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​Meine besondere Entdeckung in Deutschland

Strand auf Hiddensee
© privat

Nicht nur die schönen Strände und die geschlossenen Geschäfte am Sonntag haben die vier überrascht.

Juan Pablo

Als ich vor fast einem Jahr in Deutschland ankam, war mir klar, dass ich in diesem neuen Land mit seiner anderen Kultur viel Neues erleben würde. Mir waren vorher schon Kleinigkeiten bewusst, zum Beispiel dass Recycling und Mülltrennung hier sehr wichtig sind oder dass die Deutschen extrem pünktlich sind. Da ich eine Deutsche Schule im Ausland besucht habe, dachte ich, dass ich schon ziemlich viel über Deutschland weiß. Aber erst als ich nach Deutschland gezogen bin, um dort zu wohnen, habe ich angefangen, das Land wirklich kennenzulernen.

Die erste Sache, die mich in meiner ersten Woche in Deutschland komplett überraschte, war, dass fast alle Geschäfte am Sonntag geschlossen sind. Dies hört sich wahrscheinlich lustig an, aber es hat mich wirklich überrascht. In Guatemala gehen wir oft am Sonntag einkaufen, und ich muss mich immer wieder dran erinnern, dass das in Deutschland nicht geht. Ich vergesse es manchmal immer noch. 

Dass es in Norddeutschland so schöne Strände gibt, hat mich dieses Semester wirklich überrascht. Vor meiner Exkursion auf die Insel Hiddensee hatte ich Deutschland nie mit Stränden in Verbindung gebracht, weil ich vorher weder an der Ost- noch an der Nordsee war. Das Wasser der Ostsee war auch im Juli ziemlich kalt, aber immer noch so warm, dass wir baden konnten. 

Etwas, dass mich auch beeindruckt hat, sind die Temperaturunterschiede zwischen den Jahreszeiten. Die Kälte im Winter habe ich natürlich erwartet – die Hitze im Sommer allerdings nicht. Ich hätte nie gedacht, dass es in Deutschland so warm wie bei uns in Mittelamerika werden könnte. 

Elizabeth

Apotheke in Heidelberg © privat

Ich habe bemerkt, dass die Dichte an Apotheken in Deutschland im Vergleich zu Singapur sehr hoch ist. Wenn ich zum Beispiel die Straße entlang gehe, ist es nicht ungewöhnlich, an vielen Ecken eine Apotheke zu sehen. Das fand ich am Anfang ein bisschen komisch, denn so etwas sieht man in Singapur relativ selten. In Deutschland gibt es pro 1.000 Einwohner mehr Apotheken als in Singapur. Ich habe herausgefunden, dass das wahrscheinlich mit dem Gesundheitssystem zu tun hat. In Singapur geht man in der Regel direkt zum Hausarzt, wenn man sich nicht gut fühlt. Der Hausarzt ist relativ gut mit Medikamenten ausgestattet und man kann dort sofort nach einer Konsultation seine Medikamente bekommen, anstatt ein Rezept mitzunehmen und zu einer Apotheke zu gehen. In Singapur leidet man wegen des Wetters häufiger an einer Erkältung oder Grippe, die besser mit Medikamenten geheilt werden sollten.

In Deutschland ist die Situation jedoch ein bisschen anderes. Bei milderen Krankheiten tendieren die Leute dazu, nur zur Apotheke zu gehen statt zum Hausarzt. Außerdem kann man hier in Deutschland Medikamente normalerweise nicht sofort vom Hausarzt bekommen. Das führt zu einer größeren Nachfrage nach Apotheken in Deutschland.

Giorgi

Himmel © privat

Mein bisheriges Leben in Deutschland hat mich nur zum Besseren verändert, allerdings musste ich dafür viel Neues und Herausforderndes über Deutschland und die Deutschen lernen und mir aneignen.

Das Erste, das ich über Deutschland feststellen musste, war die Tatsache, dass jeder hier den Wert der Zeit kennt und versucht am Tag das Maximale zu schaffen. Immer wenn ich früh um sechs auf dem Weg zum Studienkolleg die mit Reisenden ​vollgestopften Züge sah, dachte ich, dass niemand außer mir in der Nacht geschlafen hatte. Doch das stimmte natürlich nicht. Der Tag fängt hier einfach viel früher an als anderswo. Am Anfang fiel es mir schwer, Schritt zu halten, und halb schlafend im Unterricht nicht daran zu denken, wie schön es in meinem ​kuscheligen Bett wäre. Doch nach einiger Zeit, als ich mich viel besser eingelebt hatte, fiel mir das frühe Aufstehen – insbesondere an dunklen Wintertagen – nicht mehr schwer, und ich konnte sogar den Sonnenaufgang genießen, der mich vorher nur daran erinnert hatte, wie wenig ich geschlafen hatte.

Doch das fleißige Deutschland braucht auch mal Ruhe – und die ist sonntags. Dann ist hier ​buchstäblich nichts los. Für einen Ausländer können die Sonntage hier relativ verwirrend und ärgerlich sein. Ich habe ein paar Sonntage mit leerem Kühlschrank verbringen müssen, um zu lernen, dass man hier am Sonntag nirgendwo einkaufen kann. Gleichzeitig sind diese Sonntage aber auch eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich von der Hektik der vergangenen Woche zu erholen, und sich auf die neue vorzubereiten.

Nayera

Blaue Mülltonne © privat

Mich beeindruckt immer, wie sehr man sich in Deutschland um die Umwelt kümmert und immer versucht, sie zu schützen, und Verschmutzung so stark wie möglich zu vermeiden. Dies zu erkennen, ist nicht schwer: Schon beim Wegwerfen des eigenen Mülls sieht man, dass man Papier, Restmüll und Biomüll trennen soll. Das spart im Recycling-Prozess Zeit und Mühe und führt dazu, dass man den größten Nutzen aus den ​wiederverwendbaren Materialien ziehen kann.

An jeder Straßenecke und neben jedem Gebäude gibt es eine Mülltonne oder sogar ein Holzhaus, in dem mehrere Tonnen stehen und regelmäßig geleert werden. Auch bei den meisten Bus-, Tram- oder U-Bahnstation findet man kleine Mülleimer, was jeden dazu „ ​zwingt“ seinen Müll dort reinzuwerfen. Es werden auch ständig kurze Filme dazu in den verschiedenen U-Bahnen auf kleinen Bildschirmen gezeigt.
Auch die Entsorgung von Flaschen erstaunt mich sehr. Jede Flasche mit einem Pfandzeichen legt man in eine Pfandmaschine, die in allen Supermärkten stehen. Man bekommt dann einen Bon mit dem Wert des Pfands der Flaschen – auf sehr vielen Plastikflaschen ist ein Pfand von 25 Cent. Den Bon gibt man an der Kasse ab. Wenn man nichts kaufen möchte, bekommt man das Bargeld zurück, sonst bekommt man das Pfand als „Rabatt“ auf die Waren, die man kaufen möchte.

All das und noch mehr führt dazu, dass die Straßen 99 Prozent der Zeit sauber sind, und die Umwelt zum größten Teil geschützt ist. Meiner Meinung nach sollte dieses System in allen Ländern eingeführt werden, denn unsere Umwelt wird mit der Zeit immer mehr zerstört.

die Kleinigkeit, die Kleinigkeiten: eine kleine Sache
sich einer Sache bewusst sein: etwas wissen; sich über etwas im Klaren sein
überraschen: anders sein als erwartet, unerwartet kommen
etwas miteinander in Verbindung bringen: etwas verknüpfen, etwas miteinander assoziieren
die Dichte: hier: die Anzahl
das Gesundheitssystem, die Gesundheitssysteme: ein System innerhalb der Politik; es regelt, was passiert, wenn man krank ist und einen Arzt oder Medizin braucht.
das Rezept, die Rezepte: hier: eine Bescheinigung vom Arzt, mit der man in der Apotheke Medizin bekommt.
heilen: gesund machen, durch Medizin beheben
milde: hier: leicht, nicht so schlimm
das Studienkolleg, die Studienkollegs: Das Studienkolleg bereitet Studentinnen und Studenten aus dem Ausland auf ein Studium an deutschen Universitäten vor.
vollgestopft: sehr voll und eng
kuschelig: warm, weich und gemütlich
sich einleben: sich an eine fremde Umgebung gewöhnen, zum Beispiel an eine neue Stadt oder ein neues Land
buchstäblich: tatsächlich, im wahrsten Sinne des Wortes
die Hektik: die Eile, der Stress
die Verschmutzung, die Verschmutzungen: hier: die Verunreinigung und Belastung der Umwelt
etwas vermeiden: es nicht zu etwas kommen lassen, etwas umgehen
wiederverwendbare Materialien: Materialien, die man recyceln und dann ein zweites Mal benutzen kann
zwingen: hier: ein bestimmtes Handeln oder Verhalten notwendig machen
die Entsorgung: hier: die Beseitigung von Flaschen
das Pfandzeichen, die Pfandzeichen: Das Pfandzeichen auf einer Flasche zeigt an, dass man bei Rückgabe der Flasche im Supermarkt ein Pfand, also einen kleinen Geldbetrag, bekommt.