Schule und Ausbildung

Das Klassenzimmer als Chill-Out-Lounge

Sprachniveau: B2

Laut, eng, stickig und ein Geruch nach Pausenbrot und altem Teppichboden – die meisten Klassenzimmer in Deutschland verdienen eine ganz schlechte Note. Wissenschaftler haben nun jedoch zweifelsfrei festgestellt, dass es sich in einem angenehmen Ambiente viel besser lernen lässt als in einem muffigen 70er-Jahre-Bau. Sie fordern eine so genannte „pädagogische Architektur“ und appellieren an die Regierung, mehr Geld in ansprechende, moderne Schulgebäude zu stecken. Wie eine Schule aussehen kann, in der Lernen Spaß macht und wo man auch mal einfach nur chillen kann, berichtet die Architektin Susanne Hofmann, die mit ihrem Team der Uni Berlin, den „Baupiloten“, schon einige Klassenzimmer der ganz besonderen Art gebaut hat.



Frau Hofmann, was muss beim Bau eines „pädagogischen Klassenzimmers“ alles beachtet werden?


 Das Raumklima spielt eine enorm wichtige Rolle. In einem gewöhnlichen Klassenzimmer wird man sehr viel schneller müde. Und deshalb nähern wir uns einer Architektur immer über Atmosphären an. Das heißt, wenn wir ein Projekt planen, fragen wir als erstes: Wie fühlt man sich in einem Raum? Wie ist die Luft? Wie ist das Licht? Wie die Akustik? Gerade die Akustik ist wichtig im Schulbau. Lehrer und Schüler leiden sehr darunter, wenn die akustischen Bedingungen schlecht, und der Lärm also groß ist.

Weshalb sollten, Ihrer Meinung nach, noch viel mehr „pädagogische Klassenzimmer“ gebaut werden?

In einem Raum, in dem ich mich wohlfühle, arbeite und lerne ich schneller und besser. Wenn Schulräume so gestaltet werden, dass es Orte gibt, wo man sich treffen und austauschen kann, bringt das sehr viel für das soziale Klima der ganzen Schule. Beim Umbau der Erika-Mann-Schule in Berlin etwa haben wir die Klassenzimmer zu den Fluren hin geöffnet und eine große Sitzlandschaft eingebaut. Hier kann man sich ausruhen und mit anderen ins Gespräch kommen. Vorher war der Flur nur ein Durchgangsraum – jetzt ist er ein gemütlicher Aufenthaltsraum.



Waren Schüler und Lehrer mit Ihren Umbaumaßnahmen bislang immer einverstanden?


Hundertprozentig. Das liegt bestimmt daran, dass wir nicht alleine, sondern gemeinsam mit den Schülern und Lehrern im Team arbeiten. Wir denken uns nicht irgendetwas aus, und die Schüler müssen dann schauen, wie sie damit zurechtkommen. Sondern wir setzen genau das um, was sich Schüler und Lehrer für ihre Schule gewünscht haben. Das bedeutet auch, dass wir eine Schule so nicht woanders aufbauen könnten. Jede Schule ist sehr stark eingefärbt durch die Ideen derjenigen, die jeden Tag dort verbringen: ihre Schüler und Lehrer.



An welchem Projekt arbeiten Sie gerade?


Für die Carlo-Schmid-Oberschule in Berlin-Spandau, eine riesige Schule im 70er-Jahre-Stil, bauen wir gerade verschiedene Arbeitsinseln. Dafür haben wir wieder eng mit den Schüler zusammengearbeitet. Auch hier haben die Jugendlichen zuerst aus einem Schuhkarton einen Raum gebaut, der sie persönlich anspricht. Danach haben sich die Schüler gegenseitig in der Haltung fotografiert, wie sie sich in ihrem Wunsch-Raum gerne aufhalten würden und haben diese Fotos in ihre Modelle hinein collagiert. Aus diesen Collagen sind so genannte „Body-Extensions“ entstanden, Möbelstücke im Maßstab eins zu eins – aus Holzplatten und Kabelbinder. Aus diesen Modellen haben wir die Einrichtung der Schule gebaut, die Schüler haben den einzelnen Möbelstücken Namen gegeben: Da gibt es den „Kletter-Gletscher“, die „Forsch-Kapsel“, den „Bewegungskonzentrator“ und selbstverständlich auch eine „Beobachtungsliege“. Hier kann man sich auch mal vom ganzen Trubel zurückziehen. Rückzugsorte sind an einer Schule ganz besonders wichtig.







Und wie stellt Ihr euch euer Traum-Klassenzimmer vor?


Anabelle, 18 Jahre, Paris (Frankreich)
Ich wünsche mir einen weißen interaktiven Screen für jedes Klassenzimmer. Die Dekoration soll sich nach den Themen richten, die gerade im Unterricht behandelt werden. Außerdem hätte ich gerne bequemere Stühle und ein Sitzkissen für jeden. Im Übrigen bin ich jedoch der Meinung, dass sich nicht unbedingt die Architektur der Schulgebäude ändern sollte, sondern vielmehr der Unterricht. Es führt zu nichts, wenn man die Einrichtung der Klassenzimmer ändert, solange die Lehrer nicht Ihre Art zu arbeiten und zu unterrichten hinterfragen.

Virginia, 8 Jahre, Budapest (Ungarn)
Mein Wunsch-Klassenzimmer sollte zartgrüne Wände haben, die mit Bildern von Tieren verziert sind. Die Tische sollten in U-Form aufgestellt sein und alle verschiedene Farben haben. Im hinteren Teil des Klassenzimmers wünsche ich mir Schränke. In ihnen wären Gesellschaftsspiele und Spielzeug für die Pausen verstaut. Außerdem wünsche ich mir einen Fernseher, um Dokumentarfilme anzuschauen.

Joshua, 13 Jahre, Ingolstadt (Deutschland)
Ich wünsche mir ein ganz modernes Klassenzimmer mit einem Powerpoint-Projektor und einem dazugehörigen Laptop. Das Klassenzimmer sollte sehr große Fenster haben und sehr hell sein. Es sollte geräumig sein, damit jeder Schüler viel Platz hat. Außerdem wünsche ich mir für jeden Schüler ein eigenes Schließfach.

Eimo, 17 Jahre, Südbrookmerland (Deutschland)
Mein Wunschklassenzimmer hat helle Wände, vielleicht gelb. Als Sitzgelegenheiten würde ich Bürostühle (natürlich mit Armlehnen) benutzen. Das Klassenzimmer muss klimatisiert sein, um das Lernen einfacher zu machen. (Nicht mehr diese brütende Hitze oder eisige Kälte!)

Hendrik, 16 Jahre, Großefehn (Deutschland)
Mein idealer Klassenraum ist ein Raum, in dem das Lernen Freude macht und aufregend ist. Kahle Wände und eine langweilige Tafel sind hier absolut fehl am Platz. Jeder Schüler hat in seinem Tisch einen ausfahrbaren Laptop, mit dem er arbeiten kann. Alle Laptops sind mit dem Smart Board verbunden, das anstatt einer Tafel an der Wand hängt. Ein direkter Internetzugang würde das Recherchieren nach Quellen leichter und schneller machen.

Tim Lukas , 17 Jahre, Großefehn (Deutschland)
Ich bin der Meinung, dass ein idealer Klassenraum eine „Wohlfühlatmosphäre“ schaffen sollte. Dazu sollte er gelb (o.ä.) gestrichen sein und große Fenster mit Rollläden (wegen der Hitze im Sommer) haben. Zu guter Letzt muss er natürlich sauber und mit modernen Tischen und Stühlen ausgestattet sein.

Simon , 17 Jahre, Moordorf (Deutschland)
In meinem idealen Klassenzimmer sitzen die Schüler an Gruppentischen zusammen. Jeder von ihnen besitzt einen eigenen PC, mit dem er am Unterricht aktiv teilnimmt, während der Lehrer mit Hilfe einer interaktiven Tafel unterrichtet. Alle sitzen in bequemen Sesseln und an den Wänden hängen interessante Poster und Bilder. Im Klassenraum befindet sich außerdem ein leckeres, kaltes Buffet.
Verena Hütter
stellte die Fragen. Sie lebt als freie Autorin und Redakteurin in München.
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