Politik und Geschichte

Berliner Mauer: 25 Jahre Mauerfall

Sprachniveau: B2/C1

Vor 25 Jahren, am 9. November 1989, ist die Mauer gefallen. Sie war eine scharf bewachte Grenzanlage, die Berlin und Deutschland von 1961 bis 1989 in einen Ostteil („Deutsche Demokratische Republik“, kurz DDR) und einen Westteil trennte.

Christian aus Berlin ist erst nach dem Fall der Mauer geboren. Doch das Leben in der DDR ist immer noch Thema in seiner Familie. Als „trist, grau, spießig und eingesperrt“ bezeichnet Christians Vater Mathias den Staat DDR, in dem er fast 30 Jahre lang gelebt hat. Er erinnert sich noch genau an seinen Schulweg in Ostberlin: „Ich bin sehr viele Jahre lang auf dem Weg ins Gymnasium mit der S-Bahn an der Schönhauser Allee vorbeigefahren. Da war die Grenze, eine hohe Mauer mit Glassplittern drin, damit man nicht drüberklimmen konnte, davor Grenzsoldaten und Hunde, die liefen immer mit der S-Bahn mit und kläfften. Dass da nun ne Mauer ist, die Leute voneinander trennt, die eigentlich zusammen hätten groß geworden sein müssen, das war mir völlig unverständlich.“

Christians Vater Mathias über die DDR

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Christians Vater Mathias über seinen Schulweg an der Grenze

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Käseglocke DDR

Die DDR habe ein „ausgesprochen hartes ideologisches Korsett“ gehabt, sagt Mathias. „Ab dem ersten Schultag wurde vorausgesetzt, dass man sich als „Pionier“ aufnehmen ließ, das heißt Mitglied in der politischen Massenorganisation für Kinder wurde. Einmal im Monat gab’s einen Fahnenappell auf dem Schulhof, wo die ideologischen Linien verbreitet worden sind.“

Die politische Macht in der DDR lag allein bei einer Partei, der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands). Sie bestimmte in allen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Fragen. Mathias: „Man hat in einer Käseglocke gelebt, die von den Parteioberen gebildet worden ist.“ Ein großer Teil der Menschen in der DDR sei nicht besonders begeistert gewesen von der Herrschaft der SED. Darüber habe man aber nicht offiziell in der Schule oder bei der Arbeit gesprochen, sondern nur im privaten Kreis. „Daher kann dann auch, zumindest gefühlt, ein vergleichsweise großer innerer Zusammenhalt in der DDR, ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das viele heute in der freien offenen westlichen Gesellschaft vermissen.“

Mathias über die Pionierorganisation

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Tag der Freude

Der Fall der Mauer beendete das Leben in der „Käseglocke“. Im November 1989 ging Mathias zum ersten Mal über die nun offene Grenze in den Westteil Berlins. Ein „Tag der Freude“, den er nie vergisst: „Vor der Bornholmer Brücke, da war damals die Grenze, ein einziges Menschenmeer. Alle wollten rüber und kucken wie‘s im Westen ist. Da war eine Stimmung wie Weihnachten und Neujahr auf einen Tag! Es war brechend voll, die Menschen standen alle an. Aber der einzige Tenor war: Jetzt haben wir 40 Jahre gewartet, jetzt kommt es auf die eine Stunde auch nicht mehr an. Und als ich dann im Westen war, bin ich in Tränen ausgebrochen, und meine Frau auch. Absolut faszinierend, wie du da empfangen worden bist: Türkische Gemüsehändler haben ihre Bananen in die Menge geschmissen, Schokoladen sind geflogen, es war ein Gefühl, als wenn wir die Welt nochmal neu aus den Angeln heben könnten!“

Mathias über den Tag des Mauerfalls

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Mathias über den Empfang in Westberlin

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Berlins schönstes Denkmal

25 Jahre später fährt Mathias‘ Sohn Christian auf seinen Wegen durch die Stadt mehrmals täglich über den Mauerstreifen. „Für mich das schönste Denkmal Berlins“, betont Christian. Es besteht aus einer doppelten Reihe von in den Boden eingelassenen Pflastersteinen. Sie verlaufen genau da, wo früher die Mauer stand, die für seinen Vater früher eine unüberwindliche Grenze war. „Der Mauerstreifen ist eine Narbe, die langsam verheilt, aber trotzdem alles hier geprägt hat. Und wenn ich mit dem Fahrrad einfach da rüberfahren und sie überschreiten kann, dann ist das für mich wichtig“, sagt Christian.

Christian erklärt, was der Mauerstreifen ist

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Christian über das schönste Denkmal Berlins

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die Mauer ist gefallen: Deutschland war von 1949 bis 1990 in zwei Staaten – die DDR und die BRD – geteilt. Symbol für diese Teilung war die Berliner Mauer, die Berlin in einen Ostteil (DDR) und einen Westteil (BRD) trennte. Am 9. November 1989 wurden die Grenzen zwischen den beiden deutschen Staaten geöffnet, auch die Berliner Mauer. Man bezeichnet dieses Ereignis als „Mauerfall“ oder sagt: „Die Mauer ist gefallen“. Bürgerinnen und Bürger der DDR hatten in einer friedlichen Revolution die Öffnung der Grenzen erreicht.
eine scharf bewachte Grenzanlage: eine Grenze, die streng bewacht wird
trist: traurig, eintönig
spießig: hier: kleinlich, intolerant
bezeichnen als: hier: etwas beschreiben; sagen, wie man etwas empfindet
die Schönhauser Allee: eine Straße in Berlin. In der Nähe der Straße verlief die Mauer: die Grenze zwischen Ostberlin (gehörte zur DDR) und Westberlin (gehörte zur BRD).
der Glassplitter, die Glassplitter: Teile aus Glas, an denen man sich verletzen kann
drüberklimmen: hier: über die Mauer klettern, die Mauer überwinden
der Grenzsoldat, die Grenzsoldaten: ein Soldat, der eine Grenze bewacht
ein Hund kläfft: ein Hund bellt in kurzen und nervigen Tönen
die eigentlich zusammen hätten groß geworden sein müssen: hier: Mathias findet es nicht verständlich, dass man Menschen getrennt hat, die zusammenleben wollten (in einem deutschen Staat statt in zwei Staaten).
ein ausgesprochen hartes ideologisches Korsett: eine harte, enge Ideologie
etwas voraussetzen: hier: etwas verlangen, etwas fordern
der Pionier, die Pioniere: Die Pionierorganisation war eine politische Organisation für Kinder in der DDR. Die Mitglieder nannte man Pioniere. Fast alle Schülerinnen und Schüler in der DDR waren vom ersten bis zum siebten Schuljahr Mitglied in der Pionierorganisation.
der Fahnenappell, die Fahnenappelle: eine Zeremonie, bei der sich die Schülerinnen und Schüler und die Lehrkräfte einer Schule versammelten, zum Beispiel auf dem Schulhof. Die Zeremonie folgte militärischen Regeln.
die ideologischen Linien: hier: die Ideologie der DDR
etwas verbreiten: etwas überall bekannt machen
Man hat in einer Käseglocke gelebt: In der DDR lebte man von anderen Ländern abgeschirmt. Denn man konnte den Staat nicht einfach verlassen. Wer sich nicht an die Regeln hielt, wurde vom Staat beobachtet. Für Mathias war das wie ein Leben unter einer Käseglocke.
der Parteiobere, die Parteioberen: die mächtigen Politiker in einer Partei (hier: der SED)
ein großer innerer Zusammenhalt: ein großes Gemeinschaftsgefühl, eine große Loyalität und Hilfsbereitschaft
das Menschenmeer: sehr viele Menschen, eine Masse an Menschen
rüber wollen: hier: auf die andere Seite der Mauer wollen, von der DDR in die BRD wollen
brechend voll: sehr voll, unglaublich voll
auf etwas ankommen: wichtig sein, zählen
in Tränen ausbrechen: weinen
die Welt nochmal neu aus den Angeln heben: die Welt und das Leben ganz neu und anders gestalten
das Denkmal, die Denkmäler: ein historischer Ort, ein Ort der Erinnerung
eine unüberwindliche Grenze: eine Grenze, bei der man nicht auf die andere Seite kann
die Narbe, die Narben: die Spur einer Wunde, die auf der Haut verheilt ist
etwas prägen: hier: etwas beeinflussen
etwas überschreiten: etwas überwinden
eine scharf bewachte Grenzanlage: eine Grenze, die streng bewacht wird
etwas errichten: etwas bauen
etwas verhindern: dafür sorgen, dass jemand eine bestimmte Sache nicht tut
der Flüchtling, die Flüchtlinge: ein Mensch, der aus seiner Heimat flieht (zum Beispiel weil er dort bedroht wird)
schießen: mit einer Waffe auf jemanden feuern, einen Schuss mit einer Waffe abgeben
ums Leben kommen: sterben
das DDR-Regime: die Regierung der DDR
etwas beseitigen: hier: abschaffen
die Wiedervereinigung: die Vereinigung des geteilten Deutschlands, die Vereinigung von BRD und DDR zu einem Staat am 3. Oktober 1990

Worterklärungen

die Mauer ist gefallen: Deutschland war von 1949 bis 1990 in zwei Staaten – die DDR und die BRD – geteilt. Symbol für diese Teilung war die Berliner Mauer, die Berlin in einen Ostteil (DDR) und einen Westteil (BRD) trennte. Am 9. November 1989 wurden die Grenzen zwischen den beiden deutschen Staaten geöffnet, auch die Berliner Mauer. Man bezeichnet dieses Ereignis als „Mauerfall“ oder sagt: „Die Mauer ist gefallen“. Bürgerinnen und Bürger der DDR hatten in einer friedlichen Revolution die Öffnung der Grenzen erreicht.
eine scharf bewachte Grenzanlage: eine Grenze, die streng bewacht wird
trist: traurig, eintönig
spießig: hier: kleinlich, intolerant
bezeichnen als: hier: etwas beschreiben; sagen, wie man etwas empfindet
die Schönhauser Allee: eine Straße in Berlin. In der Nähe der Straße verlief die Mauer: die Grenze zwischen Ostberlin (gehörte zur DDR) und Westberlin (gehörte zur BRD).
der Glassplitter, die Glassplitter: Teile aus Glas, an denen man sich verletzen kann
drüberklimmen: hier: über die Mauer klettern, die Mauer überwinden
der Grenzsoldat, die Grenzsoldaten: ein Soldat, der eine Grenze bewacht
ein Hund kläfft: ein Hund bellt in kurzen und nervigen Tönen
die eigentlich zusammen hätten groß geworden sein müssen: hier: Mathias findet es nicht verständlich, dass man Menschen getrennt hat, die zusammenleben wollten (in einem deutschen Staat statt in zwei Staaten)
ein ausgesprochen hartes ideologisches Korsett: eine harte, enge Ideologie
etwas voraussetzen: hier: etwas verlangen, etwas fordern
der Pionier, die Pioniere: Die Pionierorganisation war eine politische Organisation für Kinder in der DDR. Die Mitglieder nannte man Pioniere. Fast alle Schüler in der DDR waren vom ersten bis zum siebten Schuljahr Mitglied in der Pionierorganisation.
der Fahnenappell, die Fahnenappelle: eine Zeremonie, bei der sich die Schüler und Lehrer einer Schule zum Beispiel auf dem Schulhof versammelten. Die Zeremonie folgte militärischen Regeln.
die ideologischen Linien: hier: die Ideologie der DDR
etwas verbreiten: etwas überall bekannt machen
Man hat in einer Käseglocke gelebt: In der DDR lebte man von anderen Ländern abgeschirmt. Dann man konnte den Staat nicht einfach verlassen. Wer sich nicht an die Regeln hielt, wurde vom Staat beobachtet. Für Mathias war das wie ein Leben unter einer Käseglocke.
der Parteiobere, die Parteioberen: die mächtigen Politiker in einer Partei (hier: der SED)
ein großer innerer Zusammenhalt: ein großes Gemeinschaftsgefühl, eine große Loyalität und Hilfsbereitschaft
das Menschenmeer: sehr viele Menschen, eine Masse an Menschen
rüber wollen: hier: auf die andere Seite der Mauer wollen, von der DDR in die BRD wollen
brechend voll: sehr voll, unglaublich voll
auf etwas ankommen: wichtig sein, zählen
in Tränen ausbrechen: weinen
die Welt nochmal neu aus den Angeln heben: die Welt und das Leben ganz neu und anders gestalten
das Denkmal, die Denkmäler: ein historischer Ort, ein Ort der Erinnerung
eine unüberwindliche Grenze: eine Grenze, bei der man nicht auf die andere Seite kann
die Narbe, die Narben: die Spur einer Wunde, die auf der Haut verheilt ist
etwas prägen: hier: etwas beeinflussen
etwas überschreiten: etwas überwinden
eine scharf bewachte Grenzanlage: eine Grenze, die streng bewacht wird
etwas errichten: etwas bauen
etwas verhindern: dafür sorgen, dass jemand eine bestimmte Sache nicht tut
der Flüchtling, die Flüchtlinge: ein Mensch, der aus seiner Heimat flieht (zum Beispiel weil er dort bedroht wird)
schießen: mit einer Waffe auf jemanden feuern, einen Schuss mit einer Waffe abgeben
ums Leben kommen: sterben
das DDR-Regime: die Regierung der DDR
etwas beseitigen: hier: abschaffen
die Wiedervereinigung: die Vereinigung des geteilten Deutschlands, die Vereinigung von BRD und DDR zu einem Staat am 3. Oktober 1990
Das Interview führte Elisabeth Schwiontek.

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Mauerbild Bruderkuss von Dimitry Vrubel an der East Side Gallery | ©  picture alliance / Lou Avers
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