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Weltweit

Zurück in der Heimat – PASCH-Lehrkräfte berichten (1)

Heidi, Natia, Larissa, Uyanga und Gentiana haben ein Jahr an einer Schule in Deutschland verbracht. Nun sind sie in ihre Heimatländer zurückgekehrt und erzählen von ihren Erfahrungen dort: Wie ist es ihnen in den ersten Wochen ergangen? Was hat sie überrascht? Was hätten sie nicht erwartet?

Uyanga, Mongolei

Als ich in der Heimat ankam, war der Himmel wunderschön klar und die Sonne schien so hell, dass ich meine Augen zukneifen musste. Auf dem Nachhauseweg genoss ich die kühle, frische Luft und die Weite meines Landes. Ich war glücklich und entspannt.

In den folgenden Tagen erledigte ich den Haushalt und brachte alles wieder auf Vordermann. Das mongolische Neujahrsfest „Tsagaan Sar“ stand uns bevor. Zu diesem Fest kommen Freunde und Familie mehrere Tage zusammen. Es ist Brauch, sich im Haus der ältesten Familienangehörigen zu treffen. Die Kinder und sogar die Erwachsenen bekommen oft Geschenke und es werden traditionelle Speisen zubereitet. Ich hatte zum Glück die Gelegenheit, mich erst ein paar Tage ausruhen zu können, bevor die Vorbereitungen und der Trubel losgingen.

Die ersten Wochen an meiner Schule kamen mir ziemlich laut vor. Ich arbeite an einer Gesamtschule. Sie umfasst die Klassen 1 bis 12. Gerade die Kleinen laufen, reden und lachen viel im Flur. Oft lächelte ich in mich hinein. Meine Ohren hatten sich so an die Ruhe in Deutschland gewöhnt, dass ich den Lärm nun erstmals bewusst wahrnahm. Auf jeden Fall war es sehr schön zu sehen, wie die Grundschulkinder groß geworden sind und mich sogleich mit Fragen überhäuften.

Gentiana, Albanien

Zwei Plaketten an einer Hauswand mit dem PASCH-Logo © privat

Als ich in Tirana ankam, war es ein schönes Gefühl. Es war spät nachts und am nächsten Tag konnte ich ausschlafen. Die erste Stunde am Sami Frashëri Gymnasium fängt um 13:30 Uhr an. Am Vormittag machte ich einen Spaziergang durch die Stadt. In Tirana scheint die Sonne das ganze Jahr, was ich sehr vermisst hatte. In der Stadt habe ich alles mit Staunen beobachtet: die Leute, die Autos, die vielen Cafés, das laute Leben in Tirana. Alles fühlte sich irgendwie anders an.

In meiner Schule wurde ich ganz herzlich aufgenommen. Alle haben sich über meine Rückkehr gefreut. Das fand ich super schön. Die erste Stunde habe ich zusammen mit meiner deutschen Kollegin im Tandem unterrichtet. Die Klasse kannte ich noch gar nicht. Es war sehr entspannt, ich konnte mich kurz vorstellen, die neuen Schülerinnen und Schüler kennenlernen und am Ende vom Programm erzählen.

Es kam mir so vor, als wäre ich nur einen Tag weg gewesen und nicht ein Jahr. Dieselbe Schule, dieselben Kolleginnen und Kollegen, dieselben Routinen. Die Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse, die ich letztes Jahr unterrichtet habe, haben mich im Flur begrüßt. Es war ein schönes Wiedersehen! Mit meinen mitgebrachten Schokoladen aus Deutschland konnte ich meinen Kolleginnen und Kollegen den Schultag noch mehr versüßen.

Natia, Georgien

  • Gepflasterte Straße mit einer Solidaritätsbekundung zur Ukraine, die über die Straße gehängt ist
    © privat
  • Ukraine-Flagge an einem Universitätsgebäude
    © privat
  • Zurück zu den Wurzeln – wie gut sich das anfühlte! Als ich in Tiflis ankam, genoss ich die Zeit mit meiner Familie, meinen Freundinnen und Freunden und das Leben in der Großstadt.  

    In meiner Schule war ich zunächst verblüfft. Das Kultusministerium hatte neue Regelungen für den Onlineunterricht beschlossen. Die Schülerinnen und Schüler, deren Eltern den Onlineunterricht bevorzugten, durften zu Hause bleiben, die anderen durften wieder am Präsenzunterricht teilnehmen. Demensprechend saßen in den ersten Tagen nur zwölf bis 13 Schülerinnen und Schüler in einer Klasse. Am Nachmittag wurden dann die Onlinestunden für die zu Hause Gebliebenen gehalten. Daran hat sich bisher nichts geändert, aber wir Lehrkräfte hoffen auf das Beste.

    Ein anderes unerwartetes Ereignis war der Kriegsbeginn in der Ukraine. Die Georgier fühlten sich sogleich an den eigenen Krieg mit Russland im Jahr 2008 erinnert und gingen aus Solidarität mit der Ukraine zu Tausenden in Tiflis auf die Straße. Es kam mir vor, als wäre an diesem Tag ganz Georgien auf den Beinen gewesen.

    Seitdem hat der Krieg kein Ende genommen und es liegt immer noch Angst in der Luft. Die Politiker machen sich Gedanken, organisieren zahlreiche Konferenzen, aber die Zukunft bleibt ungewiss. Dennoch behalten die Menschen hier die Hoffnung, dass das Grauen ein Ende haben wird. Überall in der Stadt sieht man Flaggen und Plakate mit der Aufschrift „Ehre der Ukraine“. Damit wollen viele Einrichtungen, Behörden und Privathaushalte ihre Solidarität zeigen und den Menschen Mut machen.

    Heidi, Ägypten

    Eine Frau, ein Mann, ein Mädchen und ein Junge sitzen zusammen auf einer Mauer und lachen in die Kamera © privat

    Als ich zurück nach Ägypten flog, hatte ich gemischte Gefühle. Zwar habe ich mich danach gesehnt, meine Familie endlich wiederzusehen, doch nun musste ich meine Freunde in Deutschland zurücklassen. Ich war sehr traurig, als ich mich von den Kolleginnen und Schülern der Grundschule Neundorf verabschieden musste. Auch die Natur in Deutschland fehlte mir. Die Landschaft hat mich wirklich sehr beeindruckt. Die Sonne in Ägypten ist aber ein wunderbarer Trost. Ich genieße den Sonnenschein und die Wärme in meiner Heimat.

    Zu meiner Überraschung hatte nicht nur ich mich im Laufe des Jahres verändert. Auch das Lehrmaterial in der Schule hat sich weiterentwickelt, sodass ich mich ganz anders auf den Unterricht vorbereiten musste. Meine Kolleginnen und die Schulleitung haben mich dabei gut unterstützt. Mittlerweile habe ich mich wieder eingefunden und bin endlich angekommen.

    Alles, was ich in an der Grundschule in Deutschland gelernt habe, möchte ich nun an der Europa-Schule Kairo weiterführen und so gut wie möglich umsetzen. Meine neuen Ideen, Erfahrungen und Methoden möchte ich gerne mit anderen teilen. Nach meinem Jahr in Deutschland traue ich mich, neue Wege zu gehen und neue Strukturen zu etablieren.

    Larissa, Brasilien

    Blick vom Balkon auf eine grüne Landschaft © privat

    Ich habe Deutschland mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen. Es war eine sehr wertvolle Zeit für mich, aber nach zehn Monaten hatte ich Sehnsucht nach Brasilien. Ich konnte es kaum erwarten, nach Hause zu kommen und meine Liebsten wiederzusehen. Jedoch fragte ich mich, ob ich meine Freunde aus Deutschland jemals wiedersehen würde. In den ersten Wochen erlebte ich daher ein Wechselbad der Gefühle.

    Einerseits genieße ich hier die Sonne, die Zeit mit meiner Familie und die brasilianische Heiterkeit, andererseits fehlen mir die deutsche Ordnung und die Sicherheit.

    Besonders überrascht haben mich in den ersten Wochen die Preise. Alles ist nach einem Jahr viel teurer geworden, wie zum Beispiel Lebensmittel, Restaurants oder Benzin. Der Verkehr ist so chaotisch, dass ich mir oft das Reißverschlussverfahren aus Deutschland herbeisehne.

    An einiges musste ich mich erst wieder gewöhnen: an die riesigen Wolkenkratzer in São Paulo, an die Staus, an die verschiedenen Regeln und die brasilianische Mentalität… Nur in meiner Heimatschule fühlte es sich so an, als ob ich nie weg gewesen wäre.

    Ich denke mit Wehmut und Freude an alles zurück. Brasilien ist meine Heimat, der Ort, wo ich hingehöre. Jetzt ist Deutschland auch Teil meiner Geschichte. Ich habe beide Kulturen ins Herz geschlossen.