Schule und Ausbildung

Studienkollegs – der Schlüssel zum Studium in Deutschland

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Leerer Hörsaal, Blick von der Tafel auf die Stühle.
© Thomas Ott/TU Darmstadt

Viele Jugendliche träumen davon, in Deutschland zu studieren. Allerdings erfordert das Studium an einer deutschen Hochschule einiges an Vorwissen – und das nicht nur in Deutsch. Deshalb bereiten Studienkollegs darauf vor.

Sternchentext DSD II: Thema (Aus)Bildung

Wenn die 18-jährige Alissa aus Peru an ihre Anfangszeit am Studienkolleg in Köthen denkt, ist sie immer noch begeistert. „In der Klasse habe ich mich sofort wohlgefühlt“, sagt sie. „Die Lehrer waren alle nett und ich habe schnell Freunde gefunden.“ Auch Darya aus Kasachstan, ebenfalls 18 Jahre alt, gefällt ihr Aufenthalt. Sie besucht das Studienkolleg in Darmstadt. „Ich habe nicht nur Deutschland, sondern gleich auch Studierende aus aller Welt kennengelernt“, sagt sie. An den Studienkollegs deutscher Hochschulen ist es aber nicht nur gesellig, es ist auch harte Arbeit. Denn durch die Studienkollegs sollen Wissenslücken geschlossen werden, die zwischen dem ausländischen Schulwissen und den Anforderungen der deutschen Hochschulen bestehen können.

Gruppenfoto mit Masken auf dem Flur Alissas Seminargruppe | © Studienkolleg Sachsen-Anhalt Köthen
Alissa, wie viele Studierende sind in deiner Klasse und woher kommen sie?
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Darya, wie hast du Kontakt zu anderen?
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Eine Brücke zum Studium

Ein Studienkolleg besuchen müssen ausländische Studienbewerberinnen und -‍bewerber, die nicht aus einem EU-Land kommen und einen Schulabschluss haben, der nicht als Hochschulzugangsberechtigung anerkannt wird. Zwar wird an Studienkollegs auch das Fach Deutsch unterrichtet, die Sprachkenntnisse stehen aber nicht im Vordergrund.

„Den meisten Studienbewerberinnen und Studienbewerbern fehlt die Fachqualifikation für ein Studium in Deutschland“, erläutert Jörg Drenkelfort, Berufs- und Studienberater in der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen  (ZfA), „zum Beispiel spezielle Kenntnisse in Physik, Chemie oder anderen Fächern. “ Diese zu vermitteln ist die Hauptaufgabe des Studienkollegs. Die Kurse der Studienkollegs gehen in der Regel über zwei Semester. Je nachdem, was die Jugendlichen später studieren möchten, wählen sie einen von vier Schwerpunkten: Der M-Kurs bereitet auf ein Medizin-, Biologie- oder Pharmaziestudium vor, der T-Kurs auf mathematische, naturwissenschaftliche oder technische Studiengänge, der W-Kurs auf die Wirtschaftswissenschaften und der G-Kurs auf Geisteswissenschaften. An manchen Studienkollegs heißt der G-Kurs auch G-/S-Kurs oder S-Kurs und betont dann die Vorbereitung auf die sprachwissenschaftlichen Fächer.

Jörg Drenkelfort, Porträt Jörg Drenkelfort | © privat

„Zusätzlich zum fachlichen Wissen werden auch Arbeitstechniken vermittelt, die für ein Studium wichtig sind“, sagt Jörg Drenkelfort von der ZfA. Aus Erfahrung weiß er, dass die Zeit an einem Studienkolleg das Ankommen in Deutschland und den Übergang ins Studium erleichtert, zumal Studienbewerberinnen und -bewerber aus dem Ausland in der Regel sehr jung sind. „Da bietet sich ein Studienkolleg mit den festen Klassen und der schulischen Unterrichtsform sehr gut an“, erklärt er. „Die Lehrkräfte sind feste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner und helfen auch bei Problemen mit der Miete oder dem Bankkonto.“ Die Sicherheit und Aufsicht, die damit einhergehen, wüssten auch die Eltern der 17- oder 18-Jährigen zu schätzen, so Drenkelfort. Hinzu kommt, dass ein Studienkolleg einen ersten Eindruck davon gibt, was im Studium erwartet wird. „So kann man sich auch nochmal überlegen, ob das anvisierte Studium überhaupt das Richtige für einen ist.“

Studienkolleg im schönen kleinen Köthen

Alissa aus Peru weiß jetzt schon, dass sie Betriebswirtschaftslehre (BWL) studieren möchte. Am Studienkolleg der Hochschule Anhalt in Köthen besucht sie den W-Kurs im zweiten Semester. Sie hat fünf Fächer: Deutsch, Englisch, Betriebs- und Volkswirtschaftslehre, Informatik und Mathematik. Die Wirtschaftsfächer findet sie am schwierigsten. „Da brauchen wir Wortschatz, den ich in der Schule nicht gelernt habe“, berichtet sie. „Viele Begriffe sind eben Wirtschaftsdeutsch und die muss ich zu Hause nochmal nachschauen und mir erarbeiten, was sie genau bedeuten.“ Im täglichen Leben komme sie mit ihrem Deutsch aber sehr gut zurecht. Sie ist begeistert von ihrem Leben in Köthen. „Das ist eine schöne kleine Stadt“, sagt sie. „Egal, wo ich hin muss: Ich kann laufen oder mit dem Rad fahren. In meiner Heimatstadt Lima müssen wir immer mit dem Auto fahren, auch zur Schule.“ Nachdem der Unterricht im Dezember und Januar wegen der Covid-19-Pandemie nur online stattfand, hat Alissa jetzt wieder Präsenzunterricht – und ist sehr froh darüber. Denn: Ob während der Pandemie nur online oder weiterhin in Klassenräumen unterrichtet wird, darüber entscheidet jede Hochschule selbst.

Wie sieht ein gewöhnlicher Studientag bei dir aus?
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Alissa sitzt an einem Tisch im Außenbereich eines Cafés Alissa | © privat

Zuerst: Visum und Aufnahmetest

Staatliche Studienkollegs gibt es in fast allen deutschen Bundesländern. Ihr Besuch ist kostenlos. Allerdings muss man zuerst einen Aufnahmetest bestehen. Um sich dafür anzumelden, braucht man ein B1- oder B2-Sprachzertifikat. Die Anforderungen der Aufnahmetests und Studienkollegs können sich in den einzelnen Bundesländern unterscheiden. Gemeinsam ist allen Studienkollegs: Sie dauern zwei Semester und alle Studierenden legen am Ende die sogenannte Feststellungsprüfung (FSP) ab. Wer sie besteht, darf an einer Hochschule in ganz Deutschland studieren.

An den meisten Studienkollegs sind die Aufnahmetests zweimal im Jahr, im Frühjahr und Herbst, kurz bevor der Unterricht beginnt. Wichtig ist, sich rechtzeitig für ein Visum zu bewerben. Dafür braucht man unter anderem eine Zusage zum Aufnahmetest an einem Studienkolleg und den Nachweis über ein Sperrkonto mit 10.332 Euro (Stand März 2021). Damit soll der Lebensunterhalt für ein Jahr finanziert werden.

DSD-Studien- und Berufsticket

Um Schülerinnen und Schülern von DSD-Schulen einen reibungslosen Übergang an ein Studienkolleg zu verschaffen, hat die ZfA speziell für sie das Programm „DSD-Studien- und Berufsticket“ eingerichtet. Die Jugendlichen werden bereits in ihrem Heimatland beraten und betreut und später an den Studienkollegs von Alumni unterstützt. „Durch die enge Kooperation mit neun staatlichen Studienkollegs können unsere Schülerinnen und Schüler die Aufnahmetests in ihren Heimatländern an den DSD-Schulen auch sechs Monate früher machen“, sagt Jörg Drenkelfort. Das bedeutet, dass sie schon im April ihre Zusagen hätten. „Außerdem unterstützen wir sie auch beim Beantragen des Visums, das sie in der Regel innerhalb von wenigen Tagen erhalten.“

Nahaufnahme von Darya, seitlich aufgenommen Darya | © privat

Darya war in Kasachstan an einer DSD-Schule und wusste diese Beratung und Unterstützung sehr zu schätzen. Am Studienkolleg der TU Darmstadt besucht sie jetzt den T-Kurs im zweiten Semester. Beworben hatte sie sich an Studienkollegs in Leipzig, Berlin und Darmstadt – und hat sich für Letzteres entschieden. „Schon seit der neunten Klasse wollte ich hierher“, betont sie. „In Kasachstan hat die TU Darmstadt einen sehr guten Ruf.“ Was sie studieren möchte, weiß sie noch nicht genau. „Wahrscheinlich Informatik“, sagt sie. „Mein Interesse dafür hat sich erst im Studienkolleg entwickelt.“ Ihr Unterricht findet wegen der Coronapandemie momentan online statt – und das schon seit Monaten. Im September hatte sie aber noch ein paar Wochen lang Präsenzunterricht. Gerade die Anfangszeit hat sie sehr beeindruckt. „Es hat mich überrascht, wie gut die Lehrkräfte mit uns umgehen konnten“, meint sie. „Jede Frage wurde beantwortet, auch wenn sie noch so schwierig war.“ Das erleichtere ihr das Verstehen selbst von schwierigem Stoff sehr. Trotzdem verbringe sie nach dem Unterricht und den Hausaufgaben jeden Tag ungefähr zwei bis drei Stunden mit Lernen. „Wenn Klausuren anstehen, auch mehr“, sagt sie. Doch das habe auch mit ihrer Persönlichkeit zu tun. „Ich kann es nicht ertragen, wenn ich etwas nicht verstehe. Also versuche ich, immer alle Lücken zu schließen.“ An Wochenenden probiere sie aber, sich auch zu erholen – wenigstens an einem Tag.

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die Hochschule, die Hochschulen: eine wissenschaftliche Bildungseinrichtung wie die Universität oder die Fachhochschule
gesellig: ein angenehmes und soziales Zusammensein
Wissenslücken schließen: fehlendes Wissen bekommen; fehlende Kenntnisse erhalten
die Hochschulzugangsberechtigung: die Qualifikation, die man benötigt, um ein Studium in Deutschland beginnen zu dürfen. Das sind bestimmte Schulabschlüsse, im Regelfall das Abitur.
die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA): eine staatliche Einrichtung mit Sitz in Bonn. Sie kümmert sich unter anderem um die Entwicklung und Durchführung der Prüfungen zum Deutschen Sprachdiplom (DSD).
vermitteln: hier: lehren; unterrichten; beibringen
der Ansprechpartner, die Ansprechpartner: eine Person, die man ansprechen kann, um Informationen oder Unterstützung zu bekommen
die Aufsicht: hier: darauf achten, dass nichts Schlimmes passiert
etwas zu schätzen wissen: etwas anerkennen; etwas wertschätzen
etwas zu schätzen wissen: etwas anerkennen; etwas wertschätzen
anvisieren: im Blick haben; als Ziel haben
gut zurechtkommen: keine großen Schwierigkeiten haben; mit etwas umgehen können
gut zurechtkommen: keine großen Schwierigkeiten haben; mit etwas umgehen können
die Anforderung, die Anforderungen: was gefordert wird; was erwartet wird
die Zusage, die Zusagen: die positive Antwort auf eine Bewerbung; die Zustimmung
der Nachweis, die Nachweise: die Bestätigung; die Quittung
das Sperrkonto, die Sperrkonten: ein spezielles Bankkonto, das ausländische Studierende für die Beantragung eines Visums benötigen
der Lebensunterhalt: die gesamte Menge an Geld, die man für das Leben braucht, also für Essen, Wohnung, Kleidung
reibungslos: glatt; ohne Probleme
einen guten Ruf haben: ein gutes Image haben; beliebt sein
einen guten Ruf haben: ein gutes Image haben; beliebt sein
mit jemandem/etwas umgehen: hier: jemanden/etwas kompetent und professionell behandeln