Lernen an der Uni

Praktika – einen ersten Einblick ins Berufsleben bekommen


In vielen Studiengängen müssen Studierende während des Studiums ein oder mehrere Praktika machen. Der Jurastudent Yavor Stamenov aus Bulgarien empfiehlt ausländischen Studierenden, sich bei Top-Arbeitgebern für ein Praktikum zu bewerben.

Was ist typisch für ein Praktikum? Wie läuft es ab?

Wie in anderen Studiengängen ist auch in Jura ein Pflichtpraktikum vorgesehen. Die einzelnen Bundesländer bestimmen in eigenen Landesprüfungsordnungen die genauen Vorgaben für die praktische Studienzeit. Sie muss in allen Bundesländern mindestens 3 Monate, bzw. 13 Wochen dauern. Die Dauer bezieht sich auf die praktische Studienzeit in der Summe. Man kann also entweder ein langes Praktikum oder mehrere kürzere Praktika machen. Damit die praktische Leistung anerkannt wird, muss das Praktikum ausschließlich in der vorlesungsfreien Zeit abgeleistet werden.

Dies kann bei einer Institution, zum Beispiel einem Amtsgericht, einer Industrie- und Handelskammer, einer Verwaltungsbehörde oder in der freien Wirtschaft bei einem Unternehmen oder einer Kanzlei geschehen. Selbstverständlich muss das Praktikum von einem Juristen betreut werden. Je nach Stelle und Betreuer gibt es vielfältige Möglichkeiten für den Verlauf des Praktikums. Auslandspraktika sind grundsätzlich auch möglich. Ich habe selbst ein einmonatiges Praktikum in der juristischen Abteilung der Hafenverwaltung in meiner Heimatstadt Varna absolviert.

Während des Praktikums musste ich eine Anwältin unterstützen, die vor allem haftungs- und versicherungsrechtliche Prozesse im Namen des Unternehmens führte. Bemerkenswert sind die zahlreichen Parallelen zum deutschen Zivilrecht, die ich in der Rechtsordnung meiner Heimat Bulgarien feststellte (viele Prinzipien und sogar Vorschriften sind komplett identisch).

Nach Ende des Praktikums kann die Universität oder das Prüfungsamt einen Bericht über die Erfahrungen des Praktikanten/der Praktikantin verlangen.

Das gefällt mir besonders am Praktikum.

Das Praktikum ist die erste Auseinandersetzung mit der Praxis. Das Jurastudium ist zwar interessant und intellektuell herausfordernd, zugleich aber recht theoretisch. Während des Praktikums hat man die Möglichkeit, bestimmte Aspekte des heutigen Rechtssystems sozusagen „live“ kennenzulernen und zu sehen, wie das System konkret funktioniert oder manchmal nicht funktioniert.Sollte man sich auch für ein bestimmtes Rechtsgebiet oder für eine konkrete Sphäre oder Branche interessieren, ist das Praktikum eine hervorragende Möglichkeit einen ersten Einblick zu bekommen.

Der zweite große Vorteil des Praktikums ist die Chance, mit Berufsperspektiven und natürlich mit potenziellen Arbeitgebern oder Arten von Arbeitgebern in Berührung zu kommen.

Das gefällt mir nicht so.

Die Praktikumssuche ähnelt stark dem Prozess bei der Jobsuche. Insbesondere wenn man sich bei privaten Kanzleien oder Unternehmen bewirbt, muss man zwangsläufig den ganzen Bewerbungsstress erleben. Mit diesem Nachteil muss man leider leben.

Schlimmer ist, falls man ein langweiliges Praktikum anfängt und abschließen muss, bei dem man weder viele neuen Sachen lernt noch spannende Aufgaben bekommt, letztendlich also keinen richtigen Einblick in die Praxis bekommt. Andere Nachteile sind lange Pendelzeiten und umständliche Transportbedingungen, was auch durchaus vorkommen kann.

Ziemlich unangenehm ist der zeitliche Druck, den man hat, wenn man in den Ferien häufig sowohl Hausarbeiten als auch Praktika erledigen muss.

Mein Tipp für Studierende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, um von einem Praktikum zu profitieren.

Die Möglichkeit, ein Praktikum im Ausland zu absolvieren, ist grundsätzlich gegeben und gerade für ausländische Studierende attraktiv. Die Prüfungsordnung in Baden-Württemberg zum Beispiel ist bezüglich Auslandspraktika nicht besonders restriktiv und stellt die gleichen Anforderungen wie an Inlandspraktika:

§ 5 JAPrO Baden-Württmeberg, 2002

(2) Die praktischen Studienzeiten können bei allen Stellen im In- und Ausland abgeleistet werden, die geeignet sind, den Studierenden eine Anschauung von praktischer Rechtsanwendung zu vermitteln.

Damit man aber auf der sicheren Seite ist, sollte man sich ganz genau die Vorgaben der anwendbaren Prüfungsordnung durchlesen und am besten auch noch mit der zuständigen Studienberatung an der Uni über seinen konkreten Wunsch reden.

Empfehlenswert ist, dass man versucht, seine praktische Studienzeit in Deutschland abzuschließen. Dies unterstützt eine deutsche rechtswissenschaftliche Ausbildung am besten. Zudem sollte man als Ausländer keinesfalls Angst haben, sich bei Top-Arbeitgebern, zum Beispiel Großkanzleien zu bewerben. Sprachlich wird man im Studium genug darauf vorbereitet, ein souveräner Praktikant zu sein. Gerade Großkanzleien schätzen auch Fremdsprachenkenntnisse (gutes Englisch wird jedenfalls verlangt) sehr und nehmen gerne auch Praktikanten, die keine Muttersprachler sind.

Meine ergänzenden Bemerkungen

Es gibt viele Stellen, wo man sich um ein Praktikum bewerben kann. Gerade bei Top-Arbeitgebern, wie dem Auswärtigen Amt oder Großkanzleien, ist eine erfolgreiche Bewerbung selbst für überdurchschnittliche Kandidatinnen und Kandidaten schwierig.

Zugleich gibt es aber auch andere Stellen, wo eine Bewerbung fast nicht scheitern kann, sofern sie rechtzeitig erfolgt, wie Bewerbungen für Gruppenpraktika beim Amtsgericht (eine Stelle in einem Gruppenpraktikum zu bekommen ist generell leichter).

Man sollte also nicht fürchten, dass man unter keinen Umständen eine Stelle finden wird. Trotzdem lohnt es sich enorm, sich um ein sehr gutes Praktikum zu bemühen. Gute Noten sind dafür zwar nicht so extrem wichtig wie bei der späteren Jobsuche, dennoch eine Hauptvoraussetzung. Ein gutes Praktikum unterstützt eben die eigene Suche nach dem passenden Beruf, auch wenn man herausfinden sollte, in welchem Gebiet man nicht gerne arbeiten würde. Zudem hilft das Praktikum auch für das weitere Studium.

Wichtig ist auch, dass man sich auf der Suche nach einer Praktikumsstelle auch initiativ, also ohne vorherige Stellenausschreibung bewerben kann.

Yavor Stamenov aus Bulgarien studiert mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) Jura (Studiengang Unternehmensjurist LLB – Bachelor of Laws) an der Universität Mannheim.

Links zum Thema

PASCH-net und Social Media

 

Studieren in Deutschland
Infos über das Studium in Deutschland

TU9 German Institutes of Technology – Excellence in Engineering and the Sciences Made in Germany

TU9 ist die Allianz der führenden Technischen Universitäten in Deutschland. Die TU9 bieten ein breites Studienangebot in den Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie eine exzellente Ausbildung.

Informationen zur Anerkennung der Sprachprüfungen des Goethe-Instituts

Logo des Goethe-Instituts Informationen zur Anerkennung der Goethe-Zertifikate an Hochschulen in Deutschland

» Liste herunterladen
(PDF, 396 KB)

Studienkollegs

Studienkollegs
Studienkollegs in Deutschland

 

Internationale Studierende berichten über das Studium und Leben in Deutschland.

Alumniportal Deutschland

Alumniportal Deutschland | © Alumniportal Deutschland Soziales Netzwerk für Deutschland- Alumni