Stipendiaten berichten

Auf eigene Faust nach Deutschland gereist

Miguel studiert in Heidelberg Mathematik und Informatik auf Lehramt | © privat Mein Name ist Miguel Gil. Mein Abitur machte ich an der Deutschen Schule Madrid. Deutsch habe ich schon als Kleinkind in Heidelberg gelernt, da mein Vater bei meiner Geburt noch dort studierte.

Obwohl meine ganze Familie in Spanien wohnt und ich auch dort geboren wurde, wollte ich gerne nach meinem Abitur in Deutschland studieren. Die letzten zwei Jahre in der Schule gab es jede Menge Veranstaltungen, die uns Informationen und viele Wege aufzeigen sollten. Der DAAD hat uns über deutsche Universitäten und Hochschulen informiert, da ansonsten fast nur spanische Privatuniversitäten vertreten waren. Außerdem hatte der DAAD am Goethe-Institut in Madrid einen Vortrag über Stipendien organisiert. Leider war dies komplett unnütz, da sich diese Stipendien ausschließlich an ERASMUS-, Masterstudierende oder Doktoranden richten.

Die Sorge um die Finanzierung

Also entschied ich mich, ohne feste Pläne nach Deutschland zu fliegen, um dort im Wintersemester 2013/2014 ein Studium zu beginnen. Ich hatte in Spanien Geld gespart, da ich im Sommer etwas gearbeitet hatte. Außerdem hoffte ich, schnell einen Studentenjob zu finden, um von dem Verdienst ein paar Monate leben zu können. Meine Familie konnte mir keinen monatlichen Beitrag schicken. Ich habe zwei kleine Geschwister, die auch noch zur Schule gehen. Und meine Mutter verdient als Beamtin infolge der Staatskrise wenig.

Mitte September kam ich in Heidelberg an. Ich hatte schon vorher ein schönes und preiswertes Wohnheim gefunden. Die Menschen dort waren sehr nett und halfen mir am Anfang sehr. Derzeit bin ich in Mathematik und Informatik für das Lehramt am Gymnasium eingeschrieben. Als das Studium begann, merkte ich, dass der Zeitaufwand weit höher als erwartet war. So blieb mir nur wenig Zeit blieb, um zu arbeiten. Dennoch unterrichtete ich dreimal die Woche zwei Stunden in einer Nachhilfeakademie, um etwas Geld zu verdienen. Das reichte aber nicht einmal, um die Miete zu bezahlen. Fast hoffnungslos suchte ich nach Lösungen, da die Fristen für Bewerbungen nationaler Stipendien, zum Beispiel BAföG, bereits abgelaufen waren.

Die Sonne genießen

Dann bekam ich eine Mail vom Dezernat Internationale Beziehungen. In der stand, dass ich für dieses Semester noch ein Stipendium bekommen könnte. Schnell bewarb ich mich und wurde Mitte Oktober zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Nachdem ich meine Situation beschrieben hatte, erhielt ich das Stipendium. Mit dieser finanziellen Unterstützung reicht es, um das zu machen, was ein Student so tut: essen, lernen, schlafen und zwischendurch auch mal feiern. Vielleicht hätte ich sonst schon im Dezember zurück nach Spanien ziehen müssen.

Ich bin sehr froh, in Deutschland studieren zu können. Obwohl es hier kälter und grauer als in Madrid ist, meiner Heimatstadt. Man lernt aber, die sonnigen Tage zu schätzen und zu genießen. Und mit einer dicken Jacke und einem Schal wird es auch nicht allzu „eisig“.

Die Art und Weise, wie hier Verkehrsmittel eingesetzt werden, finde ich sehr gesund. Da es in meinem Wohnviertel nur wenig Parkplätze gibt, benutzen fast alle Busse oder das Fahrrad. Dadurch gibt es viel weniger Lärm und die Luft ist sauberer. Das ist ein großer Unterschied zu Madrid. Außerdem ist es schön, sowohl Fluss als auch Berge in weniger als zehn Minuten Fußweg zu erreichen.

Die jungen Menschen unterscheiden sich kaum

Man sagt oft viel Schlechtes über Deutsche. Das kann zunächst erschrecken, gerade dann, wenn man selbst plant, nach Deutschland zu ziehen. Obwohl nicht alles ganz falsch ist, sind viele Menschen nicht so ernst, pünktlich und streng, wie man glauben soll. Bei den jungen Menschen merkt man fast keinen Unterschied zu Spaniern, außer dass deutsche Mädchen ziemlich rot werden, wenn man ihnen zwei Küsse auf die Wangen gibt. Hier umarmt man sich nur, was aber für mich wiederum sehr ungewöhnlich ist.

Die deutsche Universität hat viele Vorteile gegenüber spanischen Hochschulen. Sie ist viel preiswerter und man hat als Studierender mehr Freiraum, sein Studium zu gestalten. Das bedeutet aber nicht, dass man weniger arbeiten muss oder es einfacher ist. Dieses System ist sehr gut, um selbstständig zu werden. Man muss selbst entscheiden, wie viel man lernt und wie viel Freizeit man sich nimmt. Wenn man im Elternhaus bleibt, ist natürlich alles viel einfacher. Aber ich denke, es ist erfreulicher, wenn man lernt, allein voranzukommen.

Studierenden, die in Deutschland studieren wollen, rate ich, sich zuerst und mit viel Vorlaufzeit nach einem geeigneten Wohnort umzuschauen. Dies ist eines der schwierigsten Unterfangen.

Langversion des Berichts als PDF herunterladen
Zurück zur Übersicht

Miguel Gil Casas besuchte die Deutsche Schule Madrid. Dann studierte er die Fächer Mathematik und Informatik auf Lehramt an der Universität Heidelberg.
Links zum Thema

Stipendiaten berichten - Zurück zur Übersicht

PASCH-net und Social Media

 

Studieren in Deutschland
Infos über das Studium in Deutschland

TU9 German Institutes of Technology – Excellence in Engineering and the Sciences Made in Germany

TU9 ist die Allianz der führenden Technischen Universitäten in Deutschland. Die TU9 bieten ein breites Studienangebot in den Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie eine exzellente Ausbildung.

Informationen zur Anerkennung der Sprachprüfungen des Goethe-Instituts

Logo des Goethe-Instituts Informationen zur Anerkennung der Goethe-Zertifikate an Hochschulen in Deutschland

» Liste herunterladen
(PDF, 396 KB)

Studienkollegs

Studienkollegs
Studienkollegs in Deutschland

 

Internationale Studierende berichten über das Studium und Leben in Deutschland.

Alumniportal Deutschland

Alumniportal Deutschland | © Alumniportal Deutschland Soziales Netzwerk für Deutschland- Alumni