Greta Mellen, 16, und Tanja Friesen, 19, Praktikantinnen im Jugendkurs Oppurg, berichten von ihren Erfahrungen

Tanja Friesen und Greta Mellen (Schülerpraktikantinnen im Jugendkurs Oppurg)| © Goethe-Institut

Warum habt ihr euch als Praktikantinnen im PASCH-Jugendkurs Oppurg beworben?

Greta: Schon früher habe ich an internationalen Jugendbegegnungen teilgenommen, wobei ich immer viel Spaß hatte. Als ich von den PASCH-Jugendkursen gehört habe, hatte ich sofort Lust, mich wieder einmal mit Jugendlichen aus aller Welt zu treffen. Zu einem gewissen Teil hat mich auch das Taschengeld gelockt, sowie die Zusicherung von allen Seiten, so ein Praktikumszeugnis mache sich später in einer Bewerbung gut.
Tanja: Bei mir war vor allem der Wunsch, mit Schülern aus solch unterschiedlichen Kulturen, die mir komplett fremd waren, über einen längeren Zeitraum zusammen zu sein und neue Eindrücke zu sammeln. Außerdem interessiere ich mich für die Arbeit des Goethe-Instituts. Somit war PASCH eine gute Gelegenheit, diese Arbeit unmittelbar mitzuerleben.

Welche Aufgaben habt ihr im Jugendkurs übernommen?

Greta: Im Jugendkurs bin ich vormittags den Betreuern mit Kleinigkeiten zur Hand gegangen, wie zum Beispiel dem Malen von Tagesplanschildern. Am Nachmittag haben wir beide ab und zu eine Freizeitaktivität angeboten. Hauptsächlich gehörten wir zu den Jugendlichen, die an den Angeboten der Betreuer teilnahmen und zusammen Spaß hatten.
Tanja: Die größte Aufgabe, die wir im Praktikum zu erledigen hatten, war die Organisation des Abschlussprogramms. So gesehen hatten wir mehr Freizeit als das Team und die Teilnehmenden.

Und wie waren eure Erfahrungen im Jugendkurs?

Greta: Ich habe hauptsächlich positive Erfahrungen machen können. Natürlich war auch das ein oder andere negative Ereignis dabei.
Tanja: Anfangs war es schwierig mit den Kursteilnehmern wegen der Sprachbarriere in Kontakt zu kommen und es musste vorrangig Englisch gesprochen werden. Nach einigen Tagen jedoch hat sich die Stimmung merklich gelockert. Außerdem war es toll, dass ich an allen Freizeitaktivitäten, die den Schülern angeboten wurden, teilnehmen konnte.

Mit wem habt ihr in einem Zimmer gewohnt? Wie habt ihr euch verständigt?

Greta: Ich war mit drei weiteren Mädchen auf einem Zimmer. Nicole aus Brasilien, Dzemila aus Bosnien und Munisa aus Tadschikistan. Wir bemühten uns miteinander Deutsch zu sprechen, aber gerade wenn wir abends müde waren, haben wir schnell ins Englische gewechselt.
Tanja: Meine Zimmermitbewohnerinnen kamen aus Nicaragua und aus der Ukraine. Somit waren beide sehr unterschiedlich; jedoch hatten wir keine Schwierigkeiten und unser Zusammenleben verlief harmonisch. Wir haben miteinander entweder Deutsch oder Englisch gesprochen, was wir alle ganz gut fanden, da wir dadurch gleich zwei Sprachen verbessert haben.

Tanja, wie ist das Zusammenleben von Schülerinnen und Schülern aus so unterschiedlichen Nationen verlaufen?

Tanja: Es ist überraschend, wie zügig Freundschaften aus den unterschiedlichsten Gruppen geschlossen wurden. Während am ersten Tag jedes Land eher unter sich blieb, vermischten sich die Gruppen recht schnell. Aber man konnte beobachten, dass Schüler aus benachbarten Regionen rascher zueinander fanden, was sich natürlich kulturell und sprachlich von selbst erklärt.

Was war euer schönster Moment?

Greta: Für mich persönlich war der schönste Moment, als um Punkt Mitternacht in einem vollbesetzten Reisebus ein Geburtstagsständchen für mich gesungen wurde. In der Gemeinschaft war für mich der schönste Augenblick der Länderabend, bei dem sich alle über die anderen Kulturen austauschen und mit allen Sinnen in ein anderes Land abtauchen konnten.
Tanja: Der schönste Moment war auch für mich der Länderabend, weil er den Jugendkurs am besten beschreibt. Als er in der zweiten Woche stattfand und alle Schüler ihr Land mit Plakaten, Musik und typischen Gerichten vorstellten, wurde genau die internationale Atmosphäre verstärkt erzeugt, die unseren Kurs auszeichnete.

Was glaubst du, Greta, habt ihr voneinander gelernt?

Greta: Wir haben viele neue Sitten und Gebräuche kennen gelernt und gelernt, uns miteinander zu arrangieren, trotz unterschiedlicher Auffassungen.

Wirst du mit den anderen Schülern in Kontakt bleiben?

Greta: Ich werde auf alle Fälle versuchen, mit einigen den Kontakt aufrecht zu erhalten. Ich habe bereits jetzt schon ein paar Freunde mehr bei Facebook.

Was hast du für dich aus der Zeit im Jugendkurs mitgenommen?

Greta: Aus der Zeit des Jugendkurses habe ich viele Eindrücke und Erfahrungen behalten, vor allem einige neue Sprachkenntnisse.

Meine letzte Frage an euch zwei: Hat die Teilnahme am Jugendkurs und der Kontakt zu den Stipendiaten/-innen eure Sichtweise auf die eigene Kultur verändert? Wenn ja, inwiefern?

Greta: Der Jugendkurs hat mir gezeigt, wie wenige Traditionen wir in Deutschland noch pflegen. Zum Beispiel kannten wir keinen deutschen Volkstanz und mussten allen sagen, dass es bei uns in der Gegend keine Trachten mehr gibt.
Tanja: Es war interessant zu beobachten, wie unterschiedlich die Einstellungen der Stipendiaten zu einigen Aspekten waren, die mir immer selbstverständlich erschienen. Während von ihnen die berüchtigte deutsche Pünktlichkeit vergeblich erwartet wurde, zeigten sie uns doch, wie wenig Freude wir im Alltag zeigen. Für sie war es nämlich nichts Ungewöhnliches, beim Warten, Spazieren, Essen oder bei Freizeitaktivitäten spontan zu tanzen oder zu singen. Diese Lebensfreude, die deutsche Schüler im Schulalltag nicht aufbringen können, zeigten sie vom ersten Tag an.

Ich danke euch beiden für dieses Gespräch.