Interview mit Damla, Asif und Lina (von links nach rechts) am Freitag, 17.08.2012 in Rossleben (Durchgeführt von Christiane Osayi, Pasch-Büro des Goethe-Instituts München während ihres Besuches im Jugendkurs)

Damla, Asif und Lina | © Goethe-Institut

Warum habt ihr euch als Praktikant und Praktikantinnen bei den PASCH-Jugendkursen beworben?

Lina: Meine Schwester hat vor 2 Jahren auch ein Schülerpraktikum gemacht. Da wurde ich neugierig und habe die Gelegenheit genutzt, mich zu bewerben.
Damla: Mein Interesse wurde durch Freunde geweckt. Kultur und Sprache haben mich schon immer interessiert.
Asif: Ich habe die Ferien (ich bin in der 12. Klasse) ein zweites Mal dazu genutzt, ein Schülerpraktikum zu machen.

Welche Aufgaben habt ihr im Jugendkurs übernommen?

Lina: Ich habe bei der Zimmerverteilung an die Teilnehmer und Teilnehmerinnen geholfen und ein Tanzprojekt „Standard-Tanz“ (Cha Cha Cha, Rumba und Wiener Walzer) angeboten.
Damla: Ich mache Unterrichtshospitation und helfe bei der Gestaltung des Freizeitprogramms, habe z.B. die Talentshow organisiert und durchgeführt und eine eigene Projektgruppe „Bollywood-Tanz“ gestaltet und geleitet.
Asif: Wir sind so eine Art „Informationsknotenpunkt“ zwischen Lehrern, dem Betreuer-Team und den Tilnehmern und Teilnehmerinnen. Ich werde nächste Woche einen Karatekurs anbieten. (Anmerkung: Er hat den schwarzen Gürtel!).

Was gefällt euch besonders gut an den Jugendkursen im Rahmen der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“?

Lina: Der Kontakt zu unterschiedlichen Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen.
Damla: Der kulturelle Austausch und die Mithilfe bei der Organisation.
Asif: Dass Menschen aus 20 verschiedenen Ländern so schnell Freundschaften schließen und dass das Zusammenleben so gut funktioniert.

Wie ist das Zusammenleben von Schülerinnen und Schülern aus so unterschiedlichen Nationen verlaufen?

Lina: Sehr offen und herzlich mit sehr unterschiedlichen kulturellen Verhaltensweisen.
Damla: Für mich war es interessant, wie unterschiedlich die jeweilige Esskultur ist.
Asif: Klischees werden revidiert, wie z.B. „Asiaten sind ruhig und zurückhaltend“ – also beim Tisch-Fußball und beim Kochen sind sie gar nicht ruhig.

Was hat Euch besonders beeindruckt oder überrascht? Was war der schönste Moment für Euch?

Asif: Mein schönster Moment bisher war, als ich mit einem Teilnehmer aus Kanada und einer Teilnehmerin aus Frankreich im Schatten auf der Wiese gelegen habe, wir den Wolken zugeschaut haben und dabei über Freud, Kant und das Leben im Allgemeinen philosophiert haben.
Damla: Mich hat besonders beeindruckt, dass wir uns untereinander trotz Sprachbarrieren gut über Humor und Politik verständigt haben und z.B. mit Teilnehmern aus Zypern und der Türkei sachlich über die politische Situation diskutieren konnten.
Lina: Mir hat besonders gefallen, dass wir im zeithistorischen Museum in Leipzig Wände bemalen konnten, und dass ein großer Junge ganz oben seinen Namen und seine Flagge gemalt hat. Danach auf der Rückfahrt im Bus kam eine Diskussion über Glaubensfragen, über Wiedergeburt und Himmel und Hölle auf.
Damla: …und die Geschenke aus Georgien an mich und Lina.

Was nehmt ihr für euch aus der Zeit im Jugendkurs mit? Was glaubt ihr, was die Stipendiaten in ihre Heimatländer mitnehmen werden? Welche Chancen ergeben sich durch die PASCH-Jugendkurse (für die Teilnehmer/innen und für Deutschland)?

Alle: Infos über ein Studium in Deutschland durch die Studienberatung in Weimar und Barrieren im Kopf werden abgebaut.
Asif: Für mich nehme ich mit, dass ich neue Kontakte weltweit geknüpft habe, neue Freunde kennen gelernt habe und Lust auf Reisen gekriegt habe.

Haben die Teilnahme am Jugendkurs und der Kontakt zu den Stipendiatinnen und Stipendiaten eure Sichtweise auf die eigene Kultur verändert?

Lina: Für mich erscheint Deutschland jetzt ordentlich, sauber, ruhig und klein.
Damla: Sehr reichhaltiges Angebot an „Essen“ als Kontrast zur eigenen Kultur…
Asif: Für uns selbstverständliche Dinge verändern sich zum Positiven (dass es überall sauberes Trinkwasser gibt, dass überall Besteck angeboten wird) oder zum Negativen (dass öffentliche Toiletten bis zu 1 € kosten, in China z.B. überall gratis sind).

Wenn ihr an eure Schule denkt und im Vergleich dazu an den Unterricht hier oder daran, was euch die Stipendiatinnen und Stipendiaten von ihrer Schule in der Heimat erzählt haben – was für Unterschiede fallen euch auf? Was erstaunt euch besonders? Was habt ihr neues gelernt und was heut euch für euer zukünftiges Lernen inspiriert?

Asif: Schulen im Ausland sind autoritärer, Bildungssysteme straff organisiert. In Japan z. B. sind die Schüler sehr ehrgeizig, machen sogar in den Ferien ihre Hausaufgaben. Bilden sich auch außerschulisch weiter (z. B. ein Schüler aus Ghana hat durch das Lernen im Deutsch-Club B1-Niveau geschafft). Allgemein herrscht mehr Disziplin und mehr Respekt vor den Lehrern vor.
Lina: Vier bis fünf Teilnehmer fasten während des Ramadan (noch bis 20.08.12). Es wurde eine Möglichkeit geschaffen, dass sie nach 21:00 essen können.
Damla: Ich habe gute Vorsätze gefasst, mehr Fremdsprachen zu lernen (Fanzösisch).
Lina: Ich möchte eine Weltreise machen nach der Schule und unterwegs arbeiten, im Studium dann unbedingt ein Auslandssemester einlegen, um meine Chinesischkenntnisse zu verbessern.
Asif: Ich möchte während des Studiums (Medizin) eine Zeitlang für „Ärzte ohne Grenzen“ arbeiten. Nach dem Abitur möchte ich nach Asien reisen.