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„Bis zum Treff in Berlin“

Technische Universität Berlin| © picture alliance / dpa; Foto: Daniel Naupold/dpa Nichts passiert einfach so. Manchmal ziehen wir wichtige Ereignisse, die ein ganzes Leben verändern, magisch an. So beginnt auch meine Geschichte vom Weg nach Deutschland.

Der begann mit einem reinen Zufall: Ich kam in die DSD-Schule und habe dort Deutsch als Pflichtfach gelernt. In der 9. Klasse sollte jeder eine schwer zu fällende Entscheidung treffen: Diese Sprache weiter einfach nur lernen oder sich intensiv mit ihr beschäftigen, um in der 11. Klasse Prüfungen zu machen und das Deutsche Sprachdiplom zu erwerben.

Ich wusste noch nicht einmal, womit ich mich in der Zukunft beschäftigen wollte. Doch dank der Lehrer habe ich den schwierigsten, schließlich aber richtigen Weg gewählt. Anfangs gab es Probleme. Da verstand ich die Aussprache der Lehrerin nicht. Danach folgte eine Pilotprüfung, in der ich fast die niedrigste Punktzahl erreichte. Aber am Ende habe ich eines der besten Ergebnisse erzielt und das Sprachdiplom der Stufe C1 erhalten. Danach dachte ich: Wenn so viele Menschen nach Deutschland zum Studieren kommen, warum nicht auch ich? Doch es gab ein weiteres Problem: Meine Eltern hatten nicht die finanziellen Mittel, eine Ausbildung im Ausland zu finanzieren. Und so begann ich, eine Lösung zur Verwirklichung meiner neuen verrückten Idee zu suchen.

Das WG-Leben hilft bei der Eingewöhnung

Große Hoffnung setzte ich auf ein Vollstipendium. Doch obwohl ich zum Gespräch ins Generalkonsulat eingeladen wurde, ist mir dies nicht gewährt worden. Wenig später jedoch hörte ich aber vom Motivationsstipendium des DAAD-BIDS-Programms, das die Möglichkeit bietet, im Studienkolleg der Technischen Universität Berlin zu studieren. Das passte perfekt, da ich Chemie als Studiengang wählte. Wieder verfasste ich Motivationsschreiben, nahm an Physik- und Mathe-Tests teil und führte ein Vorstellungsgespräch, aus dem ich mit den Worten „Bis zum Treff in Berlin“ verabschiedet wurde.

Die Organisation meines Visums und anderer Dokumente bildeten den schwersten Part der Vorbereitungen auf mein Studium. In dieser Zeit verstand ich: Man muss alles rechtzeitig und aufmerksam machen und außerdem alle Fristen einhalten. Eine weitere entscheidende Herausforderung ist die Wohnungssuche. Ich empfehle, keine Angst vor einer Wohngemeinschaft zu haben. Gerade in einer neuen und fremden Stadt ohne Freunde, Familie und Bekannte ist das Leben mehr als einsam. Außerdem benötigt man in der ersten Zeit viel Sprachtraining.

Tipps zum Start

Meine ersten Tage in Deutschland waren ziemlich schwer, da dies meine erste Reise ins Ausland war. Das gesprochene Deutsch verstand ich kaum, auch Englisch war schwierig. Daher war die erste Zeit für mich sehr anstrengend. Ich hatte keinen Stadtplan und wollte nicht glauben, dass man sonntags nicht einkaufen kann. Deshalb mein nächster Tipp: Schaffen Sie sich einen Stadtplan an, damit Sie Ihre neue Wohnung nicht zwei Stunden lang in der Dunkelheit suchen müssen.

Das Studienkolleg hatte ich mir fachlich anspruchsvoller vorgestellt. Doch trotz der Tatsache, dass man tatsächlich Stoff aus dem Schulprogramm wiederholt, gibt es immer etwas zu lernen – nämlich deutsche Begriffe und die deutsche Umgangssprache. Außerdem lernt man noch andere Sprachen kennen, da die Gruppen multikulturell sind. Nach fünf Monaten Konversation mit Lateinamerikanern verstehe ich nun sogar etwas Spanisch.

Es ist unglaublich, aber ohne Deutsch zu sprechen, hätte ich niemals so viele freundliche Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt kennengelernt. Hier habe ich Menschen getroffen, die mein Leben wesentlich verändert haben. Und auch wenn ich mich anfangs in Deutschland ganz fremd fühlte, weiß ich jetzt, dass es nicht nur in meiner Heimat, sondern auch in Berlin Menschen gibt, die immer auf mich warten.

Berlin ist einzigartig

Berlin ist eine wunderschöne Stadt, die nicht mit anderen Städten verglichen werden kann. Ich komme aus Sankt Petersburg, einer konservativen Stadt. Aber Berlin kann gleichzeitig üppig und modern sein. Die Stadt kann die Gegensätze miteinander vereinen. Das Leben hier ist ganz anders, dies betrifft auch einfache, alltägliche Regeln: Was in Russland seltsam wirken kann, ist hier Normalität – und umgekehrt.

Das halbe Jahr in Deutschland hat mir deutlich gezeigt: Studieren im Ausland ist viel mehr als nur eine schulische Ausbildung zu erhalten. Man lernt gemeinsam eine Sprache mit Menschen aus verschiedenen Kulturen, lernt, selbstständig und verantwortlich für jeden Tag des eigenen Lebens zu sein.

Und wenn ich zu Beginn nicht sicher war, ob es sich lohnt, meine Ausbildung in Deutschland fortzusetzen, so hege ich jetzt keinen Zweifel mehr. Ich werde alles daran setzen, diese „Zufälligkeit“ nicht zu verschwenden.

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Daria Blizniukova besuchte die PASCH-Schule Nr. 74 St. Petersburg. Später studierte sie Chemie an der TU Berlin. Das Motivationsstipendium erhielt sie von August 2013 bis Ende Februar 2014.
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