Lernen an der Uni

Arbeitsgemeinschaften – den Stoff der Vorlesung vertiefen


Yavor Stamenov studiert Jura an der Uni Mannheim. Er hält Arbeitsgemeinschaften (AGs) in seinem Studienfach für besonders wichtig.

Was ist typisch für eine Arbeitsgemeinschaft? Wie läuft sie ab? Wer führt sie durch?

Arbeitsgemeinschaften (AGs) sind für Jurastudierende genauso wichtig wie die üblichen Übungen und Tutorien. Sie werden von Dozentinnen oder Dozenten geleitet und können unter Umständen eine Anwesenheitspflicht haben. Eine AG begleitet inhaltlich eine oder mehrere Vorlesungen und dauert ebenso 90 Minuten.

Im Unterschied zur Vorlesung sind AGs aber praxisorientiert. Dort wird die abstrakte Materie der Vorlesungen anhand von Fällen geübt. Die AG ist in diesem Sinne mit einer Übung oder mit einem Tutorium vergleichbar. Der Zweck der AG ist aber, anders als bei manchen Übungen und Tutorien, dass man zusammen mit den anderen Teilnehmenden und der AG-Leiterin oder dem AG-Leiter den Vorlesungsstoff wiederholt und vertieft, Falllösungen erarbeitet und juristische Probleme bespricht. AGs werden deswegen immer in relativ kleinen Gruppen durchgeführt.

Das gefällt mir besonders an AGs.

In juristischen Klausuren bekommt man einen Sachverhalt und eine oder mehrere Fragestellungen. Zu diesen muss man ein sogenanntes Gutachten schreiben. In den AGs werden gerade Falllösungen geübt und diskutiert, was einerseits eine direkte Vorbereitung auf die Klausur ist und andererseits das Verständnis des theoretischen Wissens und der klassischen juristischen Probleme zu einem konkreten Thema unterstützt.

In den AGs hat man auch die Möglichkeit Fragen zu stellen und das ist wichtig, weil man in der Vorlesung eben oft mehr Angst hat, sich zu melden, beziehungsweise der Professor nicht genügend auf die Frage eingeht.

Der dritte große Vorteil der AG ist die Gelegenheit, Jura selbst zu verbalisieren. In Deutschland sind 99 Prozent der Aufgaben oder Klausuren im Jurastudium schriftlich. Das ist besonders nachteilhaft, wenn man gern alleine lernt (was für mich zutrifft), denn Juristen müssen selbstverständlich auch überzeugend reden können.

Das gefällt mir nicht so.

AGs sind oft anmeldepflichtig. Wenn man einen Platz in einem Kurs bekommen hat, kann es gerade am Anfang des Studiums passieren, dass man mit dem Termin überhaupt nicht zufrieden ist, zum Beispiel aufgrund von Überschneidungen mit anderen Veranstaltungen und sogar Vorlesungen.

Die Gestaltung einer AG liegt meistens in der Hand der jeweiligen Dozentin/des jeweiligen Dozenten. AGs, die dieselbe Vorlesung begleiten, können sich also stark voneinander unterscheiden. Dementsprechend besteht die Gefahr, dass man mit dem Kurs, in welchem man einen Platz bekommen hat, später nicht zufrieden ist.

Obwohl ein Kurswechsel meistens nach Absprache mit dem Dozenten möglich ist, kann es dazu kommen, dass man am Ende des Semesters keine Teilnahmebescheinigung bekommt, wenn der Kurswechsel nicht offiziell bei der Verwaltung angemeldet worden ist.

Mein Tipp für Studierende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, um von dieser Veranstaltung zu profitieren.

Die juristische Sprache ist selbst für Muttersprachler am Start des Studiums eine Fremdsprache. Gewissermaßen sind deshalb Deutschen und Ausländer am Anfang in sprachlicher Hinsicht gleichgestellt. Ein Wörterbuch könnte man vielleicht ganz am Anfang brauchen und in die AG mitnehmen. Die Fälle sind aber gerade am Anfang (eigentlich auch später) sprachlich nicht besonders kompliziert. Die wenigen neuen Wörter, denen ich begegnete, habe ich immer zu Hause nachgeschlagen, ohne Wörterbücher in die Veranstaltungen mitzuschleppen. Heute gibt es übrigens bequeme Apps für Handy oder andere Geräte.

Das andere Problem, nämlich die Angst, während einer AG „dranzukommen“ entsteht am Anfang genauso selbstverständlich wie sie später auch verschwindet. Es gibt zudem nicht viele Kursleiter, die ihre Teilnehmenden heftig mit Fragen quälen. Die meisten tragen lieber selbst vor und stellen Fragen in den Raum, sodass jede oder jeder sich freiwillig melden kann. Der Sinn der AG besteht eben nicht darin, dass man „geprüft“ wird, sondern dass das Lernen unterstützt wird.

Meine ergänzenden Bemerkungen

Am Anfang des Studiums ist eine Vorbereitung auf Klausuren anhand der Fälle aus der AG keine schlechte Idee. Empfehlenswert ist aber allmählich auch mit Fallbüchern mit entsprechendem Schwierigkeitsgrad arbeiten zu lernen. Fälle aus verschiedenen Quellen zu lösen, ist eine gute Übung. So gewöhnt man sich auch schneller an das Gefühl, dass Jura eine Streitwissenschaft ist.

Yavor Stamenov aus Bulgarien studiert mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) Jura (Studiengang Unternehmensjurist LLB – Bachelor of Laws) an der Universität Mannheim.

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