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Das Studium im Ausland: eine schwere Entscheidung

„Lieber probieren und schlecht machen, als gar nichts tun.“ (Lew Nikolajewitsch Tolstoi)

Mit dem Tolstoi-Zitat im Kopf kam ich im Oktober 2010 nach Deutschland zum Studium auf Probe – an die Jade Hochschule im Studiengang Architektur.

Eine Woche lang war ich an meiner zukünftigen Hochschule, in meinem zukünftigen zu Hause. Das Studium auf Probe war eine große Hilfe. Ich verstand, wie alles funktioniert – nicht nur die Bewerbungen und das Wohnen, sondern auch ein Architekturstudium und das Studium an sich in Deutschland. Ich fand heraus, ob all das überhaupt für mich geeignet ist. Es war genau das Richtige für mich.

Ein neuer Anfang

Im September 2011 kam ich in Oldenburg an. Die erste Zeit war schwierig, alles war neu und fremd. Man kann sich nicht vorstellen, wie viele Kleinigkeiten an Unklarheiten oder Überraschungen auf eine Auslandsstudentin zukommen können. Da möchte man sonntags Wäsche waschen, hat aber keine Waschkarte. Die bekommt man nur an Werktagen im Studentenwerk. „Im Bus bitte immer vorne einsteigen!“ Aber aussteigen? „Nur hinten!“ Ein Brot zu finden, das auch einer Lettin schmeckt? Bier in der Unimensa? Mit dem Fahrrad kann man auch im Winter fahren, insofern man einen Dauerherbst überhaupt Winter nennen kann. Es gibt noch ganz viele weitere Unterschiede zwischen Lettland und Deutschland.

Dank des International Office der Jade Hochschule war ich in der Willkommenswoche mit anderen internationalen Studenten zusammen. Ich habe noch nie so viele Nationalitäten und Temperamente auf einmal kennengelernt. Diese Erfahrung war einzigartig.

Die ersten Monate in meinem neuen Studienleben fielen mir schwer. Vorlesungen, die 90 Minuten dauern und auf Deutsch sind, erforderten große Konzentration und Motivation. In meinem Kurs waren wir nur zwei Studentinnen aus dem Ausland. Doch allmählich fand ich meinen Lebensrhythmus und viele neue Freunde in meinem Kurs. Ich verstand, dass Deutsche mehr Zeit brauchen, um neue Freunde nah an sich heranzulassen. Ich verliebte mich in die Denkweisen und Herausforderungen meiner Professoren. Ich war stolz, Sprache, Kreativität und Beruf gleichzeitig lernen zu dürfen gerade in einem so kultivierten Land wie Deutschland. Die vielen guten Bewertungen und das Lob, das ich erhielt, bestätigten, dass ein Architekturstudium an der Jade Hochschule das Richtige für mich war.

Deutschland: Mein neues zu Hause

Weil ich in meinem zweiten Studienjahr nicht den Kontakt zu den internationalen Studierenden verlieren wollte, engagierte ich mich und arbeitete ich im International Office der Jade Hochschule Oldenburg. Ein Jahr lang durfte ich Tutorin der neuen internationalen Studierenden sein. Das war einfach für mich, weil ich viele Schwierigkeiten beim Auslandsstudium in Deutschland und in Oldenburg selbst erlebt hatte. Es war ein gutes Gefühl, anderen zu helfen und die Studierenden in einem fremden Land nicht alleine zu lassen.

Mittlerweile habe ich meinen Platz in der Welt gefunden. Ich habe viele tolle Menschen um mich herum. Ich habe mich nie allein gefühlt, obwohl ich oft allein war. Erst in Deutschland habe ich verstanden, wie reich ich eigentlich bin. Mir gehört alles, was ich erlebt habe.

Erfahrung über das Leben

Ich bin mit 19 Jahren nach Deutschland gekommen. Damals wusste ich nicht viel vom selbstständigen Leben. Wer konnte wissen, dass Erwachsensein so anstrengend ist? Wenn man nicht einkaufen geht, gibt es auch kein Essen. Wenn man nicht die Kleidung wäscht, gibt es auch nichts Frisches zum Anziehen. Wenn man zu einer Geburtstagsparty will, sollte man auch vorher Geld für ein Geschenk sparen. Verantwortung, Organisation, Alleinsein – viel zu viel auf einmal. Ich bin lebensklug geworden. Die besten Erfahrungen muss man selbst machen.

Ich habe die deutsche Bahn genossen, habe mit Spaniern Siesta gemacht, mit Russen Volkslieder gesungen, mit Italienern Spaghetti Bolognese gekocht. Ich habe ostfriesischen Tee mit Milch und Zucker, der knackt, getrunken. Ich habe mit Amerikanern den Independence Day gefeiert und mit Griechen über die Bedeutung des Euros diskutiert. Ich habe meine Vorurteile geändert. Ich habe mich selbst geändert. Ich habe drei Sprachen – Deutsch, Englisch und Russisch – gleichzeitig gelernt. Ich habe Nachtschichten an der Hochschule gemacht. Ich war tagelang wach und manchmal brauchte ich meine Pyjama-Tage. Ich habe mein Land repräsentiert und Freunde gefunden. Ich habe gelernt, allein zu sein, habe ganz Europa bereist. Ich war unvorstellbar froh und manchmal auch traurig. Ich bin stärker geworden, frei und jung.

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Maija Gavare besuchte in Lettland das Smiltenes Gymnasium. Später studierte sie an der Jade Hochschule Architektur. Das Motivationsstipendium erhielt sie von September 2011 bis Februar 2012.
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