Kultur und Trends

Couchsurfing – zu Gast auf fremden Sofas

Goethe-Zertifikat A2: Fit in DeutschSprachniveau: A2/B1

Sommerzeit ist Reisezeit. Doch gerade junge Leute kennen das Problem: Das Geld ist knapp und ein Hotelzimmer ist oft teuer. Das Internetportal „CouchSurfing“ vermittelt kostenlose Unterkünfte und verbindet Menschen auf der ganzen Welt.

Reisen, die Welt entdecken, andere Kulturen und Menschen kennenlernen – davon träumen viele. Doch meistens ist es nicht die Reise selbst, sondern die Unterkunft, die sehr viel kostet. Die Lösung heißt „CouchSurfing“. Auf der internationalen Internetplattform bietet man fremden Menschen kostenlos einen Schlafplatz bei sich an. Dafür kann man selbst in einem fremden Zuhause übernachten. Die Idee zu „CouchSurfing“ hatte der Amerikaner Casey Fenton. Er gründete 2004 das Netzwerk zusammen mit drei Freunden, nachdem er auf einer Reise durch Island selbst kostenlos bei Studenten übernachtet hatte.

Schlafplätze auf der ganzen Welt

Heute sind bei „CouchSurfing“ rund 1,7 Millionen Mitglieder aus über 230 Ländern registriert. Die Mehrheit der Mitglieder ist zwischen 18 und 24 Jahren alt. In Deutschland gibt es über 160.000 „CouchSurfer“, davon allein 23.500 in Berlin. In großen deutschen Städten wie zum Beispiel Hamburg, Köln oder Stuttgart gibt es oft mehrere Hundert Schlafplätze. Selbst in kleinen Dörfern mit wenigen Einwohnern kann man „CouchSurfing“ machen. Um bei „CouchSurfing“ mitzumachen, muss man sich auf der Internetseite registrieren und ein Profil anlegen. In dem Profil stellt man sich und seine Interessen vor. Auch Fotos kann man veröffentlichen. Wenn man eine Reise plant, kann man auf der Internetseite andere Mitglieder suchen, die in der Nähe des Reiseziels wohnen. Diese fragt man nach einem freien Schlafplatz und mit etwas Glück antworten sie positiv.

Gegenseitigkeit und Vertrauen

Natürlich ist es nicht ungefährlich, bei fremden Menschen zu Hause zu übernachten oder fremde Menschen bei sich übernachten zu lassen. Couchsurfing beruht auf Gegenseitigkeit und Vertrauen. Wichtig ist, sich das Profil des Gastgebers oder des Gasts genau anzuschauen. Hier findet man auch Bewertungen, in denen andere Couchsurfer über ihre Erfahrungen mit der Person erzählen. Das Profil hilft zu entscheiden, ob eine Person als Gastgeber oder Gast in Frage kommt. Profile mit wenigen Informationen und ohne Fotos schaffen wenig Vertrauen. Je mehr man schreibt, desto höher die Chance, viele Gäste zu bekommen oder oft eingeladen zu werden. Couchsurfing beruht zwar auf Gegenseitigkeit. Aber es ist auch möglich, nur Gastgeber oder nur Gast zu sein.

Durch Reisen die Welt verändern

Couchsurfing ist nicht nur gut für den Geldbeutel, sondern eine neue Art des Reisens. Die Philosophie von Couchsurfing ist: „Hilf mit, eine bessere Welt zu erschaffen – Couch für Couch.“ Die Idee verbindet Menschen auf der ganzen Welt miteinander und fördert Werte wie Gastfreundschaft und Toleranz. Wer Couchsurfing macht, hat die einzigartige Möglichkeit, das Reiseziel aus der Perspektive der Einheimischen kennenzulernen. So sieht man viel mehr als der normale Tourist. Selbst wenn man keinen Schlafplatz anbieten kann oder möchte, kann man sich für ein Treffen verabreden. Dann zeigt man dem Couchsurfer die Sehenswürdigkeiten der Stadt oder man geht zusammen aus. Oft entwickeln sich aus diesen neuen Bekanntschaften richtige Freundschaften.

angeln: Fische fangen, fischen
anhand: durch, mit, mithilfe
Anmeldung, -en, die: Registrierung, Zulassung, Eintragung
aufgeregt: nervös, unruhig, hektisch
beruhen, auf etw. (Akk.): sich auf etw. gründen/stützen; basieren
Bewertung, -en, die: Beurteilung, Einschätzung, Evaluation
Couch, -es, die: Sofa, Diwan, Chaiselongue
Eindruck bekommen, einen: kennenlernen, sehen
Einheimische, -n, der/die: jmd., der schon lange an einem Ort wohnt; Inländer
einzigartig: einmalig, ungewöhnlich, ohne Beispiel
erwidern: hier: zurückgeben, reagieren
fördern: helfen, unterstützen, weiterbringen
Gegenseitigkeit, die: Wechselseitigkeit, Austausch
Geldbeutel, -, der: Portemonnaie, Tasche für das Geld
Herausforderung, -en, die: Test, Prüfung, schwierige Aufgabe
in Frage kommen: geeignet sein, sich eignen, nütze sein
Studentenbude, -n, die: kleine Wohnung, in der ein Student wohnt
Unterkunft, -“-e, die: Wohnung, Schlafplatz, Unterbringung
verabreden, sich: ein Treffen vereinbaren, einen Termin festlegen
veranstalten: organisieren, durchführen, verwirklichen
vermitteln: weitergeben, bereitstellen
Vertrauen fassen: jmdm. glauben, sich auf jmdn. verlassen
Vertrauen, das: Zuversicht, Optimismus, Glaube
zusagen, jmdm. (Dat.): akzeptieren, einverstanden sein, bestätigen

Anke Ebert, 25 Jahre, Bamberg

Ich bin seit August 2009 bei „CouchSurfing“. Seit meiner Anmeldung haben schon vier Gäste aus Kanada, Korea, Deutschland und Australien bei mir übernachtet. Erfahrungen als Gast habe ich in Rom gesammelt.

Außerdem habe ich über die Internetplattform einen Israeli kennengelernt. Mittlerweile sind wir richtige Freunde. Nach acht Monaten Mail-Kontakt hat er mich sogar zu seiner Hochzeit nach Israel eingeladen und ich habe ihm zugesagt. Ich bin schon sehr aufgeregt, ihn zu besuchen und eine jüdische Hochzeit mit 700 Gästen zu erleben.

Da ich ein vorsichtiger Mensch bin, ist „CouchSurfing“ eine besondere Herausforderung für mich. Am Anfang war ich noch sehr skeptisch und habe mir Sorgen um die Sicherheit gemacht. Aber dann war ich überrascht, wie schnell ich Vertrauen fassen konnte.

Andreas Kitzing, 23 Jahre, Hamburg

Mit „CouchSurfing“ zu reisen, bedeutet die Welt aus einer anderen Perspektive kennenzulernen als der normale Tourist. Man sieht nicht nur die typischen Sehenswürdigkeiten, sondern bekommt einen viel intensiveren Eindruck von seinem Reiseziel. Man wohnt bei Einheimischen, kocht und isst mit ihnen zusammen, lernt ihre Mentalität kennen und bekommt die wirklich interessanten Sachen gezeigt.

Das Beste ist, dass man für diese Erfahrung nicht mal einen Fuß vor die eigene Haustür setzen muss. Denn als Gastgeber kann man ja auch Leute aus der ganzen Welt zu sich nach Hause einladen.

Lara Nickel, 19 Jahre, Köln

Letzten Sommer bin ich mit einer Freundin in Kanada von Couch zu Couch gereist. Zwei Monate lang übernachteten wir mal bei kanadischen Familien, mal in kleinen Studentenbuden.

Ich glaube, authentischer hätten wir Land und Leute nicht kennenlernen können. Zusammen mit einer Freundin unterwegs zu sein, gab mir das Gefühl von Sicherheit.

Mittlerweile würde ich aber auch alleine „CouchSurfen“. Anhand der Profile kann man schon ganz gut erkennen, ob man jemandem vertrauen kann oder nicht. Außerdem kann man sofort wieder gehen, wenn einem der Gastgeber beim ersten Treffen komisch erscheint. Die meisten „CouchSurfer“ sind lebenslustige und offene Menschen.

David Heller, 19 Jahre, Erfurt

Meine ersten Erfahrungen mit „CouchSurfing“ habe ich in England gemacht. Zusammen mit einem Freund bin ich nach London gereist. Wir wollten nicht nur die Stadt kennenlernen, sondern auch mit den Einheimischen in Kontakt kommen. Wir übernachteten bei zwei Londonern und trafen einen dritten zum Abendessen. All diese Begegnungen waren wundervoll. Durch „CouchSurfing“ lernten wir England viel besser kennen, als wenn wir in einem Hotel übernachtet hätten.

Seit diesem Urlaub habe ich bereits an mehreren „CouchSurfing-Treffen“ in Deutschland teilgenommen. Beim nächsten Urlaub werde ich ganz sicher wieder „CouchSurfen“.

Sylvia Behrendt, Irina Hahn
Zeitschrift vitamin de
www.vitaminde.de
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