Sport

Platzwechsel – eine Ball-Geschichte

Sprachniveau: B1

Platzwechsel | © dpa/picture-alliance


Fußball: Für Kamila ist es „Liebe auf den ersten Tritt“. Zu dumm, dass ausgerechnet ihr Bruder einen Platz im Fußball-Camp bekommen hat – während Kamila draußen bleiben muss. Eine Fußball-Geschichte von Marta Boroviec.

Schon als kleines Mädchen machte ich sehr viel Sport. Ich liebte alle Disziplinen und war nicht imstande im Unterricht länger als eine Minute still zu sitzen. In meiner Freizeit spielte ich mit meinen Freunden Fußball. Ich verbrachte immer sehr viel Zeit mit den Jungs – meine Freundinnen beneiden mich bis heute darum.

Fußballspielen war für mich „Liebe auf den ersten Tritt“! Im Sportunterricht war ich das einzige Mädchen, das mit den Jungs trainierte. Die Jungen kannten mein Spiel, sie spielten mir oft zu. Wir schossen mehrere Tore. Jedes Mal war meine Sportlehrerin ganz schockiert.

Mein Zwillingsbruder war dagegen ganz anders als ich – obwohl wir identisch aussahen und oft vertauscht wurden. Er saß ganze Tage lang über Büchern oder am Computer. Wir waren totale Gegensätze, aber wir beide waren auf unsere Weise besonders.

Heimliche Pläne

Die Sommerferien standen vor der Tür. Unsere Schule organisierte verschiedene Sommer-Camps. Ich sah das Angebot für ein Fußball-Camp! Ich freute mich bei dem Gedanken an tägliche Trainings und zahlreiche Wettkämpfe. Meine Fußball-Kollegen und ich begaben uns ins Lehrerzimmer.

Die Jungen drängten vorwärts, als der Sportlehrer die Einverständniserklärung ausgab, die von den Eltern unterschrieben werden sollte. Am Ende blickte der Lehrer mit Bedauern auf mich und sagte, dass das Camp nur für Jungen sei. Das war schrecklich!

Als ich nach Hause zurückkam und meinem Bruder alles erzählte, kamen wir auf eine herrliche Idee. Das Computer-Camp und das Fußball-Camp fanden zur selben Zeit statt – und in nebeneinander liegenden Hotels!

Am folgenden Tag ging ich zur Informatiklehrerin, um einen Platz für das Computer-Camp zu erlangen und mein Bruder ging zum Sportlehrer, um einen Platz im Fußball-Camp zu bekommen. Unsere Eltern wunderten sich über uns. Aber sie freuten sich, dass mein Bruder ein bisschen Zeit an der frischen Luft verbringen würde und dass ihre Tochter endlich lernen würde, länger auf einem Platz zu sitzen. So warteten wir ungeduldig auf die Abreise.

Platzwechsel

Platzwechsel | © dpa/picture-alliance

Das Packen lief recht gewandt. Kamil „lieh“ sich meine Fußballschuhe. Man brauchte nur Koffer zu tauschen. Das war kinderleicht. Die Lehrer konnten uns nicht unterscheiden, besonders da ich mein Haar kurz schneiden ließ. Nur meine Fußball-Kollegen kannten das Geheimnis.

Alles verlief nach Plan. Gleich nach dem Auspacken gab es ein Mittagessen und später ein erstes Training. Alles war wunderbar! Wir trainierten täglich.

Wir müssen gewinnen

Am letzten Tag im Camp war ein Spiel geplant. Meine Eltern kamen, um den Wettkampf anzusehen. Als wir auf das Spielfeld gingen, sah ich meine Eltern auf der Tribüne winken – und meinen Bruder, der heimlich auf der Tribüne saß. Alle dachten, dass Kamil auf dem Sportplatz ist und Kamila auf der Bank sitzt und das Spiel ihres Bruders anguckt.

Es steht 3:2 für die Gegner! Aber das Niveau beider Mannschaften ist sehr ausgeglichen. Der Trainer heult auf, will nicht dass alles verloren ist. Ich bekomme den Ball, ich laufe bis zum Tor, jetzt noch nur Schuss und … ein Tor! Ein Remis! 3:3! Aber wir müssen gewinnen. Bis zum Ende des Wettkampfs drei Minuten. Pfiff. Eckball für uns. Pfiff. Piotrek wirft. Jetzt oder niemals! Ansetzen. Konzentration. Wurf. Der Ball fliegt. Kopfball von Martin. Der Ball fällt. Bartek gräbt. Holm. Eine Masse heult auf: „Nein"! Der Torwart ist verunsichert. Jemand heult auf: „Spiel zu Kamila!“. Die eine Hälfte der Burschen dreht sich um und heult auf: „Was für eine Kamila?“ Ich schiebe mit einer sanften Bewegung des Fußes den Ball in Richtung Tor. Er fällt ideal ein.

Platzwechsel | © dpa/picture-alliance

Ein großer Schrei. Ich bin auf dem Boden. Alle aus meinem Team auf mir. Kamil eilt herbei. Er nimmt mich auf die Hände. Ich bin eine Weile in der Luft. Dann auf den Händen des Bruders und wieder in der Luft. Ich habe Schwindel. Jemand gibt mir Trinkflasche. Es ist schon besser. Ich stehe auf. Der Trainer eilt herbei. Er gratuliert mir, aber er schaut mich merkwürdig an. Die Eltern eilen herbei, leider erkennen sie mich und mein Bruder steht neben mir, aber zum Glück lächeln sie und sagen nichts.
die Disziplin, die Disziplinen: hier: die Sportart
nicht imstande sein: etwas nicht können, nicht in der Lage sein
jemanden um etwas beneiden: etwas haben möchten, was ein anderer hat; Beispiel: „Ich beneide dich um deine schönen langen Haare.“
schockiert: entsetzt, geschockt
der Zwillingsbruder, die Zwillingsbrüder: Kamila und ihr Bruder sind am selben Tag geboren. Sie sind Zwillinge.
etwas/jemanden vertauschen: verwechseln, durcheinander bringen
der Gegensatz, die Gegensätze: zum Beispiel: Tag und Nacht, schwarz und weiß
täglich: jeden Tag
zahlreich: viel
sich begeben: an einen Ort gehen
drängen: hier: Die Jungs stürmen vorwärts. Sie gehen alle schnell nach vorn.
die Einverständniserklärung, die Einverständniserklärungen: Beispiel: „Ich möchte mit der Schule nach Berlin. Meine Eltern finden das gut, sie sind einverstanden. Also unterschreiben sie die Einverständniserklärung.“
etwas unterschreiben: seinen Namen unter etwas schreiben, Beispiel: „Sie müssen hier auf dem Formular unterschreiben.“
mit Bedauern: voll Mitleid, entschuldigend
herrlich: wunderbar, wundervoll
nebeneinander liegend: benachbart
etwas erlangen: etwas bekommen
ungeduldig: aufgeregt, gespannt, ohne Geduld
gewandt: schnell
leihen: jemandem für eine Zeit lang etwas geben, Beispiel: „Kannst du mir zwei Euro leihen?“
kinderleicht: sehr leicht
das Geheimnis, die Geheimnisse: etwas, das nur wenige Leute wissen. Beispiel: „Ich sage dir ein Geheimnis. Aber erzähle niemandem davon!“
auspacken: den Koffer auspacken, seine Sachen aus dem Koffer nehmen
der Wettkampf, die Wettkämpfe: wichtiges, entscheidendes Spiel; Kampf um die beste sportliche Leistung
das Spielfeld, die Spielfelder: hier: der Fußball-Platz
die Tribüne, die Tribünen: Beim Spiel sitzen die Zuschauer im Stadion auf der Tribüne.
heimlich: unauffällig, versteckt; hier: ohne von anderen gesehen zu werden
etwas angucken: etwas ansehen, etwas anschauen
ausgeglichen: hier: gleich stark
die Masse: hier: viele Leute
aufheulen: hier: schreien
der Torwart: Spieler beim Fußball. Der Torwart steht im Tor. Er soll die Bälle halten.
verunsichert: irritiert, unruhig, unsicher
der Bursche, die Burschen: der Junge, der Bub
sanft: hier: leicht, leichtfüßig
eilen: schnell an einen Ort gehen, rennen, laufen
eine Weile: eine Zeit lang, für einige Zeit
Ich habe Schwindel: Mir ist schwindelig. Mir geht es nicht gut, mir ist schlecht.
merkwürdig: sonderbar, seltsam
Mit ihrem Beitrag „Platzwechsel“ nahm Marta Boroviec aus Polen erfolgreich beim Wettbewerb des Goethe-Instituts „Wie Sport mein Leben verändert hat“ teil. Sie gehört zu den Gewinnerinnen, die vom 11. bis zum 27. Juni 2011 zur Fußball-WM der Frauen nach München und Berlin eingeladen sind. Hier ist ihr Text in gekürzter Form veröffentlicht.

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