Stipendiaten berichten

Durch viele Zufälle nach Deutschland

Seit fünf Jahren lebe, studiere und arbeite ich in Deutschland. Den Startschuss, mein Heimatland zu verlassen und nach Deutschland zu ziehen, gab mir das BIDS-Stipendium.

Ich muss vielen Zufällen dafür dankbar sein, dass ich auf die Gelegenheit, mich für dieses Stipendium zu bewerben, aufmerksam wurde. Vielen Zufällen und einigen Menschen, die teilweise nur für kurze Zeit in mein Leben traten – dafür aber mein Schicksal umso intensiver beeinflussten.

Leider muss ich sagen, dass das Auswahlverfahren für das Stipendium sehr langwierig war und die Antwort sehr spät kam. Wir waren gut informiert und hatten uns gut vorbereitet. Da es aber bis einige Wochen vor der Abfahrt nach Deutschland noch unklar war, ob das Stipendium tatsächlich bewilligt wird, war die Zeit davor extrem angespannt. Den Studienplatz, den ich an der TU Riga für mich gesichert hatte, musste ich absagen, weil ich immer noch auf die Zusage aus Oldenburg hoffte. Außerdem hatte ich keine Unterkunft in Deutschland, da ich nicht wusste, ob ich garantiert in diese Stadt ziehen würde. Aus dem gleichen Grund hatte ich den Studienbeitrag nicht überwiesen. Das waren Aspekte, die mir das Leben später erschweren sollten.

Schnell einen besten Freund gefunden

Die Letten sind ein kleines Volk. Deswegen sind wir froh, uns bei Begegnungen im Ausland helfen zu können. Glücklicherweise stieß ich in Oldenburg gleich auf einen lettischen Studenten, der auf ähnliche Weise nach Deutschland gekommen war. Er half mir bei der Zimmersuche, erklärte mir alltägliche Dinge und zeigte mir die Hochschule. Das fremde Land und die Hilflosigkeit machen die Menschen offener, sodass er innerhalb sehr kurzer Zeit mein bester Freund wurde, den ich bis heute sehr schätze. Diese Unterstützung versuchte ich später ebenfalls neuen lettischen Studenten zu geben, die nach Oldenburg kamen.

Allerdings fiel es mir unerwartet leicht, Architektur zu studieren. Obwohl das Studium überhaupt nicht meinen Vorstellungen entsprach, hat es sehr viel Spaß gemacht. Da es viel um das Zeichnen und weniger um technische Fächer ging, konnte ich mich mehr auf die Verbesserung meiner Sprachkenntnisse konzentrieren. Viele Fachbegriffe waren neu, auch die Umgangssprache musste ich lernen. Meine Projekte wurden mehrmals in der Jade Hochschule ausgestellt, einen Modellentwurf hat mein Professor sogar in seinem Arbeitsraum als Deko an die Wand gehängt.

Zu den lettischen Studierenden aus Wilhelmshaven und Oldenburg baute ich ein starkes Vertrauen auf. Im Sommer feierten wir immer das Sommersonnenwendfest nach lettischer Art. Wir bereiteten lettisches Essen vor, sangen Lieder, flochten Blumenkränze und tanzten traditionelle Tänze. Weil dieses Fest uns allen so wichtig ist und am Herzen liegt, wollten wir es auch anderen zeigen: Wir luden daher auch Freunde aus Deutschland und anderen Ländern ein.

Mit Offenheit Sympathien gewinnen

Ich liebe es, neue Menschen kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen und immer sozial aktiv zu sein. Daher fand ich schnell viele deutsche und ausländische Freunde. Ich glaube: Ohne diese Offenheit wäre es schwieriger gewesen, die Sympathien der Deutschen zu gewinnen. Man muss auf sie zugehen, sonst droht einem das Alleinsein. Dank meiner Kommilitonen gelang es mir auch, im ersten Semester nie einen Termin zu verpassen oder irgendwelche Aufgaben falsch zu verstehen.

Nach einem Jahr Unterstützung durch das Stipendium entschied ich mich, auch für das weitere Studium in Deutschland zu bleiben. Das Bachelorstudium habe ich bereits absolviert und mit dem Masterstudium in Architektur begonnen.

Das Motivationsstipendium war entscheidend

Das Motivationsstipendium war sicherlich der ausschlaggebende Grund, warum ich nach Deutschland kam. Auch wenn es unmöglich ist, ohne die finanzielle Unterstützung durch Eltern oder Nebenjobs und nur mit dem Stipendium den Deutschlandaufenthalt zu finanzieren, ist es eine sehr gute Motivation. Man kann über den Tellerrand schauen und die vertraute Umgebung verlassen. Schließlich verspricht das Stipendium nicht nur finanzielle, sondern auch soziale Unterstützung. Viele Probleme können im akademischen Auslandsamt geklärt werden, man bekommt von den Mitarbeitern dort Unterstützung und gute Ratschläge.

Ich bin sehr froh, dass ich das Motivationsstipendium bekommen habe. Ich wünsche mir, dass mehr Schülerinnen und Schüler über das Studium in Deutschland informiert werden. Oft fehlt es in den lettischen Schulen an Motivation, Deutsch zu lernen. Die Schülerinnen und Schüler und deren Eltern sind einfach nicht ausreichend darüber informiert, welche Möglichkeiten und Vorteile die deutschen Sprachkenntnisse mit sich bringen.

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Rita Kergalve besuchte in Lettland das Gymnasium Smiltene. Später studierte sie Architektur an der Jade Hochschule. Das Motivationsstipendium erhielt sie im Wintersemester 2009/2010 und im Sommersemester 2010.
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