Stadt und Leben

„Heim(e)lich“: ein Wohnzimmerclub in Berlin-Köpenick

Sprachniveau: B1

Berlin ist voller leer stehender Läden und Gewerberäume. In einem Projekt nutzen Jugendliche diese Räume acht Monate lang kostenlos für ihre Ideen.

Darunter sind Josephina und Nele, die zusammen mit einer Freundin den Wohnzimmerclub "Heim(e)lich" in Köpenick betreiben. Hier stellen sie ihren Veranstaltungsraum vor.

Josephina, 17 Jahre

Zuerst konnte ich das gar nicht glauben: Wir bekommen kostenlos einen Raum und können dort das verwirklichen, was wir hier schon immer vermisst haben, einen gemütlichen Treffpunkt, in dem wir Konzerte, Ausstellungen und Filmabende veranstalten. Wir haben die Wände gestrichen, Bar und Bühne gebaut, Sessel, Lampen und ein altes Klavier hergeschleppt. Die Wohnzimmerkonzerte können wir inzwischen leider nur noch einmal im Monat veranstalten – Nachbarn hatten sich gestört gefühlt und die Polizei gerufen. Schade. Aber wir zeigen auch Ausstellungen, Tape-Art oder Foto, und treffen uns zu Filmabenden vor der großen Leinwand. Das Tolle ist: Jeder, der eine Idee hat und sich engagieren möchte, kann sie hier ausprobieren und umsetzen. Dass unser Angebot kostenlos ist, spielt eine sehr wichtige Rolle. Denn viel scheitert bei jungen Leuten daran, dass sie es sich nicht leisten können.
Wir haben montags, mittwochs und am Wochenende bei Veranstaltungen geöffnet. Viele kommen, weil sie von Freunden, Bekannten oder über Facebook von unserem Laden erfahren haben, andere laufen hier zufällig vorbei und entdecken den Club. Bis Juni 2012 haben wir den Raum noch sicher. Wie es weitergeht, ist unklar. Wir werden versuchen, unseren Wohnzimmerclub über Spenden weiter zu finanzieren und auch einen Antrag auf öffentliche Förderung stellen.

So beschreibt Josephina den Wohnzimmerclub:

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Nele, 16 Jahre

Ich finde es toll, dass wir hier einen so großen Freiraum haben. Jeder, der will, kann Ideen verwirklichen, er muss nicht super professionell sein, man kann einfach Dinge ausprobieren. Dabei lernt man auch viel. Zum Beispiel, dass Einiges zu organisieren ist, bevor eine Band auf der Bühne steht und ein Konzert gibt. Jeder ist mit dafür verantwortlich und an der Organisation beteiligt. Unser Publikum schleppt mit uns die Getränkekisten und putzt den Laden.

Das ist für Nele das Besondere an „Heim(e)lich“:

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Das Internationale Jugendkunst- und Kulturhaus Schlesische27 organisiert das Projekt "Junge Pächter" in Berlin mit Unterstützung des Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung. Die Projektlaufzeit: November 2011 bis Juni 2012.

Gewerberaum, Gewerberäume: ein Raum, der von jemandem genutzt wird, der dort arbeitet und Geld verdient z. B. ein Büro oder ein Laden
betreiben: organisieren
verwirklichen: machen
herschleppen: tragen
scheitern: nicht funktionieren
die Spende, die Spenden: ein Geldgeschenk
der Antrag, die Anträge auf öffentliche Förderung: ein Papier, das man an die Stadt oder das Land schicken kann, im dem steht, warum man Geld für ein Projekt möchte und wie viel Geld man braucht. Wenn das Projekt gut ist, bekommt man Geld als Hilfe für das Projekt von der Stadt oder dem Land.
Die Interviews führte Elisabeth Schwiontek. Sie arbeitet als Journalistin in Berlin.

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