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Das Repetitorium – Kurs zur Examensvorbereitung


In den letzten Semestern vor dem Examen besuchen Jurastudierende in Deutschland häufig ein sogenanntes Repetitorium. Yavor Stamenov aus Bulgarien gibt Tipps dazu.

Was ist typisch für ein Repetitorium? Wie läuft es ab?

Die juristische Grundausbildung in Deutschland schließt mit dem Ersten Staatsexamen ab. Ein Repetitorium besuchen Jurastudierende „im Endspurt“, also in den letzten Semestern vor dem Examen. Repetitorien sind intensive Kurse zur Examensvorbereitung, die sowohl an der Uni angeboten und von Professorinnen und Professoren durchgeführt werden als auch von kommerziell tätigen Privatdozierenden. Im Rep wiederholt man praktisch alles, was man im Studium bis dahin gelernt hat.

Zugleich werden bestimmte Probleme und Themen aus vergangenen Semestern vertieft und im Detail behandelt. Das Repetitorium ist weniger theoretisch als die Vorlesungen und legt einen großen Schwerpunkt auf das Üben der Fallbearbeitung und die Behandlung von einzelnen examensrelevanten Problemen. Deshalb wird an der Uni zusätzlich zum Rep auch noch ein begleitender Klausurenkurs angeboten, der der direkten Examensvorbereitung dient. Das Repetitorium findet ein- oder zweimal in der Woche statt und dauert in der Regel länger als eine Vorlesung.

Der Klausurenkurs ist auch wöchentlich oder in zweiwöchigem Rhythmus. Da er eine echte Examensklausur simuliert, dauert er fünf Stunden. Der Kurs ist nur eine Übung. Man muss sich also weder für die Klausuren anmelden, noch ist man verpflichtet abzugeben, falls man mitschreibt. Die Note hat dementsprechend überhaupt keine Auswirkungen. Bei der Rückgabe der Klausuren findet auch eine Besprechung der Lösung statt.

Das gefällt mir besonders am Repetitorium.

Im Rep hat man die Möglichkeit eigene Kenntnislücken zu füllen und ein besseres Verständnis für die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Rechtsbereichen zu entwickeln. Bei der Wiederholung fängt man wieder von vorn an. Der Weg durch den juristischen Dschungel ähnelt, allgemein formuliert, dem Erlernen einer Fremdsprache. Fängt man wieder von vorne an, kann man es viel besser.

Die Ausbildung im Rep ist spannend, weil man eben kein Anfänger mehr ist und langsam auch das Gefühl bekommt, viel mehr in Jura verstehen zu können. Daher an dieser Stelle ein wichtiger Tipp: Keine Angst, wenn ihr bis zu den letzten Semestern vieles nicht so richtig kapiert und durchdacht habt! Alles kommt wieder im Rep. Der andere große Vorteil dieser Veranstaltung ist die Gelegenheit, intensiv Fälle und Klausuren zu üben. Im Studium hatte ich immer das Gefühl, dass mir genügende praktische Übung fehlt, was gerade in echten Klausuren nicht besonders hilfreich ist.

Das gefällt mir nicht so.

Vor dem Endspurt steht jeder Jurastudierende vor der lebenswichtigen Frage: „Mache ich ein Uni-Rep oder ein kommerzielles Rep?“

Ein großer Vorteil des universitären Repetitoriums ist, dass es kostenlos ist (abgesehen von den üblichen Studiengebühren, falls es solche gibt). Auf der anderen Seite ist es, wie die meisten anderen Veranstaltungen, sehr akademisch geprägt. Ein kommerzielles Rep dagegen ist oft sehr interaktiv und „locker“ gestaltet, weil eine freiere Vortragsweise als an der Uni möglich ist. Eine entspannte und witzige Atmosphäre kann einer oder einem beim Lernprozess und vor allem dann, wenn man länger aktiv zuhören muss, richtig zugutekommen. Im privaten Rep bekommt man auch Skripte, Karteikarten oder Übersichten und Übungsklausuren, die man abgeben kann.

Das kommerzielle Repetitorium wäre also nahezu vollkommen, wenn es nicht so kostenaufwendig wäre. Für eine einjährige Ausbildung in Zivilrecht zum Beispiel muss man mit Kosten in Höhe von 1.200 Euro rechnen.

Mein Tipp für Studierende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, um von einem Repetitorium zu profitieren.

Im Laufe des Studiums verbessert man nicht nur seine Sprachfähigkeiten im Alltag sondern auch in fachlicher Hinsicht. Dies trifft insbesondere für Juristinnen und Juristen zu, weil wir ausschließlich mit Texten arbeiten. Wenn man die Studienphase des Repetitoriums erreicht hat, kann man ganz entspannt die Werke Franz Kafkas genießen. Es gibt also keine besonderen sprachlichen Schwierigkeiten, die man als Ausländer überwinden muss.

Meine ergänzenden Bemerkungen

Das private Repetitorium ist teuer, aber nicht überteuert. Wenn man die Kosten für eine Stunde berechnet, kommt man oft zum Ergebnis, dass ein Jura-Rep viel günstiger als andere private Kurse ist, zum Beispiel Fremdsprachenkurse. Gerade für ausländische Studierende ist aber die kostenlose Uni-Alternative oft doch attraktiver.

Schließlich bleibt zu erwähnen, dass Repetitorien in den drei Obergebieten des Rechts, nämlich Zivil-, Öffentliches und Strafrecht, angeboten werden. Von den drei Gebieten ist das Zivilrecht das umfangreichste, weswegen meiner Meinung nach das private Rep in diesem Bereich am ehesten eine Überlegung wert ist. Statistisch betrachtet gewinnen weder private, noch universitäre Kurse im Hinblick auf die Examensnoten. Letztendlich bleibt es also eine individuelle Entscheidung.

Yavor Stamenov aus Bulgarien studiert mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) Jura (Studiengang Unternehmensjurist LLB – Bachelor of Laws) an der Universität Mannheim.

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