Kultur und Trends

Joggen mal ganz anders

Sprachniveau: B2

Eine fremde Stadt bewegungslos aus dem Bus heraus zu besichtigen oder schweigend hinter einem Stadtführer herzulaufen, ist nicht wirklich spannend – sie im Dauerlauf zu erleben dagegen schon.

Für Sightjogging braucht man keinen Fotoapparat, sondern Sportschuhe, Kondition und den Willen zu schwitzen. Entstanden ist die Idee, Touristen im Laufschritt eine Stadt zu zeigen, in den USA. Die Deutschen haben den Trend aber so enthusiastisch aufgenommen, dass das Angebot zwischen Alster und Bodensee besonders breitflächig ist. In mehr als zehn Städten kann man sportliche Stadtführungen buchen – nicht nur in großen wie Frankfurt, München oder Köln, sondern auch in Dresden, Münster oder Freiburg.

Stadtbesichtigung und Fitness

In Berlin bieten sogar mehrere Guides die ungewöhnlichen Touren an. Eine von ihnen ist Beate Achilles. Seit 28 Jahren joggt sie zwei Mal pro Woche eine Stunde lang. Sightjogging hat sie vor vier Jahren bei einem Besuch in Rom entdeckt. Die Idee gefiel ihr. „Das ist mal was anderes“, sagt die 46-Jährige, die schon damals überlegt hatte, auch „etwas mit Stadtführungen in Berlin zu machen“. Seitdem läuft sie häufig nicht mehr allein durch den Park sondern mit Touristen durch die Stadt: vorbei an historischen Gebäuden, an der Berliner Mauer oder am Ufer der Spree entlang. Fünf verschiedene Touren bietet sie an. Sie sind sieben bis zehn Kilometer lang und dauern eine oder anderthalb Stunden. Ob sie dabei Pausen macht oder durchläuft, hängt von den Teilnehmern ab. „Ich bleibe ganz gern stehen, wenn ich viel erzählen muss“, sagt Beate Achilles. „Wenn die Gäste aber nicht anhalten möchten, laufen wir auch drei Mal um ein Gebäude, bis ich alles erzählt habe.“ Beim Laufen zu reden, macht ihr nichts aus. „Man soll ja bekanntlich nur so schnell laufen, dass man sich noch gemütlich unterhalten kann.“

Lebendige Stadtführungen

Wie fast alle joggenden Stadtführer hat auch sie noch einen anderen Beruf. Sie ist PR-Beraterin. Je nach Nachfrage läuft sie selbst oder eine ihrer Mitarbeiterinnen die Touren. Das kann vier Mal pro Woche oder auch nur zwei Mal pro Monat sein. Nicht oft, aber auch das macht die Stadtbesichtigungen im Laufschritt so interessant: Die sportlichen Stadtführer sind in keiner Routine festgefahren. Sie spulen kein Faktenwissen ab, wie es ihre Kollegen auf gewöhnlichen Führungen oft tun. „Die Leute möchten viel lieber Anekdoten hören“, sagt Achilles, die vor dem legendärem Hotel Adlon zum Beispiel erzählt, dass die Familie des Kaisers dort oft wohnte, obwohl der eigene Palast nur einen Kilometer entfernt war. „Das Hotel war viel komfortabler als das Stadtschloss“, sagt Achilles. Es hatte Strom und fließendes Wasser. Das war vor 100 Jahren einzigartig in Europa.

Es sind größtenteils Hobbyläufer, die Sightjogging-Touren buchen. Vor allem die Geschäftsreisenden unter ihnen schätzen die Mischung aus Laufen und Sightseeing. „Diese Leute hätten keine Zeit, die Stadt zu besichtigen“, sagt Achilles. „Sie sitzen den ganzen Tag in Konferenzen. Mit mir bewegen sie sich und sehen noch etwas von der Stadt.“ Sightjogging ist zeitsparend – der perfekte Trend für unsere schnelle Zeit.

Spontane Planung

Einer der Ersten, der den Trend für Deutschland entdeckte, war der Hamburger Gösta Dreise. Seit zehn Jahren erklärt er Touristen joggend seine Heimatstadt. Feste Touren bietet er nicht an. Welche Route er läuft, hängt von den jeweiligen Teilnehmern ab und davon, was sie schon kennen und in Hamburg noch vorhaben. Dreise plant die Tour erst am Treffpunkt. „Das mache ich spontan in den ersten drei Minuten“, sagt der 43-Jährige. Dabei probiere er, ein gutes Mittelmaß an beliebten Plätzen und unbekannten Orten zusammenzustellen. „Ich zeige lieber, was nicht im Prospekt steht.“ Und genauso wenig erzählt er gern, was in jedem Reiseführer zu lesen ist. Vor dem historischen Rathaus langweilt er seine Zuhörer also nicht mit detaillierten Informationen über das Gebäude, sondern erzählt im Vorbeilaufen, dass der Rathausplatz früher ein Hafenbecken war und zeigt später, wo das Rathaus damals stand.

Mit einer Gruppe von Besuchern läuft ein Stadtführer durch Lüneburg | © picture-alliance / dpa

Die gleiche Leidenschaft teilen: das Laufen

Gösta Dreise macht nur Pausen, wenn es unbedingt sein muss. Seit 20 Jahren ist er Marathonläufer. So fit wie er müssen seine Gäste aber nicht sein. Bisher habe jeder durchgehalten. Denn: Wer sich für diese Tour interessiert, sagt Dreise, jogge wenigstens ein bisschen. „Wenn auch nur im Fitness-Studio auf dem Laufband.“ Auch Dreise arbeitet nach wie vor in seinem Beruf. Er ist Altenpfleger. Joggender Stadtführer ist er vor allem im April, Mai, September und Oktober. „Dann ist die Saison der Städtereisenden“, sagt er. „Die laufen am meisten.“

Auch Familien aus dem Umland, die Hamburg besser kennenlernen wollen, kämen langsam auf den Geschmack. „Sie gehen erst einkaufen und laufen danach noch eine Runde mit.“ Eine normale Stadtführung würden sie wohl nie buchen. Denn noch faszinierender als die praktische Kombination von Stadtbesichtigung und Fitnessprogramm ist für viele wohl das ganz persönliche Erlebnis, eine fremde Stadt von einer Person erklärt zu bekommen, mit der man dieselbe Leidenschaft teilt: das Laufen.

der Stadtführer, die Stadtführer: eine Person, die anderen die Sehenswürdigkeiten einer Stadt zeigt
der Dauerlauf: eine längere Strecke schnell laufen, also rennen
das Sightjogging: eine Stadt besichtigen und dabei nicht gehen oder in einem Bus sitzen, sondern schnell laufen
der Tourist, die Touristen: eine Person, die auf Reisen ist und ein anderes Land oder eine andere Stadt besucht
die Alster: ein Fluss, der durch Hamburg fließt
der Bodensee: ein großer See im Süden Deutschlands, an dem entlang ein Teil der Grenze zu Österreich und zur Schweiz verläuft
die Stadtführung, die Stadtführungen: eine Stadt besichtigen und dabei Fakten zur Geschichte und zu den Gebäuden erfahren
der Guide, die Guides (engl.): der Stadtführer
die Tour, die Touren: hier: eine Stadt besichtigen
die Berliner Mauer: Von 1961 bis 1989 war Deutschland in zwei Staaten geteilt: die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik. Die beiden Staaten waren durch eine Mauer voneinander getrennt. Zwar durften Menschen von Westen nach Osten gehen, doch nicht von Ost nach West. Die Berliner Mauer war das Symbol für die Teilung Deutschlands.
die PR-Beraterin, die PR-Beraterinnen: eine Frau, die Unternehmen und Organisationen dazu berät, wie sie sich nach außen präsentieren sollten
die Stadtbesichtigung, die Stadtbesichtigungen: die Stadtführung. Eine Stadt besichtigen und dabei Fakten zur Geschichte und zu den Gebäuden erfahren
Faktenwissen abspulen: nur Zahlen und Fakten zur Geschichte sagen
die Anekdote, die Anekdoten: eine kurze Geschichte
der Hobbyläufer, die Hobbyläufer: eine Person, die in der Freizeit läuft, ohne an Wettkämpfen teilnehmen zu wollen
das Sightseeing: Sehenswürdigkeiten besichtigen
die Konferenz, die Konferenzen: die Tagung; eine Versammlung von Personen, die sich zu einem bestimmten Thema austauschen
die Route, die Routen: die Strecke, der Weg
das Mittelmaß: der Querschnitt; von jedem gleich viel
der Reiseführer, die Reiseführer: ein Buch, in dem Informationen über eine Stadt oder ein Land stehen, zum Beispiel zu Sehenswürdigkeiten, Hotels und Restaurants
die Leidenschaft, die Leidenschaften: die Liebe; die Begeisterung
das Fitness-Studio, die Fitness-Studios: ein Raum, in dem Menschen mithilfe von Geräten Sport treiben
das Laufband, die Laufbänder: ein Gerät im Fitness-Studio, auf dem man auf einem breiten Gummiband, das sich auf Rollen dreht, läuft, ohne sich von der Stelle zu bewegen
der Altenpfleger, die Altenpfleger: eine Person, die sich beruflich um alte Menschen kümmert
auf den Geschmack kommen: etwas entdecken; etwas machen, das man vorher nicht gemacht hat
das Fitness-Programm, die Fitness-Programme: das Sportprogramm; Sport treiben; etwas für die Gesundheit tun

Worterklärungen

der Stadtführer, die Stadtführer: eine Person, die anderen die Sehenswürdigkeiten einer Stadt zeigt
der Dauerlauf: eine längere Strecke schnell laufen, also rennen
das Sightjogging: eine Stadt besichtigen und dabei nicht gehen oder in einem Bus sitzen, sondern schnell laufen
der Tourist, die Touristen: eine Person, die auf Reisen ist und ein anderes Land oder eine andere Stadt besucht
die Alster: ein Fluss, der durch Hamburg fließt
der Bodensee: ein großer See im Süden Deutschlands, an dem entlang ein Teil der Grenze zu Österreich und zur Schweiz verläuft
die Stadtführung, die Stadtführungen: eine Stadt besichtigen und dabei Fakten zur Geschichte und zu den Gebäuden erfahren
der Guide, die Guides (engl.): der Stadtführer
die Tour, die Touren: hier: eine Stadt besichtigen
die Berliner Mauer: Von 1961 bis 1989 war Deutschland in zwei Staaten geteilt: die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik. Die beiden Staaten waren durch eine Mauer voneinander getrennt. Zwar durften Menschen von Westen nach Osten gehen, doch nicht von Ost nach West. Die Berliner Mauer war das Symbol für die Teilung Deutschlands.
die PR-Beraterin, die PR-Beraterinnen: eine Frau, die Unternehmen und Organisationen dazu berät, wie sie sich nach außen präsentieren sollten
die Stadtbesichtigung, die Stadtbesichtigungen: die Stadtführung. Eine Stadt besichtigen und dabei Fakten zur Geschichte und zu den Gebäuden erfahren
Faktenwissen abspulen: nur Zahlen und Fakten zur Geschichte sagen
die Anekdote, die Anekdoten: eine kurze Geschichte
der Hobbyläufer, die Hobbyläufer: eine Person, die in der Freizeit läuft, ohne an Wettkämpfen teilnehmen zu wollen
das Sightseeing: Sehenswürdigkeiten besichtigen
die Konferenz, die Konferenzen: die Tagung; eine Versammlung von Personen, die sich zu einem bestimmten Thema austauschen
die Route, die Routen: die Strecke, der Weg
das Mittelmaß: der Querschnitt; von jedem gleich viel
der Reiseführer, die Reiseführer: ein Buch, in dem Informationen über eine Stadt oder ein Land stehen, zum Beispiel zu Sehenswürdigkeiten, Hotels und Restaurants
die Leidenschaft, die Leidenschaften: die Liebe; die Begeisterung
das Fitness-Studio, die Fitness-Studios: ein Raum, in dem Menschen mithilfe von Geräten Sport treiben
das Laufband, die Laufbänder: ein Gerät im Fitness-Studio, auf dem man auf einem breiten Gummiband, das sich auf Rollen dreht, läuft, ohne sich von der Stelle zu bewegen
der Altenpfleger, die Altenpfleger: eine Person, die sich beruflich um alte Menschen kümmert
auf den Geschmack kommen: etwas entdecken; etwas machen, das man vorher nicht gemacht hat
das Fitness-Programm, die Fitness-Programme: das Sportprogramm; Sport treiben; etwas für die Gesundheit tun
Katja Hanke
ist freie Journalistin in Berlin.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
August 2011

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