29. Mai 2019, Belarus

Digitale Perspektiven – Schultheater in Belarus

Theater muss geübt werden
Foto: Goethe-Institut

Schülerinnen und Schüler aus den PASCH-Schulen in Minsk, Orscha und Molodetschno entdeckten im Rahmen eines einwöchigen Workshops Anfang Mai die Welt des Theaters. Der Workshop unter dem Motto „Digitale Perspektiven“ diente als Vorbereitung auf das PASCH-Theaterfestival im Oktober in Minsk.

Digitale Perspektiven: Die meisten Deutschlernenden kommen bei diesem Begriff ins Stocken. Die meisten Deutschlehrenden übrigens auch. Umso größer die Herausforderung gerade zu diesem Thema Theater zu spielen: Denn dies war das Thema des Theater-Wettbewerbs, den das Goethe-Institut Belarus Anfang des Jahres ausschrieb. Zwei der drei Gewinnerschulen, Minsk und Molodetschno, berichten von ihren Erfahrungen während der Gewinner-Workshops. Angeleitet wurden die Workshops von den Theaterpädagoginnen Anne Keller (Münster), Cäcilia Dragonat (Saarbrücken) und Katharina Hoenig (Hamburg).
 
KonfrontationFoto: Goethe-Institut

Der erste Tag begann in beiden Städten mit einer lockeren Einführung ins Theater durch verschiedenste Übungen. Wie bereiten wir unseren Körper und unsere Stimme auf die Bühne vor? Wie lege ich meine Hemmungen ab und kann auf der Bühne loslassen? Wichtig war aber vor allem eines: Wir spielen zusammen, nicht allein!
 
Alles andere als FaulenzenFoto: Goethe-Institut


Wie machen wir daraus ein Theaterstück?


Nach viel Bewegung und Spiel beschäftigte sich die Minsker Gruppe mit Digitalisierung. Konkret drehte sich in Minsk alles um Soziale Netzwerke. Die selbstverständliche Nutzung, die vielen sozialen Funktionen, die sie im Leben der Jugendlichen übernehmen, aber ebenso die „Fakeness“ der digitalen Welt und die Unterschiede zwischen Selbst und Selbstdarstellung fanden großen Anklang. Doch eine Frage blieb an Tag eins offen: Wie machen wir daraus denn ein Theaterstück?

Während die Minsker Schülerinnen und Schüler die digitale Welt tiefer erforschten, wendete sich die Theatergruppe Molodetschnos radikal in die andere Richtung. Sie entschieden sich dazu, einen Blick darauf zu werfen, wie das Leben aussehen würde, müsste plötzlich auf technische Prothesen verzichtet werden. Daraus entwickelte sich die Leitfrage: „Was wäre, wenn es plötzlich keinen Strom mehr gäbe? “ Diese beantworteten die Gruppe Schritt für Schritt durch improvisierte Szenen über Situationen vor sowie nach dem Stromverlust.
 
Zum Glück kann man ohne Strom noch sitzen.Foto: Goethe-Institut

Ein Stapel Hausaufgaben


Im Gegensatz zur Gruppe Molodetschnos musste in Minsk das Theaterstück nicht aus dem Nichts erschaffen werden. Als Grundlage diente eine dramatische Textvorlage, doch die Teilnehmenden brachten in ihrem Stück ihre eigenen Charaktere zum Leben. Über Musikgeschmack bis hin zu persönlichen Abgründen: Jede Rolle hat ihre eigene, gemeinsam kreativ gestaltete Geschichte, die langsam hinter der heilen Instagram-Welt ans Licht kommt.

Während in Minsk Geheimnisse ans Licht kamen, ging in Molodetschno das Licht aus. Der Kühlschrank funktioniert nicht mehr, die Straßenbahn fährt nicht und irgendjemand steckt im Aufzug fest. Wie schnell kann sich die
PASCH-net MindmapFoto: Goethe-Institut
Gesellschaft umstellen? Ist es überhaupt möglich zu einem Leben ohne Strom zurückzukehren?

Weder in Molodetschno noch in Minsk ist die Arbeit getan: die Theaterpädagoginnen Katharina und Anne hinterließen einen Stapel „Hausaufgaben“, der ausnahmsweise gern erledigt wird. Für alle gilt: Man sieht sich. Und zwar im Oktober bei einem weiteren einwöchigen Workshop und der Premiere beim PASCH-Theaterfestival im Belarussischen Dramatheater in Minsk.

 

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