanische Lernende unterrichtet, aber jetzt kommen meine Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Ländern und meine Klasse ist sehr international. Diese Möglichkeit kommt nur einmal im Leben. Die ganze Welt in einem Klassenzimmer.

    Larissa aus Brasilien

  • Schulgebäude von außen mit Fish Eye-Effekt aufgenommen
    Georg-von-Langen-Schule in Holzminden © privat
  • Blick aus dem Fenster auf den Innenhof und die gelbgestrichene Gebäudeseite gegenüber, im Vordergrund ein Blumentopf auf einem Fensterbrett
    Blick aus einem Fenster der Georg-von-Langen-Schule in Holzminden © privat
  • Leeres Klassenzimmer mit hochgestellten Stühlen
    Klassenraum in der Georg-von-Langen-Schule in Holzminden © privat
  • Meine neue Schule, die Georg-von-Langen-Schule, unterscheidet sich von allen anderen Schulen, die ich kenne. Es sind eigentlich verschiedene Schulformen, die zu den „Berufsbildenden Schulen Holzminden“ gehören und die die Schülerinnen und Schüler auf unterschiedliche Schulabschlüsse (vom Hauptschulabschluss bis zum Abitur) vorbereiten. In der Schule können sie über 50 Ausbildungsberufe in elf Berufsfeldern in Theorie und in der Praxis lernen.

    Im Schulgebäude hat mich das Technikzentrum, wo die Werkstätten sind, am meisten begeistert, weil man dort richtig ins Berufsleben einsteigen kann. Aber mein Lieblingsort ist das Lehrerzimmer. Es herrscht stets eine lockere und entspannte Atmosphäre und es gibt immer nette und hilfsbereite Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich mich gern unterhalte.

    Das ist schon eine Gemeinsamkeit zu meiner Heimatschule: das freundliche Kollegium. Jedoch ist die Deutsche Schule Colégio Visconde de Porto Seguro in São Paulo viel größer. Sie ist die größte deutsche Auslandschule, mit vier Einheiten, circa 10.000 Schülerinnen und Schüler (vom Kindergarten bis zur Oberstufe) und mehr als 500 Lehrerinnen und Lehrern. Im brasilianischen Zweig lernen die Schülerinnen und Schüler Deutsch als Fremdsprache und im deutschen Zweig können sie sogar Abitur machen.

    Was mir in beiden Schulen gefällt, sind die zusätzlichen Angebote, die Vorbereitung auf das berufliche Leben, die Arbeit mit Projekten und der Austausch und die Offenheit für andere Kulturen.

    Uyanga aus der Mongolei

  • Eingang zum E.T.A-Hoffmann-Gymnasium Bamberg im Grünen
    E.T.A-Hoffmann-Gymnasium Bamberg © privat
  • Blick auf den Schulhof mit einer Tischtennisplatte und mehreren Bänken
    E.T.A-Hoffmann-Gymnasium Bamberg © privat
  • Meine Heimatschule ist die Goethe-Schule Ulaanbaatar, eine Grund- und Mittelschule von der Klassenstufe 1 bis 12. Deutsch wird bereits in der Grundschule als erste oder zweite Fremdsprache gewählt. Mit den Kolleginnen und Kollegen meiner Heimatschule verstehe ich mich sehr gut. Jeder hat ein offenes Ohr für den anderen. Morgens kommen die Lehrkräfte vor 8 Uhr und arbeiten bis 16:30 Uhr, manchmal noch länger, denn die Mittelschule endet am späten Nachmittag. Die Grundschule fängt um 13:30 Uhr an und hört um 17:30 Uhr auf. Das finde ich gut, weil die Kleinen morgens ausschlafen können. Die Lehrkräfte bereiten in der unterrichtsfreien Zeit die nächsten Unterrichtsstunden vor.

    Das E.T.A-Hoffmann-Gymnasium Bamberg ist ein musisches Gymnasium. Ich war überrascht, als eine Fünftklässlerin ein Lied als Hausaufgabe geschrieben hat, sowohl das Klavierstück als auch den Liedtext. Sie hat das Lied sogar toll vorgesungen. Da habe ich verstanden, dass das Lernen hier etwas anders funktioniert.

    Das Bildungssystem beider Länder sieht ganz anders aus. Der Lehreralltag auch. Am Gymnasium in Bamberg müssen die Lehrkräfte nicht den ganzen Tag in der Schule bleiben, sondern können nur zu den Unterrichtsstunden erscheinen. Das finde ich einfach cool.

    Wir haben sogar ein paar Mal auf dem Schulhof unterrichtet. Im Grünen arbeiten alle noch aktiver als im Klassenzimmer. Das war faszinierend für mich, denn ich lebe in einem Land, wo es im Winter bis zu -30° C kalt wird. Ich bin gespannt, wie es ist, im Sommer zu unterrichten.

    Natia aus Georgien

  • Haupteingang der Schule, zu dem eine Treppe nach oben führt
    Fritz-Bauer-Gesamtschule in Sankt Augustin © privat
  • Mit Efeu bewachsene Rückseite des Schulgebäudes mit vielen Büschen und Bäumen und einem Sonnenschirm
    Innenhof der Fritz-Bauer-Gesamtschule in Sankt Augustin © privat
  • Leeres Klassenzimmer mit hochgestellten Stühlen und Plakaten an den Wänden
    Klassenraum in der Fritz-Bauer-Gesamtschule in Sankt Augustin © privat
  • In meiner Gastschule, der Fritz-Bauer-Gesamtschule in Sankt Augustin, fühle ich mich richtig wohl. Das große Kollegium ist sehr freundlich. Die Schule zeichnet sich durch eine vielfältige Schülerschaft aus. Der technisch gut ausgestattete Oberstufenbereich legt großen Wert auf einen modernen Unterricht. In manchen Fächern arbeiten die Klassen auf iPads oder Handys, womit die Papierverschwendung vermieden werden soll.

    Die Fritz-Bauer-Gesamtschule wurde als „Schule der Zukunft“ sowie als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ausgezeichnet und legt besonderen Wert auf die Holocaust-Didaktik. Seit 2014 gibt es einen Austausch mit Israel. Die Schülergemeinschaft und das Kollegium ermöglichen durch eine angenehme und freundliche Atmosphäre ein schönes, vielfältiges Miteinander.

    Meine Heimatschule, die 21. Öffentliche Inklusionsschule in Tiflis, ist eine allgemeinbildende Schule (Primarstufe, Sekundarstufe I und Sekundarstufe II). Sie ist die erste Sprachdiplomschule in Georgien und wird von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) gefördert. Die Schule hat langjährige und enge Beziehungen sowie einen regen Schüleraustausch mit zwei deutschen Schulen. Das Engagement auf der internationalen Ebene spielt eine große Rolle. Die Schule nimmt jährlich einen Freiwilligen aus Deutschland auf, der mit den georgischen Schülerinnen und Schülern ins Gespräch kommt und die Vorbereitung deutschsprachiger Projekte unterstützt.

    Beide Schulen sind wie ein zweites Zuhause, für mich als Lehrerin und die Lernenden.

    Heidi aus Ägypten

  • Heidi steht vor einem Plakat, auf dem ein gebasteltes grünes Monster befestigt ist und lächelt
    Heidi in der Neundorf Grundschule in Plauen © privat
  • Heidi steht in einem leeren Klassenzimmer mit hochgestellten Stühlen am Pult
    Klassenraum in Neundorf Grundschule in Plauen © privat
  • „Eine gute Zukunft beginnt mit einer guten Schule.“ ist das Motto der Europa Schule Kairo (ESK). Ziel ist nicht nur ein hochwertiger Abschluss, sondern auch die persönliche und soziale Entwicklung jedes Kindes zu fördern und zu unterstützen. Das passt zum Leitbild der Neundorf Grundschule in Plauen: „Jeder Mensch ist einzigartig. Es ist wichtig, ihm die Gelegenheit zu geben, seine besonderen Fähigkeiten zu entwickeln.“

    In der ESK sind alle Lernenden Ägypterinnen und Ägypter, also keine Deutsch-Muttersprachler. Der Unterricht verläuft ganz anders als in der Grundschule Neundorf, wo die Schülerinnen und Schüler in der Regel Muttersprachler sind. Auch die Vorbereitung ist für mich als Lehrerin ganz anders. In Ägypten haben wir im Grundschulgebäude normale Tafeln im Klassenzimmer, in der Grundschule Neundorf gibt es in fast jeder Klasse ein Smartboard.

    Anfangs hatte ich Sorge wegen der Technik und fühlte mich unsicher, da alle Kinder Muttersprachler sind, doch nach kurzer Zeit wurde ich selbstbewusster und habe eine schöne persönliche Beziehung zu den Kindern aufgebaut. Die Vorbereitung und das Stundentempo mag zwar anders sein, aber Inhalt und Ziel sind bei beiden Schulen gleich. Und: Kinder sind Kinder, egal, wo auf der Welt. Sie brauchen viel Liebe und Geduld. Man kann über den persönlichen Kontakt mit den Kindern viel erreichen.

    Ich freue mich sehr hier zu sein. Das Kollegium ist supernett und freundlich, sehr erfahren und hilfsbereit. Wenn ich eine freie Stunde habe, nutze ich die Gelegenheit und hospitiere bei meinen Kolleginnen und Kollegen. 

    Heidi im Zug, Nahaufnahme

    1/8 Unsere Erwartungen an das Jahr in Deutschland

    Heidi

    Mein Name ist Heidi Moustafa. Ich komme aus Ägypten und arbeite als Grundschullehrerin an einer anerkannten Deutschen Auslandsschule, der Europa-Schule Kairo. Momentan arbeite ich als Gastlehrkraft an der Grundschule Neundorf im Bundesland Sachsen.

    In meiner Freizeit ist mir Bewegung wichtig, deswegen spaziere ich gerne und treibe Sport, besonders Squash, Schwimmen und Reiten. Außerdem liebe ich das Reisen und Entdecken. Da mir Menschen sehr wichtig sind, freue ich mich immer, wenn ich neue Leute kennenlerne und Freundschaften schließen kann.

    Ich freue mich darauf, in meinem Jahr in Deutschland viele Menschen aus aller Welt kennenzulernen und neue Informationen und Erfahrungen in die Schule einzubringen. Auch die deutsche Kultur und das Leben möchte ich näher erleben, viel reisen und deutsche Städte besuchen.

    Meine Erwartungen an das Jahr in Deutschland: Ich möchte wertvoll für meine neue Schule sein und werde versuchen, neue Methoden und Vorschläge einzubringen. Ich hoffe, ich werde einen guten Eindruck machen und habe die Chance, meine bisherigen Erfahrungen zu zeigen. Nicht nur als eine mutige, selbständige ägyptische Frau, die ausgereist ist, um sich weiterzuentwickeln, sondern auch als gutes Vorbild für Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland.

    Natia

    Natia in einem bunten, karierten Mantel vor einer Hecke Natia | © privat

    Ich bin Natia Guliashvili und komme aus Georgien. Seit 20 Jahren bin ich als Deutschlehrerin an der 21. Öffentlichen Schule im Herzen der Hauptstadt Tiflis tätig. Jetzt bin ich Stipendiatin und Gastlehrkraft an der Fritz-Bauer-Gesamtschule im Bundesland Nordrhein-Westfalen.

    Schon während meines Germanistikstudiums an der Staatlichen Universität Tiflis habe ich an mehreren Fortbildungen und Schulungen in Deutschland teilgenommen. Das war in den 1990er-Jahren, als Georgien mit vielen politischen und sozialen Problemen zu kämpfen hatte. Ich habe lange davon geträumt, eines Tages mehr Zeit in meinem Lieblingsland Deutschland zu verbringen. Im Rahmen dieses Fortbildungsprogramms habe ich die Chance, meinen lang ersehnten Wunsch zu erfüllen und ein Jahr in Deutschland zu leben.

    Durch den gemeinsamen Austausch mit Lehrkräften aus Deutschland werde ich sicher neue Perspektiven, Ansätze und Methoden kennenlernen. Dabei spielen auch meine eigenen Erfahrungen, die ich bisher gemacht habe, eine wichtige Rolle. Außerdem möchte ich meine Sprachfähigkeiten vertiefen, sowie das deutsche Schulgeschehen miterleben.

    Mir ist es auch ganz wichtig, mein landeskundliches und geschichtliches Wissen zu erweitern. Deutschland liegt im Herzen Europas, ich würde gerne auch die Nachbarländer besuchen und näher kennenlernen. Ich hoffe, dass sich meine Erwartungen erfüllen und sich gut auf mein Selbstbewusstsein und meine Professionalität auswirken.

    Larissa

    Larissa im Park, lächelnd Larissa | © privat

    Ich heiße Larissa Faria und komme aus Brasilien. In Brasilien wohne ich in der großen Metropole São Paulo, aber ich bin eigentlich in einer kleinen Stadt geboren, Assis, wo ich auch Deutsch und Portugiesisch auf Lehramt studiert habe. Nach dem Studium war ich für ein Jahr in Deutschland als Au-pair-Mädchen, dann bin ich nach São Paulo gezogen und seit sechs Jahren arbeite ich an der Deutschen Auslandschule Colégio Visconde de Porto de Seguro. Ich interessiere mich sehr für Sprachen, Reisen und Kultur und mir ist der Kontakt zu verschiedenen Menschen sehr wichtig.

    Von diesem Weiterbildungsjahr in Deutschland habe ich schon immer geträumt, weil ich das deutsche Bildungswesen besser kennenlernen und mein Deutschlandbild aktualisieren wollte. Als Lehrerin ist mir auch besonders wichtig, mich permanent weiterzubilden. Die Erfahrung an einer deutschen Schule sowie die Teilnahme an Workshops und Fortbildungen werden bestimmt für meine weitere Entwicklung sehr gewinnbringend sein. Das wird sicherlich meine Unterrichtspraxis interessanter und handlungsorientierter machen. Als Gastlehrerin bin ich jetzt an der Georg-von-Langen-Schule, einer berufsbildenden Schule in Holzminden/Niedersachsen.

    Ich hoffe, dass ich in diesem Jahr meine Sprachkenntnisse verbessere, dass ich viele neue Erfahrungen sammle und dass ich Menschen aus unterschiedlichen Kulturen kennenlernen kann. Außerdem freue ich mich darauf, viel in Deutschland zu reisen und unternehmen zu können und viele neue Freundschaften zu schließen!

    Uyanga

    Uyanga in einer bayerischen Stadt Uyanga | © privat

    Mein Name ist Uyanga Battseren und ich komme aus Ulaanbaatar, der Hauptstadt im Herzen der Mongolei. In meiner Heimat bin ich als Fremdsprachenlehrerin tätig und unterrichte Deutsch als Fremdsprache. Nun arbeite ich als Gastlehrerin an dem E.T.A-Hoffmann-Gymnasium Bamberg in Bayern.

    Ich verstehe mich selbst als Brücke zwischen der Mongolei und Deutschland. Hierfür ist es mir vor allem wichtig, sprachlich für meine Schülerinnen und Schüler ein Vorbild zu sein. Es macht mich glücklich und stolz, endlich die deutsche Sprache im Alltag lernen zu können.

    Das Weiterbildungsprogramm des PAD bietet mir dafür ein tolles Jahr in Deutschland. Ich will nicht nur meine Deutschkenntnisse verbessern, sondern auch die kulturellen Unterschiede wahrnehmen und verinnerlichen. Die Sprache ist für mich wie ein offenes Fenster, durch das ich Deutschland betrachten kann. Die unterschiedlichen Mentalitäten sind für mich spannender als jedes Buch.

    Lehrerdasein in dieser Zeit ist eine große Herausforderung. Von dem Wechsel- und Distanzunterricht hier lerne ich viel, obwohl ich zuvor als Lehrerin auch viel online gearbeitet habe. Worauf ich mich am meisten freue, ist die Zeit für mich, also für die Selbstentwicklung. Zu Hause in meiner Heimat bin ich eine Mutter, eine Lehrerin und eine Hausfrau. Deswegen musste ich immer für andere da sein. Jetzt bin ich für mich da.

    In Deutschland bin ich, um Anregungen mitzunehmen, Erfahrungen zu sammeln, meine Wahrnehmung und meine Lebenseinstellung zu erfrischen. Ich lasse mich überraschen, was die Zeit mit mir macht.

    Gentiana

    Gentiana sitzt auf einem Stuhl auf einer Terrasse Gentiana | © privat

    Mein Name ist Gentiana Dakaj und komme aus Albanien. Seit zwölf Jahren bin ich als Deutschlehrerin an DSD-Schulen in der Hauptstadt Tirana tätig. Seit 2018 unterrichte ich Deutsch als Fremdsprache in der Albanisch-Deutschen Abteilung des Sami-Frasheri-Gymnasiums. Das ist eine staatliche PASCH-Schule mit einem sehr guten Ruf.

    Die Naturvielfalt macht Albanien zu einem sehr attraktiven Urlaubsziel für viele Touristen. Wir haben eine sehr lange Küste und meistens verbringe ich die Sommerferien am Meer oder bei meinen Eltern im Gebirge. Ich selber komme aus Nordalbanien, wo sich die Berge und der Valbona Fluss treffen.

    Ich habe Germanistik studiert und liebe meinen Beruf. Mir gefällt die Kommunikation und die Interaktion mit anderen Menschen. Das ist vielleicht der Hauptgrund, warum ich Lehrerin geworden bin. Außerdem liebe ich Reisen und neue Erlebnisse. Deshalb habe ich mich für dieses Weiterbildungsjahr in Deutschland entschieden.

    Jetzt unterrichte ich am Anton-Philipp-Reclam-Gymnasium in Leipzig. Diese Stadt ist sehr schön und lebendig. Es gibt schöne Parks und Natur. Die Schule, wo ich gerade unterrichte, gefällt mir sehr gut. Es gibt aber noch viel mehr zu entdecken.

    Von diesem Jahr erwarte ich mir viel Neues. Ich möchte gern Neues in Deutschland erleben, neue Erfahrungen sammeln, mich mit Kolleginnen und Kollegen didaktisch und methodisch austauschen, das Land erkunden und entdecken.

    Weiterführende Themen