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Die Dinge selbst in die Hand nehmen

Als ich vor sechseinhalb Jahren die Aufnahmeprüfungen für die Deutsche Schule Athen (DSA) ablegte und meinen Namen „Ioanna Mouzaki“ in der am Eingang der Schule ausgehängten Liste mit den aufgenommenen Schülerinnen und Schülern sah, konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich sechs Jahre später in Heidelberg Jura studieren würde.

Jetzt studiere ich an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Rechtswissenschaft mit dem Studienabschluss Staatsexamen. Davon träumte ich schon in der neunten Klasse. Da organisierte meine Schule, wie jedes Jahr, für die neunte und zehnte Klasse eine Informationsveranstaltung über die Berufswahl. Damals hörte ich in einem Gespräch mit einem ehemaligen Absolventen der Deutschen Schule zum ersten Mal von der Universität Heidelberg. Auch er hatte dort Jura studiert.

Hamburg ist mir zu groß

In der zehnten Klasse gab es außerdem die Gelegenheit, mit Lehrkräften der Schule in eine deutsche Stadt zu fahren, in der diese entweder gelebt oder gearbeitet hatten. Ich fuhr mit nach Hamburg. Nach dieser Fahrt war ich sicher, dass ich nicht in einer Großstadt studieren will, sondern eher in einer kleineren und studentischeren Stadt. Heidelberg war ideal für mich.

Die Wahl des für mich richtigen Studiengangs entwickelte sich Schritt für Schritt. Schließlich traf ich die Entscheidung mit der Auswahl des Studienortes. Sowohl in der Schule als auch zu Hause hatte ich mich seit Jahren ausführlich an Diskussionen über aktuelle und gesellschaftlich relevante Themen beteiligt. Häufig standen im Zentrum der Diskussionen dabei auch Fragen, wie sie im Debattierklub der DSA behandelt werden – Themen, die mich auch nach der Schule interessierten. So wurde ich besonders für soziale Fragestellungen sensibilisiert. Ich interessierte mich für das Rechtssystem an sich und vor allem für die Frage: Wie können alle Mitglieder einer Gesellschaft ihre Grundrechte wahrnehmen? Deswegen entschied ich mich für das Jurastudium. Mein besonderes Interesse galt dem Öffentlichen Recht.

Als ich im Oktober zum Start meines Studiums in Deutschland ankam, war ich sehr froh und motiviert, mein neues Leben zu beginnen. Ich kann immer noch nicht glauben, wie schnell das erste Semester verflog. Ich erinnere mich noch genau an den ersten Tag im Hörsaal: Da wurden wir über den Ablauf des gesamten Studiums informiert. Hausarbeiten, Klausuren, Orientierungsprüfung, Scheine – alles sah so kompliziert aus. Mein Kopf war voller Fragen. Und jetzt diskutiere ich mit meinen Kommilitoninnen und Kommilitonen über erste Hausarbeiten, die bald zu schreiben sind. Es ist so, als ob wir alles schon immer wussten.

Studium mit Praxisbezug

Das Studium und die Vorlesungen waren direkt sehr anspruchsvoll. Zuerst fand ich das Staatsrecht sehr interessant und die ganze Theorie in Bezug auf den Staat und dessen wesentliche Merkmale. Mich begeisterte, dass wir schon in der ersten Vorlesung mit der Lösung eines Falles begannen. Und es wurde noch spannender, als uns der Professor erklärte, dass dieser Fall echt war.

Neue Erfahrungen abseits des Studiums

Nicht nur das Studium, sondern auch der Rest des Aufenthalts hier in Deutschland war und ist sehr spannend. Ich bin nicht nur eine lernende Studentin, sondern ich muss auch dafür sorgen, was ich essen werde, muss mein Zimmer sauber machen, bügeln et cetera. Meine Eltern, die sich vorher um alles gekümmert hatten, sind 2.100 Kilometer entfernt. Ich muss also alleine leben. Ich weiß jetzt, wie es ist, wenn ich niemanden in meiner unmittelbaren Umgebung habe, der alles für mich erledigt und ich einfach nur sorgenfrei sein kann.

Natürlich wurde mein Aufenthalt hier in Deutschland durch das BIDS-Motivationsstipendium erleichtert. Mit dem Geld des Stipendiums versuchte ich alles, was ich für mein Studium brauchte, zu kaufen.

Was ich nicht vergessen sollte zu erwähnen, sind die Menschen, die ich hier kennengelernt habe: Studierende aus der ganzen Welt, aus Deutschland und Griechenland – sogar aus Brasilien. Die von der Universität organisierte Orientierungswoche hat sehr dabei geholfen, dass wir uns schnell wohlfühlten und uns einfach und ohne den Stress der Vorlesungen kennenlernen konnten.

Zusammenfassend würde ich sagen, dass ich mit meinem neuen Leben hier sehr zufrieden bin. Als ich Weihnachten in Griechenland war, wurde ich sehr oft gefragt, wie es mir gefällt und ob ich daran gedacht habe, wieder nach Griechenland zurückzugehen. Meine Antwort war immer: „Ich kann mir zurzeit nicht vorstellen, irgendwo etwas anderes zu machen.“

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Ioanna Mouzaki besuchte die Deutsche Schule Athen. An der Universität Heidelberg studiert sie Rechtswissenschaften. Das Motivationsstipendium erhielt sie im Wintersemester 2013/2014 und im Sommersemester 2014.
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