Stadt und Leben

Märchenhaft: zwei Schwestern

Sprachniveau: A2/B1

Die Zwillinge Lisa und Neele können nicht ohneeinander – genau wie die Schwestern Schneeweißchen und Rosenrot im Märchen der Brüder Grimm, die schwören einander im Leben nie allein zu lassen.

Sie teilen sich alles, erzählen sich alles und machen alles gemeinsam. Wenn Lisa morgens für die Schule aufsteht, ist sie nicht alleine. Bei Neele, ihrer Schwester klingelt der Wecker zur selben Zeit. Obwohl die beiden zwei verschiedene Zimmer haben, machen sie sich in einem Raum fertig. Bei Lisa stehen alle Sachen, die die Mädchen morgens brauchen: Haarspray, Wimperntusche, Schmuck. „Das teilen wir alles.“, erzählt die 15-Jährige. Nur bei den Klamotten sind die zwei eigen: „Da hat jeder seine eigenen.“

Neele und Lisa sind eineiige Zwillingsschwestern. Sie sehen gleich aus, haben dieselben Hobbys und teilen fast ihr ganzes Leben miteinander. „Länger als ein paar Stunden waren wir noch nie voneinander getrennt“, sagt Lisa.

Die beiden Mädchen gehen in dieselbe Klasse. Dort und auch auf dem Schulweg im Bus sitzen sie immer nebeneinander. Langweilig wird das den beiden nie. Im Gegenteil, die Situation finden Lisa und Neele ziemlich praktisch: Hausaufgaben werden zusammen erledigt und auch wenn im Unterricht Einzelbeschäftigung ansteht, arbeiten die Zwillingsschwestern als Einzige gemeinsam. „Meistens bin ich ein bisschen besser als Neele“, meint Lisa. Dann gibt sie ihrer Schwester Nachhilfe.

Wenn die Mädchen von der Schule heimkommen, gehen die gemeinsamen Aktivitäten weiter. Früher gingen die beiden zusammen reiten, heute spielen sie in einem Orchester. Selbstverständlich dasselbe Instrument: Querflöte. Und auch wenn sich Neele und Lisa mit Freundinnen treffen wollen, gehen sie zusammen: „Wir haben denselben Freundeskreis.“

Gibt es Ärger mit den Freundinnen, helfen sich die Zwillingsschwestern gegenseitig. Einmal, als eine gemeinsame Freundin wütend auf Neele war, hat Lisa zwischen den beiden vermittelt. Und wenn es Streit mit den Eltern oder Lehrern gibt, halten die Mädchen auch zusammen. „Wir sind immer füreinander da“, erzählt Lisa.

Die Zwillingsschwestern verstehen sich blind. Wenn es einer der beiden schlecht geht, merkt das die andere sofort. „Es ist, als wären wir dieselbe Person“. Wenn es Neele nicht gut geht, fühlt das Lisa auch – und umgekehrt.

Neele und Lisa haben ihr ganzes Leben miteinander verbracht. Sie sind nicht nur Schwestern, sondern auch beste Freundinnen. Sie erzählen sich alles und können sich immer aufeinander verlassen. Nur bei einer Sache sind sich die Zwillingsschwestern nicht einig: Neele will später Logopädin werden, Lisa Krankenschwester.

„Die beiden hatten einander so lieb, dass sie sich immer an den Händen fassten, sooft sie zusammen ausgingen; und wenn Schneeweißchen sagte: Wir wollen uns nicht verlassen, so antwortete Rosenrot: „Solange wir leben, nicht“.
Aus: Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm: Schneeweißchen und Rosenrot.

Christina Kufer


sich etwas teilen: etwas gemeinsam besitzen, zum Beispiel: „Die Brüder teilen sich ein Zimmer“.
nicht ohneeinander können: ohne eine andere Person nicht leben können
die Zwillinge (Plural): Kinder, die zur selben Zeit geboren sind
sich fertig machen: sich bereit zum Ausgehen machen; hier: sich bereit für die Schule machen
die Wimperntusche: die Mascara
der Schmuck: zum Beispiel Ringe, Armreifen oder Halsketten
die Klamotten (Plural): die Kleidung, zum Beispiel Hosen, Kleider und T-Shirts
eineiige Zwillinge: Zwillinge, die sich besonders gleichen; Zwillinge, die aus einer einzigen Eizelle stammen
voneinander getrennt sein: hier: ohne die andere Person sein; an verschiedenen Orten sein
etwas zusammen erledigen: etwas gemeinsam machen
die Einzelbeschäftigung: die Einzelarbeit; eine Aufgabe im Unterricht, die man allein macht
jemandem Nachhilfe geben: jemanden helfen, für die Schule zu lernen
heimkommen: nach Hause kommenn
selbstverständlich: natürlich, auf jeden Fall
der Ärger: der Streit, der Konflikt
auf jemanden wütend sein: Wut haben, sich über jemanden ärgern, sauer auf jemanden sein
vermitteln: hier: einen Streit lösen, einen Kompromiss finden
zusammenhalten: sich zusammentun, sich verbünden, eine Einheit bilden
sich blind verstehen: sich ohne Worte verstehen; sich verstehen, ohne etwas zu sagen
etwas merken: etwas fühlen, etwas spüren
sich aufeinander verlassen können: wissen, dass die andere Person da ist und hilft
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