Sport

Nur keine Panik – Extremsport in Deutschland

Sternchenthema: Dieser Text auf C1-Niveau ist für Lerngruppen zu empfehlen, die anstreben, das Deutsche Sprachdiplom zweiter Stufe (DSD II) zu erwerben.Sprachniveau: C1

Sie springen von Autobahnbrücken, surfen durch Flüsse oder hüpfen von Gebäude zu Gebäude. Die Extremsportlerszene in Deutschland ist mutig und kreativ. Junge Sportler berichten.

„Es gibt fünf Werte, die du beachten kannst“, erklärt der Trainer Philipp Raasch einer jungen Kursteilnehmerin, er zählt sie an fünf Fingern ab: „Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Du musst niemandem etwas beweisen. Zeige Respekt. Habe Vertrauen. Bleib bescheiden.“ Philipp Raasch ist 29 Jahre alt und studiert Sport, in seiner Freizeit läuft er Parkour, die „Kunst der effizienten Fortbewegung“. Ein Parkourläufer oder „Traceur“ rennt durch die Stadt und muss Hindernisse überwinden, wie zum Beispiel Mauern, Geländer oder Laternenmaste. „Deine Kreativität ist gefragt“, sagt Philipp. Mit 17 Jahren hat er ein Video von David Belle, dem Begründer von Parkour, im Internet gesehen. Dann hat ihn die Lust gepackt. Philipp ist einer der ersten Parkourläufer der Stadt Köln. „Als ich damit anfing, sah ich meine Umgebung mit anderen Augen“, sagt er.

Parkour: Wettkampf mit sich selbst

Im Internet kursieren etliche Videos, in denen die weltbesten Parkourläufer ihr Können zeigen: waghalsige Sprünge von Gebäude zu Gebäude, heikle Balanceakte hoch über den Dächern der Stadt. Sie riskieren Kopf und Kragen – so sieht es zumindest aus. „Parkour wird oft missverstanden“, sagt Philipp. Der Traceur erlebe keinen Kick wie beim Bunjee-Jumping. „Im Gegenteil: Du handelst bedacht, sehr langsam sogar.“ Ein Traceur trägt die Verantwortung für sich selbst, denn er hat keine Sicherung. Er kennt auch keine Konkurrenz. Parkour ist ein „Wettkampf mit sich selbst“, sagt Philipp.

Parkourläufer Philipp Raasch beim Sprung von einer Mauer | © Ananda Grade

„Extrem“ empfindet jeder anders

Wann ein Sport extrem ist, das empfindet jeder Sportler anders, sagt der Sportpsychologe Christian Zepp von der Sporthochschule Köln. Es gebe keine genaue Definition, nur eine Unterscheidung: „Beim Leistungssport gibt es einen Verlierer und einen Sieger. Als Extremsportler trete ich gegen mich selber an.“ Ein Wüstenläufer oder Freeclimber zum Beispiel wird mit sich selbst konfrontiert.

„Das Thema Angst ist ein großes Thema bei uns“, sagt Philipp Raasch. Neben seinem Studium ist er Parkour-Coach und trainiert Hobbysportler. Philipp und die anderen Traceure geben sogar Kurse an Schulen. Für die Schüler ein besonderes Erlebnis. „Du musst die Sicherheit in dir finden und darfst nicht in Panik geraten“, sagt Philipp. Das ist für viele eine Herausforderung und ein Wagnis. Das zeigt sich auch an einem Nachmittag, an dem Philipp ein paar Hobbysportler trainiert. Das Ziel des Trainings: der „Katzensprung“: Man läuft auf eine hüfthohe Mauer zu, stützt sich mit den Händen darauf ab und springt in die Hocke. Zur Vorbereitung machen alle erst einen Froschsprung von einer Treppenstufe. Sieht zwar nicht aus wie eine Sensation, kostet aber viel Überwindung.

Philipp Raasch (29) über Parkour

Wie trainiert man Parkour?

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Wie reagieren die anderen Leute, wenn sie euch beim Parkour sehen?
 

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Transkript zum Interview mit Philipp Raasch

(pdf; 99 KB)

Base Jumping: Extreme Sprungtechnik

Wagnis, Überwindung, Sicherheit und Kontrolle. Das kennt sie nur zu gut: Susanne Boehme ist 34 Jahre alt und ist gelernte Fallschirmtechnikerin. Seitdem sie 16 Jahre alt ist, springt sie mit ihrem Fallschirm aus hunderten Metern Höhe. Aber das ist noch nicht alles. Nach 600 Sprüngen hat sie ihre Leidenschaft fürs Base Jumping entdeckt. Dabei springt man von Hochhäusern, Sendemasten, Felsen oder Brücken und lüftet den Fallschirm meistens gegen Ende des Flugs.

Weil es in Deutschland für Base Jumping kaum Genehmigungen gibt, reist Susanne in andere Länder, wie Italien, Frankreich oder die Schweiz, wo es mehrere genehmigte Absprungplätze gibt. Base-Sprünge sind aus verschiedenen Höhen möglich. Weil es Basejumper gibt, die aus einer Höhe von weniger als 100 Meter springen, ist die Sportart umstritten. Es gibt auch Base-Sprünge mit einem Flügelanzug oder „Wingsuit“, mit dem ein Springer wie ein Vogel aus 400 bis 500 Metern in die Schluchten gleitet.

Die Suche nach der Sensation

Dass manche den Nervenkitzel suchen, ist kein Zufall. Es ist ein Persönlichkeitsmerkmal, erklärt Sportpsychologe Christian Zepp: „20 Prozent der Menschen tragen Gene in sich, die das Bedürfnis steigern, ein hohes Erregungsniveau zu erreichen. Diejenigen suchen sich Aktivitäten, die sie extrem betreiben können. Dazu zählt auch Extremsport.“ Das bedeutet aber nicht, dass Extremsportler lebensmüde sind. „Die Kontrolle ist sehr wichtig beim Risikosport, die Fähigkeit, die Situation zu bewältigen.“

Das bestätigt auch Susanne Boehme: „Base Jumping ist kein Sport für Draufgänger“, sagt sie. „Man muss überlegt vorgehen, lange planen und trainieren, um einen bestimmten Sprung durchführen zu können.“ Susanne ist vor allem von der Technik fasziniert, die dahintersteckt. Doch nicht nur das. Auch das Reisen gefällt ihr. Bei so genannten „Bridge Days“ kommen Basejumper aus aller Welt zusammen, um von einer Brücke zu springen, die vom Verkehrsamt freigegeben wurden. In Deutschland gab es einen Bridge-Day in Thüringen, wo Basejumper von einer Autobahnbrücke springen konnten. „Zu solchen Orten würde man sonst nie kommen“, sagt Susanne.

Wann ist ein Sport extrem, wann ist es Wahnsinn?

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Transkript zum Interview mit Christian Zepp
(pdf; 95 KB)
surfen: hier: auf einem flachen Stück Holz oder Kunststoff über das Wasser gleiten (durch die Kraft von Wind oder Wellen)
hüpfen: springen
bescheiden: ohne hohe Ansprüche, einfach
das Geländer, die Geländer: eine Metallkonstruktion, an der man sich festhalten kann, meist neben Treppen
der Laternenmast, die Laternenmasten: eine hohe Lampe auf der Straße
etwas oder jemanden mit anderen Augen sehen: Dinge oder Personen sehen, wie man sie vorher nicht wahrgenommen hat; neue Eigenschaften oder Einzelheiten entdecken
waghalsig: gefährlich
der heikle Balanceakt, die heiklen Balanceakte: hier: auf schmalen Kanten und Mauern gehen, ohne herunterzufallen
Kopf und Kragen riskieren: viel riskieren; es ist sehr gefährlich
der Kick, die Kicks: hier: ein kurzes, intensives Glücksgefühl
der Freeclimber, die Freeclimber: eine Person, die ohne Sicherung klettert
die Panik: ein starkes Angstgefühl
das Wagnis, die Wagnisse: hier: das Abenteuer, das Experiment
hüfthoch: hier: Die Mauer reicht bis zur Hüfte, also ungefähr bis zum Bauch.
die Fallschirmtechnikerin, die Fallschirmtechnikerinnen: eine Frau, die darin ausgebildet ist, Fallschirmspringer zu betreuen und die alles über Fallschirme weiß (der Fallschirm, die Fallschirme: ein Stück Stoff, das sich bei einem Fall aus großer Höhe öffnet und den Fall bremst)
der Sendemast, die Sendemasten: ein Turm, auf dem sich ein Sender für Mobilfunk, Fernsehen oder Radio befindet
den Fallschirm lüften: den Fallschirm öffnen
der Nervenkitzel, die Nervenkitzel: ein Erlebnis, das Angst macht und zugleich sehr spannend ist
das Gen, die Gene: Bausteine im Körper, die Merkmale von den Eltern auf die Kinder übertragen
das hohe Erregungsniveau, die hohen Erregungsniveaus: hier: sehr aufgeregt sein, viele verschiedene Reize aufnehmen
lebensmüde: hier: das eigene Leben leicht in Gefahr bringen
der Draufgänger, die Draufgänger: hier: eine Person, die sich leicht in Gefahr begibt
das Surfbrett, die Surfbretter: ein flaches Stück Holz oder Kunststoff, auf dem man sich auf dem Wasser fortbewegt (mithilfe von Wind, einer Welle oder einem Paddel)
das Stechpaddel, die Stechpaddel: ein langes Stück Holz oder Kunststoff mit einem Griff, das man zur Fortbewegung durch das Wasser zieht
der Stehpaddler, die Stehpaddler: eine Person, die steht und dabei ein Paddel benutzt
die Halluzination, die Halluzinationen: man sieht etwas, das gar nicht da ist
etwas im Griff haben: etwas kontrollieren können, etwas unter Kontrolle haben
die Wildwasserfahrt, die Wildwasserfahrten: eine Fahrt durch wildes Wasser
die Erschöpfung: hier: den Körper so sehr anstrengen, dass er keine Kraft mehr hat
der schmale Grat: hier: der kleine Grenzbereich, in dem die Kontrolle aufhört und Panik anfängt
die brenzlige Situation, die brenzligen Situationen: eine Situation, in der es langsam gefährlich wird
regenerieren: hier: sich erholen, sich ausruhen
die Leidenschaft, die Leidenschaften: hier: ein großes Interesse

Worterklärungen

surfen: hier: auf einem flachen Stück Holz oder Kunststoff über das Wasser gleiten (durch die Kraft von Wind oder Wellen)
hüpfen: springen
bescheiden: ohne hohe Ansprüche, einfach
das Geländer, die Geländer: eine Metallkonstruktion, an der man sich festhalten kann, meist neben Treppen
der Laternenmast, die Laternenmasten: eine hohe Lampe auf der Straße
etwas oder jemanden mit anderen Augen sehen: Dinge oder Personen sehen, wie man sie vorher nicht wahrgenommen hat; neue Eigenschaften oder Einzelheiten entdecken
waghalsig: gefährlich
der heikle Balanceakt, die heiklen Balanceakte: hier: auf schmalen Kanten und Mauern gehen, ohne herunterzufallen
Kopf und Kragen riskieren: viel riskieren; es ist sehr gefährlich
der Kick, die Kicks: hier: ein kurzes, intensives Glücksgefühl
der Freeclimber, die Freeclimber: eine Person, die ohne Sicherung klettert
die Panik: ein starkes Angstgefühl
das Wagnis, die Wagnisse: hier: das Abenteuer, das Experiment
hüfthoch: hier: Die Mauer reicht bis zur Hüfte, also ungefähr bis zum Bauch.
die Fallschirmtechnikerin, die Fallschirmtechnikerinnen: eine Frau, die darin ausgebildet ist, Fallschirmspringer zu betreuen und die alles über Fallschirme weiß (der Fallschirm, die Fallschirme: ein Stück Stoff, das sich bei einem Fall aus großer Höhe öffnet und den Fall bremst)
der Sendemast, die Sendemasten: ein Turm, auf dem sich ein Sender für Mobilfunk, Fernsehen oder Radio befindet
den Fallschirm lüften: den Fallschirm öffnen
der Nervenkitzel, die Nervenkitzel: ein Erlebnis, das Angst macht und zugleich sehr spannend ist
das Gen, die Gene: Bausteine im Körper, die Merkmale von den Eltern auf die Kinder übertragen
das hohe Erregungsniveau, die hohen Erregungsniveaus: hier: sehr aufgeregt sein, viele verschiedene Reize aufnehmen
lebensmüde: hier: das eigene Leben leicht in Gefahr bringen
der Draufgänger, die Draufgänger: hier: eine Person, die sich leicht in Gefahr begibt
das Surfbrett, die Surfbretter: ein flaches Stück Holz oder Kunststoff, auf dem man sich auf dem Wasser fortbewegt (mithilfe von Wind, einer Welle oder einem Paddel)
das Stechpaddel, die Stechpaddel: ein langes Stück Holz oder Kunststoff mit einem Griff, das man zur Fortbewegung durch das Wasser zieht
der Stehpaddler, die Stehpaddler: eine Person, die steht und dabei ein Paddel benutzt
die Halluzination, die Halluzinationen: man sieht etwas, das gar nicht da ist
etwas im Griff haben: etwas kontrollieren können, etwas unter Kontrolle haben
die Wildwasserfahrt, die Wildwasserfahrten: eine Fahrt durch wildes Wasser
die Erschöpfung: hier: den Körper so sehr anstrengen, dass er keine Kraft mehr hat
der schmale Grat: hier: der kleine Grenzbereich, in dem die Kontrolle aufhört und Panik anfängt
die brenzlige Situation, die brenzligen Situationen: eine Situation, in der es langsam gefährlich wird
regenerieren: hier: sich erholen, sich ausruhen
die Leidenschaft, die Leidenschaften: hier: ein großes Interesse
Ananda Grade
ist als Kulturjournalistin auf Neue Medien spezialisiert.

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