PASCH-net-Adventskalender 2017
„Die Reise nach Ägypten“ – eine Weihnachtsgeschichte

Autor: Hermann Schulz
Sprecherin: Julia Cortis
Illustration: Nina Tines

Vielleicht weiß er nicht mehr, dachte sie. Wahrscheinlich, wie so oft schon, war Filemón eines der vielen Kinder auf der Straße, ohne Eltern und Familie, ohne Zuhause.

Davon gab es in ihrer Stadt leider eine ganze Menge. Es war auch nicht das erste Mal, dass ein solches Kind zu ihnen kam. Der Junge hatte nur alte, kaputte Kleidung am Körper, war schmutzig und seine Haare sahen schlimm aus.

Die Schwester nahm ihn erst einmal mit ins Krankenhaus. Sie wusch Filemón und steckte ihn in ein weißes Handtuch. Salvadora schnitt ihm die Haare, denn es war unmöglich, Ordnung in die dicken, schwarzen Haare zu bringen.

Aus dem Kleiderzimmer bekam der Junge ein sauberes Nachthemd, und aus der Küche einen Teller Reis mit Bohnen und Rührei. Der Junge aß schnell und mit großem Hunger. Schwester Salvadora sagte: „So, nach dem Essen gehen wir zu Fernando. Der ist lustig.“

Das gefiel dem Kleinen wohl nicht besonders. „Ich brauche keinen lustigen, sondern einen richtigen Arzt. Das haben die anderen gesagt!“, antwortete Filemón. Er wusste sehr wohl, was er wollte. „Alles gut, mein Kleiner. Fernando ist ein sehr guter Arzt. Einen besseren findest du in der ganzen Stadt nicht!“

Sie gingen in das Zimmer des Doktors. Da standen ein Schreibtisch, Geräte, ein paar Stühle und eine Liege für die Kranken. In einem großen Schrank mit Glasfenstern lagen alle Medikamente. Und in einem Regal daneben lagen einige der Bücher, die Fernando selbst geschrieben hatte.

Romane, Sammlungen mit Erzählungen und Gedichte, denn er war auch ein bekannter Schriftsteller. Natürlich hatte Schwester Salvadora alle Bücher ihres Chefs gelesen. Und sie fand sie wunderbar. Man merkte bei seinen Geschichten, dass er alle Menschen, alt oder jung, liebte!

Doktor Fernando lachte gerne. Kinder und Erwachsene freuten sich immer auf seine Besuche. Sie sahen ihn nur und mussten schon lächeln, auch ohne ein Wort von ihm. Seine Augen waren voll mit Freude.

Seine Freunde wussten aber, dass er sehr viel und an manchen Tagen zu viel arbeitete. Er hatte viel Arbeit, viele Probleme und wenig Geld, aber er sah glücklich aus. Er sagte, dass er an die Glücksbringerin glaubt.


Klicke morgen auf das nächste Türchen und erfahre, wie es weitergeht.