Stadt und Leben

Beste Freunde

Sprachniveau: A2/B1

Beste Freunde gehen zusammen durch dick und dünn. Sie reden, lachen und streiten miteinander. Oft wohnen sie an einem Ort, manchmal können sie sich auch nur über das Internet sehen. Sechs Jugendliche haben uns erzählt, was ihre Freundschaft so besonders macht.

„Wir sind wie Schwestern!”

Die DAAD-Stipendiatin Yueli Chen (20) kommt aus China und studiert Geografie in München. Ihre Freundin Lucia ist 23 und studiert an derselben Uni Jura. Die beiden Mädchen kennen sich seit zwei Jahren.

„Vor zwei Jahren hat meine chinesische Deutschlehrerin gefragt, ob jemand eine deutsche Gaststudentin aufnehmen will. Ich habe mich gemeldet, weil ich schon geplant hatte, nach dem Sommer für das Studium nach Deutschland zu gehen. Darüber bin ich heute sehr froh, denn die Gaststudentin heißt Lucia und ist jetzt meine beste Freundin. Während sie in China war, haben wir herausgefunden, dass wir beide an derselben Universität studieren werden. Wir haben uns riesig gefreut. Am Anfang hatte ich in Deutschland viele Schwierigkeiten. Ich war froh, dass Lucia an meiner Seite war. Ihr kann ich alles erzählen, weil sie auf meiner Seite ist. Ich bin so weit von zu Hause weg, da ist es gut, dass ich nicht ganz alleine vor Problemen stehen muss. Wenn Lucia dabei ist, bin ich mutiger. Sie gibt mir Kraft. Lucia und ich können viel voneinander lernen. Sie ist zum Beispiel fleißiger als ich. Ich zeige ihr dafür, wie man chinesisch kocht. Aber das Abspülen übernimmt Lucia – das kann sie besser.

 

Ich glaube, zu einer richtig guten Freundschaft gehört aber auch, dass man sich Schwächen oder Fehler sagen darf, damit sich der andere verbessern kann. Lucia und ich haben uns zwar noch nie gestritten, aber es gab schon angespannte Situationen. Trotzdem schätze ich an ihr, dass wir immer zusammen sein können und uns etwas zu erzählen haben. In China habe ich eine Zwillingsschwester. Hier habe ich Lucia: Sie ist nicht nur meine beste Freundin, sondern auch wie eine Schwester für mich.”

 

„Die Entfernung hat uns noch mehr zusammengeschweißt!”

Katja ist 21, kommt aus der Ukraine und studiert als Stipendiatin des DAAD in München Betriebswirtschaftslehre. Ihre beste Freundin Tina (25) arbeitet zurzeit in der Schweiz. Die beiden sind seit zwei Jahren befreundet.

„Als ich meine beste Freundin Tina kennengelernt habe, fanden wir als Erstes heraus, dass wir drei gleiche Jacken haben. Da war klar, dass sich eine tolle Freundschaft entwickeln wird: In Sachen Mode, Tanzen oder Jungs ticken wir gleich. Tina hat mich auch motiviert, mehr Sport zu machen. Wenn wir uns treffen, joggen wir oder fahren Fahrrad. Ins Kino gehe ich mittlerweile nur noch mit ihr – sie weiß, welche Filme gut sind. An Tina schätze ich, dass sie mir gut zuhören kann und mir viele Tipps gibt. Wenn ich im Stress bin oder mich etwas kränkt, schreibe ich ihr und sie antwortet innerhalb einer Stunde, egal ob sie in der Arbeit oder im Urlaub ist. Durch meine beste Freundin habe ich auch gelernt, ruhiger zu sein und mir nicht alles so zu Herzen zu nehmen. Allein der Gedanke an sie beruhigt mich. Ich glaube, dass Tina mich am besten versteht, weil wir uns beim Denken sehr ähnlich sind. Es ist gut, wenn man nicht alles alleine verarbeiten muss, sondern es mit der besten Freundin teilen kann.

Vor zwei Jahren haben Tina und ich uns zum ersten Mal auf der Geburtstagsfeier eines Freundes getroffen. Dort haben wir uns so gut verstanden, dass wir Telefonnummern ausgetauscht haben. Das Handy ist seitdem aus unserer Freundschaft nicht mehr wegzudenken. Vor einigen Monaten ist Tina in die Schweiz gezogen und hat mir zum Abschied ihr altes iPhone geschenkt. Jetzt können wir uns umsonst SMS schreiben, damit wir den Kontakt nicht verlieren. Ich glaube, die Entfernung hat uns noch enger zusammengeschweißt. Jetzt sehen wir erst, wie sehr wir uns fehlen.”

Was Katja an Tina besonders mag

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Wie Katja und Tina Kontakt halten

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Die Freunde, die sich noch nie getroffen haben

Niamh aus Irland und Larry aus Mexiko haben sich in der PASCH-net-Community kennengelernt und sind seit einem Jahr virtuelle Freunde. Beide gehen noch zur Schule und machen gerade ihre Abschlussprüfungen.

Niamh: Mein Freund Larry und ich haben uns noch nie getroffen. Wir leben auf verschiedenen Kontinenten und können uns nur über das Internet sehen. Man nennt das virtuelle Freundschaft: Wir reden über Skype, die PASCH-net-Community oder schreiben uns E-Mails.

Larry: Niamh wohnt in Irland und ich in Mexiko. Die Zeitverschiebung zwischen den beiden Ländern ist groß, deswegen ist es manchmal schwierig mit dem Skypen. Ich mag an Niamh, dass sie mir immer antwortet, wenn ich ihr eine Nachricht sende. Sie zeigt Interesse an unserer Freundschaft und erzählt gerne von sich.

Niamh: Larry und ich interessieren uns beide für Deutschland. Deshalb sprechen wir auch Deutsch miteinander. Wir reden über alles Mögliche, von der Schule über die Familie bis zu den Hobbys. Wir haben auch eine gemeinsame Leidenschaft: Die TV-Sendung The Big Bang Theory. Die gefällt uns wirklich sehr gut.

Larry: Niamh kennt sich super mit Computern aus, da kann ich noch was von ihr lernen. Oft tauschen wir uns auch über unsere unterschiedlichen Kulturen aus. Das Leben in Mexiko ist anders als das in Irland.

Niamh: Ich mag an Larry, dass er immer fröhlich ist und man gut mit ihm reden kann. Sogar meine Schulklasse hat Larry schon kennen gelernt: Einmal haben wir mit ihm im Deutschunterricht geskypt und er hat uns über das Leben in Mexiko erzählt.

Larry: Irgendwann möchte ich Niamh unbedingt auch im echten Leben kennenlernen. Vielleicht besuche ich sie irgendwann in Irland!

Niamh: Ich hoffe, dass wir eines Tages die verschiedenen Kulturen, über die wir immer reden, auch in echt erleben und uns gegenseitig besuchen können.
 

herausfinden: entdecken, merken
riesig: sehr
die Schwierigkeit, die Schwierigkeiten: Probleme
gleich ticken: die gleichen Interessen haben und ähnlich denken und reagieren
angespannt: hier: schwierig, kritisch
zusammenschweißen: verbinden
mittlerweile: jetzt
schätzen: hier: mögen
kränken: verletzten, ärgern
sich etwas zu Herzen nehmen: etwas schwer nehmen, leicht getroffen sein
durch dick und dünn gehen: in guten und in schwierigen Zeiten Freunde sein
Die Interviews führte Christina Kufer.

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