Schule und Ausbildung

Gemeinschaftsschule – Pro und Contra

Sprachniveau: B2
Gemeinsames Lernen in der Geschwister-Scholl-Schule © picture alliance / dpa, Franziska Kraufmann
Die Hauptschule steckt in der Krise – und mit ihr das mehrgliedrige deutsche Schulsystem. Derweil findet das Konzept der Gemeinschaftsschule immer mehr Anhänger.

Prinzip der Gemeinschaftsschule ist das längere gemeinsame Lernen aller Schüler und die Kooperation der verschiedenen Schulformen unter einem gemeinsamen organisatorischen Dach. Befürworter von Gemeinschaftsschulen verweisen auf die positiven Erfahrungen anderer Länder. Gegner warnen davor, Errungenschaften und Stärken des deutschen Schulsystems preiszugeben und sehen für das öffentliche Schulwesen einen massiven Vertrauensverlust voraus. Goethe.de lässt mit dem Erziehungswissenschaftler Ernst Rösner und Hans-Peter Meidinger vom Deutschen Philologenverband einen Befürworter und einen Kritiker zu Wort kommen.

Pro

„In ländlichen Regionen ist eine stille bildungspolitische Revolution im Gange: Mit Händen zu greifen ist die Bereitschaft, sich unter dem Druck des Verfalls der Hauptschule auf etwas Neues einzulassen und die überkommenen Schulstrukturen grundlegend zu verändern. In Bayern und sogar in Baden-Württemberg halten es selbst viele CSU- bzw. CDU-Anhänger nicht mehr für zumutbar, Kinder im Alter von neun bis zehn Jahren zu trennen. Heutzutage haben wir Übergangsquoten von der Grundschule zur Hauptschule von nur noch rund 15 Prozent. Aufgrund der demografischen Entwicklung steuert die Hauptschule geradewegs in einen Verelendungsprozess hinein. Denn bei den derzeit sinkenden Schülerzahlen stabilisiert sich das Gymnasium stets zu Lasten der Realschule, und die Realschule zu Lasten der Hauptschule. Es ist ersichtlich: Auf Dauer kann keine Schulform ohne gymnasiale Standards mehr überleben. Gemeinschaftsschulen hingegen ermöglichen es, alle Abschlüsse, einschließlich des Abiturs, wohnortnah anbieten.

Umfragen etwa des Instituts für Schulentwicklungsforschung zufolge, wollen Eltern keine Frühauslese der Kinder nach dem vierten Schuljahr mehr. Die Bürger akzeptieren es nicht, Kinder im Alter von neun Jahren auf die unterschiedlichen Bildungsgänge zu verteilen. Die meisten Eltern wollen für ihr Kind einen besseren Schulabschluss als sie ihn selbst hatten, vor allem Eltern mit mittleren Schulabschlüssen. Denn um den sozio-ökonomischen Status der Eltern auch nur zu halten, benötigen die Kinder heutzutage immer höhere Schulabschlüsse. Vor der ersten PISA-Studie wurden auch Lehrer der Sekundarstufe I befragt, was sie von der frühen Verteilung auf die unterschiedlichen Schulformen halten. Ein Viertel der Lehrer sprach sich im Jahr 1998 dafür aus, die Kinder lieber länger gemeinsam zu unterrichten. 2004 favorisierte bereits die Hälfte der Lehrer ein längeres gemeinsames Lernen.

Bundesweit steigt die Nachfrage nach einem durchlässigen, zeitgemäßen und modernen Schulsystem, das allen Schülern bessere Chancen bietet und Antworten auf die demografische Entwicklung gibt. Durch die Kooperation mit verschiedenen Schularten ermöglicht es die Gemeinschaftsschule, flexible Schulstrukturen zu entwickeln, die geeignet sind, unterschiedlichen regionalen Bedingungen gerecht zu werden. Dabei werden die Schüler frühestens ab der siebten Jahrgangsstufe getrennt.

In Schleswig-Holstein gibt es bereits eine große Resonanz auf die eingerichteten Gemeinschaftsschulen. Angefangen hat Schleswig-Holstein mit sieben, im kommenden Schuljahr werden es bis zu 56 Gemeinschaftsschulen sein. Ich bin überzeugt: Die Gemeinschaftsschule wird sich zu einer schulischen Massenbewegung ausweiten. Ich gehe davon aus, dass es in wenigen Jahren in Schleswig-Holstein genauso viele Gemeinschaftsschulen geben wird wie Gymnasien.“

Dr. Ernst Rösner ist Erziehungswissenschaftler am Institut für Schul­entwicklungs­forschung in Dortmund. Er hat das Konzept der Gemeinschafts­schule im Auftrag des Landes Schleswig-Holstein im Jahr 2004 entworfen und ist unter anderem Vorsitzender des Beirates zur Einführung von Gemeinschaftsschulen in Berlin.

Contra

„Befürworter einer ‚Schule für alle‘ verweisen gerne darauf, dass mit Finnland und Korea sich zwei Länder mit integriertem Schulsystem bei den Pisa-Rankings ganz vorne platziert hätten. Was sie nicht sagen, ist, dass auch alle Länder, die in sämtlichen OECD-Bildungsvergleichen die Schlusslichter bilden, integrierte Schulsysteme haben. Beispielsweise weisen Griechenland und Finnland große Gemeinsamkeiten im Schulsystem auf; die Leistungsergebnisse und auch der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg könnten aber unterschiedlicher nicht ausfallen.

Leistungsmäßig hat Deutschland bei PISA 2006 viele zuvor als Vorbilder beschworene Staaten wie Schweden, Dänemark und Norwegen deutlich hinter sich gelassen. Wenn in OECD-Untersuchungen für Deutschland, aber auch für Länder mit Gesamtschulen, ein besonders enger Zusammenhang zwischen Sozialschichtzugehörigkeit und Bildungserfolg festgestellt wird, dann ist dies kein Urteil über ein Schulsystem. Vielmehr ist es eine Feststellung über Defizite der sozialen Integration von Bevölkerungsgruppen in Deutschland. Dies zeigt sich etwa daran, dass Länder mit ähnlichen Problemen (wie etwa Frankreich) trotz integrierter Schulsysteme einen ähnlich engen Zusammenhang aufweisen. Wer Schichtzugehörigkeit und Bildungserfolg stärker entkoppeln will, wird das Problem nicht lösen, indem er Hauptschulen auflöst, sondern indem er eine Integrationspolitik forciert und den Bildungswillen dieser sozialen Gruppen fördert.

Auch die demografische Entwicklung taugt als Argument wenig. Haben wir nicht jahrzehntelang zu Zeiten des Schüleranstiegs über zu große Schulen und übervolle Klassen geklagt? Jetzt wäre die Chance, zu pädagogisch vernünftigen Schul- und Klassengrößen zu kommen. Eine Hauptschulklasse mit 15 Schülern ist ein Glück und kein Unglück.

Mit einer ‚Schule für alle‘ haben wir in Deutschland seit etwa vierzig Jahren intensive Erfahrungen. Die durchschlagende Erfolglosigkeit deutscher Gesamtschulen zieht sich durch alle einschlägigen Studien und interessanterweise nicht nur, was die Leistungsergebnisse betrifft, sondern auch, was die soziale Integration und den Erwerb sozialer Kompetenzen angeht. Wer glaubt, gegen den Willen breiter Bevölkerungskreise eine Schule für alle trotzdem durchsetzen zu müssen, wird die Erfahrung machen, dass dann wie in England die Flucht aus der öffentlichen Schule in die teure Privatschule beginnt – eine Flucht, die sicher nicht zu weniger sozialer Selektivität führen wird.

Natürlich hat das gegliederte Schulsystem in Deutschland auch Defizite. Diese Probleme, und da sind sich ausnahmsweise alle renommierten Bildungsforscher von Jürgen Baumert über Olaf Köller bis zu Manfred Prentzel einig, löst man jedoch am besten in den bestehenden Strukturen. Die Strukturdiskussion hatte bereits in den 1970er-Jahren notwendige inhaltliche Reformen in Deutschland blockiert. Einen neuerlichen lähmenden Schulkampf sollten wir uns im Interesse der Zukunftschancen unserer Kinder nicht leisten.“

Hans-Peter Meidinger ist Vorsitzender des Deutschen Philologen­verbandes (DPhV). Der DPhV vertritt insbesondere die Interessen von Gymnasial­lehrkräften.

die Hauptschule, die Hauptschulen: eine der drei Schularten nach der Grundschule, in der Regeln von Klasse 5 bis 9 oder 10; Sie soll die Schüler auf einen Beruf vorbereiten. Sie wird mit dem Hauptschulabschluss abgeschlossen. Der ist schon nach Klasse 9 möglich. Danach können die Jugendlichen eine Ausbildung machen.
die Grundschule, die Grundschulen: die Schule, die alle Kinder von Klasse 1 bis 4 besuchen müssen (in Berlin und Brandenburg geht die Grundschule bis Klasse 6)
die Realschule, die Realschulen: eine der drei Schularten nach der Grundschule, in der Regel von Klasse 5 bis 10; Sie vermittelt eine breitere Allgemeinbildung als die Hauptschule und wird mit der Mittleren Reife, dem Realschulabschluss, abgeschlossen. Danach können die Jugendlichen eine Ausbildung machen, eine Fachoberschule besuchen oder auf das Gymnasium wechseln.
das Gymnasium, die Gymnasien: eine der drei Schularten nach der Grundschule, in der Regel von Klasse 5 bis 12 oder 13; Das Gymnasium vermittelt die höchste Bildung und wird mit dem Abitur abgeschlossen. Die Jugendlichen können dann die Universität besuchen. Früher dauerte das Gymnasium in den alten Bundesländern neun Jahre, also bis Klasse 13. Vor einigen Jahren wurde die Zeit auf acht Jahre verkürzt. Die neue, verkürzte Zeit war von Anfang an umstritten, viele Schulen sind mittlerweile wieder zu neun Jahren zurückgekehrt.
die Gemeinschaftsschule, die Gemeinschaftsschulen: Kinder und Jugendliche lernen von Klasse 1 bis 10 zusammen in einer Schule, also in einem Gebäude; Sie werden nach den ersten vier Jahren nicht getrennt. Sie machen aber trotzdem einen Haupt- oder Realschulabschluss oder das Abitur, falls die Schule eine gymnasiale Oberstufe hat. Die Gemeinschafts­schulen sind in den Bundesländern unterschiedlich gestaltet, in manchen führen sie bis Klasse 12 oder 13.
das längere gemeinsame Lernen: hier: Die Kinder werden nicht nach der 4. Klasse, also mit 10 Jahren, nach Hauptschule, Realschule und Gymnasium getrennt, sondern alle lernen gemeinsam: Kinder mit guten und mit schwachen Leistungen.
unter einem Dach: hier: alle gemeinsam in einer Schule
preisgeben: aufgeben, nicht schützen
mit Händen greifen: hier: deutlich, klar zu erkennen
der Verfall der Hauptschule: hier: Die Hauptschule verliert ihren Wert und ihre Berechtigung.
sich auf etwas Neues einlassen: Dinge verändern, etwas Neues beginnen
die überkommenen Schulstrukturen: hier: die überholte, veraltete Aufteilung in verschiedene Schularten
die CSU (Christlich-Soziale Union in Bayern): eine christlich-konservative Partei, die es nur in Bayern gibt, Schwesterpartei der CDU; Die CSU ist seit 1957 konstant an der bayrischen Regierung beteiligt. Bei den Landtagswahlen im September 2013 erhielt sie so viele Stimmen, dass sie momentan sogar allein regieren kann.
CDU (Christlich Demokratische Union Deutschlands): eine deutschlandweite christlich-konservative Partei; Bundeskanzlerin Angela Merkel ist die Vorsitzende der CDU. Bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 erhielt die CDU mit 34 Prozent die meisten Stimmen und regiert zusammen mit der CSU weitere vier Jahre.
Die demografische Entwicklung: gibt an, wie sich die Bevölkerungszahlen entwickeln werden; hier: In Deutschland sinkt die Bevölkerung kontinuierlich, da mehr Menschen sterben als geboren werden. Gleichzeitig werden die Menschen immer älter und immer weniger Kinder werden geboren. Es gibt also mehr ältere Menschen als jüngere.
in etwas hineinsteuern: sich nähern, nahe kommen
der Verelendungsprozess: immer ärmer werden; hier: Die Probleme an den Hauptschulen werden immer größer.
stabilisieren: sichern, gut gehen; hier: Bei sinkenden Schülerzahlen geht es dem Gymnasium besser als der Realschule und der Realschule besser als der Hauptschule.
zu Lasten von: zum Nachteil von; hier: Bei sinkenden Schülerzahlen geht es dem Gymnasium besser als der Realschule und der Realschule besser als der Hauptschule.
wohnortnah: nahe am Wohnort; hier: nicht weit vom Zuhause der Schüler
die Frühauslese: hier: Die Trennung der Kinder in Hauptschule, Realschule oder Gymnasium schon nach der vierten Klasse.
auf die Bildungsgänge verteilen: hier: die Kinder nach der Grundschule einer der drei Schularten zuordnen.
die mittleren Schulabschlüsse: die Mittlere Reife bzw. Der Realschulabschluss
der sozio-ökonomische Status: die wirtschaftliche und soziale Lage; hier: Um einen genauso guten Beruf wie die Eltern zu bekommen und genauso viel Geld zu verdienen, müssen die Kinder bessere Schulabschlüsse machen als ihre Eltern früher.
die PISA-Studie: steht für „Programme for International Student Assessment“ (Deutsch: Programm zur internationalen Schülerbewertung). Seit 2000 werden alle drei Jahre Studien durchgeführt und die Leistungen in drei Bereichen untersucht: Lesen, Mathematik und naturwissenschaftliches Grundwissen. Die Ergebnisse der ersten Studien waren 2001 für die Deutschen eine böse Überraschung: Die deutschen Schüler lagen in allen drei Bereichen auf den hintersten Plätzen. Seitdem wird viel darüber diskutiert, wie das deutsche Bildungssystem verbessert werden könnte.
die Sekundarstufe I, die Sekundarstufen: die Klassen 5-10 an allen Schulformen (Hauptschule, Realschule, Gesamtschule, Gymnasium)
etwas halten von: eine Meinung haben, denken über, finden; hier: Die Lehrer wurden gefragt, was sie über die unterschiedlichen Schularten denken.
sich für etwas aussprechen: für etwas sein, empfehlen, (mit Worten) unterstützen
durchlässig: offen; hier: Die Kinder werden nicht schon früh einer Schulart zugeordnet.
die Resonanz, die Resonanzen: die Reaktion, das Feedback
die Massenbewegung, die Massenbewegungen: viele Menschen engagieren sich für eine Sache
das PISA-Ranking, die PISA-Rankings: die Skala mit den Ergebnissen der PISA-Studie
der OECD-Bildungsvergleich: eine jährliche internationale Studie, die mit Statistiken vergleicht, wie viel Geld jedes Land in die Bildung steckt, wie viel Personal zur Verfügung steht, und wie sich Bildung in dem jeweiligen Land auf den Arbeitsmarkt auswirkt; Zur OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) gehören 34 wirtschaftlich hoch entwickelte Länder, in denen es Demokratie und Marktwirtschaft gibt. hier: am unteren Ende der Skala
das Schlusslicht, die Schlusslichter: hier: am unteren Ende der Skala
der Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozialer Herkunft: die Leistungen der Schüler stehen in enger Verbindung zur gesellschaftlichen Schicht, aus der sie kommen.
PISA 2006: die PISA-Studie aus dem Jahr 2006; der dritte internationale Vergleich; In der ersten Studie von 2000 hatten die deutschen Schüler schlecht abgeschnitten. zu einer bestimmten Gruppen in der Gesellschaft gehören; Die Schichten werden nach Bildung und Einkommen unterschieden: die Unterschicht (geringe Bildung, meistens geringes Einkommen), die Mittelschicht (gute bis sehr gute Bildung, gutes bis sehr gutes Einkommen), die Oberschicht (sehr gute Bildung, hohes Einkommen)
die Sozialschichtzugehörigkeit: zu einer bestimmten Gruppen in der Gesellschaft gehören; Die Schichten werden nach Bildung und Einkommen unterschieden: die Unterschicht (geringe Bildung, meistens geringes Einkommen), die Mittelschicht (gute bis sehr gute Bildung, gutes bis sehr gutes Einkommen), die Oberschicht (sehr gute Bildung, hohes Einkommen)
die Integration: Gruppen, die zum Beispiel aufgrund ihrer Herkunft, Sprache oder Religion bisher ausgeschlossen waren, sollen gesellschaftlich einbezogen werden.
entkoppeln: unabhängig voneinander machen, die Verbindung beenden
der Bildungswille: das Interesse an Bildung, die Lust zu lernen
die übervolle Klasse, die übervollen Klassen: zu viele Schüler lernen gemeinsam in einer Gruppe
die Privatschule, die Privatschulen: eine Schule, die nicht staatlich ist; Ihre Anzahl ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern relativ niedrig.
die soziale Selektivität: die Auswahl nach sozialen Schichten
die Reform, die Reformen: die politische Neuerung
lähmend: etwas, das aufhält oder bremst

Worterklärungen

die Hauptschule, die Hauptschulen: eine der drei Schularten nach der Grundschule, in der Regeln von Klasse 5 bis 9 oder 10; Sie soll die Schüler auf einen Beruf vorbereiten. Sie wird mit dem Hauptschulabschluss abgeschlossen. Der ist schon nach Klasse 9 möglich. Danach können die Jugendlichen eine Ausbildung machen.
die Grundschule, die Grundschulen: die Schule, die alle Kinder von Klasse 1 bis 4 besuchen müssen (in Berlin und Brandenburg geht die Grundschule bis Klasse 6)
die Realschule, die Realschulen: eine der drei Schularten nach der Grundschule, in der Regel von Klasse 5 bis 10; Sie vermittelt eine breitere Allgemeinbildung als die Hauptschule und wird mit der Mittleren Reife, dem Realschulabschluss, abgeschlossen. Danach können die Jugendlichen eine Ausbildung machen, eine Fachoberschule besuchen oder auf das Gymnasium wechseln.
das Gymnasium, die Gymnasien: eine der drei Schularten nach der Grundschule, in der Regel von Klasse 5 bis 12 oder 13; Das Gymnasium vermittelt die höchste Bildung und wird mit dem Abitur abgeschlossen. Die Jugendlichen können dann die Universität besuchen. Früher dauerte das Gymnasium in den alten Bundesländern neun Jahre, also bis Klasse 13. Vor einigen Jahren wurde die Zeit auf acht Jahre verkürzt. Die neue, verkürzte Zeit war von Anfang an umstritten, viele Schulen sind mittlerweile wieder zu neun Jahren zurückgekehrt.
die Gemeinschaftsschule, die Gemeinschaftsschulen: Kinder und Jugendliche lernen von Klasse 1 bis 10 zusammen in einer Schule, also in einem Gebäude; Sie werden nach den ersten vier Jahren nicht getrennt. Sie machen aber trotzdem einen Haupt- oder Realschulabschluss oder das Abitur, falls die Schule eine gymnasiale Oberstufe hat. Die Gemeinschaftsschulen sind in den Bundesländern unterschiedlich gestaltet, in manchen führen sie bis Klasse 12 oder 13.
das längere gemeinsame Lernen: hier: Die Kinder werden nicht nach der 4. Klasse, also mit 10 Jahren, nach Hauptschule, Realschule und Gymnasium getrennt, sondern alle lernen gemeinsam: Kinder mit guten und mit schwachen Leistungen.
unter einem Dach: hier: alle gemeinsam in einer Schule
preisgeben: aufgeben, nicht schützen
mit Händen greifen: hier: deutlich, klar zu erkennen
der Verfall der Hauptschule: hier: Die Hauptschule verliert ihren Wert und ihre Berechtigung.
sich auf etwas Neues einlassen: Dinge verändern, etwas Neues beginnen
die überkommenen Schulstrukturen: hier: die überholte, veraltete Aufteilung in verschiedene Schularten
die CSU (Christlich-Soziale Union in Bayern): eine christlich-konservative Partei, die es nur in Bayern gibt, Schwesterpartei der CDU; Die CSU ist seit 1957 konstant an der bayrischen Regierung beteiligt. Bei den Landtagswahlen im September 2013 erhielt sie so viele Stimmen, dass sie momentan sogar allein regieren kann.
CDU (Christlich Demokratische Union Deutschlands): eine deutschlandweite christlich-konservative Partei; Bundeskanzlerin Angela Merkel ist die Vorsitzende der CDU. Bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 erhielt die CDU mit 34 Prozent die meisten Stimmen und regiert zusammen mit der CSU weitere vier Jahre.
Die demografische Entwicklung: gibt an, wie sich die Bevölkerungszahlen entwickeln werden; hier: In Deutschland sinkt die Bevölkerung kontinuierlich, da mehr Menschen sterben als geboren werden. Gleichzeitig werden die Menschen immer älter und immer weniger Kinder werden geboren. Es gibt also mehr ältere Menschen als jüngere.
in etwas hineinsteuern: sich nähern, nahe kommen
der Verelendungsprozess: immer ärmer werden; hier: Die Probleme an den Hauptschulen werden immer größer.
stabilisieren: sichern, gut gehen; hier: Bei sinkenden Schülerzahlen geht es dem Gymnasium besser als der Realschule und der Realschule besser als der Hauptschule.
zu Lasten von: zum Nachteil von; hier: Bei sinkenden Schülerzahlen geht es dem Gymnasium besser als der Realschule und der Realschule besser als der Hauptschule.
wohnortnah: nahe am Wohnort; hier: nicht weit vom Zuhause der Schüler
die Frühauslese: hier: Die Trennung der Kinder in Hauptschule, Realschule oder Gymnasium schon nach der vierten Klasse.
auf die Bildungsgänge verteilen: hier: die Kinder nach der Grundschule einer der drei Schularten zuordnen
die mittleren Schulabschlüsse: die Mittlere Reife bzw. Der Realschulabschluss
der sozio-ökonomische Status: die wirtschaftliche und soziale Lage; hier: Um einen genauso guten Beruf wie die Eltern zu bekommen und genauso viel Geld zu verdienen, müssen die Kinder bessere Schulabschlüsse machen als ihre Eltern früher.
die PISA-Studie: steht für „Programme for International Student Assessment“ (Deutsch: Programm zur internationalen Schülerbewertung). Seit 2000 werden alle drei Jahre Studien durchgeführt und die Leistungen in drei Bereichen untersucht: Lesen, Mathematik und naturwissenschaftliches Grundwissen. Die Ergebnisse der ersten Studien waren 2001 für die Deutschen eine böse Überraschung: Die deutschen Schüler lagen in allen drei Bereichen auf den hintersten Plätzen. Seitdem wird viel darüber diskutiert, wie das deutsche Bildungssystem verbessert werden könnte.
die Sekundarstufe I, die Sekundarstufen: die Klassen 5-10 an allen Schulformen (Hauptschule, Realschule, Gesamtschule, Gymnasium)
etwas halten von: eine Meinung haben, denken über, finden; hier: Die Lehrer wurden gefragt, was sie über die unterschiedlichen Schularten denken.
sich für etwas aussprechen: für etwas sein, empfehlen, (mit Worten) unterstützen
durchlässig: offen; hier: Die Kinder werden nicht schon früh einer Schulart zugeordnet.
die Resonanz, die Resonanzen: die Reaktion, das Feedback
die Massenbewegung, die Massenbewegungen: viele Menschen engagieren sich für eine Sache
das PISA-Ranking, die PISA-Rankings: die Skala mit den Ergebnissen der PISA-Studie
der OECD-Bildungsvergleich: eine jährliche internationale Studie, die mit Statistiken vergleicht, wie viel Geld jedes Land in die Bildung steckt, wie viel Personal zur Verfügung steht, und wie sich Bildung in dem jeweiligen Land auf den Arbeitsmarkt auswirkt; Zur OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) gehören 34 wirtschaftlich hoch entwickelte Länder, in denen es Demokartie und Marktwirtschaft gibt.
das Schlusslicht, die Schlusslichter: hier: am unteren Ende der Skala
der Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozialer Herkunft: die Leistungen der Schüler stehen in enger Verbindung zur gesellschaftlichen Schicht, aus der sie kommen
PISA 2006: die PISA-Studie aus dem Jahr 2006; der dritte internationale Vergleich; In der ersten Studie von 2000 hatten die deutschen Schüler schlecht abgeschnitten.
die Sozialschichtzugehörigkeit: zu einer bestimmten Gruppen in der Gesellschaft gehören; Die Schichten werden nach Bildung und Einkommen unterschieden: die Unterschicht (geringe Bildung, meistens geringes Einkommen), die Mittelschicht (gute bis sehr gute Bildung, gutes bis sehr gutes Einkommen), die Oberschicht (sehr gute Bildung, hohes Einkommen)
die Integration: Gruppen, die zum Beispiel aufgrund ihrer Herkunft, Sprache oder Religion bisher ausgeschlossen waren, sollen gesellschaftlich einbezogen werden
entkoppeln: unabhängig voneinander machen, die Verbindung beenden
der Bildungswille: das Interesse an Bildung, die Lust zu lernen
die übervolle Klasse, die übervollen Klassen: zu viele Schüler lernen gemeinsam in einer Gruppe
die Privatschule, die Privatschulen: eine Schule, die nicht staatlich ist; Ihre Anzahl ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern relativ niedrig.
die soziale Selektivität: die Auswahl nach sozialen Schichten
die Reform, die Reformen: die politische Neuerung
lähmend: etwas, das aufhält oder bremst
Arnd Zickgraf,
Wissenschaftsjournalist und Publizist in Bonn

Copyright: Goethe-Institut e.V., Online-Redaktion
August 2008

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