Schule und Ausbildung

Zentralabitur – eine Prüfung für alle?

Sprachniveau: B2/C1
Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrgangs 2009 bearbeiten in Düsseldorf Abiturprüfungen im Fach Deutsch | © picture-alliance / dpa
Um an einer Uni in Deutschland zu studieren, braucht man in der Regel die Allgemeine Hochschulreife, das Abitur. Da viele Fächer zugangsbeschränkt sind, ist eine möglichst gute Abiturnote besonders wichtig. Die Abiturprüfungen sind allerdings kaum vergleichbar.

In Bayern gelten die Abiturprüfungen als besonders schwierig, in Nordrhein-Westfalen oder Hamburg als eher einfach. Klar, dass sich Schülerinnen und Schüler aus Bundesländern mit schlechterem Ruf Sorgen um ihre berufliche Zukunft machen: „Darüber mache mir schon Gedanken“, sagt Hannah (17), die in Hamburg zur Schule geht. „Wenn ich mich später um einen Studienplatz oder einen Job bewerbe und vielleicht keinen bekomme, weil es andere Bewerber zum Beispiel aus Bayern gibt. Dagegen kann ich ja gar nichts machen.“

Bildungsstandards für mehr Transparenz

Um diese Situation zu verbessern, hat die für Bildungsangelegenheiten zuständige Kultusministerkonferenz (KMK) beschlossen, die Abiturprüfungen in Deutschland vergleichbarer zu machen. Wo bisher in den Lehrplänen für jedes Bundesland einzeln festgelegt war, was genau Schülerinnen und Schüler zu lernen hatten, soll es jetzt nationale Bildungsstandards geben. In diesen Standards steht nicht, welche Bücher die Schülerinnen und Schüler im Fach Deutsch lesen müssen oder was genau im Matheunterricht behandelt werden soll. Stattdessen wird beschrieben, welche Kompetenzen die Jugendlichen mit dem Abitur erworben haben sollen. Für die Fächer Deutsch, Mathematik und die Fremdsprachen Englisch und Französisch sind die Bildungsstandards für die Allgemeine Hochschulreife im Oktober 2012 von der KMK bereits beschlossen worden.

Ein Beispiel: Die Beschreibung der Bildungsstandards für das Fach Mathematik umfasst 95 Seiten. Darin sind verschiedene Kompetenzbereiche festgelegt, wie zum Beispiel die Kompetenz „Probleme mathematisch lösen“. Darunter verstehen die Expertinnen und Experten „das Auswählen geeigneter Lösungsstrategien sowie das Finden und das Ausführen geeigneter Lösungswege. Das Spektrum reicht von der Anwendung bekannter bis zur Konstruktion komplexer und neuartiger Strategien.“ Diese Kompetenzbeschreibungen sind nach Ansicht der KMK das richtige Instrument, um die Abschlüsse vergleichbar zu machen.

Gemeinsamer Aufgabenpool für die Abiturprüfungen

Ab dem Schuljahr 2013/2014 sollen die Bildungsstandards in der Oberstufe umgesetzt werden, ab dem Schuljahr 2016/2017 soll es nach den Plänen der KMK einen gemeinsamen Aufgabenpool für die Abiturprüfungen geben. Ein richtiges Zentralabitur mit einheitlichen Aufgaben und gemeinsamen Prüfungsterminen, wie es zum Beispiel in Frankreich üblich ist, wird es damit auch in Zukunft in Deutschland nicht geben. Kritisiert wird an den Bildungsstandards außerdem, dass sie keine konkreten Lerninhalte enthalten. Um die Abituraufgaben zu lösen, müsse man nicht zur Schule gegangen sein, wird ein Didaktikprofessor der Uni Frankfurt auf SPIEGEL ONLINE zitiert. Zudem sollen die Länder selbst entscheiden können, ob sie Aufgaben aus dem Pool nehmen oder nicht.

Einige Bundesländer wollen nicht bis 2017 warten und werden schon früher vergleichbare Abituraufgaben stellen. Die Schülerinnen und Schüler sind eher skeptisch: „Ich finde nicht gut, dass das jetzt wieder so kurzfristig entschieden wurde“, sagt Amina (17) aus Hamburg. „Man sollte erst mal das Schulsystem verbessern, bevor man einheitliche Prüfungen festlegt.“ Hannah (17) findet es ungerecht, dass zwar alle Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Lehrkräfte und unterschiedlichen Unterricht haben, aber trotzdem dieselbe Klausur schreiben sollen. Es gibt aber auch positive Einschätzungen: „Ich finde gut, dass es dann keine Unterschiede mehr zwischen den Abschlüssen gibt“, sagt Johanna (18).

Wie findest du die Einführung des Zentralabiturs?

von links nach rechts: Hannah, Amina, Johanna und Stefanie
 
Amina (17) über das Zentralabitur
 
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Johanna (18) über das Zentralabitur
 
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Hannah (17) über das Zentralabitur
 
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Stefanie (17) über das Zentralabitur
 
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die Allgemeine Hochschulreife: der höchste deutsche Schulabschluss, den man zum Beispiel an Gymnasien oder an Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe erwerben kann. Mit der Allgemeinen Hochschulreife ist man dazu berechtigt, an einer Hochschule zu studieren.
das Abitur: der höchste deutsche Schulabschluss, den man zum Beispiel an Gymnasien oder an Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe erwerben kann. Mit dem Abitur – auch Allgemeinen Hochschulreife genannt – ist man dazu berechtigt, an einer Hochschule zu studieren.
zugangsbeschränkt: hier: bei bestimmten Studiengängen muss man besondere Voraussetzungen erfüllen, um sie studieren zu können, zum Beispiel muss man eine besonders gute Abiturnote haben.
der schlechte Ruf: das schlechte Image; hier: das Image, dass die Abiturprüfungen zu einfach sind
die Kultusministerkonferenz (KMK): Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. In der KMK sind die Politiker aller Bundesländer zusammengeschlossen, die für den Bereich Bildung zuständig sind. Die KMK soll die Bildungspolitik der einzelnen Länder koordinieren.
der Lehrplan, die Lehrpläne: das Unterrichtskonzept. Lehrpläne schreiben vor, welche Themen die Lehrer mit welchem Ziel unterrichten sollen.
der Bildungsstandard, die Bildungsstandards: hier: einheitliche Anforderungen, die in allen Bundesländern gelten. Bisher entscheidet jedes Bundesland selbst über Fragen der Bildung, also auch über die Anforderungen in der Abiturprüfung.
die Kompetenz, die Kompetenzen: die Fähigkeit
beschließen: entscheiden, festlegen
die Konstruktion, die Konstruktionen: der Aufbau, die Struktur; hier: selbst einen Lösungsweg finden
der Aufgabenpool: eine bestimmte Anzahl an Aufgaben, aus der gewählt werden kann
die Oberstufe: die oberen Klassen am Gymnasium oder an der Gesamtschule, also die Klassen 11 bis 12 oder 13
der Didaktikprofessor, die Didaktikprofessoren: ein Professor, der sich mit dem den Themen „Lernen“ und „Lehren“ beschäftigt

Worterklärungen

die Allgemeine Hochschulreife: der höchste deutsche Schulabschluss, den man zum Beispiel an Gymnasien oder an Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe erwerben kann. Mit der Allgemeinen Hochschulreife ist man dazu berechtigt, an einer Hochschule zu studieren.
das Abitur: der höchste deutsche Schulabschluss, den man zum Beispiel an Gymnasien oder an Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe erwerben kann. Mit dem Abitur – auch Allgemeinen Hochschulreife genannt – ist man dazu berechtigt, an einer Hochschule zu studieren.
zugangsbeschränkt: hier: bei bestimmten Studiengängen muss man besondere Voraussetzungen erfüllen, um sie studieren zu können, zum Beispiel muss man eine besonders gute Abiturnote haben.
der schlechte Ruf: das schlechte Image; hier: das Image, dass die Abiturprüfungen zu einfach sind
die Kultusministerkonferenz (KMK): Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. In der KMK sind die Politiker aller Bundesländer zusammengeschlossen, die für den Bereich Bildung zuständig sind. Die KMK soll die Bildungspolitik der einzelnen Länder koordinieren.
der Lehrplan, die Lehrpläne: das Unterrichtskonzept. Lehrpläne schreiben vor, welche Themen die Lehrer mit welchem Ziel unterrichten sollen.
der Bildungsstandard, die Bildungsstandards: hier: einheitliche Anforderungen, die in allen Bundesländern gelten. Bisher entscheidet jedes Bundesland selbst über Fragen der Bildung, also auch über die Anforderungen in der Abiturprüfung.
die Kompetenz, die Kompetenzen: die Fähigkeit
beschließen: entscheiden, festlegen
die Konstruktion, die Konstruktionen: der Aufbau, die Struktur; hier: selbst einen Lösungsweg finden
der Aufgabenpool: eine bestimmte Anzahl an Aufgaben, aus der gewählt werden kann
die Oberstufe: die oberen Klassen am Gymnasium oder an der Gesamtschule, also die Klassen 11 bis 12 oder 13
der Didaktikprofessor, die Didaktikprofessoren: ein Professor, der sich mit dem den Themen „Lernen“ und „Lehren“ beschäftigt
Yvonne Pöppelbaum, freie Redakteurin in Hamburg
www.poeppelbaum.eu

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