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Die Entdeckung des Neuen

Bárbara in der Bibliothek | © privat Mein Name ist Bárbara Garrido Sánchez-Andrade. Zurzeit studiere ich an der Universität zu Heidelberg Übersetzungswissenschaft. Von Oktober bis November 2013 habe ich ein BIDS-Motivationsstipendium erhalten. Doch ich möchte anders beginnen.

An einem 14. Juli saß ich vor dem Computer, noch ein Tag bis zum Fristende. „Soll ich oder soll ich nicht?“, dachte ich. Einmal klicken und warten? Oder einfach das Fenster schließen, zu Hause in Madrid bleiben und dort studieren. Auch das wäre eine Möglichkeit gewesen.

Wie naiv – das Schwierigste sollte noch kommen

Nach meinem Abitur an der Deutschen Schule in Madrid bin ich zum Wintersemester 2013/2014 nach Heidelberg gekommen, um Übersetzungswissenschaft an der neuphilologischen Fakultät zu studieren. Lange Zeit fiel es mir schwer, die Entscheidung zwischen Madrid, meiner Heimatstadt, und Deutschland, meinem eigentlichen Wunschstudienort, zu fällen.

Gute Nachrichten

Es war August, meine Geschwister und ich kamen vom Schwimmbad nach Hause, liefen die Treppen hoch und schleiften die Handtücher hinter uns her. Wir freuten uns auf das Mittagessen und klingelten an der Haustür. Mein Vater machte uns auf und sah mir strahlend ins Gesicht. Er überreichte mir einen Brief: „Du hast Post. Viel Glück!“ Ich drehte den Umschlag um: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. So stand ich auf der Treppe vor der Haustür, fast zittrig, das Handtuch in der Hand. Den Umschlag hätte ich fast zerrissen. Auf jeden Fall: Ich bekam die Zulassung. Sie bedeutete viel mehr – das habe ich in vielerlei Hinsicht seit meinem Umzug im Oktober 2013 erfahren.

Abschiede und das Vermissen

In Frankfurt angekommen wurde ich glücklicherweise am Flughafen von Bekannten abgeholt und nach Heidelberg gefahren. Es ist erstaunlich, wie viele Eindrücke man an einem Tag haben kann: neues Zimmer, neue Mitbewohner, neue Umgebung, anderes Klima, unterschiedliche Uhrzeiten. Es war auf jeden Fall eine Umstellung. Selbst nach fast einem halben Jahr spüre ich sie noch. Ich war an eine große Familie gewöhnt und das hat sich in Heidelberg natürlich komplett geändert. Dies ist eine der größten Umstellungen, aber auch eine Startschwierigkeit. Doch nachdem die Uni losging und ich sehr nette Leute kennengelernt hatte, ist es sehr schnell immer besser geworden. So habe ich den Sonntag bei Freunden verbracht und morgens länger schlafen können.

Erste Vorlesung und ein Polizeikontakt

Ich komme außer Atem in die Vorlesung hineinspaziert. Ich bin zu spät. Alle Blicke richten sich auf mich. Da es früh am Morgen ist, denken wahrscheinlich alle, ich hätte verschlafen. Aber nein: Keiner weiß, dass ich gerade eine Strafe von der Polizei bekommen habe. Ich bin mit dem Fahrrad über Rot gefahren. Es war wirklich ein ungefährlicher Zebrastreifen – doch ich bin gleich von der Polizei erwischt worden. Da fragte ich mich, warum ich mir bloß dieses Fahrrad auf dem Flohmarkt gekauft habe. Ich hätte ja auch, wie ich es bis dahin tat, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fuß kommen können.

Studentenleben mit all seinen Herausforderungen

Nach dem Unterricht gehen wir in die Marstallmensa und essen von dem tollen Büffet. Ich unterhalte mich mit Italienern, Deutschen, Spaniern, Kroaten und Amerikanern. An der Uni in Heidelberg gibt es Studierende aus der ganzen Welt. Einige absolvieren ihr gesamtes Studium hier, andere nehmen an Studentenaustauschprogrammen teil. Es gibt so unterschiedliche Staatsangehörigkeiten, dass ich manchmal sogar vergesse, dass ich in Deutschland bin.

Nach dem Mittagessen laufe ich ab und zu mal zum Schwarzen Brett der Triplexmensa und schaue nach neuen Jobangeboten. Bis Weihnachten hatte ich unterschiedliche kleine Jobs. Ich unterrichtete an der Heidelberger Schülerförderung in Kirchheim, sittete Babys, arbeitete als Haushaltshilfe und Hundeführerin oder gab Nachhilfeunterricht. Das Motivationsstipendium für Oktober und November ist da eine Erleichterung gewesen, denn meine Eltern können mir nicht das komplette Studium finanzieren.

Allen Studierenden und Nicht-Studierenden, die eine Auslandszeit planen, kann ich sagen: Es ist eine sehr schöne Erfahrung. Ich bin noch auf dem Weg, aber all das, was ich bis jetzt erlebt habe, ist sehr bereichernd gewesen. Es bedeutet nicht nur, andere Sprachen zu sprechen, unterschiedliche Leute kennenzulernen oder eine andere Universität zu besuchen. Es geht vielmehr darum, sich selber besser kennenzulernen.

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Bárbara Garrido Sánchez-Andrade besuchte die Deutsche Schule Madrid. An der Universität Heidelberg studiert sie Übersetzungswissenschaft. Das Motivationsstipendium erhielt sie im Oktober und November 2013.
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