Politik und Geschichte

Erinnerungsorte: die DenkStätte Weiße Rose in München

Sprachniveau: B1/B2
Bela Bach studiert in München. Auf ihrem Weg zur Vorlesung kommt sie jeden Tag am Denkmal für die Weiße Rose vorbei. Die Studentengruppe hat sich gegen das Nazi-Regime eingesetzt.

„Wenn ich an die Weiße Rose denke, habe ich sofort das Bild von den Flugblattverteilungen zwischen 1942 und 1943 in der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) im Kopf. Damals haben Sophie Scholl und die anderen Mitglieder der studentischen Widerstandsgruppe Flugblätter in den Lichthof des Universitätsgebäudes geworfen. Darin riefen sie ihre Kommilitonen zum Widerstand gegen Hitler und das Nazi-Regime auf.

Das Bild hat sich mir stark eingeprägt, weil wir in der Schule mal einen Film mit dieser Szene angeschaut haben. Ich war in der Nähe von München auf dem Kurt-Huber-Gymnasium. Kurt Huber war der Professor von Sophie Scholl und ihren Mitstreitern und war auch Mitglied der Weißen Rose. Da war das Thema im Unterricht natürlich präsent: Nicht nur in Geschichte, sondern auch in Deutsch und Ethik.

Für eine offene und tolerante Gesellschaft

Heute studiere ich Jura an der LMU und jeden Tag, wenn ich zu den Vorlesungen gehe, komme ich an der Gedenkstätte für die Weiße Rose vorbei. Die ist im Lichthof der Universität – genau dort, wo vor 70 Jahren die Flugblattaktionen stattfanden. Ab und zu werfe ich einen Blick rein. Vielleicht auch, weil ich mich heute selbst aktiv für die Ideale engagiere, für die die Weiße Rose vor 70 Jahren kämpfte.

2013 werde ich für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) für den deutschen Bundestag kandidieren. Denn ich glaube, dass es in einer Demokratie wichtig ist, sich Gedanken zum System und zur Gesellschaft zu machen. Ich möchte mich einbringen und das Gemeinwohl aktiv mitgestalten – auch schon als junger Mensch. Wir müssen uns überlegen: Geht es immer gerecht zu? Haben alle Menschen in unserem Land die gleichen Chancen? Deswegen trete ich in meinem Wahlkampf mit dem Ziel an, Gerechtigkeit zu fördern: bei der Bildung, beim Wohlstand und bei den Geschlechtern. Für mich persönlich ist immer die Hoffnung dabei, dass die junge Generation etwas ändern kann und die Zukunft mitbestimmt. Das war bei der Weißen Rose 1942/43 so und das sehe ich heute nicht anders.

Gegen den Mainstream

In der Nähe meines Heimatortes sollten vor einiger Zeit 20 Flüchtlinge ein neues Zuhause finden. Die Einwohner haben sich dagegen massiv gewehrt: Sie wollten nicht, dass Flüchtlinge in ihrem Ort wohnen. Auf einer Versammlung habe ich gemeinsam mit anderen jungen Politikern eine Resolution verabschiedet, in der wir uns für eine offene und tolerante Gesellschaft ausgesprochen habe. Mir ist es wichtig, dass ich in einer Gesellschaft lebe, die Fremdenhass nicht toleriert. Deswegen gehe ich oft auf Demonstrationen gegen Neonazis und Rechtsradikale.

Ich will mich nicht mit der Weißen Rose vergleichen – die Studierenden damals haben unter ganz anderen Bedingungen gekämpft. Die härteste Konsequenz für mein politisches Engagement war ein Schulverweis wegen eines Schulstreiks. Die Weiße Rose, das sind für mich junge Leute, die für ihre politische Vision sogar ihr Leben geopfert haben. Ich denke, man kann sich die Widerstandsgruppe in vielen Punkten zum Vorbild nehmen: Wir sollten uns gegen Ungerechtigkeit auflehnen und vor allem öfter mal gegen den Mainstream argumentieren!“

Bela Bach ist 22 und studiert in München an der LMU Jura im 5. Semester. 2013 möchte sie für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) in den Bundestag einziehen.

die Vorlesung, die Vorlesungen: Lehrveranstaltungsform an der Universität. Bei einer Vorlesung trägt meist eine Professorin oder ein Professor etwas vor und die Studierenden hören zu.
das Nazi-Regime: die Diktatur der Nationalsozialisten. Die Nationalsozialistische Partei Deutschlands (NSDAP) war die Partei Adolf Hitlers, der am 30. Januar 1933 an die Macht kam. Deutschland wurde zu einer Diktatur.
sich gegen etwas einsetzen: gegen etwas kämpfen, protestieren
die Flugblattverteilung, die Flugblattverteilungen: ein Handzettel, auf dem oft eine politische Botschaft steht oder mit dem gegen etwas protestiert wird. Dieser Handzettel wird in großen Mengen an Leute auf der Straße verteilt.
die Widerstandsgruppe, die Widerstandsgruppen: einen Gruppe von Menschen, die gegen etwas ist, protestiert und zusammen dafür kämpft, dass sich etwas verändert.
der Lichthof, die Lichthöfe: ein Hof im Inneren eines Gebäudes
der Kommilitone, die Kommilitonen: die oder der Mitstudierende
Jura: Rechtswissenschaften
sich einbringen: sich engagieren, für etwas kämpfen
das Gemeinwohl: hier: die Gesellschaft
mitgestalten: an etwas mitarbeiten, dazu beitragen, dass etwas besser wird
gerecht: fair
der Wohlstand: der Reichtum
das Geschlecht, die Geschlechter: hier: Männer und Frauen
mitbestimmen: seine Meinung sagen
der Flüchtling, die Flüchtlinge: eine Person, die aus ihrem Heimatland flieht, weil die Situation dort wirtschaftlich oder politisch schwierig ist
der Einwohner, die Einwohner: die Menschen, die in einem Ort oder einem Land leben/wohnen
die Versammlung, die Versammlungen: Menschen, die zusammenkommen, um über etwas zu diskutieren
eine Resolution verabschieden: wenn nach einer Diskussion das Ergebnis aufgeschrieben wird und damit eine Gruppe offiziell ihre Meinung sagt
sich aussprechen für: hier: für etwas sein
der Fremdenhass: eine extrem negative Einstellung Menschen gegenüber, die nicht aus dem eigenen Land kommen
die Bedingung, die Bedingungen: hier: die Situation
der Schulverweis, die Schulverweise: Disziplinarmaßnahme/strafe an einer Schule, wenn man gegen die Regeln verstoßen hat
sich auflehnen gegen: gegen etwas protestieren, rebellieren
das Dritte Reich: die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland (1933 bis 1945)
der Sturz, die Stürze: wenn man erzwingt, dass ein Diktator, König, Politiker etc. zurücktritt
verhaften: jemanden festnehmen, in Arrest nehmen
zum Tode verurteilen: wenn ein Gericht entscheidet, dass die Strafe für ein Verbrechen ist, dass der Täter getötet wird
vollstrecken: ein Gerichtsurteil umsetzen, ausführen
bedingungslos: hier: sehr engagiert und ohne über die möglichen Konsequenzen nachzudenken
der Einsatz: hier: das Engagement
eindringlich: beeindruckend
einprägen: etwas, das einen sehr beeindruckt und das man dann nicht mehr vergisst
Das Interview führte Christina Kufer.
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