Zum Bierfest nach Qingdao? Von wegen! – Intensivkurs für PASCH-Lehrkräfte in China

Die Teilnehmenden des Intensivkurses für PASCH-Lehrkräfte in China
Vom 23. Juli bis 2. August reisten 15 PASCH-Lehrkräfte nach Qingdao – nicht etwa zum berühmten Bierfest, sondern um einen B2-Intensivsprachkurs am Goethe-Sprachlernzentrum der Qingdao-Universität zu besuchen. 


Die 2008 vom Auswärtigen Amt gegründete Initiative „Schulen: Partner der Zukunft (PASCH)“ fördert weltweit rund 1.800 Schulen, an denen Deutsch einen besonders hohen Stellenwert hat. In China unterstützt das Goethe-Institut Peking 82 PASCH-Schulen und veranstaltet in diesem Rahmen Fortbildungen zur Methodik und Didaktik wie auch Sprachkurse zur Erhöhung und Stabilisierung des Deutschniveaus. Ziel ist es, chinesische Deutschlehrkräfte an PASCH-Schulen nachhaltig zu fördern, um somit gezielt die Qualität und Effektivität des Deutschunterrichts zu erhöhen.

Gruppen- und Partnerarbeit während des Deutschkurses Dass der Sprachkurs im August 2018 in Qingdao organisiert wurde, lag zum einen an den angenehmen klimatischen Bedingungen, ausschlagendes Kriterium allerdings war das sehr engagierte und kompetente Team des Goethe-Sprachlernzentrums. Insgesamt begaben sich 15 motivierte Lehrkräfte aus 12 unterschiedlichen Städten auf den Weg in die populäre und vielbesuchte Hafenstadt am Gelben Meer, gewillt den sommerlichen Hitzeattacken zu trotzen und mit Gleichgesinnten Deutsch zu lernen. Langeweile kam hierbei sicherlich nicht auf, denn neben aktivierendem und interaktivem Unterricht stand eine deutschsprachige Stadtführung durch das historische Viertel Qingdaos auf dem Programm, selbstverständlich mit Abstecher zum Strand und zur Bierbrauerei.

Interview mit drei Lehrkräften aus dem Kurs

In einem Interview erzählen Zhong Huixia (Guangzhou Vocational School of Tourism and Business), Bian Chao (Beijing National Day School) und Chen Ye (Wuxi Jiangnan Grundschule) von ihren Herausforderungen als Deutschlehrkräfte und von ihren Erlebnissen während des knapp zweiwöchigen Deutschkurses.

Ihr arbeitet als Deutschlehrkräfte an einer PASCH-Schule in China, was sind für euch hierbei die größten Herausforderungen?


Die PASCH-Lehrkräfte Zhong Huixia, Lin Xumai, Wu Xiaoling und Zhang Jingyao präsentieren ihr Lernplakat Zhong Huixia: Unsere Schülerinnen und Schüler sind aus einer Berufsschule, sie interessieren sich sehr für das Deutschlernen, aber sie haben große Angst vor der Prüfung. Ihre Prüfungsfähigkeiten sind schwach. Als Lehrkraft muss man sich auch darum bemühen, Prüfungsstrategien zu vermitteln.

Chen Ye: Als Deutschlehrkraft sehe ich mich momentan folgenden zwei Herausforderungen gegenübergestellt: Mein Deutschniveau ist einfach noch nicht gut genug, um ein Gleichgewicht zwischen Unterrichtsvorbereitung und spontanen Äußerungen gewährleisten zu können, zudem genießt das Fach Deutsch an unserer Schule bisweilen noch keine prioritäre Stellung.

Bian Chao: Die größten Herausforderungen für mich als Deutsch-Lehrkraft an einer PASCH-Schule sind, sowohl meine eigene Unterrichtsmethodik auszubauen und gleichzeitig vielfältige und abwechslungsreiche Unterrichtsinhalte zu gewährleisten. Hierzu gehört auch, für eine positive Lerneinstellung zu sorgen.

Welche Erwartungen hattet ihr, als ihr euch für den Sprachkurs angemeldet habt?

Chen Ye: Als ich mich für den Kurs beworben hatte, hoffte ich hauptsächlich, mein Deutsch in allen vier Fertigkeiten verbessern zu können und mich ebenfalls gezielt auf das Goethe-Zertifikat der Niveaustufe B2 vorbereiten zu können. Zudem war es mir wichtig, von den Kursleitern auch Material und Hilfestellungen zu bekommen, die für ein eigenständiges Weiterlernen hilfreich sind.

Entspannen am Strand nach dem Sprachkurs Zhong Huixia: Als ich mich dafür angemeldet habe, hatte ich den Wunsch, die B2-Prüfung zu bestehen, um meine Sprachkompetenz zu beweisen. Zusätzlich möchte ich mein Deutsch verbessern, besonders im mündlichen Ausdruck.

Welche Erfahrungen habt ihr während des Sommersprachkurses in Qingdao gemacht? Was nehmt ihr mit nach Hause?

Bian Chao: In diesem zweiwöchigen Sprachkurs konnte ich mein eigenes Sprachniveau festigen und durch Beobachtung unserer Kursleiter auch meine Unterrichtsmethodik und Unterrichtserfahrung bereichern, hierzu gehörten beispielsweise: das Zuordnen von Bildern, Spiele rund um Wortdefinitionen komplett auf Deutsch, Erlernen von neuen Redewendungen und Wörtern, Erstellen von Lernplakaten in Gruppenarbeit mit anschließender Präsentation, allgemeine Verbesserung meiner Ausdrucksweise und Kommunikationsfähigkeit auf Deutsch. Ein solides Sprachniveau wie abwechslungsreiche Unterrichtsaktivitäten sind die Grundlage für einen guten Deutschunterricht. Ich bin wirklich sehr froh, in so kurzer Zeit so viel Unterrichtserfahrung gesammelt zu haben. Ganz herzlichen Dank an die PASCH-Initiative für die Organisation einer tollen Gelegenheit zum Lernen und Austausch mit anderen. Hoffentlich können noch mehr Lehrkräfte davon profitieren.

Chen Ye: Die Teilnahme am Sprachkurs in Qingdao war in vielerlei Hinsicht ein großer Erfolg. In der Tat wurden alle vier Fertigkeiten (Schreiben, Lesen, Hören und Sprechen) intensiv geübt, zudem trainierten wir gezielt das Format für die B2-Prüfung. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass mein eigenständiges Deutschlernen bei weitem nicht ausreichend ist (Im Alltag bin ich sowohl mit dem Unterrichten von Englisch als auch mit meiner eigenen Familie beschäftigt, Deutschlernen kommt leider oft zu kurz).

Interview mit den beiden Kursleitern

Für die beiden Kursleiter des Goethe-Sprachlernzentrums der Universität Qingdao, Marek Gryglewicz (deutsche Leitung des SLZ Qingdao) und Gao Qian, war der Sprachkurs für Lehrkräfte ebenfalls eine besondere Erfahrung.

Gruppen- und Partnerarbeit während des Deutschkurses

Der PASCH-Intensivkurs war auch für euer Sprachlernzentrum ein herausforderndes Projekt. Welches Fazit zieht ihr aus dem Kurs, welche Eindrücke waren besonders intensiv?

Marek Gryglewicz: Jede Lehrerin und jeder Lehrer hat ihre oder seine eigenen Vorstellungen von gutem Unterricht. Wenn sie dann für zwei Wochen selbst wieder in die Rolle der Lerner schlüpfen, haben sie hohe Erwartungen. Darin lagen für mich der besondere Reiz und die Herausforderung dieses Kurses. Das hat mich dazu gebracht, mich intensiver mit jedem Aspekt meines Unterrichts und meiner Unterrichtsplanung zu befassen. Umso schöner war es dann, das Engagement und den Spaß zu sehen, mit dem unsere Teilnehmenden jeden noch so langen Tag gelernt haben.

Gao Qian: Der Unterricht war insgesamt von einer guten Lernatmosphäre geprägt. Alle Kursteilnehmenden waren unabhängig von ihrem sprachlichen Niveau mit einer richtig guten Einstellung im Unterricht angekommen. Sie haben sich vom ersten Tag an mit großem Ehrgeiz aktiv am Unterricht beteiligt und sich in den vergangenen zwei Wochen trotz der Intensität gut aufs Lernen konzentriert und kommunikativ miteinander zusammengearbeitet. Wegen der Heterogenität in der Gruppe habe ich als Lehrkraft jedoch bemerkt, dass die Kursteilnehmer ein unterschiedliches Lerntempo aufweisen und verschiedene Lernbedürfnisse besitzen. Außerdem war es ein schönes Erlebnis, mit den Kursteilnehmern außerhalb des Unterrichts etwas gemeinsam zu unternehmen. Alle Kursteilnehmer haben nicht nur für das Deutschlernen im Unterrichtsraum sondern auch für die Erkundung der Stadt sowie das Kennenlernen der lokalen Geschichte und Kultur großes Interesse gezeigt.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden für das großartige Engagement und freuen uns auf ein Wiedersehen. 

Herzlichen Dank für die Bereitstellung der Fotografien an: Marek Gryglewicz, Wang Xiaomeng, Du Juan.

23.08.2018
Kristina Xu und Wang Xiaomeng
Goethe-Institut China

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