Kultur und Trends

Backpacker

Sprachniveau: B1/B2

Tobias ist Backpacker. Im Interview erzählt er, was ihm an dieser alternativen Form des Tourismus gefällt und was er auf seinen Touren schon alles erlebt hat.

Das Wort Backpacker kommt aus dem Englischen und bedeutet Rucksacktourist. Vor allem junge Leute zieht es nach dem Ende der Schulzeit, während und nach dem Studium in die Welt hinaus. Meist haben sie nur einen Rucksack als Gepäck. In den siebziger Jahren waren es nur vereinzelte Backpacker, die sich individuelle Wege suchen wollten, um die Welt kennenzulernen. Ihre Hauptziele waren entlegene Gebiete in Südostasien und Lateinamerika. Inzwischen hat sich diese alternative Form des Tourismus jedoch zu einer Massenbewegung entwickelt. Mittlerweile reisen nicht nur Jugendliche mit wenig Gepäck durch die Welt, sondern auch ältere Jahrgänge. Allerdings tragen sie es meist nicht auf dem Rücken, sondern ziehen es bequem in einem Trolley hinter sich her. Südostasien ist bis heute ein beliebtes Reiseziel der Backpacker geblieben.

Wir treffen Tobias in Vientiane, Laos, vor einem Backpacker-Hostel.

Tobias, warum bist du als Backpacker unterwegs? Es gibt doch preisgünstige Angebote an Pauschalreisen für Jugendliche.

In einer Gruppe zu reisen, wäre Horror für mich. Ich möchte aufstehen, wann ich will – und essen, worauf ich gerade Lust habe. Hier mal eine Weile etwas länger bleiben, dort nur kurz, so wie mir eben zumute ist. In einer Gruppe muss ich immer auf andere Rücksicht nehmen. Wenn ich hier die Busse sehe, aus denen massenweise Touristen steigen, zehn Minuten einen Tempel besichtigen und dann schnell wieder rein in den Bus, bin ich froh, dass ich allein reise. Ich habe aber Freunde, die das anders sehen. Ihnen sind Sicherheit und Bequemlichkeit wichtiger. Die buchen dann in einem Reisebüro.

Du möchtest gern allein bestimmen, wann du morgens aufstehst und ungestört sein, aber dieses Backpacker-Hostel hier hat nur Zimmer für sechzehn, acht und drei Personen. Da bist du doch nie allein.

Na ja, schon, aber das ist halt sehr preisgünstig. Und so viel Geld habe ich ja als Student schließlich auch nicht. Vielleicht ist auch nicht ganz rübergekommen, was ich sagen wollte. Ich bin kein einsamer Wolf. Ich bin gerne mit anderen Leuten zusammen, aber nur so lange, wie ich will. Ich möchte selber entscheiden und mir meine Freiheit von niemandem nehmen lassen.

Was hat dich nach Laos geführt?

Ich habe gerade Semesterferien. Da ich ja aufgrund meines Studiums schon mal in dieser Gegend bin, möchte ich die Chance nutzen, so viel wie möglich von Südostasien kennenzulernen. Laos ist meine zweite Station, ich war vorher in Thailand. Danach geht es weiter nach Vietnam und Kambodscha.

Wie bist du bis jetzt sprachlich auf deiner Reise zurechtgekommen?

Deutsch spricht hier kaum jemand. Bis jetzt habe ich zum Glück immer jemanden getroffen, der wenigstens ein bisschen Englisch konnte. Aber in so ganz abgelegene Gegenden bin ich auch noch nicht gekommen. Da bleibt dann wohl nur noch die Verständigung mit Händen und Füßen. Wer vorher ein wenig von der Landessprache gelernt hat, ist echt im Vorteil.

Sind dir unterwegs schon einmal Backpacker begegnet, die dir unangenehm aufgefallen sind?

Ja, gerade vorhin im Tempel. Da waren zwei, die aussahen, also ob sie am Strand wären. Halb nackt. Das ist unhöflich gegenüber Einheimischen. Manche legen auch keinen Wert auf Hygiene. Wenn ihre Mama ihnen keine frischen Sachen zum Anziehen hinlegt, ziehen sie offensichtlich vier Wochen lang die gleichen Klamotten an.

Hattest du das Gefühl, dass du als Backpacker immer willkommen warst?

Meistens schon, aber man wird als Backpacker manchmal angesehen, als ob man vom Mond käme. Ich glaube, normale Touristen sind ihnen lieber, weil sie mehr Geld ins Land bringen. Ich glaube aber auch, dass manche Leute Mitleid mit uns haben, weil wir einen schweren Rucksack schleppen und in billigen Hostels schlafen. Aber das stört mich nicht.

Was würdest du anderen Backpackern für ihre Reise empfehlen?

Auf jeden Fall nicht zu viel Gepäck mitschleppen. Man kann unterwegs seine Klamotten waschen, T-Shirts und Jeans gibt es überall für ein paar Dollar zu kaufen. Nicht zu viel im Voraus planen, denn man bekommt tolle Tipps von anderen Backpackern, die in keinem Reiseführer stehen. Nicht so viele Souvenirs kaufen, das geht echt ins Geld. Außerdem weiß man nie, ob man nicht noch etwas Schöneres findet. Ich würde auch jedem empfehlen, Pass und Geld immer bei sich zu tragen. Ja, und natürlich Wasser nur in Flaschen kaufen.

Eine letzte Frage: Würdest du eine solche anstrengende Tour noch einmal machen?

Auf jeden Fall. Sobald ich wieder etwas Geld gespart habe, geht es los.

Danke für das Gespräch, Tobias.



Das Interview führte Martina Khamphasith.

der Backpacker, die Backpacker: ein Tourist, der nur mit einem Rucksack reist, meist zu vielen verschiedenen Orten
die Tour, die Touren: hier: die Reise
entlegene Gebiete: hier: Gegenden, die für Touristen schlecht zu erreichen sind
mittlerweile: inzwischen, heute
das Gepäck: Behältnisse wie Koffer, Reisetaschen oder Rucksäcke, in denen man auf Reisen seine Kleidung verstaut
die älteren Jahrgänge: hier: Erwachsene
der Trolley, die Trolleys: ein Koffer mit Rollen, den man hinter sich herziehen kann
das Reiseziel, die Reiseziele: der Ort, zu dem man reisen möchte
die Pauschalreise, die Pauschalreisen: eine Reise, bei der man Fahrt, Unterkunft und Verpflegung schon vorher bucht und als Paket bezahlt
preisgünstig: billig, nicht teuer
jemandem ist nach etwas zumute: jemand ist in einer bestimmten Laune oder Stimmung. Beispiel: "Heute ist mir nach Feiern zumute." Hier: Tobias macht, was er möchte.
auf jemanden Rücksicht nehmen: darauf achten, was eine andere Person möchte
der Tempel, die Tempel: ein Gebäude, das in vielen Religionen als heilig gilt
die Bequemlichkeit: hier: Den Freunden sind Reisen lieber, bei denen sie sich nicht anstrengen müssen.
rüberkommen, etwas kommt rüber: umgangssprachlich: etwas ist gut und verständlich erklärt
ein einsamer Wolf: jemand, der gern allein ist
die abgelegenen Gegenden: hier: Gegenden, in die keine oder nur wenige Touristen reisen
die Verständigung mit Händen und Füßen: umgangssprachlich: sich ohne verbale Sprache verständigen, nur mithilfe von Handzeichen oder Gestik
die Einheimischen: Menschen, die aus einem bestimmten Land kommen und dort leben
vom Mond kommen: umgangssprachlich: naiv sein, nicht Bescheid wissen
der Reiseführer, die Reiseführer: ein Buch, in dem man wichtige Informationen zu einem Land, einer Stadt oder einer Region finden kann, zum Beispiel zu Unterkünften oder Verkehrsmitteln
das Souvenir, die Souvenirs: ein kleiner Gegenstand, den man zur Erinnerung an die Reise kauft
Sternchenthema: Dieser Text unterhalb des B2-Niveaus ist für Lerngruppen zu empfehlen, die anstreben, das Deutsche Sprachdiplom zweiter Stufe (DSD II) zu erwerben.

Worterklärungen

der Backpacker, die Backpacker: ein Tourist, der nur mit einem Rucksack reist, meist zu vielen verschiedenen Orten
die Tour, die Touren: hier: die Reise
entlegene Gebiete: hier: Gegenden, die für Touristen schlecht zu erreichen sind
mittlerweile: inzwischen, heute
das Gepäck: Behältnisse wie Koffer, Reisetaschen oder Rucksäcke, in denen man auf Reisen seine Kleidung verstaut
die älteren Jahrgänge: hier: Erwachsene
der Trolley, die Trolleys: ein Koffer mit Rollen, den man hinter sich herziehen kann
das Reiseziel, die Reiseziele: der Ort, zu dem man reisen möchte
die Pauschalreise, die Pauschalreisen: eine Reise, bei der man Fahrt, Unterkunft und Verpflegung schon vorher bucht und als Paket bezahlt
preisgünstig: billig, nicht teuer
jemandem ist nach etwas zumute: jemand ist in einer bestimmten Laune oder Stimmung. Beispiel: "Heute ist mir nach Feiern zumute." Hier: Tobias macht, was er möchte.
auf jemanden Rücksicht nehmen: darauf achten, was eine andere Person möchte
der Tempel, die Tempel: ein Gebäude, das in vielen Religionen als heilig gilt
die Bequemlichkeit: hier: Den Freunden sind Reisen lieber, bei denen sie sich nicht anstrengen müssen.
rüberkommen, etwas kommt rüber: umgangssprachlich: etwas ist gut und verständlich erklärt
ein einsamer Wolf: jemand, der gern allein ist
die abgelegenen Gegenden: hier: Gegenden, in die keine oder nur wenige Touristen reisen
die Verständigung mit Händen und Füßen: umgangssprachlich: sich ohne verbale Sprache verständigen, nur mithilfe von Handzeichen oder Gestik
die Einheimischen: Menschen, die aus einem bestimmten Land kommen und dort leben
vom Mond kommen: umgangssprachlich: naiv sein, nicht Bescheid wissen
der Reiseführer, die Reiseführer: ein Buch, in dem man wichtige Informationen zu einem Land, einer Stadt oder einer Region finden kann, zum Beispiel zu Unterkünften oder Verkehrsmitteln
das Souvenir, die Souvenirs: ein kleiner Gegenstand, den man zur Erinnerung an die Reise kauft
Links zum Thema

PASCH-net und Social Media

Ticket nach Berlin

Begleite sechs junge Deutsch­lerner auf ihrer Reise quer durch Deutschland: Videos ansehen, mitfiebern und Deutsch üben!

© Regeln auf PASCH-net

Was man hochladen darf und was nicht