Schule und Ausbildung

Schicker, teurer, besser? – Privatschulen in Deutschland

Sprachniveau: B2/C1

Seit 1992 ist die Zahl allgemeinbildender Schulen mit privater Trägerschaft um 50 Prozent gestiegen, beständig kommen weitere hinzu. Aber sind staatliche Schulen tatsächlich schlechter?

Deutschlands Schullandschaft verändert sich. Grund dafür sind Bildungseinrichtungen mit privater Trägerschaft. Laut Statistischem Bundesamt stieg ihre Zahl im Schuljahr 2007/2008 auf 5.000 an. Darunter sind 3.000 allgemeinbildende Schulen, jedes Jahr kommen 80 bis 100 Schulen hinzu. Das sind im Durchschnitt ein bis zwei Neugründungen wöchentlich.

Wenn es nach den Eltern geht, sind das immer noch zu wenig. In Deutschland besucht jeder 13. Schulpflichtige eine Privatschule. Dass es nicht mehr sind, liegt nur am fehlenden Angebot. „Die Anmeldungen übersteigen die zur Verfügung stehenden Plätze um das Fünffache“, weiß Erziehungswissenschaftler Peter Struck von der Universität Hamburg. Während die staatlichen Schulen im Zuge des Pisa-Schocks einen Rückgang an Schülern zu verzeichnen haben, gewinnen die privaten Institute rasant an Zulauf.

Entscheidungsfaktor Schulklima

Betrachtet man private und staatliche Schulen im Hinblick auf die Qualität der Ausbildung, so ist allerdings kein Unterschied auszumachen. Das haben die Bildungsexperten Gundel Schümer und Manfred Weiß herausgefunden. Ihrer Studie „Bildungsökonomie und Qualität der Schulbildung“ zufolge werden Unterschiede erst an anderer Stelle sichtbar. „Vorteile weisen die Privatschulen zum Teil beim Schulklima auf“, heißt es dort. Besonders ins Auge fällt dabei offenbar, „dass sich die 15-Jährigen besser von ihren Lehrern unterstützt fühlen als die der staatlichen Schulen“.

Schüler einer Ganztagsschule beim Mittagessen | © picture alliance / dpa, Roland Weihrauch
Es sind gefühlte Lücken wie diese, die deutsche Privatschulen schließen wollen. Mit Schwerpunkten und vielfältigen Betreuungsangeboten versuchen sie, dem gesellschaftlichen Wandel und den zunehmenden Anforderungen an Schülerinnen und Schüler sowie Eltern Rechnung zu tragen. So kommt die oft an Privatschulen angebotene Ganztagsbetreuung Alleinerziehenden und Berufstätigen entgegen. Für Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung sowie Sport- und Freizeitangebote ist gesorgt. „Die Lehrer sind zudem meist motivierter und die Klassen kleiner“, fügt Struck hinzu.

Darüber hinaus ist die Privatschullandschaft bunt. Es gibt Angebote mit musischer, wirtschaftlicher oder konfessioneller Ausrichtung. Es gibt Schulen für Hochbegabte und Behinderte, für Schüler, die auf Wunsch ihrer Eltern möglichst spät in die Konkurrenz- und Leistungsgesellschaft hineingezogen werden sollen, ebenso solche, die Leistung gerade forcieren. In ländlichen Gegenden werden Privatschulen zudem als Alternative zur einzigen staatlichen Schule am Platz gegründet. Dass diese Schulgründungen zumeist auf Initiative der Eltern erfolgen, belegt deren Zweifel am deutschen Bildungssystem.

Zum Wohl des Kindes

Bei allen elterlichen Wünschen sollte das Kind bei der Schulwahl nicht aus den Augen verloren werden. Das betont auch Birgit Koß, Leiterin einer unabhängigen Schulberatung in Berlin. „Es geht darum, das Richtige für die Familie und das Kind zu finden“, lautet ihre Forderung. „Dessen Bedürfnis steht im Mittelpunkt.“ Koß gibt zu bedenken, dass es erhebliche Unterschiede zwischen den Privatschulen gäbe. Da das Modell Privatschule in Deutschland schon mehrere Jahrzehnte existiere, seien „auch da nicht alle Methoden und Strukturen auf dem aktuellen Stand.“


Was die inhaltlichen und personellen Ausgestaltungen betrifft, so haben sich Privatschulen bei aller Schwerpunktsetzung den Rahmenbedingungen des jeweiligen Bundeslandes unterzuordnen. Auch sind sie dem Gleichwertigkeitsprinzip unterstellt. Danach dürften Schüler aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation eigentlich nicht abgelehnt werden. Das Argument, Privatschulen seien aufgrund hoher Kosten nicht für jedermann zugänglich, gilt eigentlich nicht. „Tatsächlich kosten viele Schulen zwischen 80 und 100 Euro im Monat“, betont Erziehungsexperte Peter Struck. Doch sind nach oben keine Grenzen gesetzt. In vielen Fällen helfen Privatschulen ärmeren Schülerinnen und Schülern durch Stipendienprogramme.

Wettbewerb bildet

Längst haben private Träger die Konkurrenz zwischen den Schulsystemen sowie den Wettbewerb um die Schülerinnen und Schüler in Deutschland generell verstärkt. Das hat auch den öffentlichen Schulen nach Ansicht vieler Experten gut getan. „Die staatlichen Schulen werden besser, sie haben Elemente der privaten übernommen“, sagt etwa Peter Struck. Und der Präsident des Verbandes Deutscher Privatschulverbände (VDP) Michael Büchler fügt hinzu: „Alle Schulen müssen auf die individuellen Anlagen und Begabungen der Schüler eingehen und jeden Einzelnen optimal fördern.“

Da Eltern Privatschulen offenbar mit einer intensiveren Betreuung ihrer Kinder in Verbindung bringen, wird das Angebot wohl weiter wachsen. Wollen staatliche Schulen da mithalten, müssen sie sich weiter verändern und ihre Wandlung in die Öffentlichkeit tragen. Nur so können sie ihr Image aufwerten und ihre Leistungen sichtbar machen. Dazu gehört zum Beispiel, dass 15-Jährige in staatlichen Gymnasien Studien zufolge in Mathematik und Naturwissenschaften die besseren Leistungen erzielen. Werden all diese Vorhaben umgesetzt, so werden letztlich die Richtigen die Gewinner sein: die Schüler.

die allgemeinbildende Schule, die allgemeinbildenden Schulen: alle Schulen, die nicht mit einem Berufsabschluss enden, allgemein bilden. Dazu gehören Haupt-, Real-, und Gesamtschule sowie auch Gymnasien, egal, ob staatlich oder privat.
die private Trägerschaft: hier: alle Beteiligten, die nicht zum Staat gehören und eine Schule finanzieren; Das können Einzelpersonen, Vereine, Stiftungen, Firmen oder andere sein.
die staatliche Schule, die staatlichen Schulen: eine Schule, die vom Staat finanziert wird, also von der Bundesregierung, vom Bundesland oder der Gemeinde.
das statistische Bundesamt: eine deutsche Behörde, die Informationen zur Wirtschaft und Gesellschaft erhebt, sammelt und analysiert. Sie veröffentlicht diese Informationen in Statistiken. Alle deutschen Bürger können sie einsehen.
die Privatschule, die Privatschulen: eine Schule, die nicht vollständig vom Staat oder der Gemeinde, sondern in der Regel auch durch Beiträge der Eltern und Spenden finanziert wird. In Deutschland gibt es im Vergleich zu anderen Ländern immer noch wenige Privatschulen. Sie heißen auch „freie Schulen“.
der PISA-Schock: PISA steht für „Programme for International Student Assessment“ (Deutsch: Programm zur internationalen Schülerbewertung). Seit 2000 werden alle drei Jahre in verschiedenen Ländern die Leistungen von 15-Jährigen Schülern getestet und verglichen. Die Ergebnisse der ersten Studien waren 2001 für die Deutschen eine böse Überraschung: Die deutschen Schüler lagen in allen getesteten Bereichen (Lesen, Mathematik, naturwissenschaftliche Grundkenntnisse) auf den hintersten Plätzen. Das hätte man nicht erwartet.
das Schulklima: die allgemeine Stimmung an der Schule
eine Lücke schließen: einen Mangel ausgleichen, einen Bedarf decken
das Betreuungsangebot, die Betreuungsangebote: hier: verschiedene Vorschläge und Ideen, wie Kinder und Jugendliche betreut werden können
der gesellschaftliche Wandel: die Veränderung der Gesellschaft
(einer Sache) Rechnung tragen: etwas berücksichtigen, etwas einplanen; hier: Die Privatschulen berücksichtigen gesellschaftliche Veränderungen und die steigenden Anforderungen an Schüler und Eltern bei der Planung.
die Ganztagsbetreuung: hier: Die Schülerinnen und Schüler können bis 16 oder sogar 17 Uhr in der Schule bleiben. Sie essen dort Mittag und machen auch nach dem Unterricht ihre Hausaufgaben. Eine Ganztagsbetreuung ist sehr wichtig, wenn beide Eltern arbeiten.
die/der Alleinerziehende, die Alleinerziehenden: das Kind lebt bei nur bei einem Elternteil, meistens bei der Mutter
die/der Berufstätige, die Berufstätigen: eine Person, die in einem Beruf arbeitet
die konfessionelle Ausrichtung: hier: eine Schule einer bestimmten Religion
die/der Hochbegabte, die Hochbegabten: hier: sehr intelligente Schülerinnen und Schüler
die/der Behinderte, die Behinderten: eine Person mit einer körperlichen oder geistigen Einschränkung
die Konkurrenz- und Leistungsgesellschaft: eine Gesellschaft, in der der Wettbewerb groß und gute Leistung sehr wichtig ist
etwas forcieren: etwas energisch betreiben; hier: Auch die Eltern finden gute Leistungen wichtig.
auf Initiative der Eltern: Die Eltern hatten die Idee dazu und haben die ersten Schritte getan.
nicht aus den Augen verlieren: nicht vergessen; hier: Die Eltern sollten auch an das Kind denken, wenn sie die Schule wählen.
das Bedürfnis, die Bedürfnisse: was eine Person möchte und braucht
die Rahmenbedingung, die Rahmenbedingungen: hier: die Gesetze und Vorschriften
das Gleichwertigkeitsprinzip: alle Menschen sind gleich viel wert, müssen also auch gleich behandelt werden
für jedermann: für alle
das Stipendienprogramm, die Stipendienprogramme: die finanzielle Unterstützung
gut tun: gut sein, einen positiven Effekt haben
die individuellen Anlagen und Begabungen: die persönlichen Fähigkeiten
in Verbindung bringen mit: verbinden, in Zusammenhang sehen
das Image: das Ansehen, der Ruf

Worterklärungen

die allgemeinbildende Schule, die allgemeinbildenden Schulen: alle Schulen, die nicht mit einem Berufsabschluss enden, allgemein bilden. Dazu gehören Haupt-, Real-, und Gesamtschule sowie auch Gymnasien, egal, ob staatlich oder privat.
die private Trägerschaft: hier: alle Beteiligten, die nicht zum Staat gehören und eine Schule finanzieren; Das können Einzelpersonen, Vereine, Stiftungen, Firmen oder andere sein.
die staatliche Schule, die staatlichen Schulen: eine Schule, die vom Staat finanziert wird, also von der Bundesregierung, vom Bundesland oder der Gemeinde.
das statistische Bundesamt: eine deutsche Behörde, die Informationen zur Wirtschaft und Gesellschaft erhebt, sammelt und analysiert. Sie veröffentlicht diese Informationen in Statistiken. Alle deutschen Bürger können sie einsehen.
die Privatschule, die Privatschulen: eine Schule, die nicht vollständig vom Staat oder der Gemeinde, sondern in der Regel auch durch Beiträge der Eltern und Spenden finanziert wird. In Deutschland gibt es im Vergleich zu anderen Ländern immer noch wenige Privatschulen. Sie heißen auch „freie Schulen“.
der PISA-Schock: PISA steht für „Programme for International Student Assessment“ (Deutsch: Programm zur internationalen Schülerbewertung). Seit 2000 werden alle drei Jahre in verschiedenen Ländern die Leistungen von 15-Jährigen Schülern getestet und verglichen. Die Ergebnisse der ersten Studien waren 2001 für die Deutschen eine böse Überraschung: Die deutschen Schüler lagen in allen getesteten Bereichen (Lesen, Mathematik, naturwissenschaftliche Grundkenntnisse) auf den hintersten Plätzen. Das hätte man nicht erwartet.
das Schulklima: die allgemeine Stimmung an der Schule
eine Lücke schließen: einen Mangel ausgleichen, einen Bedarf decken
das Betreuungsangebot, die Betreuungsangebote: hier: verschiedene Vorschläge und Ideen, wie Kinder und Jugendliche betreut werden können
der gesellschaftliche Wandel: die Veränderung der Gesellschaft
(einer Sache) Rechnung tragen: etwas berücksichtigen, etwas einplanen; hier: Die Privatschulen berücksichtigen gesellschaftliche Veränderungen und die steigenden Anforderungen an Schüler und Eltern bei der Planung.
die Ganztagsbetreuung: hier: Die Schülerinnen und Schüler können bis 16 oder sogar 17 Uhr in der Schule bleiben. Sie essen dort Mittag und machen auch nach dem Unterricht ihre Hausaufgaben. Eine Ganztagsbetreuung ist sehr wichtig, wenn beide Eltern arbeiten.
die/der Alleinerziehende, die Alleinerziehenden: das Kind lebt bei nur bei einem Elternteil, meistens bei der Mutter
die/der Berufstätige, die Berufstätigen: eine Person, die in einem Beruf arbeitet
die konfessionelle Ausrichtung: hier: eine Schule einer bestimmten Religion
die/der Hochbegabte, die Hochbegabten: hier: sehr intelligente Schülerinnen und Schüler
die/der Behinderte, die Behinderten: eine Person mit einer körperlichen oder geistigen Einschränkung
die Konkurrenz- und Leistungsgesellschaft: eine Gesellschaft, in der der Wettbewerb groß und gute Leistung sehr wichtig ist
etwas forcieren: etwas energisch betreiben; hier: Auch die Eltern finden gute Leistungen wichtig.
auf Initiative der Eltern: Die Eltern hatten die Idee dazu und haben die ersten Schritte getan.
nicht aus den Augen verlieren: nicht vergessen; hier: Die Eltern sollten auch an das Kind denken, wenn sie die Schule wählen.
das Bedürfnis, die Bedürfnisse: was eine Person möchte und braucht
die Rahmenbedingung, die Rahmenbedingungen: hier: die Gesetze und Vorschriften
das Gleichwertigkeitsprinzip: alle Menschen sind gleich viel wert, müssen also auch gleich behandelt werden
für jedermann: für alle
das Stipendienprogramm, die Stipendienprogramme: die finanzielle Unterstützung
gut tun: gut sein, einen positiven Effekt haben
die individuellen Anlagen und Begabungen: die persönlichen Fähigkeiten
in Verbindung bringen mit: verbinden, in Zusammenhang sehen
das Image: das Ansehen, der Ruf
Christoph Berger
arbeitet als freier Journalist und Redakteur unter anderem für das Handelsblatt, FocusOnline und den DAAD in Berlin.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Mai 2009

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