Studentenleben

Eine Geschichte über zwei Welten


Als die kolumbianische Studentin Vanessa Romero ihren besten deutschen Freund kennengelernt hat, sind erst einmal zwei Welten aufeinandergeprallt.

„Hey, du bist doch gut in Mechanik, oder? Weißt du vielleicht, wie man das Torsionsmoment an dem Stab bei der Aufgabe berechnet?“, fragte ich. Er war gerade vom Joggen gekommen, geschwitzt, drehte sich um, guckte mich an, lächelte. „ Sowas rechne ich mit geschlossenen Augen“, antwortete er. Witzig, dachte ich mir, aber ich nehme jede Hilfe. Ich lächelte zurück und antwortete: „Na, dann schieß los“.

Mechanik stand am Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Ich hätte nie gedacht, dass Mechanik am Beginn einer wunderbaren Freundschaft stehen könnte. Es war ein typischer Tag im regnerischen Hamburg. Ein paar andere gute Bekannte und ich saßen unten im Gemeinschaftsraum des Studentenwohnheimes und rechneten die Übungsaufgaben für Mechanik. Wir rechneten lange, ohne auf das Ergebnis zu kommen. Frustriert haben ein paar aufgegeben und sich entschieden Kicker zu spielen. Ich blieb alleine mit den ganzen Unterlagen und hatte immer noch keine Ahnung, wie die vom Institut auf diese Musterlösung gekommen waren. Ich dachte, es wird heute doch wohl nichts mit dem Lernen. Und dann kam er.

Ein besonderer Mensch

Nachdem er tatsächlich die Aufgaben mit geschlossenen Augen gerechnet hatte und sich ein Bier geholt hatte, fingen wir an, uns ein bisschen zu unterhalten. Das Interessante dabei war, dass wir die Idee hatten, das Kennenlernen als ein Interview durchzuführen. Normales Reden kam nicht in die Tüte – ein Spruch, den ich übrigens von ihm gelernt habe. Meine Neugier war geweckt. Ich wollte mehr von ihm wissen. Meine erste Frage war: „Wie heißt du nochmal?“. Er guckt mich verwirrt an, musste kurz lachen und sagte: „Du fragst also fremde Männer, ob sie dir bei Mechanik helfen können. Du bist ja eine. Mein Name ist Philip.“ Mir war es so peinlich. Dann sagte er noch: „Aber jetzt, da du fragst, wie war deiner nochmal?“ Das war die Chance für meine Revanche: „Du bist also auch so einer, der jeder fremden Frau hilft. Ich bin Vanessa“.


Philip war 24 Jahre und studierte Maschinenbau im 8. Semester. Mein erster Eindruck war: ein sehr netter Mensch, mit dem man sich schnell verstehen kann und gut unterhalten kann. Und ein sehr intelligenter und fleißiger Student, witzig, geduldig, charmant. Es war die Art und Weise, wie er mit mir geredet hat, seine Ehrlichkeit und Freundlichkeit. Er war so offen. Eine Eigenschaft, mit der man Deutsche nicht so oft beschreiben würde.

Eine perfekte Kombination

Danach haben wir uns öfter getroffen. An der Uni gab es auch immer etwas zu tun. Events, Veranstaltungen, Sommerfest usw. Ich war damals im zweiten Semester Bau- und Umweltingenieurwesen und achzehn Jahre alt. Ich wurde Mitglied im Barteam und im Hausrat des Studentenwohnheimes. Dank ihm.

Es war immer ein Abenteuer mit ihm. Ich bin in Kolumbien geboren und aufgewachsen und mit siebzehn Jahren nach Deutschland ausgewandert. Ich bin immer noch sehr temperamentvoll und manchmal, wenn nicht viel zu oft, ein bisschen anstrengend. Ich war immer unpünktlich und spontan. Ich konnte mich schwer an feste Termine halten. Und ich fand es besser, einfach aufzustehen und zu gucken, worauf man Lust hat. Deutsche sind wie ihre Lieblingsschokolade, quadratisch, praktisch, gut. Die Kombination war ein wunderbares Chaos.

Philip hat mir beigebracht, dass es tatsächlich hilfreich sein kann, wenn man eine gewisse Planung hat. Und ich habe ihm gezeigt, wie schön das Leben ist, wenn man nicht alles plant. Wir waren eine perfekte Kombination. Sollte ich manchmal vergessen haben, die Situation ein bisschen objektiver zu betrachten, war er da, um mir einen guten Rat zu geben. Sollte er sein Bauchgefühl komplett vernachlässigt haben, war ich da, um ihn daran zu erinnern. Wir haben uns sehr gut ergänzt. Ich lernte diese typischen Eigenschaften, für die Deutsche oft kritisiert werden, zu schätzen und zu respektieren.

Mein zweites Zuhause

Als ich nach Deutschland kam, war eine meiner größten Ängste, mich nicht in die Kultur integrieren zu können. Ich muss zugeben, dass ich schon oft der Meinung war, die deutsche Kultur sei im Vergleich zur kolumbianischen sehr kalt. Heute kann ich glücklich feststellen, dass ich mich zum Teil geirrt habe, denn einige der warmherzigsten Menschen, die ich je kennengelernt habe, sind Deutsche.

Viele sind kulturbegeisterte Menschen, die gern jede Gelegenheit nutzen, neue Menschen und Kulturen kennenzulernen. Es ist dank solcher Menschen wie Philip, dass ich heute Deutschland stolz als ein zweites Zuhause bezeichnen kann. Sie bereichern mein Leben und bringen ein bisschen Sonnenschein in diese oft graue Stadt.

Vanessa Romero aus Kolumbien studiert mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) Bau- und Umweltingenieurwesen in Hamburg.

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