Schule und Ausbildung

„Waldorfschule“ – Privatschulen für alle Sinne

Sprachniveau: B2/C1
Seit rund 90 Jahren gibt es mit der Waldorfschule eine Alternative zum allgemeinen Schulsystem. Keine Noten, dafür viel Kunst, Musik und Handwerk im Lehrplan – wie geht das?

„Für mich die tollste Schule, die es gibt“, sagt Konstantin, 15 Jahre. Er geht in München auf die Waldorfschule in Schwabing. Viele Schüler mögen die Geborgenheit dieser Schule, die ihnen menschliche Wärme vermittelt. So geht es auch Flora, die die menschliche Seite der Waldorfpädagogik so mag. Um an der Waldorfschule das Leben zu erfahren, nimmt Flora täglich eine Anfahrtszeit von einer Stunde in Kauf und hat ihre alte Schule hinter sich gelassen. Flora hat wegen dieses Zeitaufwands mit dem Schlagzeug- und Klavierspielen aufgehört, daher schätzt sie die gemeinsamen Chorproben und die weiteren künstlerischen Fächer.

Konstantin: Die beste Schule

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Flora: Hier gibt es keinen Leistungsdruck

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Doch was ist so anders, so besonders an der Waldorfschule? 

Die Waldorfpädagogik setzt auf Rituale und Rhythmisierung des Schullebens. Dazu gehören gemeinsames Sprechen, Singen, Gehen, jeden Tag die persönliche Begrüßung jedes Kindes durch den Klassenlehrer oder das Aufsagen der Zeugnissprüche. Der Zeugnisspruch ist oft ein Gedicht oder ein Textauszug, den der Waldorfschüler morgens am Wochentag seiner Geburt aufsagt. Zensuren und Durchfallen gibt es an der Waldorfschule nicht.

Ein ganzheitliches, tiefes Verständnis des Menschen im Kosmos sind die eigentlichen Lernziele der Waldorfpädagogik. Auf der Waldorfschule gibt es keine Lehrbücher. Der Lehrer vermittelt den Lernstoff durch Erzählungen, mit Materialien aus der Natur und mit einem künstlerisch gestalteten Tafelbild. Die Schüler übertragen auf ihre Weise das Tafelbild in ihre Hefte, die zu ihren persönlichen Schulbüchern werden.

Handwerk, Kunst und Musik 

Schon in der ersten Waldorfschule war das Arbeiten oder Werken mit den Händen wichtig. Die Waldorfschule will nicht nur die Kopfarbeit fördern. Damals wie heute lernen die Kinder verschiedene Handwerke wie Buchbinden, Plastizieren, Tischlern, Töpfern, Korbflechten, Kupfertreiben, Spinnen und Weben oder Gartenbau. Die Kinder sollen vor allem die Welt mit allen Sinnen erfahren, nicht nur Sachwissen erlernen.

Neben den handwerklich-praktischen Fächern sind die künstlerischen Fächer sehr wichtig. In den ersten vier Jahren spielen die Kinder Flöte und Geige, ab der 5. Klasse musizieren alle aus einem Jahrgang in einem Orchester.

Nach der 8. Klasse wird ein Theaterstück, ein Klassenspiel, aufgeführt. Die Jugendlichen stehen dann oft das erste Mal auf der Bühne und zeigen sich einem Publikum.

Annabell: Handwerkliches gegen den Schulstress

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Mehr Sinneserfahrung, weniger Computer 

In der Waldorfpädagogik sind die Erfahrungen, die die Kinder in der wirklichen Welt mit ihren Sinnen machen, wichtiger als virtuelle Erfahrungen. Computer werden in der Waldorfschule erst in den letzten Schuljahren benutzt. Kinder bis 15 Jahre sollen möglichst wenig mit Computern arbeiten. Das empfehlen die Lehrer den Eltern. Die meisten Schüler halten sich daran.

Konstantin: Internet so wenig wie möglich

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Pia geht gerne ins Internet

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Eurythmie – spezielle Bewegungskunst nach Rudolf Steiner 

Von Anfang an ist Eurythmie ein Pflichtfach an der Waldorfschule. Wörter oder Gefühle, die bei Musikstücken entstehen, gestalten Jungen und Mädchen mit ihrem Körper. Sie formen Buchstaben mit ihren Händen. Zweimal in der Woche bis zur 11. Klasse erhalten die Kinder Eurythmieunterricht. Für die Aufführungen ziehen die Mädchen und Jungen weite Gewänder an.

Annabell: Die Eurythmie-Kleider

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Woher kommt der Name? 

Der Gründungsvater der Waldorfschule ist Rudolf Steiner (1861-1925). Er gründete in Stuttgart im Auftrag der Zigarettenfabrik Waldorf-Astoria eine Schule für Jungen und Mädchen. Im Gründungsjahr 1919 war es eine Neuheit, dass Kinder in Koedukation, also beide Geschlechter gemeinsam, unterrichtet wurden. Es war auch das erste Mal, dass Kinder aus unterschiedlichen Schichten und mit unterschiedlicher Begabung gemeinsam unterrichtet und gefördert wurden. Ende des 19. Jahrhunderts wollten Reformpädagogen wie Rudolf Steiner „neue, freie Schulen", in der allein das Kind im Mittelpunkt steht. Daher heißen die Waldorfschulen auch „Freie Waldorfschule“ oder „Rudolf Steiner Schule“. Mit der Waldorfschule entstand die erste Gesamtschule in Deutschland.

Fremdsprachen 

Sprachen sind an den Waldorfschulen wichtig. Bereits in der 1. Klasse der Schule lernen die Kinder die erste Fremdsprache. Viele fangen mit Englisch an, dann folgt eine weitere Fremdsprache, meistens Französisch oder Russisch. An einigen Schulen wird ab der 9. Klasse auch Latein angeboten.

Die Waldorfpädagogik ist in der ganzen Welt vertreten, sehr viele Schulen gibt es in den USA und Neuseeland. Annabell war zu einem Schüleraustausch in Neuseeland. Dort hat sie interessante Erfahrungen gemacht.

Während ihres Aufenthalts war sie überrascht, dass die Schule dort viel mehr „Waldorf“ war. Die Häuser auf dem Schulgelände waren ohne rechte Winkel. Die Gebäude waren organisch in die Landschaft gebaut, so wie es die anthroposophische Lehre verlangt. Im anthroposophischen Schulgebäude haben die Klassenräume unterschiedliche Farben. Wie beim Farbspektrum des Regenbogens beginnt die erste Klasse in einem roten Raum, die letzte Klasse, die zwölfte, sitzt in einem violetten Klassenzimmer.

Annabell: Waldorfschule Gebäude

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Geistiger Hintergrund der Waldorfschule – die Anthroposophie 

Die Waldorfpädagogik hat ihre Grundlage in der Lehre der Anthroposophie. Diese Weltanschauung hat Rudolf Steiner entwickelt. Es ist eine Sichtweise auf den Menschen und den Kosmos. Dabei steht der Mensch mit seinem Bezug zu übersinnlichen Kräften im Mittelpunkt. Zum Kosmos gehören viel mehr Dinge, als man sehen oder greifen kann.

Bühling: Was ist Anthroposophie?

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Ein Ziel der Waldorf-Lehrer ist, alle Fähigkeiten und Fertigkeiten des Kindes zu entdecken und zu fördern. So wird Erziehung und Schule zum Abenteuer für Lehrer und Schüler.

Bühling: Abenteuer Erziehung

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Eine Besonderheit auf dieser Privatschule ist das Lehrer-Schüler-Verhältnis. Ein Klassenlehrer begleitet einen Klassenverband mit 30 bis 40 Schülern von der 1. bis zur 8. Klasse. Die Waldorfschule-Schüler mögen diese persönliche Atmosphäre an ihrer Schule, die auch viele Ganztagsangebote macht.

Der Hauptunterricht wird vor allem als Frontalunterricht gehalten. Auf der Waldorfschule steht nicht der Lernstoff, sondern das Kind und der Jugendliche im Mittelpunkt. Pia mag es, dass sie auch als Mensch mit guten und schlechten Tagen gesehen wird.

Pia: Als Mensch ernst genommen

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Nach der anthroposophischen Weltanschauung, die um 1900 erdacht wurde, teilt sich die Entwicklung des Kindes in Siebenjahresschritte auf, in das Jahrsiebt. In der Anthroposophie reicht die Kindheit bis ins zwölfte Lebensjahr, nach dem 21. Lebensjahr ist die Erziehung Selbsterziehung. In der Kindheit braucht das Kind eine Autorität und ein Vorbild, beides soll der Lehrer verkörpern. Die Waldorfschule will die Kindheit schützen. Die Kinder sollen nicht schon mit 12 Jahren so sein wie ihre Eltern. In diesem Sinne möchte die Waldorfschule eine Oase sein.

Bühling: Waldorfschule – eine extreme Oase

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Milena G. Klipingat, M.A.

eine Situation, die angenehm, schön und gemütlich ist
hier: jemanden etwas geben
in Kauf nehmen, etwas akzeptieren
in Kauf nehmen, etwas akzeptieren
etwas verlassen
Zeitaufwand haben: für etwas viel Zeit brauchen
Sänger arbeiten zusammen in einer Gruppe
hier: Schulnoten
nicht in die nächste Klasse kommen
ganzheitlich: etwas betrifft den Körper und den Geist gleichzeitig
hier: aufschreiben
eine Plastik, eine Skulptur erarbeiten
das rote Metall Kupfer mit einem Werkzeug bearbeiten
Einen Jahrgang bilden alle Schüler im selben Alter
das Gewand, die Gewänder, anderes Wort für ein Kleid
etwas gründen: mit etwas anfangen; siehe Gründungsvater, Gründungsjahr
mehrere Teile einer Gesellschaft, eines Staates zum Beispiel Unter- oder Mittel- oder Oberschicht
Reformpädagogik: um 1900 gegründet, Lehrer wollen Schülern nicht nur abstrakte, sondern auch praktische Dinge vermitteln
vertreten sein: etwas existiert an mehreren Orten
Die Weltanschauung ist die Summe von Ansichten über sich selbst, die Gesellschaft oder die ganze Welt.
begleiten: bei einer anderen Person sein
die Erziehung: den Charakter und Geist formen und fördern, besonders bei Kindern
das Vorbild: eine Person als ein Beispiel für sich sehen

Worterklärungen

die Geborgenheit: eine Situation, die angenehm, schön und gemütlich ist
vermitteln: hier: jemanden etwas geben
in Kauf nehmen: etwas akzeptieren
hinter sich lassen: etwas verlassen
Zeitaufwand haben: für etwas viel Zeit brauchen
die Chorprobe: Sänger arbeiten zusammen in einer Gruppe
die Zensurnen: hier: Schulnoten
das Durchfallen: nicht in die nächste Klasse kommen
ganzheitlich: etwas betrifft den Körper und den Geist gleichzeitig
übertragen: hier: aufschreiben
das Plastizieren: eine Plastik, eine Skulptur erarbeiten
das Kupfertreiben: das rote Metall Kupfer mit einem Werkzeug bearbeiten
der Jahrgang: Einen Jahrgang bilden alle Schüler im selben Alter
das Gewand, die Gewänder: anderes Wort für ein Kleid
etwas gründen: mit etwas anfangen; siehe Gründungsvater, Gründungsjahr
die Schichten: mehrere Teile einer Gesellschaft, eines Staates zum Beispiel Unter- oder Mittel- oder Oberschicht
Reformpädagogik: um 1900 gegründet, Lehrer wollen Schülern nicht nur abstrakte, sondern auch praktische Dinge vermitteln
vertreten sein: etwas existiert an mehreren Orten
die Weltanschauung: die Summe von Ansichten über sich selbst, die Gesellschaft oder die ganze Welt.
begleiten: bei einer anderen Person sein
die Erziehung: den Charakter und Geist formen und fördern, besonders bei Kindern
das Vorbild: eine Person als ein Beispiel für sich sehen

Konstantin: Die beste Schule

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Flora: Hier gibt es keinen Leistungsdruck

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Annabell: Handwerkliches gegen den Schulstress

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Konstantin: Internet so wenig wie möglich

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Pia geht gerne ins Internet

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Annabell: Die Eurythmie-Kleider

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Annabell: Waldorfschule Gebäude

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Bühling: Was ist Anthroposophie?

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Bühling: Abenteuer Erziehung

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Pia: Als Mensch ernst genommen

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Bühling: Waldorfschule – eine extreme Oase

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