Stadt und Leben

Werkstatt für alle: das „MachWerk“ in Berlin

Sprachniveau: B1/B2

Beim Projekt „Junge Pächter“ setzen Jugendliche in sieben Berliner Bezirken ihre Ideen um.

Darunter sind Jakob, Wolle, Georg und Alma von „MachWerk” in Berlin-Wedding. Sie haben ein bislang leer stehendes Ladenlokal in eine offene Werkstatt verwandelt. Hier kann man Fahrräder reparieren, Fotos entwickeln, Dekorationen für Partys bauen oder an elektronischen Basteleien tüfteln.

Jakob, 21 Jahre

Das „MachWerk” ist eine selbst organisierte Projektwerkstatt, die allen Interessierten offen steht. Löten, lackieren, sandstrahlen, mit Holz bauen, im Fotolabor oder in der Elektrowerkstatt arbeiten: Das alles kann man bei uns machen. Interessant ist, dass hier ganz verschiedene Leute zusammenkommen, Künstler und Bastler, Maschinenbaustudenten, Zimmermannslehrlinge oder Theaterleute. Und Jugendliche aus dem Kiez, die überrascht sind, dass es diese Möglichkeit gibt, dass man sich einfach so mit einbringen kann, indem man vorbeikommt, mit den Leuten redet und sagt okay, dann mache ich hier jetzt auch was. Wir sind kein Jugendclub mit Berufspädagogen. Wir sind einfach nur wir und machen, was wir gut finden. So können tolle Räume entstehen! Auch ein Hennafest, das Teil des muslimischen Hochzeitsrituals ist, wurde hier schon gefeiert: Unsere Nachbarinnen haben geklingelt und gefragt, ob sie die Werkstatt für ihr Fest nutzen können. Das Projekt „Junge Pächter” ist auf acht Monate begrenzt. Klar, dass wir unsere Werkstatt länger betreiben möchten. Wir haben jetzt einen Antrag auf öffentliche Förderung gestellt – das war eine Wahnsinnsarbeit.

Was ist für dich wichtig in Berlin?

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Wolle, 24 Jahre

Das „MachWerk” ist ein Raum, in dem ganz verschiedene Leute und Disziplinen zusammenkommen. Das ist wirklich unschätzbar, denn dadurch entstehen Dinge, auf die man alleine nie gekommen wäre. Ich studiere Maschinenbau und bin vor allem mit Elektronik beschäftigt. Da kommen dann zum Beispiel die Künstler und sagen „Hey – ich hab da eine Idee”, und wir versuchen das zusammenzubringen.

Was ist das Besondere am „MachWerk“?

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Georg, 23 Jahre

Ich bin hier für die Fahrradbastelei zuständig und helfe bei allem, was sonst noch so anfällt. Zum Beispiel bauen wir gerade ein mobiles Soundsystem. Denn in einem Club zu feiern, ist teuer. Da ist es wesentlich unkomplizierter, wenn man die Party selbst veranstaltet, im Park oder im Umland. Wir sorgen für die Musik und bringen die Leute zusammen, die Lust darauf haben. Dazu brauchen wir das Soundsystem, und wir bauen es selber, weil es sonst nicht erschwinglich ist.

Georg über die Vorteile des Stadtlebens

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Alma, 21 Jahre

Ich kümmere mich zusammen mit einer Freundin um das Fotolabor im „MachWerk”. Jeder, der mag, kann hier arbeiten. In Berlin gibt es so viele Möglichkeiten, so viele Freiheiten, so viel Unterstützung. Manchmal ist es aber schwierig und bürokratisch, diese Möglichkeiten zu finden und zu nutzen. Hier im Wedding leben viele Familien mit wenig Geld. Umso wichtiger finde ich, dass auch sie von diesen Freiräumen profitieren. Das ist ein Grund, warum ich mich hier engagiere. Außerdem mag ich die lebendige Arbeitsatmosphäre im „MachWerk”. Und das Handwerkliche liegt mir einfach, ich mache eine Ausbildung zur Metallbildnerin in einer Bronzegießerei.

Das Internationale Jugendkunst- und Kulturhaus Schlesische27 organisiert das Projekt „Junge Pächter” in Berlin mit Unterstützung des Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung. Die Projektlaufzeit: November 2011 bis Juni 2012.

löten: beim Löten benutzt man Hitze, um Metallteile miteinander zu verbinden
lackieren: etwas mit Lack/Farbe anmalen
sandstrahlen: beim Sandstrahlen benutzt man Sand, der aus einem Schlauch oder einer Düse sehr schnell herauskommt, um Gegenstände von Rost oder Farbe zu befreien.
der Kiez, die Kieze: das Stadtviertel
der Antrag, die Anträge auf öffentliche Förderung: ein Papier, das man an die Stadt oder das Land schicken kann, im dem steht, warum man Geld für ein Projekt möchte und wie viel Geld man braucht. Wenn das Projekt gut ist, bekommt man Geld als Hilfe für das Projekt von der Stadt oder dem Land.
unschätzbar: wertvoll, hier: sehr gut, toll
unkompliziert: einfach
erschwinglich: nicht teuer, man kann es sich leisten
die Metallbildnerin, die Metallbildnerinnen: ein Beruf, bei dem man Gegenstände aus Metall macht
die Bronzegießerei, die Bronzegießereien: eine Werkstatt, in der man Gegenstände aus Bronze oder anderen Metallen herstellt
Die Interviews führte Elisabeth Schwiontek.
Sie arbeitet als Journalistin in Berlin.

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