Stadt und Leben

Urlaub mal anders

Schreibe zum Thema

Wie hast du deinen letzten Urlaub verbracht? Hast du neue Urlaubsformen ausprobiert?

Kommentieren Icon comment
B2
Ben mit Landkarten
© privat

Was tun, wenn das Reisen immer schwieriger wird oder gar nicht mehr möglich ist? Bleibt man einfach in den eigenen vier Wänden und erholt sich auf Balkonien? Nicht, wenn es auch anders geht! Dieser Sternchentext informiert über neue Trends im Urlaubsverhalten.

Sternchentext DSD II: Thema Tourismus

Urlaub im Coronajahr 2020

Deutsche, Österreicher und Schweizer verreisen im Urlaub gern dorthin, wo viel Sonne scheint und der Strand nicht weit weg ist, zum Beispiel auf die spanische Mittelmeerinsel Mallorca. Daneben stehen auch Wander- und Skiurlaube in den Bergen, Städtereisen oder der Besuch von großen Events hoch im Kurs. Doch dann brach das Coronavirus aus, das im Frühjahr 2020 alle europäischen Länder sowie bald die ganze Welt erreichte und Urlaubsreisen fast unmöglich machte.

Entwicklung der Übernachtungen im Deutschland-Tourismus

dwif Corona-Kompass (Ausschnitt) © dwif 2020, Daten: Statistisches Bundesamt, Kartengrundlage: GfK (Ausschnitt)

Selbstverständlich brach auch innerhalb Deutschlands der Tourismus in fast allen Regionen zusammen, wie diese Grafik zeigt. Wie haben die Menschen darauf reagiert? Es folgen zunächst zwei Berichte zum Thema Urlaub im Jahr 2020.

Ben, Schüler aus Greven:
Audio wird geladen
Tom, Therapeut aus Berlin:
Audio wird geladen

Das sind Erfahrungen Einzelner. Es lassen sich aber auch Trends beobachten, die durch die Coronakrise verursacht oder verstärkt wurden. Drei davon werden im folgenden Abschnitt vorgestellt.

Alternative Urlaubsformen – Wohin die Straße uns führt

Deutschland ist ein Autoland. Das sieht man auch daran, dass über 70 Prozent der Urlauber mit dem Pkw zu ihrem Urlaubsort fahren oder das Auto zu ihrem Feriendomizil machen. Gerade bei jungen Erwachsenen oder Familien mit Kindern ist es sehr populär, mit einem Wohnwagen oder einem kleinen Bus, der umgangssprachlich „Bulli“ genannt wird, die Individualität des Reisens und die Freiheit des Ortswechsels zu genießen. Je nach Wunsch und Zeit fahren Abenteuerlustige mit ihrem Auto durch die ganze Welt. Oftmals sind sie dabei mehrere Monate oder gar Jahre unterwegs, auch mit Kindern.

Bei Autoreisen kann man spontan sein. Wenn man einen Ort mag, bleibt man einfach dort und stellt sich an einen See, auf Campingplätze oder dafür vorgesehene Stellplätze in Innenstädten. Eine Reise mit dem Auto bedeutet vielfältige touristische Möglichkeiten und Erlebnisse. Da man mobil ist, können viele Sehenswürdigkeiten einer Region besucht werden. Außerdem ist es bequem, das Gepäck nicht tragen zu müssen. Es kommt einfach in den Kofferraum.

Unterwegs mit dem Bulli © privat
Weltreisen waren seit Beginn der Pandemie nicht mehr möglich. Viele wählten jedoch die Option Auto oder Wohnmobil, um wenigstens eine kleine Reise mit Übernachtungen zu unternehmen, als Campingplätze, Hotels und Pensionen geschlossen waren. So auch Caro:
Audio wird geladen

Mein Garten – mein Königreich!

Kleingarten oder Gartensparte – so nennt man ein Gebiet am Stadtrand, das aus vielen kleinen Gärten besteht. Diese Kleingärten verfügen oft über ein kleines Häuschen, außerdem ist Platz für Obstbäume oder für den Anbau von Gemüse. Sie haben in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine über hundertjährige Tradition, was schon die regional sehr unterschiedlichen Bezeichnungen zeigen: Ein Kleingarten kann nämlich auch Schrebergarten, Datsche, Laube oder Bünt heißen. Ursprünglich waren die Gärten zur Erholung gedacht und für die Selbstversorgung der ärmeren Stadtbevölkerung, die in kleinen Wohnungen ohne Garten lebte. In dieser Funktion spielten sie im Zweiten Weltkrieg und in den Nachkriegsjahren eine wichtige Rolle. Später galt es dann nicht mehr unbedingt als cool, seine Freizeit mit Obst und Gemüse zu verbringen, und so kam es, dass hauptsächlich alte Leute einen Kleingarten hatten.

Aber in den letzten Jahren hat sich das geändert: Immer mehr junge Menschen und Familien mit kleinen Kindern möchten einen Kleingarten kaufen oder pachten. Besonders in den wachsenden Städten ist die Nachfrage mittlerweile viel höher als das Angebot. Auch die Nutzung hat sich verändert: Selbstversorgung ist immer noch aktuell, besonders in Krisenzeiten. Aber es gibt auch viele Gärten, in denen sich heute statt Gemüsebeeten Spielwiesen, Swimmingpools, Tischtennisplatten oder Trampoline befinden.

In solch einem Garten kann man prima Urlaub machen. Manche Gartenbesitzer bieten ihr kleines Paradies sogar über die Online-Plattformen Couchsurfing oder AirBnB an und verdienen sich neue Freunde und etwas Geld damit. Die Möglichkeiten für unvergessliche, naturnahe Erlebnisse sind zahlreich: Gitarre am Lagerfeuer? Kein Problem. Warum nicht mal ein Baumhaus bauen? Oder gleich eine Schwitzhütte: Viel Holz, einige Decken und Steine, die man im Feuer erhitzt – fertig ist die eigene Gartensauna!

Sauna mal anders © privat

Wenn Urlaub Party heißt – egal wo und wie

Menschen, die gern tanzen und feiern, finden in Deutschland, Österreich und der Schweiz viele Angebote: Berlin ist mit seinen zahlreichen Tanzclubs ein beliebtes Anlaufziel für Technofans aus der ganzen Welt. Der legendärste Club heißt Berghain. Das weltgrößte Musikfestival, das „Donauinselfest“, wird in Wien veranstaltet, und die Streetparade in Zürich gehört zu den größten Festivals für elektronische Musik. Mehrere Tage lang zelten, Konzerte und Workshops erleben oder einfach nur rumhängen – das kann Spaß machen.

Festival: party people © privat

Klar, dass solche Großveranstaltungen während einer Pandemie nicht stattfinden dürfen. Was machen all jene, die ihre Ferien oder ihren Urlaub gern auf Festivals oder in Clubs verbringen? Hier kann das Internet mit seiner Fähigkeit zum Live-Streaming Trost spenden. Die Videochat-App Zoom hat besonders von der Krise profitiert: Sie wird nicht nur von vielen Firmen, Schulen und Universitäten für Arbeitstreffen genutzt, sondern auch für Zoom-Partys. Ein DJ legt seine Musik auf, zum Beispiel von zu Hause, das Set wird live im Internet übertragen, und beliebig viele Gäste können sich über Handy oder PC dazuschalten. Man hört gute Musik, sieht die anderen auf dem Bildschirm tanzen und kann über die Chatfunktion mit allen oder mit einzelnen in Kontakt kommen.

Natürlich können Onlinepartys das reale Treffen mit Freunden nicht ersetzen. Wenn Clubs und Festivals geschlossen sind und man sich nur mit Abstand begegnen kann, bieten Silent Discos eine attraktive Möglichkeit, trotzdem miteinander zu tanzen. Alle Teilnehmenden brauchen dafür einen Kopfhörer. Ein besonderer Vorteil besteht darin, dass mehrere DJs gleichzeitig auflegen können und sich jeder seine Lieblingsmusik am Kopfhörer einstellt. Silent Discos gibt es schon länger, denn sie haben nicht das Problem der Lärmbelästigung wie normale Tanzveranstaltungen. Aber in Zeiten, wo Normalität nicht möglich ist, gewinnen die Alternativen an Popularität. Beispielsweise fand im Juli 2020 auf dem Tempelhofer Feld, einem ehemaligen Flughafen in Berlin mit ganz viel Platz, eine große Kopfhörerparty statt. Hier der Eindruck einer Besucherin:
Audio wird geladen

Ausblick

Welche Urlaubstrends werden auch nach der Coronakrise aktuell bleiben? Sind die vorgestellten Urlaubsformen wirkliche Alternativen zum Massentourismus oder sind sie nur eine Notlösung in schwierigen Zeiten? Wahrscheinlich ist es zu früh, diese Fragen zu beantworten, denn die Krise ist noch nicht überstanden. Meinungen gibt es aber schon dazu, so wie die von Ben und Caro:
Audio wird geladen
Audio wird geladen
Schreibe zum Thema

Wie hast du deinen letzten Urlaub verbracht? Hast du neue Urlaubsformen ausprobiert?

Kommentieren Icon comment
Balkonien: Wortspiel mit Balkon und der Endung -ien, als wäre der Balkon ein Land (umgangssprachlich scherzhaft)
hoch im Kurs stehen: populär, für viele Menschen interessant sein
hoch im Kurs stehen: populär, für viele Menschen interessant sein
ausbrechen: hier: sich schnell verbreiten
ausbrechen: hier: sich schnell verbreiten
zusammenbrechen: plötzlich und sehr stark sinken oder aufhören
zusammenbrechen: plötzlich und sehr stark sinken oder aufhören
verursachen: die Ursache, der Grund für etwas sein
das Domizil, -e: Haus, zu Hause; Wohnsitz, wo jemand zu Hause ist.
die Individualität: hier: seine eigenen Entscheidungen treffen und seinen eigenen Weg gehen können
der Ortswechsel, -: (vorübergehender) Wechsel des Aufenthaltsortes 
der/die Abenteuerlustige, -n: Mensch, der Lust auf Abenteuer hat und gern neue Dinge erlebt
spontan: wenn man nicht planen muss, flexibel und individuell entscheiden kann
der Stellplatz, Stellplätze: ein Parkplatz, wo man das Auto auch längere Zeit stehen lassen kann
die Sehenswürdigkeit, -en: Attraktion, interessanter Ort
das Gepäck: Koffer, Taschen, Rucksäcke, die jemand auf einer Reise mit sich führt
der Kofferraum, Kofferräume: Innenraum im hinteren Teil des Autos; dort, wo Platz für Gepäck ist
über etwas verfügen: hier: Synonym für etwas haben
über etwas verfügen: hier: Synonym für etwas haben
die Selbstversorgung: wenn man sich selbst ernähren kann, unabhängig von Supermärkten und anderen Geschäften ist
etwas pachten: so ähnlich wie etwas mieten: Wohnungen mietet man, ein Restaurant oder Land pachtet man
rumhängen: umgangssprachlich: sich entspannen, sich erholen
Trost spenden: ein Ausweg, eine Lösung sein, helfen, stärken
Musik auflegen: das, was DJs machen: Musik live mixen oder abspielen
Musik auflegen: das, was DJs machen: Musik live mixen oder abspielen
die Lärmbelästigung, -en: wenn etwas so laut ist, dass es stört
an Popularität gewinnen: Mode gewinnen; für immer mehr Menschen interessant werden
an Popularität gewinnen: Mode gewinnen; für immer mehr Menschen interessant werden
die Notlösung, -en: eine Lösung, die nicht optimal ist und man nur wählt, weil man keine bessere findet
etwas überstehen: überleben, durchmachen, hinter sich lassen