Stadt und Leben

Aktiv leben im Alter – ehrenamtliches Engagement deutscher Senioren

Sternchenthema: Dieser Text auf B2/C1-Niveau ist für Lerngruppen zu empfehlen, die anstreben, das Deutsche Sprachdiplom zweiter Stufe (DSD II) zu erwerben.Sprachniveau: B2

36 Prozent der deutschen Bürger sind ehrenamtlich tätig. Besonders engagiert sind ältere Deutsche. Ihr Anteil an der ehrenamtlichen Arbeit ist mit fast 30 Prozent so hoch wie in keinem anderen Land Europas.

Deutsche Senioren finden viele Möglichkeiten, um sich zu engagieren. Sie geben in Schulen Nachhilfe, unterstützen in Pflegeheimen Gleichaltrige oder engagieren sich in Nachbarschaftsprojekten für sozial benachteiligte Jugendliche oder Menschen mit Behinderung. Zivilgesellschaftliches Engagement, so eine Studie der Bundesregierung, wird nicht mehr als „selbstlose und aufopferungsvolle Tätigkeit“ empfunden, sondern als Möglichkeit, die Gesellschaft mit- und umgestalten zu können. Deutsche Senioren wollen auch im Alter aktiv am Leben teilnehmen.

Austausch zwischen Alt und Jung

Die Gründe für das ehrenamtliche Engagement liegen auf der Hand: Etwas Gutes zu tun und sozial zu sein macht Spaß und stärkt das Selbstbewusstsein. Bei den deutschen Senioren kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu. Sie wollen den Kontakt mit Menschen anderen Alters, sie wollen den Austausch zwischen Alt und Jung. Für die deutsche Gesellschaft, in der es immer mehr ältere Menschen gibt, ist das gut, weil die Generationen ins Gespräch kommen und voneinander lernen können.

Engagement abhängig von der Bildung

Trotzdem kann das gesellschaftliche Engagement der deutschen Senioren noch weiter gesteigert werden. Immerhin sind zwei Drittel der über 65-Jährigen nicht ehrenamtlich aktiv. Ob man sich engagiert oder nicht, ist abhängig von der Bildung. Menschen mit hoher oder akademischer Bildung sind ehrenamtlich aktiver als solche, die eine einfache Bildung genossen haben. Um noch mehr Frauen und Männer aller Generationen zu motivieren, sich außerhalb des Berufs und der Schule zu engagieren, hat die deutsche Bundesregierung 2011 den Bundesfreiwilligendienst (BFD) eingerichtet. Auf der Website der Initiative findet man viele Informationen und vor allem, wo und wie man sich ganz in der Nähe ehrenamtlich engagieren kann.

Eine 70-jährige Seniorin betreut eine Kindergruppe und einen Kaffeenachmittag für Demenzkranke in einem Mehrgenerationenhaus | © picture alliance / dpa

Verbindung zu den Jüngeren

Helga Schmidt* engagiert sich ehrenamtlich im Mehrgenerationenhaus des Vereins riesa-efau in der ostdeutschen Stadt Dresden. Im Interview berichtet die 72-jährige Seniorin von ihrer Arbeit mit den Kindern, ihrer Motivation und den Dingen, die sie von den Jüngeren lernen kann.

Frau Schmidt, warum arbeiten Sie ehrenamtlich?

Aus persönlicher Motivation. Nachdem ich in Rente gegangen war, wollte ich anderen Menschen helfen, indem ich meine Erfahrungen und mein Wissen weitergebe. Da habe ich ganz praktisch überlegt: „Was kannst du gut?“ Und das war nun mal kochen. Deshalb habe ich für mehrere Jahre in einem Familienzentrum jungen Müttern das Kochen beigebracht. Als das Zentrum umgezogen ist, musste ich mir ein neues Ehrenamt suchen. Ich wusste, dass ich diesmal unbedingt etwas mit Kindern machen wollte.

Heute engagieren Sie sich in einem Projekt des Mehrgenerationenhauses riesa efau. Was machen Sie dort genau?

Einmal in der Woche betreue ich eine kleine Gruppe von acht- bis zehnjährigen Kindern im Kurs „Farbenmatsch und Kinderquatsch“. Die meisten Kinder kommen aus sozial schwierigen Familienverhältnissen. Sie sollen im Kurs malen und kreativ sein. Dabei lernen sie, konzentriert zu arbeiten, der Fantasie freien Lauf zu lassen und am Ende der Stunde stolz auf das eigene Ergebnis sein zu können. In der Stunde selbst bin ich „Mädchen für alles“ und unterstütze auch die ausgebildete Gruppenleiterin. Da ich die Kinder ebenso vom Hort abhole und sie zum Mehrgenerationenhaus begleite, bin ich sogar ein bisschen Großmutter für die Kinder. Auf dem Weg erzählen sie mir von ihrem Tag, und wenn ich merke, dass einer oder eine Kummer hat, dann versuche ich zu trösten.

Können Sie auch noch etwas von den Kindern lernen?

Ja, natürlich. Als ich vor zwei Jahren nach einer neuen ehrenamtlichen Tätigkeit gesucht hatte, bin ich bewusst in die Kinder- und Jugendarbeit gegangen. Ich möchte die Verbindung zur nächsten Generation nicht verlieren. Dabei lerne ich schon in banalen Dingen wie Fernsehsendungen oder Musik von ihnen, wenn sie mir erzählen, was gerade aktuell ist.

Was macht Ihnen dabei besonders Spaß?

Zu sehen, wie unterschiedlich und einzigartig die Kinder sind. Der eine ist still, die andere wilder. Das hautnah mitzubekommen ist eine besondere Bereicherung für mich.

Würden Sie ein solches Engagement auch anderen Senioren empfehlen?

Aus meiner persönlichen Erfahrung, ja. Ich kann mir auch vorstellen, dass solche Arbeit anderen Senioren helfen kann, aus ihrer sozialen Isolation herauszukommen. Durch ehrenamtliches Engagement lernt man, eigene Probleme einzuordnen. Das Einzige, was man dafür braucht, ist Offenheit. Man muss bereit sein, auch mal um sich herum zu schauen und zu sehen, was in der Welt eigentlich los ist.

 

* Name wurde auf Wunsch der Interviewten von der Redaktion geändert

 

 

 

 

ehrenamtlich: für einen guten Zweck in einer Organisation oder einem Verein arbeiten, ohne dafür Geld zu bekommen
die Senioren: ältere Menschen
das Pflegeheim, die Pflegeheime: das Altenheim. Ein Haus, in dem alte Menschen wohnen und von Fachkräften betreut und gepflegt werden
das Nachbarschaftsprojekt, die Nachbarschaftsprojekte: Menschen, die im gleichen Stadtteil wohnen, engagieren sich zusammen und helfen anderen Menschen aus dem Stadtteil.
sozial benachteiligt: Jugendliche, deren Eltern sich nur wenig um sie kümmern, die sehr wenig Geld verdienen, eine geringe Bildung haben, nicht-deutscher Herkunft oder arbeitslos sind
die Behinderung, die Behinderungen: hier: die körperlichen oder geistigen Möglichkeiten sind eingeschränkt
das zivilgesellschaftliche Engagement: Bürger engagieren sich in der Gesellschaft
selbstlos: hier: ohne an sich selbst zu denken
aufopferungsvoll: hier: hart für andere arbeiten, ohne Nutzen für sich selbst
der Grund, die Gründe: die Ursache
auf der Hand liegen: deutlich sein, klar sein
die Generation, die Generationen: die Altersgruppe; Menschen, die ungefähr gleich alt sind; hier: Junge und alte Menschen treffen aufeinander.
die hohe oder akademische Bildung: hier: Sie haben an der Universität studiert.
eine einfache Bildung genießen: hier: Sie sind nicht lange zur Schule gegangen und haben einen niedrigen Schulabschluss (zum Beispiel einen Hauptschulabschluss).
in Rente gehen: aufhören mit der Arbeit und nur noch von der Rente leben. Die Deutschen gehen im Durchschnitt mit 63 Jahren in Rente, obwohl sie aber erst ab 67 Jahren ihre volle Rente bekommen würden.
das Familienzentrum, die Familienzentren: ein Ort für Kinder und Eltern, wo Kinder betreut und Familien beraten und unterstützt werden
die sozial schwierigen Familienverhältnisse: Familien, in denen die Eltern arbeitslos sind, sehr wenig Geld oder andere Probleme haben
der Fantasie freien Lauf lassen: kreativ sein
das Mädchen für alles: eine Person, die viele verschiedene Arbeiten erledigt
der Hort: hier: In vielen Schulen können die Kinder auch nach dem Unterricht bis ungefähr 16 Uhr bleiben. Im Hort spielen sie, machen Hausaufgaben oder auch Ausflüge.
der Kummer: hier: die Probleme, die Sorgen
die Kinder- und Jugendarbeit: sich um Kinder und Jugendliche kümmern
banal: üblich, einfach
hautnah: sehr nahe
die soziale Isolation: einsam sein; keinen Kontakt zu anderen Menschen haben
die Begegnungsstätte, die Begegnungsstätten: ein Treffpunkt; ein Ort, an dem man anderen Menschen begegnen kann
das Generationencafé: ein Café, in dem sich junge und alte Menschen begegnen
der kunst- und sporttherapeutische Kurs, die kunst- und sporttherapeutischen Kurse: hier: Mit Kursen, in denen die Kinder kreativ tätig sind oder Sport machen, werden ihre Probleme behandelt. Die Probleme können körperlich, sozial oder psychisch sein.
die Großfamilie, die Großfamilien: hier: die ganze Familie, also Kinder, Eltern und Großeltern. In Deutschland wohnen Großeltern, Eltern und Kinder nur selten zusammen. Die Deutschen leben eher in der Kernfamilie: Vater, Mutter, Kind(er).

Worterklärungen

ehrenamtlich: für einen guten Zweck in einer Organisation oder einem Verein arbeiten, ohne dafür Geld zu bekommen
die Senioren: ältere Menschen
das Pflegeheim, die Pflegeheime: das Altenheim. Ein Haus, in dem alte Menschen wohnen und von Fachkräften betreut und gepflegt werden
das Nachbarschaftsprojekt, die Nachbarschaftsprojekte: Menschen, die im gleichen Stadtteil wohnen, engagieren sich zusammen und helfen anderen Menschen aus dem Stadtteil.
sozial benachteiligt: Jugendliche, deren Eltern sich nur wenig um sie kümmern, die sehr wenig Geld verdienen, eine geringe Bildung haben, nicht-deutscher Herkunft oder arbeitslos sind
die Behinderung, die Behinderungen: hier: die körperlichen oder geistigen Möglichkeiten sind eingeschränkt:
das zivilgesellschaftliche Engagement: Bürger engagieren sich in der Gesellschaft
selbstlos: hier: ohne an sich selbst zu denken
aufopferungsvoll: hier: hart für andere arbeiten, ohne Nutzen für sich selbst
der Grund, die Gründe: die Ursache
auf der Hand liegen: deutlich sein, klar sein
die Generation, die Generationen: die Altersgruppe; Menschen, die ungefähr gleich alt sind; hier: Junge und alte Menschen treffen aufeinander.
die hohe oder akademische Bildung: hier: Sie haben an der Universität studiert.
eine einfache Bildung genießen: hier: Sie sind nicht lange zur Schule gegangen und haben einen niedrigen Schulabschluss (zum Beispiel einen Hauptschulabschluss).
in Rente gehen: aufhören mit der Arbeit und nur noch von der Rente leben. Die Deutschen gehen im Durchschnitt mit 63 Jahren in Rente, obwohl sie aber erst ab 67 Jahren ihre volle Rente bekommen würden.
das Familienzentrum, die Familienzentren: ein Ort für Kinder und Eltern, wo Kinder betreut und Familien beraten und unterstützt werden
die sozial schwierigen Familienverhältnisse: Familien, in denen die Eltern arbeitslos sind, sehr wenig Geld oder andere Probleme haben
der Fantasie freien Lauf lassen: kreativ sein
das Mädchen für alles: eine Person, die viele verschiedene Arbeiten erledigt
der Hort: hier: In vielen Schulen können die Kinder auch nach dem Unterricht bis ungefähr 16 Uhr bleiben. Im Hort spielen sie, machen Hausaufgaben oder auch Ausflüge.
der Kummer: hier: die Probleme, die Sorgen
die Kinder- und Jugendarbeit: sich um Kinder und Jugendliche kümmern
banal: üblich, einfach
hautnah: sehr nahe
die soziale Isolation: einsam sein; keinen Kontakt zu anderen Menschen haben
die Begegnungsstätte, die Begegnungsstätten: ein Treffpunkt; ein Ort, an dem man anderen Menschen begegnen kann
das Generationencafé: ein Café, in dem sich junge und alte Menschen begegnen
der kunst- und sporttherapeutische Kurs, die kunst- und sporttherapeutischen Kurse: hier: Mit Kursen, in denen die Kinder kreativ tätig sind oder Sport machen, werden ihre Probleme behandelt. Die Probleme können körperlich, sozial oder psychisch sein.
die Großfamilie, die Großfamilien: hier: die ganze Familie, also Kinder, Eltern und Großeltern. In Deutschland wohnen Großeltern, Eltern und Kinder nur selten zusammen. Die Deutschen leben eher in der Kernfamilie: Vater, Mutter, Kind(er).
Annette Kammerer
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