Deutschland

Jugendaustausch Peru – Deutschland: Auf den Spuren der Nachhaltigkeit in Deutschland

Experiment mit Sandfilter und Aktivkohle
© Marietta Moser
Schüler*innen bei einem Experiment zur Ermittlung der ph-Werte

Auf den Spuren der Nachhaltigkeit in Deutschland

„El desarrollo sostenible“, die nachhaltige Entwicklung, wird auch in Peru immer wichtiger. Im Rahmen einer vom Auswärtigen Amt geförderten Deutschlandreise haben sich Schülerinnen und Schüler von 13 PASCH-Schulen aus Peru auf die Suche nach innovativen Ideen zur Lösung der großen Umweltprobleme in ihrem Heimatland begeben.

Peru ist ein faszinierendes Land mit fantastischen Landschaften und einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt. Leider ist Peru auch ein Land mit großen Umweltproblemen – Luft- und Wasserverschmutzung bereiten dabei besonders viel Kopfzerbrechen. Gibt es in Deutschland interessante Projektideen, um die peruanische Umwelt zu verbessern? Welche Vorschläge unterbreiten Wissenschaftlerinnen und Politiker in Deutschland für Peru? Welche Nachhaltigkeitsaktivitäten führen eigentlich Schulen in Deutschland durch? Und: Könnte man diese Nachhaltigkeitsprojekte nicht auf peruanische Schulen übertragen?

Vom 6. bis 16. Dezember 2016 besuchten 13 Schülerinnen und Schüler von 13 PASCH-Schulen in Peru bei einer vom Auswärtigen Amt geförderten Deutschlandreise verschiedene Projekte, Orte und Schulen, die der Nachhaltigkeit in besonderer Weise verbunden sind.

Begleitet wurden die Jugendlichen von Thomas Bex, Fachschaftsberater der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) in Lima/Peru, Marietta Moser, Bundesprogrammlehrkraft der DSD-Schule Colegio Reina del Mundo Lima sowie Stefanie Rambow, PASCH-Projektassistentin des Goethe-Instituts in Lima.

Die Umweltbildungsreise umfasste sieben Stationen.

Gruppenfoto vor der Wasserschule in Köln-Westhoven

Erste Station (1/7): Die Wasserschule Köln-Westhoven

Die Wasserschule hat sich zum Ziel gesetzt, Schülerinnen, Schülern und jungen Erwachsenen den natürlichen und wirtschaftlichen Wasserkreislauf näher zu bringen, um einen vernünftigen und verantwortungsvollen Umgang mit Wasser zu entwickeln. Die Sensibilisierung der jungen Menschen wird durch interessante Experimente, Führungen durch die Anlagen des Wasserwerks und interaktive Übungen erreicht.

Fakten und Zahlen zum Wasserverbrauch – eine Überraschung für alle

 „Was glaubt ihr, womit verbrauchen die Menschen das meiste Wasser?“, wollte Jan, unser Lehrer in der Wasserschule, wissen. In Gruppen sollten die Anwesenden  Schätzungen zum täglichen  Wasserverbrauch in Deutschland abgeben. Es wurden Kärtchen mit Tätigkeiten, für die wir Wasser verbrauchen, und Kärtchen mit verschiedenen Literangaben an die Jugendlichen verteilt. Diese sollten nun den Tätigkeiten die richtigen Literangaben zuordnen. Die Beteiligten waren von den Ergebnissen sehr überrascht. Niemand hätte zum Beispiel gedacht, dass allein der Gebrauch der Toilettenspülung ganze 33 Liter am Tag verschlingt.

Der Wasserverbrauch pro Kopf ist in Lima doppelt so hoch wie in Köln

In Deutschland werden circa 120 Liter pro Person und Tag verbraucht. Für die Stadt Lima hatte Jan sogar einen Wasserverbrauch von 250 Litern recherchiert. Insbesondere die notwendige künstliche Bewässerung sei hierfür ursächlich. Überlebenswichtig ist für den Menschen jedoch nur die Rubrik „Kochen und Trinken“ mit einem durchschnittlichen Verbrauch von fünf Litern pro Tag. Alle anderen Kategorien wie zum Beispiel Wäsche waschen, Körperpflege oder Geschirrspülen sind eigentlich ein Luxusgut.

Zweites Experiment zur Ermittlung der ph-Werte © Marietta Moser

Trinkbares Leitungswasser – ein wertvolles Gut

„Für den wirtschaftlichen Wasserkreislauf“, führte Jan aus, „spielt das Grundwasser eine große Rolle. Regen versickert im Boden und durchläuft automatisch ein natürliches Filtersystem“. Anhand zweier Experimente wurde der Gruppe vor Augen geführt, dass Grundwasser und Leitungswasser hier in Köln sehr sauber und auch gesund sind. Im ersten Experiment ließen die Jugendlichen Tintenwasser durch Behälter mit Aktivkohle und natürlichem Sand aus dem Boden laufen. Die Beteiligten stellten fest, dass sowohl der Aktivkohlefilter als auch der Sandfilter das Wasser gesäubert hatten. Jan erklärte uns, dass die Aktivkohle hier im Wasserwerk  zusätzlich zur natürlichen Reinigung durch Sand im Boden verwendet wird, um das Grundwasser noch einmal zu säubern, bevor es der Bevölkerung zur Verfügung steht.

Leitungswasser ist in Deutschland gesünder als Mineralwasser

Im zweiten Experiment testeten die Schülerinnen und Schüler PH-Werte von Leitungswasser, Mineralwasser, destilliertem Wasser und Regenwasser. Leitungswasser und Mineralwasser wiesen ähnlich hohe PH-Werte auf. Bei einem hohen PH-Wert spricht man von sogenanntem „hartem Wasser“, welches viele Mineralien enthält und somit gleichzeitig für den Menschen sehr gesund ist. Die Jugendlichen stellten auch fest, dass der PH-Wert von Leitungswasser sogar noch etwas höher ist als der von Mineralwasser. Leitungswasser ist für die Menschen somit noch empfehlenswerter als Mineralwasser aus Flaschen.

Das Erstaunen der Gruppe war groß, denn in Lima darf Wasser auf keinen Fall direkt aus der Leitung getrunken werden. Als frisch ausgebildete Wasserexpertinnen und -experten mit vielen neuen und interessanten Eindrücken machten wir uns schließlich auf den Weg zur nächsten Station unserer Umweltreise.

Besuch des Wasserwerks Köln-Westhoven
Gruppenfoto im obersten Stockwerk der Stadtverwaltung Köln

Zweite Station (2/7): „SmartCity Cologne“

Vermehrte Hitzewellen und gewaltige Unwetter ließen den Klimawandel in den letzten Jahren auch in Köln Realität werden. Da der Klimawandel sowohl die Stadtverwaltung, als auch die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Köln betrifft, können und sollen letztere ihre eigenen Ideen und Vorschläge für eine nachhaltige Stadtentwicklung auf der Plattform „SmartCity Cologne“ mit einbringen. 

Als zweite Station unserer Umweltreise  stand der Besuch der Koordinationsstelle Klimaschutz der Stadt Köln auf dem Programm, in der uns Reiner Gottschlich in Empfang nahm. Herr Gottschlich gab uns zunächst einen kleinen Einblick in die Stadt Köln. Köln ist nicht nur als Wirtschaftsstandort sehr interessant für Unternehmen und Investoren, sondern ist auch ein bedeutender Standort für die Wissenschaft. Etwa 100.000 Studierende befinden sich derzeit an den verschiedenen Hochschulen der Stadt Köln. Mit ihrer lebenswerten Innenstadt und ihrer interessanten Stadtlandschaft ist Köln außerdem das Ziel vieler Besucherinnen und Besucher aus aller Welt.

Die Attraktivität Kölns hat jedoch auch problematische Seiten. Obwohl die Bevölkerungszahl in Deutschland allgemein zurückgeht, müssen sich Ballungszentren wie die Stadt Köln auf einen enormen Bevölkerungszuwachs in den nächsten Jahren einstellen. Köln wächst kontinuierlich und stellt die Stadtplaner damit vor neue Herausforderungen, denn das Wachstum soll zum Wohle aller Bürgerinnen und Bürger umweltschonend und nachhaltig sein.

Das Projekt „SmartCity Cologne“ gibt den Bewohnerinnen und Bewohnern Kölns die Möglichkeit bei der Stadtplanung mitzuarbeiten und die Zukunft der Stadt Köln aktiv mitzugestalten.

Erläuterung des Konzepts Smart City Cologne © Marietta Moser

„Grow Smarter“ – ein nachhaltiges Siedlungsprojekt der Sonderklasse

Ein besonders vielversprechendes „SmartCity Cologne“-Projekt ist das EU-Projekt „Grow Smarter“. Zusammen mit Stockholm und Barcelona will Köln nachhaltige Neubausiedlungen entwickeln, die sich sowohl als Wohnort als auch Standort für Büros eignen. Im Süden des Stadtteils Köln-Mülheim soll ein Viertel mit 3.000 Wohnungen und 5.000 neuen Arbeitsplätzen entstehen. Nicht nur der Energieverbrauch soll durch Einbeziehung von Smart-Energie-Apps reduziert werden, der Strom soll auch durch Photovoltaikanlagen produziert werden. Innerhalb der Siedlung sind nur Elektroautos zugelassen, die an einer Mobilitätsstation aufgeladen werden können.

„Stadtradeln“ – Kölner strampeln um die Wette

Die Aktion „Stadtradeln“ will Fahrradfahren bei den Kölnern attraktiver machen. Ziel ist es, die Kölner Bevölkerung dazu anzuregen, das Auto häufiger stehen zu lassen und mit dem Fahrrad zu fahren. Bei dem Projekt handelt es sich um einen Wettbewerb zwischen einzelnen Städten Deutschlands. Die Bürgerinnen und Bürger einer Stadt, die am meisten Kilometer geradelt sind, haben gewonnen. Gemessen wird die Kilometerzahl anhand einer App, die gleichzeitig dem fleißigen Fahrradfahrer auch anzeigt, wie viel CO2 er dadurch gespart hat.

„Deutschland hat mehr Geld zur Verfügung als Peru – wie könnte man ein solches Projekt in Lima finanzieren?“, wollte der Schüler Nicolas wissen. „Geld ist nicht immer entscheidend. Bildung und eine Erziehung zum Umweltbewusstsein sind besonders wichtig, nur durch die Sensibilisierung der Menschen können wir längerfristig Erfolge erzielen“, antwortete Herr Gottschlich. Denn schon kleine Gesten wie Fahrradfahren zum Supermarkt oder die Verwendung einer Stofftasche leisten einen kleinen Beitrag zum Umweltschutz. Um einiges „smarter“ machten wir uns schließlich auf den Weg zum Weihnachtsmarkt.

Die Koordinationsstelle Klimaschutz in Köln
Zwei Jugendliche mit Ziegen im Kölner Zoo

Dritte Station (3/7): Der Kölner Zoo

Der Kölner Zoo informiert seine Besucherinnen und Besucher nicht nur über die einzelnen Tiere und ihre Lebensräume, sondern gibt zusätzlich Einblicke in den nachhaltigen Umgang mit Wasser, Futter und dem Mist der Tiere. Der Clemenshof, ein in den Zoo integrierter typischer bergischer Bauernhof, ist mit seinen einheimischen Tieren ein Paradebeispiel für nachhaltige Landwirtschaft.

Der Besuch des Kölner Zoos wurde von vielen Schülerinnen und Schülern mit großer Spannung erwartet. Die Zoopädagogin Ruth Dieckmann  führte uns zunächst ins neu gebaute Hippodrom, in dem eine afrikanische Flusslandschaft gezeigt wird. Neben drei großen Nilpferden und einem Krokodil konnten wir noch andere Tiere des afrikanischen Ökosystems beobachten.

Zoopädagogin führt durch den Zoo © Marietta Moser

Zertifizierter Fisch für Humboldt-Pinguine

Die Zoomitarbeiterin klärte uns zum Beispiel darüber auf, dass das Wasserbecken der Nilpferde durch deren Exkremente jeden Tag sehr stark verschmutzt werde. Das Wasser müsse demnach sehr oft gewechselt werden, was einen enormen Wasserverbrauch bedeuten würde. Um dies zu vermeiden, hat der Kölner Zoo mehrere Wasserfilter am Becken angebracht, die das schmutzige Wasser zwei Mal täglich reinigen.

Nach der Besichtigung der Nilpferde machten wir uns auf den Weg zu den Seelöwen und den Humboldt-Pinguinen, die auch den peruanischen Schülerinnen und Schülern aus ihrer Heimat bekannt waren. Diese werden nur mit Fischen gefüttert, die mit einem sogenannten MSC-Siegel für zertifizierte nachhaltige Fischerei gekennzeichnet sind. Gefährdete Fischarten stehen somit nicht auf dem Speiseplan.

Der Kölner Zoo klärt auf: Was hat der Gorilla mit dem allseits beliebten Handy zu tun?

Auf unserem weiteren Rundweg durch den Zoo stießen wir schließlich auch auf die imposanten Gorillas. Die Heimat der Gorillas ist unter anderem die Republik Kongo. Dort baut man das Erz Coltan ab, welches  gerade für die Industriestaaten von großem Interesse ist. Coltan wird weiterverarbeitet und in Handys und andere elektronische Geräte eingebaut. Der Handyboom in den westlichen Ländern hat katastrophale Folgen für die Umwelt und die Gorillas in dieser Region.

Der Kölner Zoo hat deshalb ein Projekt gestartet, das Handys recycelt und gleichzeitig versucht, die Gorillas zu schützen. Jede Besucherin und jeder Besucher kann im Zoo sein altes Handy abgeben. Diese werden dann recycelt und das Geld kommt einem Schutzprojekt für Gorillas zugute.

Im Kölner Zoo konnten wir nicht nur exotische und heimische Tiere bewundert, sondern wurden auch stets über die aktuelle Lebenssituation  der Tiere in ihrer Heimat aufgeklärt. Die Palmölproduktion und die dadurch verursachte Abholzung der Regenwälder, die Folgen des Handybooms  und des hohen Fleischkonsums der westlichen Bevölkerung wurden uns sehr anschaulich und mit Hilfe der lebenden Beispiele hier im Kölner Zoo veranschaulicht. 

Der Kölner Zoo
Jugendliche bei einem Vortrag

Vierte Station (4/7): Essen, die Umwelthauptstadt Europas

Essen ist Umwelthauptstadt Europas 2017. Interessant ist hierbei, dass die Europäische Kommission erstmalig eine Industriestadt zur grünen Hauptstadt Europas wählte. Die Ruhrmetropole  hat sich mit Hilfe der Bürgerinnen und Bürger von „grau“ zu „grün“ gewandelt.

Am Tag unseres Besuchs wurden wir sehr herzlich von Alice Pawlikowski, einer Mitarbeiterin des Projektbüros der grünen Hauptstadt Europas in der „Schule Natur“  begrüßt. Sie gab uns zunächst einen allgemeinen Einblick in die Strukturen der Stadt Essen. Essen ist nicht mehr die graue Industriestadt vergangener Tage, sondern durch und durch grün: Mehr als die Hälfte des Stadtgebietes sind Grün-und Freiflächen, Wasser und Wälder. Bis zum Jahr 2020 soll erreicht werden, dass jede Bürgerin und jeder Bürger nur 500 Meter benötigt, um zur nächsten Grünfläche zu gelangen.

Badespaß in der Ruhr

Mit Freude erwartet wird ein ganz besonderes Projekt: Ab Mai 2017 wird es in der Ruhr eine offizielle europäische Badestelle geben. Noch bis in die neunziger Jahre flossen zwei Drittel der Abwässer ungeklärt in die Ruhr. Seitdem wurden insgesamt 400 unterirdische Abwasserkanäle gebaut, die den Fluss und seine Nebenläufe von Schmutzwasser befreien und den Fluss für Badegäste zugänglich machen.

Gemeinsam Essen noch grüner und lebenswerter machen

Für den Titel „Grüne Hauptstadt Europas“ haben auch die Bürgerinnen und Bürger fleißig und mit Begeisterung mitgearbeitet. Es wurden bereits mehr als 260 Vorschläge für grüne Projekte bei der Ideenbörse der Stadt eingereicht. Die kreativen Ideen reichten vom Insektenhotel bis hin zu Solarladegeräten für Laptops in der Stadtbibliothek. Aber auch eine Vielzahl von Essener Vereinen, Initiativen und Anbietern halfen bei der Realisierung vieler Umweltprojekte mit. So gibt es in Essen zum Beispiel eine Vielzahl an Bio-und Hofläden, die regionale und saisonale Lebensmittel anbieten. In vielen Gemeinschaftsgärten können die Bürgerinnen und Bürger darüber hinaus selbst Gemüse und Obst anbauen und anschließend die Früchte ihrer eigenen Arbeit ernten.

Ideen für ein sauberes Lima

Nach der Präsentation dieser inspirierenden Projekte und Initiativen der grünen Hauptstadt stellten die Schülerinnen und Schüler aus Peru noch einige Fragen. Die Schülerin Andrea wollte zum Beispiel wissen, mit welchem einfachen Projekt man denn in Lima beginnen könnte.

Alice stellte uns daraufhin ein Projekt vor, das mit relativ einfachen Mitteln und geringem Budget realisierbar sei: In Essen wurden lustige Umweltsprüche gesammelt, mit denen anschließend alle Mülleimer der Stadt beklebt wurden. Dies sollte die Bürgerinnen und Bürger dazu animieren, ihren Müll in den Mülleimer zu werfen. Außerdem betonte sie, dass es in Lima natürlich wichtig wäre, zunächst etwas in den Köpfen der Menschen zu verändern. Veränderung erfolge auch oft durch Belohnung: In der Stadt Essen habe sich zum Beispiel bewährt, umweltbewusstes Verhalten zu honorieren. Die besten Ideen und Projekte der Ideenbörse der Stadt Essen wurden mit stolzen 10.000 Euro prämiert. Dieses Geld wurde zur Realisierung des vorgeschlagenen Projektes verwendet. Auch die Einführung von Pfand für Plastik-und Glasflaschen sei ein Schritt in die richtige Richtung gewesen.

Essen hat die Verwandlung von der grauen, industriellen Montanstadt zu einer grünen, lebenswerten Stadt also mit Hilfe seiner Bürger und Bürgerinnen geschafft. Wäre dies nicht auch für Lima zu schaffen?

​Der Besuch der Umwelthauptstadt Europas 2017
Schülerinnen bauen einen Stromkreis

Fünfte Station (5/7): Die „Schule Natur“ im Grugapark Essen

In der „Schule Natur“ im Grugapark Essen steht der Spaß am Entdecken und Forschen ebenso im Mittelpunkt wie das Lernen. In diesem „grünen Klassenzimmer“ hatten die peruanischen Jugendlichen die Möglichkeit, verschiedene Themen zum Thema Energie und Umwelt durch Stationenlernen spielerisch und erlebnisorientiert kennenzulernen. 

Sensibilisierung für alternative Produkte – es muss nicht immer Erdöl sein

Die Schülerinnen und Schüler wurden gleich zu Beginn in  Arbeitsgruppen aufgeteilt und mussten ihr Wissen an sieben verschiedenen Stationen umsetzen. Besonders interessant war für die Jugendlichen die Station „Erdöl als Material für Produkte“. Den Anwesenden wurde zunächst anhand eines Bildes einer amerikanischen Familie bewusst gemacht, wie viele Produkte unseres täglichen Lebens eigentlich Erdöl enthalten.

Anschließend wurde ein Korb mit verschiedenen Produkten zur Verfügung gestellt. Es gab jeweils ein Produkt, das Erdöl enthielt und ein Produkt, das aus einem nachhaltigen Material bestand. Aufgabe der Beteiligten war es nun, die Produkte nach „Material aus Erdöl“ und „Alternativen zu Erdöl“ zu ordnen. Den Schülerinnen und Schülern wurde deutlich, dass es durchaus Alternativen zu den Materialien aus Erdöl gibt und man der Umwelt zuliebe auch darauf achten sollte. Papier, Bambus, Wolle, Baumwolle, Glas (aus Sand gemacht), Wachs – all das sind Materialien, die uns die Natur zur Verfügung stellt und die immer wieder nachwachsen.

Lernen durch Experimente

Die Schülergruppe durfte außerdem Experimente mit Solarenergie machen, konnte mit Hilfe einer Zitrone einen Stromkreis bauen und den Energiegehalt verschiedener Getränke einschätzen.

Die „Schule Natur“ ist ein Ort, an dem das Lernen sehr großen Spaß macht. Die Sensibilisierung der jungen Menschen für nachhaltigen Umweltschutz wird dort auf eine sehr interaktive und anschauliche Weise gefördert. Einige der dort vorgestellten Stationen können relativ einfach nachgebaut werden, so dass ein kreatives Stationenlernen zum Thema Umwelt durchaus auch an den Schulen in Lima realisierbar wäre. 

„Schule Natur“ im Grugapark Essen
Jugendliche lernen die Papierherstellung auf Gut Karlshöhe

Sechste Station (6/7): Hamburger Umweltzentrum Gut Karlshöhe

Im Hamburger Umweltzentrum Gut Karlshöhe können Schulklassen, Kindergartengruppen, aber auch Erwachsene und Kinder an verschiedenen Veranstaltungen zum Thema Umwelt und nachhaltige Lebensart teilnehmen. Außerdem gibt es eine sehr interessante, interaktive Erlebnisausstellung zu den Themen Natur, Energie und Klimaschutz.

Der Energieprofi Natur – was kann der Mensch daraus lernen?

Im Mittelpunkt der Erlebnisausstellung steht die Frage, wie die Natur selbst Energie produziert und inwiefern dies auf die Energiegewinnung für den Menschen übertragbar wäre. Die Schülergruppe konnte spielerisch entdecken, wie man zum Beispiel die Sonne, das Wasser und den Wind zur Energiegewinnung nutzen kann.

Gruppenfoto vor dem Gut Karlshöhe © Marietta Moser

Außerdem bekamen wir wichtige Informationen zum effizienten Hausbau anderer Völker und Länder. Seit Jahrtausenden experimentieren Menschen in allen Klimazonen damit, wie es ihnen gelingt, ihr eigenes Wohnzimmer angenehm und kuschelig zu halten. Heurausgekommen sind dabei sehr erstaunliche Erfindungen: In Griechenland trotzen die Menschen der Hitze mit massiven, weiß angestrichenen Häusern. Außerdem spenden sich die sehr eng aneinander gebauten Häuser gegenseitig Schatten. Im Iglu der Inuit kann es drinnen bis zu 50 Grad Celsius wärmer sein als draußen. Dicke Schneeblöcke werden spiralförmig zu einer Kuppel übereinander gestapelt. Die Luft in den Schneeblöcken dämmt gegen die Kälte, im Inneren brennt oft eine kleine Flamme, die zusätzlich wärmt.

Papier selbst herstellen – gar nicht so einfach

Am Ende unserer Führung durch die Erlebnisausstellung gab uns Frau Schubert, Umweltpädagogin und Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung in Hamburg, interessante Informationen zum Thema Papier. Jeder Deutsche verbraucht in seinem Leben im Schnitt circa 250 Kilogramm Papier. Deutschland ist somit sozusagen der „Papierweltmeister“.

Holz ist zwar ein nachwachsender Rohstoff, sollte aber dennoch nicht sinnlos für die Herstellung von Klopapier oder Zeitungen verschwendet werden. Viel sinnvoller ist die Papierherstellung aus Altpapier. Papier wird hierbei recycelt und erneut verwendet. Um zu erfahren, wie einfach es eigentlich ist, Papier zu recyceln, durften die Jugendlichen  nun selbst Papier herstellen.

Alle Anwesenden waren vom Papier-Workshop und der vorab besuchten Ausstellung begeistert. Besonders gelobt wurde die Kreativität und die tolle visuelle Veranschaulichung der verschiedenen Themenbereiche. Man lernt, während man spielt.

Besuch des Hamburger Umweltzentraums Gut Karlshöhe
Jugendliche beim Rundgang in der Hamburger HafenCity

Siebte Station (7/7): HafenCity Hamburg

Beim Projekt HafenCity Hamburg handelt es sich um das größte innerstädtische Stadtentwicklungsprojekt in Europa, das im Jahr 2025 fertig gestellt werden soll. Auf einer Fläche von 157 Hektar entsteht eine lebendige Innenstadt mit maritimem Flair.

Nutzungsmischung statt Funktionstrennung

Bei unserem dreitägigen Aufenthalt in Hamburg stand natürlich auch ein Besuch der neuen HafenCity Hamburg auf dem Programm. Bei unserer Führung durch die HafenCity wurde uns erklärt, dass die HafenCity unmittelbar an die Hamburger Innenstadt angrenzt, sich diese jedoch erheblich von der alten Innenstadt unterscheidet.

Die bereits vorhandene Innenstadt zeichnet sich durch eine sogenannte Funktionstrennung aus: Sie dient lediglich als Handelszentrum mit verschiedensten Geschäften und Büros. Mit der HafenCity möchte die Stadt Hamburg eine Innenstadt entwickeln, die sich durch das Konzept der Nutzungsmischung auszeichnet: Arbeiten, Wohnen, Kultur, Freizeit, Tourismus und Einzelhandel – all diese Bereiche verbindet die HafenCity in nur einem Stadtteil.

Die HafenCity soll von den Menschen durch viele Kunstgalerien und die Elbphilharmonie für kulturelle Zwecke genutzt werden. Schulen und Universitäten sorgen für das nötige Bildungsanbot in der HafenCity und Grünflächen und Geschäfte sollen die Hamburger dazu einladen, auch ihre Freizeit dort zu verbringen. Außerdem kombinieren ausreichend Wohnungen und Büroflächen Arbeit und Privates miteinander. Uns wurde anschaulich erklärt, dass diese Nutzungsmischung sehr viele Vorteile hat.

Zum einen wird der Stadtteil belebt, denn es treffen sich in der HafenCity die unterschiedlichsten Menschen: manche gehen zur Arbeit, andere gehen einkaufen oder wollen sich einfach nur im Park entspannen. Zum anderen werden die Verkehrswege kürzer: Parks, Einkaufsmöglichkeiten, Büros und Wohnungen – all das ist meist bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen.

Ein quartierübergreifendes und in den Tiefgaragen verortetes Carsharing-System mit Elektrofahrzeugen sorgt zusätzlich dafür, dass das Auto für die meisten Bewohnerinnen und Bewohner überflüssig wird. Die innerstädtisch zentrale Lage und die Mischung von Arbeits-, Freizeit-und Wohnungsnutzungen machen die HafenCity somit zu einem Stadtteil der kurzen Wege.

Die Unilever-Zentrale -  ein großartiges Beispiel für nachhaltigen Gebäudebau

Am Ende unserer Führung „Grüner Landgang“ besichtigten wir noch die Zentrale des Konzerns Unilever in der HafenCity, welche im Jahr 2011 das HafenCity-Umweltsiegel für ihren besonders  nachhaltigen Bau erhalten hat. Für die Zertifizierung mit einem Nachhaltigkeitsabzeichen mussten verschiedene Kategorien berücksichtigt werden: Unter anderem musste der Wasserverbrauch des Gebäudes so niedrig wie möglich gehalten und regionale und nachwachsende Materialien für den Bau des Gebäudes verwendet werden. Besonders beeindruckt haben uns in diesem Gebäude die an der Decke angebrachte Kronleuchter, die das Tageslicht in die Büros reflektieren und somit die Nutzung von Lampen zur Beleuchtung überflüssig machen.

Besuch der Unilever Zentrale in der Hafen City © Marietta Moser

Mit der Entwicklung dieser nachhaltigen Innenstadt setzt Hamburg europaweit neue Maßstäbe: Das Grundkonzept der Nachhaltigkeit zeigt sich nicht nur in der Stadtstruktur selbst, sondern auch in der Verkehrsplanung und im Gebäudebau.

Auch die Stadt Lima muss sich angesichts der rasant wachsenden Bevölkerung neuen Herausforderungen stellen: Wären Ideen dieses nachhaltigen Stadtplanungskonzeptes nicht auch auf Lima übertragbar?

Der Besuch der HafenCity Hamburg

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