Kultur und Trends

Von verkleideten Narren und „Karnevalsmuffeln“

Sprachniveau: B1

Für viele Kinder und Jugendliche sind die Karnevalstage die schönste Zeit des Jahres. Sie tragen lustige Masken oder schminken ihre Gesichter und verkleiden sich.

Fastnacht, Fasching oder Karneval sind die Bezeichnungen für das fröhlich bunte Fest, das im Frühjahr sieben Wochen vor Ostern mehrere Tage lang gefeiert wird. Im Süden Deutschlands heißt das Fest Fastnacht, in Köln und Umgebung nennt man es Karneval, an anderen Orten Fasching. Für viele Kinder und Jugendliche sind die Karnevalstage die schönste Zeit des Jahres. Sie tragen lustige Masken oder schminken ihre Gesichter, ziehen Kostüme an und verkleiden sich – zum Beispiel als Harry Potter, Pirat, Clown oder Prinzessin. An den „närrischenTagen“ feiern die Menschen auf einer Karnevalssitzung oder einem Faschingsball, stehen am Straßenrand und verfolgen die Karnevalsumzüge. Sie ziehen ausgelassen durch die Stadt, machen Musik oder werfen Konfetti oder Luftschlangen. Es gibt aber auch „Karnevalsmuffel“, denen der närrische Trubel gleich ist oder die ihn sogar schrecklich finden.

An Karneval in eine andere Rolle schlüpfen

An Karneval können Kinder in eine andere Rolle schlüpfen, so wie beispielsweise Pauline Schneider aus Pfungstadt. Die 12-Jährige trug im letzten Jahr ein Hexenkostüm, möchte sich aber diesmal als Pippi Langstrumpf verkleiden. „Das ist mein Lieblingskostüm. Ich werde an Karneval mit meinen Freundinnen viele verrückte und lustige Sachen machen – genau wie Pippi“, sagt die Schülerin. Ihr Bruder, Frederik, ist sieben Jahre alt und ein großer Comicfan. Deshalb will er in diesem Jahr als Spiderman zur großen Karnevalsparty gehen.

Pauline Schneider: Warum sie Karneval mag
 

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Pauline Schneider: Was sie an Karneval macht
 

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Kindersitzungen mit Musik, Tänzen und Reden



Durch das Programm der Karnevalssitzung führt ein Moderator, der auch Sitzungspräsident genannt wird. Er gehört zum sogenannten Elferrat, dem elfköpfigen Parlament des Narrenreiches während der Karnevalszeit. Seit 2005 leitet Michael Krausch die Kindersitzungen des Draiser Carneval Clubs (DCC) in Mainz. Mit viel Humor und lockeren Sprüchen kündigt er die Auftritte der jungen Sänger, Tänzer und Redner auf der Bühne an. „Ich finde es immer wieder toll“, sagt Michael Krausch, „wenn all die verkleideten Kinder im Saal fröhlich mitsingen, tanzen, jede Menge Spaß am Programm haben – einfach glücklich sind.“ Zu einer unterhaltsamen Karnevalssitzung gehören Darbietungen wie zum Beispiel die von Jan Lüders aus Dieburg. Obwohl er erst sechs Jahre alt ist, hat er bereits Bühnenerfahrung. Er ist ein großer Fan der amerikanischen Hardrock-Band Kiss. Daher sang Jan – grell geschminkt und mit einer Plastikgitarre im Arm – für das Publikum sein Lieblingslied „I was made for loving you“. Der Schüler sagt, dass er bei seinem ersten Auftritt ganz schön aufgeregt war. „Aber das ging schnell wieder vorbei. Dann hat es einfach nur noch Spaß gemacht, zur lauten Musik abzurocken." Dass Jan ein Karnevalist ist und gerne bei Kindersitzungen auftritt, ist keine Überraschung. Denn einerseits gibt es in der südhessischen Kleinstadt Dieburg den mit rund 1.600 Mitgliedern größten Karnevalsverein Deutschlands, den KVD 1838. Andererseits „ist auch mein Papa René im Karneval aktiv. Er war 1984 sogar Kinderfastnachtsprinz“, erklärt Jan Lüders.

Karnevalsprinzessin – ein Traum vieler Mädchen



Neben dem Applaus des Publikums ist Jennifer vor allem in Erinnerung, dass ihr Prinz damals deutlich kleiner war als sie – und zum Ausgleich eine große Karnevalskappe mit langer Feder trug. „Und mit dieser Fasanenfeder wedelte mir Mario auf der Bühne ständig im Gesicht herum“, sagt Jennifer und lacht. Als Karnevalsprinzessin muss man auch eine gute Schauspielerin sein, meint die Schülerin. 

Jennifer Müller Denn auch an Tagen, an denen man sich vielleicht nicht gut fühlt, muss man auf die Bühne und gute Stimmung verbreiten. „Das war manchmal schon ganz schön anstrengend“, meint Jennifer. Viele Mädchen träumen davon, einmal eine Prinzessin zu sein. Dieser Traum ging für Jennifer Müller aus Walluf bei Wiesbaden in Erfüllung. Als Karnevalsprinzessin Jennifer I. war sie zusammen mit Prinz Mario I. das Prinzenpaar des Niederwallufer Carneval Vereins 1898. Jennifer erinnert sich gerne an ihre „Regierungszeit“ zurück, vor allem an ihre glanzvollen Auftritte im maßgeschneiderten Prinzessinnenkleid. Die 13-Jährige fand es toll, auf der Bühne zu stehen und das närrische Saalpublikum mit ihrer Rede zu unterhalten.

Jennifer Müller: Was mir gefiel, als ich Prinzessin war
 
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Jennifer Müller beschreibt ihr Prinzessinnenkleid
 
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Jennifer Müller: Wie eine Karnevalsprinzessin sein sollte
 
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Gardetänzerinnen schwingen ihre Beine



Neben dem Prinzenpaar gehören auch die Gardetänzerinnen zu jeder Karnevalssitzung dazu. Seit 13 Jahren schwingt Yvonne Klemmer ihre Beine in der Garde- und Showtanzgruppe „Blue Diamonds“ aus dem rheinhessischen Ort Westhofen. Ob in Cowgirl-Kostümen, als orientalische Bauchtänzerinnen oder in den traditionellen Gardeuniformen mit kurzen Röckchen – die jungen Frauen des Westhofener Carneval-Vereins 1897 tanzen durch die gesamte Karnevalssaison. „Wir trainieren das ganze Jahr über“, erklärt die 24-jährige ZDF-Angestellte. „Aber es macht mir Freude, weil ich mich bewegen, meine Leidenschaft für das Tanzen ausleben und mit Freunden zusammen etwas auf die Beine zu stellen kann.“ In der heißen Phase des Karnevals, von Januar bis Aschermittwoch, absolvieren die „Blue Diamonds“ zahlreiche Auftritte. Manchmal tanzt die Gruppe pro Abend auf mehreren Sitzungen. „Doch der Applaus des Publikums ist unser Lohn und zeigt, dass sich das Training und die vielen Proben ausgezahlt haben“, sagt Yvonne Klemmer. Neben ihren Bühnenshows läuft die Gardetanzgruppe auch regelmäßig auf Fastnachtsumzügen mit, unter anderem auf dem großen Rosenmontagszug in Mainz.

Närrischer Trubel lässt „Karnevalsmuffel“ kalt



Was für die einen die fünfte und schönste Jahreszeit ist, lässt andere völlig kalt. Jemand, der kein Interesse am Karneval hat, ist Tanika-Sophie Herfurth aus Wiesbaden. Die Schülerin bezeichnet sich selbst, wie etwa jeder dritte Deutsche, als „Karnevalsmuffel“. „Den Karneval finde ich langweilig“, sagt die 13-Jährige, „weil sich die Leute dabei total lächerlich machen. Zudem ist es während der Umzüge sehr laut und viele Leute sind betrunken, was ich schrecklich finde.“ Auch den Übertragungen der Karnevalssitzungen im Fernsehen kann Tanika-Sophie nichts abgewinnen: „Sie sind nicht nur langweilig, sondern nerven sogar.“ Viel lieber würde sie sich am Rosenmontag mit ihren Freundinnen treffen und auf Shoppingtour gehen. Doch fast alle Geschäfte sind während der „tollen Tage“ geschlossen. Und ihre Meinung zum Thema gute Laune: „Wenn ich lustig sein will, dann bin ich es einfach – und warte nicht bis zur Karnevalszeit.“

Karnevalssitzung, -en: von einem Karnevalsverein organisierte Veranstaltung mit lustigen Vorträgen, Liedern und Tanzgruppen
Faschingsball, -bälle: anlässlich des Faschings (Karnevals) veranstaltete Tanzveranstaltung, bei der die Teilnehmer in Kostümen erscheinen
Karnevalsumzug, -umzüge: Umzug durch die Straßen während der Karnevalszeit
Karnevalsmuffel, -n: eine Person, die Karneval nicht mag
närrischer Trubel: fröhliches Umherziehen kostümierter Personen auf den Straßen
Kindersitzung, -en: eine Karnevalssitzung mit Kindern und für Kinder
Bühnenerfahrung, -en: Erfahrung oder Routine auf einer Bühne vor vielen Menschen zu stehen
Karnevalsverein: Verein, -e: eine Organisation von Menschen mit ähnlichen Interessen; Sportverein, Fußballverein, Gesangsverein …
Kinderfastnachtsprinz, -en: junger Karnevalsprinz, der von einem Karnevalsverein für eine Karnevalssaison gewählt wurde, tritt in einem Prinzenkostüm auf
Regierungszeit, -en: die Zeitspanne, in der jemand regiert, eine Regierung im Amt ist
Karnevalskappe, -n: typische Kopfbedeckung der Narren während der Karnevalszeit
Gardetänzerin, -nen: zur Karnevalszeit in farbenprächtigen Uniformen auftretende Tänzerinnen eines Karnevalsvereins.
Gardeuniform, -en: einheitliche Kleidung der Tänzerinnen eines Karnevalsvereins
Aschermittwoch: der Tag nach dem Karneval und der Beginn der 40-tägigen Fastenzeit im Christentum.
Rosenmontag: der Montag vor Aschermittwoch; Höhepunkt des Straßenkarnevals
Heiko Ripper
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