Interview mit den Schülerpraktikanten des PASCH-Jugendkurses in
St. Andreasberg (04. bis 24. August 2013): Ha Mi (18) und Asif (18)

Das ist ein Moment, in dem man sagt: „Ja, das ist PASCH!"

Schülerpraktikanten Ha Mi (18) und Asif (18) in St. Andreasberg | © PASCH-Team Goethe-Institut München

Wie seid ihr auf die Praktikantenstellen in PASCH-Jugendkursen aufmerksam geworden?

Ha Mi: Von den PASCH-Kursen habe ich über mein START-Stipendium erfahren. Das war schon vor ca. zwei Jahren. Bisher hatte ich aber noch nicht die Gelegenheit gefunden, an den Kursen teilzunehmen. Dieses Jahr dachte ich mir dann: „Das mache ich jetzt mal!“.

Asif: Dies ist schon mein dritter PASCH-Kurs. Ich habe damals auch über das START-Stipendium von PASCH erfahren.

Könntet ihr den PASCH-net Lesern erklären, worum es sich bei diesem Stipendium handelt?

Asif: Das Stipendium wird an leistungsstarke Schüler mit Migrationshintergrund von der Hertie-Stiftung vergeben. Mein Migrationshintergrund ist Bosnien und Herzegowina, bei Ha Mi ist es Vietnam. Man braucht für die Bewerbung ein Gutachten der Lehrer, man kann sich aber selbst bewerben. Bis zum Abitur wird man dann gefördert. Bedingung ist, dass man in Deutschland zur Schule geht.

Warum habt ihr euch als Praktikanten bei den PASCH-Jugendkursen beworben?

Asif: Das klingt vielleicht ein bisschen pathetisch, aber ich mache das jetzt schon zum dritten Mal und was ich immer ganz besonders an diesen Kurse finde: Es kommen wirklich, wie hier im Kurs, 91 Menschen aus verschiedenen Nationen zusammen. Sie kennen vielleicht die Konflikte, von denen man jeden Tag in den Nachrichten hört, aber sie leben sie hier nicht. Diese Probleme verschwinden hier einfach. Hier sind sie Kinder, Jugendliche. Wir reden dann z.B. über Immanuel Kant. Das war ein Moment, in dem ich dachte: „Wow! Ich finde es schon fantastisch, dass sie Kant kennen. Dann kann man mit ihnen aber auch ohne an so etwas wie die kulturellen Hintergründe der Balkanregion und meinem Hintergrund zu denken, über Kant reden. Hier findet man es vielleicht auch noch gut, dass man dieselbe Sprache spricht. Hier treibt das keinen Keil zwischen die Menschen.“.

Ha Mi: Ich arbeite gerne mit Kindern. Ich finde es schön zu sehen, dass man hier die Kinder mit dem andersartigen Essen erfreuen kann. Außerdem ist es toll, von den vielen Kulturen hier lernen zu können.

Asif: Es macht auch einfach Spaß und es ist toll, Freunde auf der ganzen Welt zu haben. Einen Freund aus einem PASCH-Jugendkurs sehe ich in einigen Wochen wieder, und wenn ich mal in Italien bin, habe ich auch einen Schlafplatz.

Welche Aufgaben habt ihr im Jugendkurs übernommen?

Ha Mi: Unsere Hauptaufgabe ist es, mit dem Kindern zu interagieren, weil wir ihnen vom Alter her am nächsten sind. Wir können ihnen die Angst nehmen, Deutsch zu sprechen und zeigen, dass sie in einem fremden Land nicht allein sind.

Asif: Wir sind eigentlich ein bisschen Mädchen für alles (lacht), aber im Grunde geht es darum, dass die Teilnehmer hier Spaß haben.

Wie ist das Zusammenleben von Schülerinnen und Schülern aus so unterschiedlichen Nationen verlaufen? Kam es auch zu Konflikten?

Asif: Nein, von Konflikten kann man nicht sprechen. Ich glaube, am Anfang gibt es eine Anpassungsphase. Für die Kinder aus Bangladesch ist es zu Beginn z.B. sensationell, wenn die chinesischen Kinder mit Stäbchen essen. Sie wollen das dann selber ausprobieren. Die Aufregung kann den Anschein eines Konfliktes haben, es ist aber viel mehr die Euphorie, etwas Neues kennenzulernen.

Was hat Euch besonders beeindruckt oder überrascht? Was war der schönste Moment für Euch?

Asif: Die Kinder haben sich zum Teil über den indischen Akzent im Englischen amüsiert. Das Besondere war, das die indischen Kinder das gar nicht schlimm fanden, sondern selbst darüber gelacht haben und ihre Aussprache dann selber übertrieben nachgemacht haben, um die anderen zum Lachen zu bringen. Das ist ein richtiger running gag mittlerweile geworden. Das ist ein Moment, in dem man sagt: „Ja, das ist PASCH!".

Was nehmt ihr für euch aus der Zeit im Jugendkurs mit?

Asif: Ich möchte gerne nach meinem Medizinstudium bei „Ärzte ohne Grenzen“ mitmachen und dafür ist es schon gut, wenn man Kontakte in den verschiedenen Ländern hat, vor allem auch in Asien und Afrika.

Ha Mi: Mein Ziel ist es, Publizistik zu studieren und ich lerne hier viel über Programmplanung und Kommunikationsmanagement, gerade auch im Gespräch mit den Betreuern. Mir geht es auch darum, durch die Erfahrung hier noch toleranter und offener zu werden.

Wenn ihr daran denkt, was euch die Stipendiatinnen und Stipendiaten von ihrer Schule in der Heimat erzählt haben — was für Unterschiede fallen euch auf?

Asif: Im Gespräch mit den Kindern aus Bangladesch habe ich erfahren, dass es bei ihnen in der Schule strenger zugeht. Diese offene, lockere Art der Lehrer im Unterricht ist etwas, an das sie sich erst gewöhnen müssen. Das meinte ich eben mit der Adaptionsphase. Manchmal sind sie den kreativen Ansatz gerade auch im Projektunterricht nicht gewöhnt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Miriam Irle vom Goethe-Institut München am 14. August 2013