PASCH-net-Adventskalender 2017
„Die Reise nach Ägypten“ – eine Weihnachtsgeschichte

Autor: Hermann Schulz
Sprecherin: Julia Cortis
Illustration: Nina Tines

„Setz dich mal hier hin!“ Dann wusch Doktor Fernando dem Jungen den Schmutz von den Füßen. Das machte er gründlich. Filemón sagte nichts. „Und die Fahrkarte? Wie komme ich denn zur Bushaltestelle?“, fragte er unruhig und zog sich die Sandalen an. Er probierte ein bisschen, in ihnen zu gehen.

„Bist du einverstanden, die Reise zusammen zu machen? Wir nehmen mein Auto. Dann brauchst du keine Fahrkarte.“ Filemón konnte es nicht glauben. „Hast du wirklich ein eigenes Auto?“ Und dann redete er plötzlich ganz schnell und ein bisschen durcheinander. Der Doktor konnte ihn nur schwer verstehen.

„Vor meiner Zeit im Krankenhaus war ich immer da draußen, mit den anderen, da haben wir an den roten Ampeln, also an der Straße, oder an einer Kreuzung … immer die Fenster von Autos abgewaschen, ganz schnell mussten wir das machen, und dann haben uns die Fahrer manchmal … Manchmal haben sie uns weggeschubst und sind einfach weitergefahren … Und einer hat böse gelacht und gegen die Putzsachen gestoßen, und alles Wasser war weg. Und Gabriél ist auf den Boden gefallen …“

Doktor Fernando wusste, was der Kleine erzählte. Fast an jeder Straßenkreuzung in Managua standen Kinder und putzten gegen ein bisschen Geld die Autofenster. Es war das erste Mal, dass er etwas vom früheren Leben des Kleinen hörte. Er dachte immer noch an die schmutzigen Füße. Aber er fragte ihn nicht.

Fernando schaute noch einmal in das Schwesternzimmer, den kleinen Jungen hielt er an der Hand. Schwester Salvadora guckte von ihrem Schreibtisch zu den beiden. „Schwester Salvadora, rufen Sie doch bitte meine Frau an. Sagen Sie ihr, ich komme eine Stunde später. Filemón und ich haben noch etwas zu tun.“

„Natürlich!“, sagte sie, und dann noch: „Ihre Frau hat schon nach Ihnen gefragt! Nehmen Sie den Kleinen denn mit?“ „Es ist alles in Ordnung“, sagte Fernando leise. „Ich bringe ihn später zurück, vielleicht aber erst morgen.“

Die Schwester sah ihn an und fragte leise: „Brauchen Sie meine Hilfe, Doktor?“ „Danke, aber das muss ich allein machen“, antwortete auch er leise. Dann gingen Doktor Fernando und Filemón aus dem Krankenhaus zum Parkplatz.


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