Kultur und Trends

Die „fünfte Jahreszeit“: Karneval, Fastnacht, Fasching

Die „fünfte Jahreszeit“ | © dpa/picture-alliance.com
Frühling, Sommer, Herbst und Winter – klar, das sind die vier Jahreszeiten. Für viele Deutsche spielt aber eine weitere, fünfte, eine ganz besondere Rolle.

Im Februar feiern sie die „Fastnacht“ (in Südwestdeutschland), den „Fasching“ (in Bayern, Sachsen und Thüringen) oder den „Karneval“ (im Rheinland). In den verschiedenen Namen zeigt sich eine Quelle für diese Tradition. In der Fast-Nacht, am Tag vor Beginn der früher sehr strengen Fastenzeit in der katholischen Kirche durften die Gläubigen noch einmal ordentlich feiern.

Aus einem Tag wurden mehrere, dann eine Woche und heute wird die Karneval-Saison schon am 11.11. um 11 Uhr 11 eröffnet. Das ist ein wichtiges Datum für den bürgerlichen „Karneval“. Auch dieses Wort hat einen Bezug zur Fastenzeit. Eine Erklärung leitet es vom lateinischen „carne vale“ ab, was soviel wie „Tschüs, Fleisch!“ bedeutet.

Die Saison beginnt im November, die meisten öffentlichen Aktivitäten finden aber an den „tollen Tagen“ vom „schmutzigen Donnerstag“ bis „Faschingsdienstag“ statt.

Vor allem Jugendliche verkleiden sich und feiern – mit Freunden zu Hause, auf der Straße, oder auf einem Maskenball. Der Straßenkarneval in Köln verwandelt das Zentrum der Stadt in eine riesige Open-Air-Disco.

Andere stehen am Straßenrand, wenn der Karnevalszug durch die Straßen der Stadt führt. Wieder andere schauen sich das bunte Treiben nur zu Hause am Fernseher an oder feiern Karneval gar nicht. Rund 30 Prozent der Deutschen sind „Karnevalsmuffel“, d.h. ihnen ist der Karneval egal oder sie finden ihn sogar schrecklich.

Wie feiert man Karneval in Deutschland?

Die „fünfte Jahreszeit“ | © dpa/picture-alliance.com

Vor allem Jugendliche verkleiden sich und feiern – mit Freunden zu Hause, auf der Straße, oder auf einem Maskenball. Der Straßenkarneval in Köln verwandelt das Zentrum der Stadt in eine riesige Open-Air-Disco.

Natalie (16), Schülerin und Tänzerin in der Garde des Mannheimer Karnevalsvereins „Lallehaag“ Andere stehen am Straßenrand, wenn der Karnevalszug durch die Straßen der Stadt führt. Wieder andere schauen sich das bunte Treiben nur zu Hause am Fernseher an oder feiern Karneval gar nicht. Rund 30 Prozent der Deutschen sind „Karnevalsmuffel“, d.h. ihnen ist der Karneval egal oder sie finden ihn sogar schrecklich.

Natalie (16) findet Fasching jedenfalls cool
 

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Wie sieht der Karnevalszug aus?

Die „fünfte Jahreszeit“ | © dpa/picture-alliance.com

Viele Zuschauer kommen zu den Karnevals-Umzügen, die prächtige Wagen und gigantische Figuren aus Pappmaché zeigen und sich oft über Politiker lustig machen. Mit dem Bau der Wagen wird manchmal schon im Oktober begonnen, für die größten braucht man 25.000 Arbeitsstunden. Jedes Jahr steht der Umzug unter einem anderen Motto. 2010 ist das in Köln „En Kölle jebütz“ („Küsschen in Köln“), in Mannheim „Trotz Krise – mer lasse uns die Fasnacht net vermiese“ („wir lassen uns den Fasching nicht verderben“) . Die großen Karnevalszüge werden live im Fernsehen übertragen.

Präsident des Mannheimer Karnevalsvereins „Lallehaag“ Die Karnevalisten werfen den Zuschauern Süßigkeiten und Blumen zu. Der größte Umzug Deutschlands in Köln dauert über drei Stunden. 8.000 „Jecken“, davon 2.000 Frauen, ca. 350 Reiter, 85 Musikkapellen und fast 200 Wagen nehmen teil.

Wer auf dem Wagen fahren darf, verrät uns Herr Barth


 
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Wer organisiert das alles?

In fast allen deutschen Städten gibt es Karnevalsvereine oder Karnevalsgesellschaften. 4800 sind Mitglied im „Bund Deutscher Karneval“. Die Karnevalsvereine organisieren die Karnevalszüge und Karnevalssitzungen wie auf dem Bild. Für sie ist das ganze Jahr über Saison und der Karneval nicht nur Spaß, sondern auch harte Arbeit.

Die Karnevalsarbeit
 
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Die Narren

Die „fünfte Jahreszeit“ | © dpa/picture-alliance.com

Der Narr ist die Symbolfigur für den Karneval. „Narren“ (im Rheinland: „Jecken“) nennt man alle Leute, die Karneval feiern, die „närrischen Tage“ die Karnevalstage selbst. Als Narr darf man auch verrückte Dinge tun, in Verkleidung ein ganz Anderer sein – im Karneval gelten die „normalen“ Regeln und Gesetze nicht. Schon früher durfte ein Narr selbst einem König auch unbequeme Dinge sagen und ein deutsches Sprichwort weiß „Kinder und Narren sagen die Wahrheit.“

Wer tanzt denn da?

Saskia (14), Schülerin und Tänzerin in der Garde des Mannheimer Karnevalsvereins „Lallehaag“ Auch die Garde und das Tanzmariechen sind traditionelle Figuren im Karneval. Ihre Kostüme erinnern an Uniformen aus dem 18.Jahrhundert. Anders als Soldaten, tragen die Gardetänzerinnen aber kurze Röcke.



Natalie beschreibt ihr eigenes Kostüm
 

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Die Gardetänzerinnen trainieren das ganze Jahr über. Ihr Tanz ist auch ein offizieller Sport und jedes Jahr gibt es Deutsche Meisterschaften.

Saskia über den Gardetanz
 

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Das Prinzenpaar

In vielen Städten ist im Karneval ein Prinz an der Regierung, meist zusammen mit einer Prinzessin, in Köln in einem „Dreigestirn“ von Prinz, Bauer und Jungfrau.

Das Amt ist eine große Ehre, bedeutet aber auch hohe Kosten. Meist wird es deshalb von Sponsoren unterstützt. Während der Karnevalszeit sind Prinz und Prinzessin Personen des öffentlichen Lebens. Sie bekommen zahlreiche Einladungen, nicht nur zu Karnevalsveranstaltungen.

Das Prinzenpaar wird jedes Jahr neu gewählt und am 11.11. der Öffentlichkeit vorgestellt. Meist wechseln sich die einzelnen Karnevalsgesellschaften ab.

Gardeprinzessin als Repräsentant
 

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In vielen Städten gibt der Bürgermeister dem Prinzenpaar einen großen Schlüssel. Es ist der Schlüssel zum Rathaus und symbolisiert, dass nun die Narren die Macht haben. In Frankfurt legen die Karnevalisten die Oberbürgermeisterin sogar in Ketten.

Warum beginnt die Karnevalsaison genau am 11.11.?

Die Zahl 11 hat im Karneval eine ganz besondere Bedeutung.

11 Personen, der „Elferrat“, leiten eine Karnevalssitzung. Diese Sitzungen und die Karnevalsumzüge beginnen 11 Minuten nach einer vollen Stunde. Viele Karnevalsvereine haben eine 11 in ihrem Wappen.

Dafür gibt es viele Erklärungen. Z.B. gilt die Elf in der christlichen Religion als Zahl der Maßlosigkeit, der Sünde, sogar als teuflische Zahl. Und in der 11 steht 1 neben 1, wie auch im Karneval alle Menschen gleich sind.

Wer spricht denn da?

Die „fünfte Jahreszeit“ | © dpa/picture-alliance.com

Die „Bütt“ steht auf einer Karnevalsbühne und von ihr aus werden die Karnevalsreden gehalten. Diese Reden sind meistens gereimt und in einem der vielen deutschen Dialekte geschrieben. Auch das Wort „Bütt“ ist Kölner Dialekt. Die Büttenredner kritisieren in lustigem Ton Politiker, Prominente und menschliche Schwächen.

Was essen die?

Die „fünfte Jahreszeit“ | © dpa/picture-alliance.com

Kräppel (oder Krapfen oder Berliner) sind eine typische Spezialität für Karneval. Der süße Teig wird in Fett ausgebacken und ist mit Marmelade gefüllt.

Karnevalslieder

Für den Karneval werden spezielle Lieder komponiert. Sänger und Publikum singen sie gemeinsam auf den Karnevalsitzungen, dabei wird „geschunkelt“. Was das ist? Das kann man nur zeigen, nicht erklären. Schaut den Video-Clip von einer solchen Sitzung an und beobachtet die Bühne und das Publikum. Jupp Schmitz singt dort das bekannte Karnevalslied „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“. Zum Mitsingen gibt es hier den Liedtext.

Video-Clip Aschermittwoch auf YouTube

Heute beteiligen sich auch Pop- und Rockgruppen am Karneval und bringen neue Rhythmen und Melodien ein.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei ...

Die „fünfte Jahreszeit“ | © dpa/picture-alliance.com

In der Nacht zu Mittwoch um Punkt Mitternacht endet der Karneval und an vielen Orten wird in dieser Nacht eine Strohpuppe verbrannt. Verbrannt wird damit symbolisch vielleicht der Winter, vielleicht aber auch ein Schuldiger dafür, dass man im Karneval so viel Geld ausgegeben hat.

Am Aschermittwoch lassen sich gläubige Katholiken ein Asche-Kreuz auf die Stirn malen und zeigen damit, dass sie sich ihrer Sünden bewusst sind. Viele Karnevalsgesellschaften schließen am Aschermittwoch die Karnevalssaison mit einem Heringsessen ab.

Fastenzeit: in vielen Religionen gibt es eine Zeit, in der die Menschen wenig oder sogar nichts essen und trinken. Das ist die Fastenzeit. Für Muslime ist das der Ramadan, für die Katholken die Zeit von Aschermittwoch bis Ostern.
Gläubige, -n: Menschen in einer Religion; ein gläubiger Muslim, Christ, Buddhist(<- glauben an ...)
die tollen Tage: = Fasching, Karneval; toll = verrückt
sich verkleiden: Kleider anziehen, um anders auszusehen; sich als Prinzessin, Clown, Cowboy verkleiden = Kleider einer Prinzessin ... anziehen
Maskenball, “e: eine Tanzveranstaltung, bei der die Gäste Masken tragen
Jeck, -en: im Rheinland ein Mensch, der Karneval feiert
Verein, -e: eine Organisation von Menschen mit ähnlichen Interessen; Sportverein, Fußballverein, Gesangsverein ...
Meisterschaft, -en: ein Wettkampf, bei dem man einen Titel bekommen kann, z.B. Deutscher, Europa- oder Weltmeister werden. 2009 waren in Berlin die Leichtathletikweltmeisterschaften
Ehre: großer Respekt für eine Person oder Sache
zahlreiche: viele
Öffentlichkeit: Menschen, die fernsehen, Zeitung lesen, Radio hören, Internetseten anschauen
sich abwechseln: einer macht etwas, dann der andere, dann wieder der erste; mein Mann und ich wechseln uns bei der Hausarbeit ab.
Bürgermeister, -: der „Chef“ einer Stadt
Rathaus, “er: der Arbeitsplatz des Bürgermeisters
Macht haben: regieren
Wappen, -: das Symbol einer Stadt, einer Familie; in Deutschlands Wappen ist ein Adler
Maßlosigkeit: viel mehr als ‚normal’ ist
Sünde, -n: was die Gesetze der Religion verbieten
teuflisch: diabolisch; satanisch
gereimt: viele Lieder oder Gedichte sind gereimt, d.h. die Wörter am Ende von Zeilen enden mit der selben Buchstabenfolge: Steine, kleine, alleine ...
Angelika Braun
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