Schule und Ausbildung

Lernen in der Ganztagsschule

Sprachniveau: B2/C1

Ob man in der Ganztagsschule von früh bis spät lernen muss? Nein. Es gibt in Deutschland allerdings auch gar nicht die eine Ganztagsschule, sondern viele Konzepte – je nach Bundesland, Schulform und Stand der Reformen.

Die Konzepte unterscheiden sich vor allem danach, an welchen Angeboten die Schülerinnen und Schüler teilnehmen müssen. Beispiel Hamburg: Hier wird zwischen der offenen, der gebundenen und der teilgebundenen Ganztagsschule unterschieden. Bei der offenen Ganztagsschule können die Lernenden am Nachmittagsangebot teilnehmen, sie müssen es aber nicht. Bei der gebundenen Ganztagsschule ist die Teilnahme am Nachmittagsprogramm verpflichtend und bei der teilgebundenen Ganztagsschule gibt es sowohl Nachmittagsveranstaltungen, an denen alle Schülerinnen und Schüler teilnehmen müssen, als auch Veranstaltungen, bei denen keine Anwesenheitspflicht besteht.

Pro und Contra

Was spricht für die Ganztagsschule und was dagegen? Ties Rabe ist klar für die Ganztagsschule – das liegt an seinem Job: Rabe war Präsident der KMK (siehe Info-Kasten) und ist derzeit Bildungssenator in Hamburg. Beim 9. Ganztagsschulkongress in Berlin sagte er: „Ganztagsschulen eröffnen viele Chancen: die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, anregende und spannende Freizeit- und Bildungsangebote sowie entspanntes Lernen. Ich freue mich darüber, dass immer mehr Schulen in den Ganztag einsteigen und mit klugen Konzepten die großen Möglichkeiten dieser Schulform entfalten.“

Das hört sich gut an und tatsächlich werden immer mehr Schulen in Ganztagsschulen umgewandelt, um die von Rabe genannte Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern. Wenn Eltern tagsüber arbeiten, können sie nicht gleichzeitig ihre Kinder betreuen. Ein anderes Ziel ist die Verbesserung der Chancengleichheit. Egal, wie viel Geld die Eltern verdienen – alle Kinder sollen die gleichen Lernbedingungen haben.

Kritisiert wird allerdings die Umsetzung. An manchen Schulen müssen die Schülerinnen und Schüler die Mittagspause in ihrem Klassenraum verbringen, weil es keine Kantine in der Schule gibt. Oft fehlt es den Schulen auch an Geld, um für das Nachmittagsprogramm Fachpersonal zu bezahlen. Deshalb befürchten viele Eltern eine Verschlechterung der Lernbedingungen. Vor allem an Schulen, die die gebundene Ganztagsschule eingeführt haben.

Und was sagen die Schülerinnen und Schüler an Ganztagsschulen?


Jonathan, 17 Jahre
Jonathan wünscht sich vor allem weniger Hausaufgaben: „Es heißt ja immer, dass man in der Ganztagsschule weniger Hausaufgaben bekommt, aber ich habe das Gefühl, dass ganz normal Hausaufgaben aufgegeben werden. Und wenn es schon Ganztagsschule heißt und man bis 16 oder 17 Uhr Schule hat, dann sollte man an den Tagen auch keine Hausaufgaben aufbekommen.“
Jonathan über das Lernen an Ganztagsschulen

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Johanna, 18 Jahre
Johanna sieht das anders. Sie findet es gut, dass sie am Nachmittag in der Schule schon die Hausaufgaben machen kann: „Gerade jetzt in der Oberstufe sitzt man doch recht lange an den Hausaufgaben, da ist es schön, wenn man die in der Schule schon machen kann und dann zu Hause zum Beispiel nur noch für Arbeiten lernen muss.“
Johanna über das Lernen an Ganztagsschulen

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Hannah, 17 Jahre
Für Hannah haben Ganztagsschulen gute und weniger gute Seiten. Besonders wichtig findet sie, dass Eltern sich genug Zeit für ihre Kinder nehmen, auch wenn sie erst spät von der Schule nach Hause kommen: „Ganztagsschulen fördern nicht in jedem Fall das Miteinander in der Familie.“
Hannah über das Lernen an Ganztagsschulen

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Yvonne Pöppelbaum, freie Redakteurin in Hamburg
www.poeppelbaum.eu

die Ganztagsschule, die Ganztagsschulen: eine Schule, in der man nicht nur an den Vormittagen lernt (also halbtags), sondern auch an den Nachmittagen
von früh bis spät: von morgens bis abends
das Konzept, die Konzepte: die Skizze, der Entwurf; hier: Es gibt viele verschiedene Arten von Ganztagsschulen.
die Reform, die Reformen: die politische Neuerung
verpflichtend: obligatorisch, bindend
die Anwesenheitspflicht: die Pflicht, am Unterricht oder an anderen Veranstaltungen in der Schule teilzunehmen
der Bildungssenator: ein Politiker, der für den Bereich Bildung zuständig ist
der Ganztagsschulkongress: eine Veranstaltung, bei der sich zum Beispiel Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Politikerinnen und Politiker sowie Lehrerinnen und Lehrer und über Ganztagsschulen austauschen
die Vereinbarung von Familie und Beruf: die Möglichkeit, dass Frauen und Männer Kinder großziehen und gleichzeitig auch arbeiten
dass immer mehr Schulen in den Ganztag einsteigen: dass immer mehr Schulen zu Ganztagsschulen werden
etwas entfalten: etwas entwickeln, weiterbringen, gestalten
die Chancengleichheit: die Möglichkeit, dass alle Kinder in der Schule die gleichen Chancen auf Erfolg und gute Noten haben (zum Beispiel unabhängig davon, wieviel Geld die Eltern verdienen oder aus welchem Land die Eltern kommen)
die Lernbedingungen (Plural): die Basis, die Schülerinnen und Schüler zum Lernen haben (betrifft zum Beispiel die Anzahl der Unterrichtsstunden, die Anzahl der Schüler in einer Klasse, die Qualität des Unterrichts)
das Fachpersonal: hier: gut ausgebildete und qualifizierte Pädagoginnen und Pädagogen
die Oberstufe, die Oberstufen: In Deutschland unterscheidet man am Gymnasium zwischen Unterstufe (bis einschließlich Klasse 10) und Oberstufe (ab Klasse 11). In der Oberstufe können Schülerinnen und Schüler ihre Fächer freier nach Interessen wählen – und sie bereiten sich auf das Abitur vor.
die Arbeit, die Arbeiten: hier: die Klassenarbeit, der Test
die Bildungsfrage, die Bildungsfragen: hier: politische Entscheidungen im Bereich Bildung
der Beschluss, die Beschlüsse: die (politische) Entscheidung, das Ergebnis einer Beratung
die Vertreter der Länder: hier: die Ministerinnen und Minister bzw. und Senatorinnen und Senatoren, die in den 16 deutschen Bundesländern für Bildung und Kultur zuständig sind
der Primarbereich/der Sekundarbereich: Die Primarstufe umfasst die Klassen 1 bis 4. Die Sekundarstufe beginnt mit der 5. Klasse. Von der 4. zur 5. Klasse gibt es in den meisten deutschen Bundesländern einen Wechsel von der Grundschule auf die weiterführenden Schulen (zum Beispiel Hauptschule, Realschule oder Gymnasien).
an allen Tagen des Ganztagsbetriebs: an allen Tagen, an denen die Schülerinnen und Schüler ganztägig in der Schule sind
die Schulleitung: die Direktion der Schule
Sternchenthema: Dieser Text unterhalb des B2-Niveaus ist für Lerngruppen zu empfehlen, die anstreben, das Deutsche Sprachdiplom zweiter Stufe (DSD II) zu erwerben.

Worterklärungen

die Ganztagsschule, die Ganztagsschulen: eine Schule, in der man nicht nur an den Vormittagen lernt (also halbtags), sondern auch an den Nachmittagen
von früh bis spät: von morgens bis abends
das Konzept, die Konzepte: die Skizze, der Entwurf; hier: Es gibt viele verschiedene Arten von Ganztagsschulen.
die Reform, die Reformen: die politische Neuerung
verpflichtend: obligatorisch, bindend
die Anwesenheitspflicht: die Pflicht, am Unterricht oder an anderen Veranstaltungen in der Schule teilzunehmen
der Bildungssenator: ein Politiker, der für den Bereich Bildung zuständig ist
der Ganztagsschulkongress: eine Veranstaltung, bei der sich zum Beispiel Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Politikerinnen und Politiker sowie Lehrerinnen und Lehrer und über Ganztagsschulen austauschen
die Vereinbarung von Familie und Beruf: die Möglichkeit, dass Frauen und Männer Kinder großziehen und gleichzeitig auch arbeiten
dass immer mehr Schulen in den Ganztag einsteigen: dass immer mehr Schulen zu Ganztagsschulen werden
etwas entfalten: etwas entwickeln, weiterbringen, gestalten
die Chancengleichheit: die Möglichkeit, dass alle Kinder in der Schule die gleichen Chancen auf Erfolg und gute Noten haben (zum Beispiel unabhängig davon, wieviel Geld die Eltern verdienen oder aus welchem Land die Eltern kommen)
die Lernbedingungen (Plural): die Basis, die Schülerinnen und Schüler zum Lernen haben (betrifft zum Beispiel die Anzahl der Unterrichtsstunden, die Anzahl der Schüler in einer Klasse, die Qualität des Unterrichts)
das Fachpersonal: hier: gut ausgebildete und qualifizierte Pädagoginnen und Pädagogen
die Oberstufe, die Oberstufen: In Deutschland unterscheidet man am Gymnasium zwischen Unterstufe (bis einschließlich Klasse 10) und Oberstufe (ab Klasse 11). In der Oberstufe können Schülerinnen und Schüler ihre Fächer freier nach Interessen wählen – und sie bereiten sich auf das Abitur vor.
die Arbeit, die Arbeiten: hier: die Klassenarbeit, der Test
die Bildungsfrage, die Bildungsfragen: hier: politische Entscheidungen im Bereich Bildung
der Beschluss, die Beschlüsse: die (politische) Entscheidung, das Ergebnis einer Beratung
die Vertreter der Länder: hier: die Ministerinnen und Minister bzw. und Senatorinnen und Senatoren, die in den 16 deutschen Bundesländern für Bildung und Kultur zuständig sind
der Primarbereich/der Sekundarbereich: Die Primarstufe umfasst die Klassen 1 bis 4. Die Sekundarstufe beginnt mit der 5. Klasse. Von der 4. zur 5. Klasse gibt es in den meisten deutschen Bundesländern einen Wechsel von der Grundschule auf die weiterführenden Schulen (zum Beispiel Hauptschule, Realschule oder Gymnasien).
an allen Tagen des Ganztagsbetriebs: an allen Tagen, an denen die Schülerinnen und Schüler ganztägig in der Schule sind
die Schulleitung: die Direktion der Schule

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