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Weltweit

Zurück in der Heimat – PASCH-Lehrkräfte berichten (2)

Natia im Theater auf einer Empore aufgenommen, im Hintergrund ist die noch leere Bühne zu sehen
© privat

Heidi, Natia, Larissa, Uyanga und Gentiana haben ein Jahr an einer Schule in Deutschland verbracht. Nun sind sie in ihre Heimatländer zurückgekehrt und erzählen von ihren Erfahrungen dort: Was hat sich in ihrem Alltag außerhalb der Schule verändert? Was machen sie anders?

Natia, Georgien

„Nichtstun macht nur dann Spaß, wenn man eigentlich viel zu tun hätte.“ Dieser Spruch von Noël Coward trifft genau das, was meinen Alltag gerade ausmacht. Ich arbeite jeden Tag sehr fleißig, vor Ort in der Schule und auch online. Wenn die Unterrichtszeit vorbei ist, gebe ich Privatstunden, was manchmal bis 20 Uhr dauern kann. Dann erst habe ich die Zeit, um meine Familie und Freunde zu treffen, Kulturveranstaltungen zu besuchen oder Bücher zu lesen.

Nach einem anstrengenden Tag gönne ich mir ganz bewusst ein schönes Freizeitprogramm. Ich gehe jetzt öfter ins Theater. Tiflis hat eine rege Theaterkultur und die Leute, egal, ob Jung oder Alt, füllen die Zuschauerräume. Es werden klassische Komödien und Dramen inszeniert, aber auch Musicals oder bezaubernde Straßentheaterstücke. Im Theater kann ich den Alltagsstress hinter mir lassen, mich zurücklehnen und den Abend genießen.

An anderen Abenden lasse ich einfach die Seele baumeln und lese Bücher in deutscher Sprache. Das hat mir schon in Deutschland viel Freude bereitet. Momentan lese ich den Roman „Das achte Leben (Für Brilka)“ von Nino Haratischwili. Das Buch wurde in Deutschland vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bertolt-Brecht-Preis und dem Schiller-Gedächtnispreis. Die Autorin kommt auch aus Tiflis und ist zudem eine preisgekrönte Theaterregisseurin. Der Roman ist gefühlsstark und hochkomplex, ganz nach meinem Geschmack, und ich kann beim stundenlangen Lesen meine Deutschkenntnisse verfeinern.

Gentiana, Albanien

Blick auf ein verschneites Gebirge, im Vordergrund ein paar Tannen © privat

Bei mir hat sich nicht der Alltag geändert, sondern meine Prioritäten. Ich versuche, neben der Arbeit genügend Zeit für meine Familie einzuplanen. In Deutschland habe ich verstanden, dass es wichtig ist, das Arbeits- und Privatleben in Einklang zu bringen. Darüber hinaus bewege ich mich viel mehr an der frischen Luft und verbringe meine Wochenenden so oft es geht in der Natur. Themen wie Natur- und Umweltschutz liegen mir nun noch stärker am Herzen.

Früher mochte ich auch gerne Wanderungen und Ausflüge. Oft dachte ich aber, dass mir die Zeit dafür fehlt. Jetzt nehme ich mir die Zeit einfach. Mein neues Motto lautet: Kreativ sein und immer etwas Neues ausprobieren! In Albanien entfaltet die Natur ihre volle Pracht, es gibt Berge, Seen, Flüsse und das Meer.

Für mich haben aber auch die Kulturangebote in der Stadt an Bedeutung gewonnen. Es gab im Laufe der Pandemie so viele Maßnahmen, Verbote und Regeln. Dadurch habe ich jetzt umso mehr Lust auf alles: Konzerte, Kino, Theater, Oper etc. Ich genieße das Leben in vollen Zügen, sehe vieles gelassener und gestalte meine Zeit nach der Arbeit so entspannt wie möglich.

Larissa, Brasilien

Ein kleiner weißer Hund mit brauner Schnauze und schwarzen Flecken sitzt auf einer Parkbank © privat

Mein Alltag zu Hause hat sich total verändert. Morgens muss ich sehr früh aufstehen und habe kaum Zeit fürs Frühstück. Dann fahre ich mit dem Auto zur Schule, stecke oft in langen Staus und unterrichte den ganzen Tag. Nach Schulschluss geht meine Arbeit zu Hause weiter: Unterrichtsvorbereitung, E-Mails, Korrekturen usw. Im Gegensatz zu meinem Aufenthalt in Deutschland habe ich hier leider sehr wenig Freizeit.

Die Zeit, die mir noch übrigbleibt, verbringe ich am liebsten mit meiner Familie, Freunden und meinem Hund, den ich in Deutschland sehr vermisst habe. Mit ihm gehe ich täglich spazieren und wir spielen zusammen. Das lenkt mich von der Arbeit ab. Wenn ich von der Schule nach Hause komme, wartet mein Hund schon sehnsüchtig auf mich.

In Deutschland habe ich es mir zur Routine gemacht, mir abends Zeit für mich zu nehmen. Das habe ich beibehalten: Ich gehe zum Pilates oder Tanzkurs und wenn ich mal früher Feierabend habe, verabrede ich mich spontan mit Freunden.

Fahrrad fahren und lange Spaziergänge gehören leider nicht mehr zu meinem Alltag. In São Paulo ist es zu gefährlich und die Distanzen sind viel größer. Dennoch freue ich mich, wieder in einer Metropole zu wohnen, wo es viele Veranstaltungen, Freizeitangebote und Restaurants gibt – auch, wenn ich nicht immer die Zeit für all das habe.

Uyanga, Mongolei

  • Küchenzeile mit Espressokocher auf dem Herd
    © privat
  • Verschiedene Kerzen zusammengestellt auf einer Glasplatte
    © privat
  • Das Jahr in Deutschland hat meinen Alltag in vielerlei Hinsicht bereichert. Zum Beispiel, wenn es ums Kochen geht. Die Essgewohnheiten in der Mongolei und in Deutschland sind sehr unterschiedlich. Zu Hause koche ich jeden Abend eine warme Mahlzeit. Nun bereite ich auch zusätzlich Salat und frisches Brot zu. Das habe ich erst in Deutschland zu schätzen gelernt. Auf dem Markt in Bamberg gab es zahlreiche Salat- und Gemüsesorten, die ich probieren konnte. Dabei habe ich viele Inspirationen und Rezeptideen gesammelt.

    Mittlerweile ist auch das Kaffeetrinken ein wichtiger Teil meiner Morgenroutine geworden. Zwar habe ich auch früher schon Kaffee getrunken, jetzt zelebriere ich es aber richtig: In der Früh erfüllt mein Kaffeekocher den Raum mit Kaffeeduft und ich trinke meine Tasse genüsslich. Meine Küche sieht nun auch ganz anders aus. Als ich von meinem Deutschlandaufenthalt zurückkam, habe ich neues Geschirr und Deko gekauft, um den Esstisch nett herzurichten. Auf Duftkerzen lege ich jetzt besonderen Wert. Früher wäre es mir gar nicht in den Sinn gekommen, zu Hause eine Kerze anzuzünden, außer bei einem Stromausfall.

    Heidi, Ägypten

    Vier Personen an einem Tisch in einem Restaurant, vor ihnen Teller und Kaffeetassen © privat

    Bei mir hat sich vieles verändert, unter anderem, weil ich wieder meinen Mutterpflichten nachkommen muss. In Deutschland war ich auf mich alleine gestellt, ohne meine Familie. Nach der Schule konnte ich mir viel mehr Zeit für mich nehmen, lesen, wandern oder mich mit Kolleginnen treffen.

    Mein Alltag hier zu Hause gestaltet sich ganz anders. Die Zeit verfliegt im Nu. Nach der Schule fahre ich nach Hause und koche frisches Essen. Dann erledige ich den Haushalt, der durch das Klima in Ägypten eine besondere Herausforderung ist. Durch die Hitze und den vielen Staub müssen wir viel öfter waschen und putzen als in Deutschland.

    Meine Kinder sind ein Jahr ohne mich ausgekommen und ich habe den Eindruck, dass sie jetzt viel selbstständiger sind. Mein Mann weiß mich und meine Arbeit nun auch viel mehr zu schätzen. Als ich weg war, hat er viele Aufgaben übernehmen müssen. Jetzt kann er mal wieder eine Pause einlegen.
    Ich bin stolz darauf, dass wir das Jahr als Familie gemeistert haben. Trotz der großen Entfernung sind wir einander nähergekommen und halten nun noch stärker zusammen.