Sport

Sportvereine: Eine deutsche Erfolgsgeschichte

Sternchenthema: Dieser Text auf B2/C1-Niveau ist für Lerngruppen zu empfehlen, die anstreben, das Deutsche Sprachdiplom zweiter Stufe (DSD II) zu erwerben.Sprachniveau: B2/C1 Senioren des Sportvereins HT16 in Hamburg. Der Turnverein ist der älteste Sportverein der Welt. |  © picture-alliance / dpa
Sportvereine blicken in Deutschland auf eine lange Tradition zurück. Dabei haben sich die Vereine auch an neue gesellschaftliche Gegebenheiten angepasst.

Ob Friedrich Ludwig Jahn ahnte, was aus seiner Idee werden sollte, als er 1811 im Berliner Volkspark Hasenheide den ersten deutschen Turnplatz eröffnete? Wahrscheinlich nicht. Für „Turnvater Jahn“, wie er noch heute genannt wird, waren Sport und Bewegung vor allem ein Mittel, um preußische Soldaten zu ertüchtigen. Doch drei Jahre später, als in einer Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern der erste deutsche Sportverein gegründet wurde, löste das eine Lawine aus, die sich nicht mehr aufhalten ließ.

Heute ist der in Vereinen organisierte Sport für die Gesellschaft unverzichtbar – das sagt jedenfalls Walter Schneeloch, Vize-Präsident für Breitensport im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), dem deutschen Dachverband der Sportvereine. „Der Sport hat sich als eine Querschnittsaufgabe positioniert, die sich unter anderem auf Bildung, Jugendhilfe, Stadtentwicklung, Integration und Gesundheit erstreckt. Sport ist nicht mehr nur die schönste Nebensache der Welt, sondern ein wichtiges Politikfeld“, erklärt er. „Die Sportvereine produzieren den gesellschaftlichen Kitt.“

Jeder dritte Bundesbürger ist Mitglied

Völlig zu recht darf der Sport von sich behaupten, die größte Massenbewegung in Deutschland zu sein. Laut Statistik sind fast 28 Millionen Menschen Mitglied in einem Sportverein. Das entspricht 34,4 Prozent der Gesamtbevölkerung, wobei das Verhältnis von Männern und Frauen zwei zu eins beträgt. Im DOSB, dem größten Sportverband der Welt, haben sich 34 olympische und 28 nicht-olympische Verbände mit ihren Disziplinen zusammengeschlossen. Dazu kommen 20 Verbände mit besonderen Aufgaben, wie zum Beispiel die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft oder der Deutsche Verband für Freikörperkultur.

Ein Mitglied des Vereins BFC Germania 1888 steht im Vereinsheim in Berlin vor der Pokal- und Trophäensammlung des Vereins. | © picture alliance / dpa

Was die Mitgliederzahlen betrifft, ist der Deutsche Fußball-Bund mit über 6,8 Millionen Mitgliedern die Nummer eins vor dem Deutschen Turner-Bund (5 Millionen), dem Deutschen Tennis-Bund (1,5 Millionen) und dem Deutschen Schützen-Bund (1,4 Millionen). Regional betrachtet, liegt Nordrhein-Westfalen mit 4,9 Millionen Vereinssportlern an der Spitze der 16 deutschen Bundesländer.

Zwei Sportsysteme wachsen zusammen

Dass sich der Sport auch in einem wiedervereinten Deutschland so harmonisch entwickeln würde, damit war beim Mauerfall nicht unbedingt zu rechnen, denn es mussten zwei ganz unterschiedliche Sportsysteme zusammengeführt werden. So war der Breitensport in der DDR vornehmlich in den Sportgemeinschaften der Betriebe und Hochschulen organisiert. Eine Art Parallelwelt war das Spitzensport-System mit seinen 27 Sportclubs (SC) und deren Trainingszentren – wobei internationale Erfolge oft mit staatlich verordnetem Doping erkauft wurden.

Mit der Wiedervereinigung setzte sich auch in der früheren DDR das im Westen übliche Vereinswesen durch, wobei manche Anregung aus dem Osten Deutschlands aufgegriffen wurde. So dienten die Kinder- und Jugendsportschulen (KJS) der DDR in mancher Hinsicht als Vorbild für die heutigen Eliteschulen des Sports, in denen junge Talente Sport und Schulabschluss auf einen Nenner bringen können.

Nur durch ehrenamtliche Helfer möglich

Seit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 sind mehr als 20.000 Vereine neu entstanden, so dass es heute rund 91.000 Sportvereine gibt. Dies wäre nicht möglich ohne die 1,7 Millionen Männer und Frauen, die ehrenamtlich als Vorstände, Übungsleiter, Betreuer oder Kampfrichter tätig sind. Dass ihre Arbeit nicht nur einen großen gesellschaftspolitischen, sondern auch wirtschaftlichen Stellenwert hat, zeigt der Sportentwicklungsbericht des DOSB vom Mai 2014. Demnach kommen die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer bundesweit jeden Monat auf insgesamt über 24 Millionen Arbeitsstunden.

Eine U9-Juniorenmannschaft | © picture alliance / Avanti-Fotografie

Neue Strukturen und Angebote

Wissenschaftliche Studien belegen, was die besondere Stärke der Vereine ausmacht. So ist Sport im Verein vergleichsweise preiswert. Außerdem spielt das soziale Miteinander dort eine bedeutende Rolle und Werte wie Fairness und Toleranz sind sehr wichtig. Hinzu kommt, dass die Unterschiede zwischen den Menschen im Hinblick auf Alter, Herkunft, Beruf und die soziale Schicht in den Hintergrund rücken: Aus Unbekannten werden Vereinskameraden. Und: Da Vereine oft mit Kindergärten, Schulen und Jugendämtern zusammenarbeiten, leisten sie auch einen Beitrag zur Bildung und Integration.

Längst sind Sportvereine auch im Bereich Gesundheit aktiv: Über ein Drittel der Vereine bietet Kurse an, die die Gesundheit fördern, Krankheiten vorbeugen oder die Teilnehmer nach einer Krankheit wieder stärken sollen. Diese Angebote richten sich an bestimmte Zielgruppen, wie zum Beispiel Senioren oder Menschen mit Herzkrankheiten. Ein weiterer Trend: Vor allem große Vereine bieten anstelle fester Trainingszeiten offene Kurse an. Diese können die Mitglieder flexibel nutzen – je nachdem, wie sie gerade Zeit haben. Mit dieser Neuerung stellen sich die Vereine auf eine zunehmend schnelllebige Gesellschaft ein, in der immer weniger Menschen feste Termine einhalten können.

Vereinssportler im Porträt


auf eine lange Tradition zurückblicken: eine lange Tradition haben
preußisch: hier: Soldaten, die dem Land Preußen gedient haben. Preußen war früher auf dem Gebiet von Nord- und Mitteldeutschland. Auch große Teile von Polens haben zu Preußen gehört. Die Soldaten der preußischen Armee waren als besonders stark und diszipliniert bekannt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Preußen aufgelöst.
ertüchtigen: trainieren, kräftigen
eine Lawine auslösen: hier: etwas beginnen, das immer größer wird
der Breitensport: Freizeitsport, Sport für die breite Masse, also für viele Menschen
die Querschnittsaufgabe, die Querschnittsaufgaben: hier: Der Sport ist nicht mehr nur Sport, sondern ist in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft wichtig geworden.
die schönste Nebensache der Welt: etwas, das nicht sehr wichtig, aber sehr schön ist
der gesellschaftliche Kitt: jhier: Sport verbindet ganz unterschiedliche Menschen und hält so eine Gesellschaft zusammen
die Massenbewegung, die Massenbewegungen: sehr viele Menschen finden eine bestimmte Sache gut
die Disziplin, die Disziplinen: hier: die Sportarten
die Freikörperkultur: Bewegung in der Natur mit nacktem Körper, zum Beispiel nackt baden oder wandern gehen
an der Spitze liegen: auf Platz eins sein
das wiedervereinte Deutschland: : Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland in die DDR und die BRD geteilt. 1961 hat die DDR entlang der Grenze zur BRD eine Mauer gebaut. Nur sehr wenige DDR-Bürger durften in die BRD reisen. Nach dem Mauerfall 1989 wurden beide deutsche Staaten wieder zu einem Deutschland vereint.
die Parallelwelt, die Parallelwelten: hier: Die Sportler in der DDR haben in einer eigenen Welt gelebt, die sich sehr vom normalen Alltag unterschieden hat.
der Spitzensport: Sport, in dem sehr hohe Leistungen erbracht werden
das Trainingszentrum, die Trainingszentren: ein Ort, an dem Sportler intensiv für Wettkämpfe trainieren
das Doping, die Dopings: Medikamente oder Drogen nehmen, um die sportliche Leistung zu steigern
das Vereinswesen: alle Vereine mit ihren Aktivitäten
die Eliteschule des Sports, die Eliteschulen des Sports: hier: eine Schule, an der Spitzensportler ausgebildet werden
etwas auf einen Nenner bringen: bestimmte Gegensätze zusammenbringen und einen Ausgleich schaffen; hier: intensiv Sport treiben und gleichzeitig einen Schulabschluss machen
ehrenamtlich: regelmäßig etwas tun, ohne dafür Geld zu bekommen
der Übungsleiter, die Übungsleiter: der Trainer
die soziale Schicht, die sozialen Schichten: unterschiedliche Gruppen in der Gesellschaft, die sich nach Bildung und Einkommen unterscheiden
schnelllebig: sich schnell verändernd, nicht lange gleich bleiben
auf eine lange Tradition zurückblicken: eine lange Tradition haben
preußisch: hier: Soldaten, die dem Land Preußen gedient haben. Preußen war früher auf dem Gebiet von Nord- und Mitteldeutschland. Auch große Teile von Polens haben zu Preußen gehört. Die Soldaten der preußischen Armee waren als besonders stark und diszipliniert bekannt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Preußen aufgelöst.
ertüchtigen: trainieren, kräftigen
eine Lawine auslösen: hier: etwas beginnen, das immer größer wird
der Breitensport: Freizeitsport; Sport für die breite Masse, also für viele Menschen
die Querschnittsaufgabe, die Querschnittsaufgaben: hier: Der Sport ist nicht mehr nur Sport, sondern ist in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft wichtig geworden.
die schönste Nebensache der Welt: etwas, das nicht sehr wichtig, aber sehr schön ist
der gesellschaftliche Kitt: jhier: Sport verbindet ganz unterschiedliche Menschen und hält so eine Gesellschaft zusammen
die Massenbewegung, die Massenbewegungen: sehr viele Menschen finden eine bestimmte Sache gut
die Disziplin, die Disziplinen: hier: die Sportarten
die Freikörperkultur: Bewegung in der Natur mit nacktem Körper, zum Beispiel nackt baden oder wandern gehen
an der Spitze liegen: auf Platz eins sein
das wiedervereinte Deutschland: : Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland in die DDR und die BRD geteilt. 1961 hat die DDR entlang der Grenze zur BRD eine Mauer gebaut. Nur sehr wenige DDR-Bürger durften in die BRD reisen. Nach dem Mauerfall 1989 wurden beide deutsche Staaten wieder zu einem Deutschland vereint.
die Parallelwelt, die Parallelwelten: hier: Die Sportler in der DDR haben in einer eigenen Welt gelebt, die sich sehr vom normalen Alltag unterschieden hat.
der Spitzensport: Sport, in dem sehr hohe Leistungen erbracht werden
das Trainingszentrum, die Trainingszentren: ein Ort, an dem Sportler intensiv für Wettkämpfe trainieren
ddas Doping, die Dopings: Medikamente oder Drogen nehmen, um die sportliche Leistung zu steigern
das Vereinswesen: alle Vereine mit ihren Aktivitäten
die Eliteschule, die Eliteschulen: hier: eine Schule, an der Spitzensportler ausgebildet werden
etwas auf einen Nenner bringen: bestimmte Gegensätze zusammenbringen und einen Ausgleich schaffen; hier: intensiv Sport treiben und gleichzeitig einen Schulabschluss machen
ehrenamtlich: regelmäßig etwas tun, ohne dafür Geld zu bekommen
der Übungsleiter, die Übungsleiter: der Trainer
die soziale Schicht, die sozialen Schichten: unterschiedliche Gruppen in der Gesellschaft, die sich nach Bildung und Einkommen unterscheiden
schnelllebig: sich schnell verändernd, nicht lange gleich bleiben
Daniel Marschke
lebt als freiberuflicher Journalist in Berlin und arbeitet unter anderem für die Sportredaktion von Deutschlandradio Kultur.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
August 2015

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