Sternchenthemen

Integration und Sport: Durch Multikulti zum Erfolg

Sternchenthema: Dieser Text auf C1-Niveau ist für Lerngruppen zu empfehlen, die anstreben, das Deutsche Sprachdiplom zweiter Stufe (DSD II) zu erwerben.Sprachniveau: C1

Sport vereint Menschen aus den unterschiedlichsten Milieus. Gerade im Profisport wird deutlich, dass heterogene Mannschaften besonders erfolgreich sind.

Die Tücken des Multikulturellen stecken manchmal im Detail, beziehungsweise: im Münzschlitz eines Einkaufswagens. Das lernte der achtjährige Miroslav Klose vor seinem ersten deutschen Supermarkt. „Ich wusste nicht, wie ich den Wagen kriege. Ich habe nicht gesehen, dass man einen Euro reinstecken muss. Da habe ich mich etwas weiter weg gestellt und genau beobachtet, wie es die anderen machen.“

Auch wenn es in den achtziger Jahren in Wahrheit noch eine D-Mark war und kein Euro, der die Tür zur Konsumwelt öffnete – der junge Einwanderer und spätere Spieler der deutschen Fußballnationalmannschaft lernte früh, seine Schwierigkeiten in der Fremde mit sportlich wachem Blick zu meistern.

Fußball als Türöffner

Später öffnete ihm vor allem der Fußball die Tür zur neuen Heimat Deutschland – im Verein SG Blaubach-Diedelkopf, für den er von seinem neunten bis zum 21. Lebensjahr spielte und für den er 71 Tore schoss – mehr als jeder andere.

Das Erlebnis vor dem Supermarkt war eines, „das ich nicht vergessen werde“, schilderte Klose fast 30 Jahre später, als Weltmeister und WM-Rekordtorschütze, als er von der Deutschlandstiftung Integration in Berlin die „Goldene Victoria“, den Preis für Integration in Deutschland, erhielt. „Sie sind ein wunderbares Vorbild für die Fähigkeit, ein gutes Miteinander im Alltäglichen zu leben“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Sie beweisen, dass Deutschland Ihre Heimat ist und Sie gleichzeitig stolz auf Ihre polnische Herkunft sind.“

Sport ist banal und bedeutend zugleich

Wie sehr hilft der Sport bei diesem Spagat? Eine allgemeingültige Antwort fällt schwer. Denn der Sport hat zwei Seiten: Er ist banal und bedeutend zugleich. Auf der einen Seite ist er für viele Menschen ein wichtiger Teil in ihrem Alltag, auf der anderen Seite wird er groß dafür gefeiert, dass er unterschiedliche Kulturen zusammenbringt. Sicher ist: Wie sonst vielleicht nur noch im Bereich der Musik, kommen im Sport ganz verschiedene Menschen zusammen. Sport schafft Chancengleichheit, denn die Unterschiede in Bildung, Herkunft oder Sprache der Sportler und Sportlerinnen sind hier nicht von Bedeutung. Nicht umsonst heißen ein Spiel, ein Match oder ein Finale ja auch: Begegnung.

„Kulturübergreifende Gemeinsamkeiten“

„Der Sport verfügt von allen Kulturgütern über die meisten kulturübergreifenden Gemeinsamkeiten“, hieß es im Jahr 2006 vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Doch die Integrationswirkung des organisierten Sports ist kein Selbstläufer. Während das Statistische Bundesamt in der Haushaltsbefragung Mikrozensus 2013 für etwa 20 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen einen Migrationshintergrund feststellte, gilt das laut dem Sportentwicklungsbericht 2013/14 des DOSB nur für etwa sechs Prozent der Mitglieder in deutschen Sportvereinen, mit abnehmender Tendenz im Vergleich zum Vorbericht.

Es gibt eine Reihe prämierter Erfolgsgeschichten sportlich-multikultureller Projekte. Ein gutes Bespiel ist der Verein „MitternachtsSport“, den Fußball-Weltmeister Jérôme Boateng, Sohn einer Deutschen und eines Ghanaers, in seiner Heimatstadt Berlin für Straßenkinder mit Wurzeln in vielen Ländern mitgegründet hat.

„Sport ist nicht per se integrativ“

Wo es weniger Prominenz und mehr Problemalltag gibt, sieht es oft weniger rosig aus. Neben multikulturell angelegten Vereinen, in denen Menschen aus Dutzenden Nationen gemeinsam Sport treiben, gibt es gerade in unteren Fußballligen zahlreiche nach ethnischer Herkunft organisierte Vereine, in denen Zuwanderer unter sich bleiben. Die DOSB-Studie Sport und Zuwanderung hielt fest: „Sport wirkt nicht per se integrativ.“

In den Profi-Ligen ist man da weiter. Dort ist der Fußball seit langem ein Spiegel der Migrationsgesellschaft und der Profi-Fußballspieler jemand, der überall auf der Welt zu Hause ist und in Fußballklubs arbeitet, die multinational und multikulturell sind. Darunter sind auch Nationalteams, wie zum Beispiel die französische Nationalelf, die 1998 der erste Weltmeister mit Spielern von fünf verschiedenen Kontinenten wurde. Auch die deutsche Nationalmannschaft wurde als Weltmeister 2014 für ihre ethnische Vielfalt gefeiert. Bundespräsident Joachim Gauck sah in dieser Mannschaft und ihrem internen Zusammengehörigkeitsgefühl „die ganz selbstverständliche Spiegelung der Einwanderungsgesellschaft“.

Der Fremde wird einer von uns

Diese schöne Idee hat im Denken des Spitzensports eine ganz pragmatische Seite – sie hilft, zu gewinnen. Denn eine Mannschaft, in der Fußballer mit unterschiedlicher Herkunft spielen, verfügt über eine breitere Spielkultur und ist generell erfolgreicher. Der Profifußball ist somit ein Vorreiter für die Akzeptanz von Zuwanderern in der Gesellschaft: Hier werden die Einwanderer nicht als Menschen gesehen, die uns etwas wegnehmen, sondern als Menschen, die uns etwas schenken. Der Fremde, der meinem Team hilft, ist kein Fremder mehr, er wird einer von uns.

das Milieu, die Milieus: hier: das soziale Umfeld; die Umgebung, in der ein Mensch lebt
heterogen: hier: Mannschaften mit Spielern, die sehr unterschiedlich sind
die Tücken stecken im Detail: das Problem verbirgt sich in den Einzelheiten
der Münzschlitz eines Einkaufswagens: da, wo man im Supermarkt bei einem Einkaufswagen eine Münze reinsteckt, um den Einkaufswagen von dem dahinter zu lösen
die D-Mark (die Deutsche Mark): die Währung der Bundesrepublik Deutschland von 1948 bis 2001
die Tür zur Konsumwelt öffnen: hier: Mit der D-Mark konnte Miroslav Klose sich viele Dinge kaufen, die es in seiner Heimat Polen nicht gab.
der Einwanderer, die Einwanderer: eine Person, die ihre Heimat verlässt und in ein anderes Land geht, um dort zu leben
der wache Blick: genau hinsehen; genau beobachten
die Integration: hier: die Einwanderer in die deutsche Gesellschaft mit einbeziehen
banal: gewöhnlich, nichts Besonderes
der Spagat: hier: der Gegensatz zwischen der neuen Heimat Deutschland und dem Stolz auf die polnische Herkunft
das Kulturgut, die Kulturgüter: etwas, das über lange Zeit als kultureller Wert gilt
der Selbstläufer, die Selbstläufer: etwas, das von selbst Erfolg hat, ohne dass man viel dafür tun muss
die Haushaltsbefragung Mikrozensus: eine statistische Befragung von rund 400.000 Haushalten, die jedes Jahr durchgeführt wird
der Migrationshintergrund: Die Person selbst oder ihre Eltern oder Großeltern stammen aus einem anderen Land.
mit Wurzeln in vielen Ländern: die Kinder oder deren Eltern oder Großeltern stammen aus vielen verschiedenen Ländern
per se: von selbst; von allein, ohne etwas dafür zu tun
rosig: optimal; erfreulich; gut
die untere Fußballliga, die unteren Fußballligen: die Fußballmannschaften, die nicht so gut sind
die ethnische Herkunft: aus einem bestimmten Land oder einer bestimmten Kulturgruppe stammen
der Zuwanderer, die Zuwanderer: der Einwanderer, also eine Person, die ihre Heimat verlässt und in ein anderes Land geht, um dort zu leben
unter sich bleiben: hier: in den Mannschaften spielen nur Zuwanderer und keine Deutschen
die Profi-Liga, die Profi-Ligen: Fußballmannschaften, deren Spieler mit dem Fußballspielen ihr Geld verdienen
der Spiegel der Migrationsgesellschaft: hier: in den Mannschaften spielen Fußballer mit und ohne Migrationshintergrund zusammen
das Zusammengehörigkeitsgefühl, die Zusammengehörigkeitsgefühle: das Gefühl und Bewusstsein, zusammenzugehören
der Spitzensport: Sport, in dem sehr hohe Leistungen erbracht werden
pragmatisch: hier: auf ein bestimmtes Ergebnis gerichtet
der Vorreiter, die Vorreiter: jemand, der etwas macht, bevor andere es tun

Worterklärungen

das Milieu, die Milieus: hier: das soziale Umfeld; die Umgebung, in der ein Mensch lebt
heterogen: hier: Mannschaften mit Spielern, die sehr unterschiedlich sind
die Tücken stecken im Detail: das Problem verbirgt sich in den Einzelheiten
der Münzschlitz eines Einkaufswagens: da, wo man im Supermarkt bei einem Einkaufswagen eine Münze reinsteckt, um den Einkaufswagen von dem dahinter zu lösen
die D-Mark (die Deutsche Mark): die Währung der Bundesrepublik Deutschland von 1948 bis 2001
die Tür zur Konsumwelt öffnen: hier: Mit der D-Mark konnte Miroslav Klose sich viele Dinge kaufen, die es in seiner Heimat Polen nicht gab.
der Einwanderer, die Einwanderer: eine Person, die ihre Heimat verlässt und in ein anderes Land geht, um dort zu leben
der wache Blick: genau hinsehen; genau beobachten
die Integration: hier: die Einwanderer in die deutsche Gesellschaft mit einbeziehen
banal: gewöhnlich, nichts Besonderes
der Spagat: hier: der Gegensatz zwischen der neuen Heimat Deutschland und dem Stolz auf die polnische Herkunft
das Kulturgut, die Kulturgüter: etwas, das über lange Zeit als kultureller Wert gilt
der Selbstläufer, die Selbstläufer: etwas, das von selbst Erfolg hat, ohne dass man viel dafür tun muss
die Haushaltsbefragung Mikrozensus: eine statistische Befragung von rund 400.000 Haushalten, die jedes Jahr durchgeführt wird
der Migrationshintergrund: Die Person selbst oder ihre Eltern oder Großeltern stammen aus einem anderen Land.
mit Wurzeln in vielen Ländern: die Kinder oder deren Eltern oder Großeltern stammen aus vielen verschiedenen Ländern
per se: von selbst; von allein, ohne etwas dafür zu tun
rosig: optimal; erfreulich; gut
die untere Fußballliga, die unteren Fußballligen: die Fußballmannschaften, die nicht so gut sind
die ethnische Herkunft: aus einem bestimmten Land oder einer bestimmten Kulturgruppe stammen
der Zuwanderer, die Zuwanderer: der Einwanderer, also eine Person, die ihre Heimat verlässt und in ein anderes Land geht, um dort zu leben
unter sich bleiben: hier: in den Mannschaften spielen nur Zuwanderer und keine Deutschen
die Profi-Liga, die Profi-Ligen: Fußballmannschaften, deren Spieler mit dem Fußballspielen ihr Geld verdienen
der Spiegel der Migrationsgesellschaft: hier: in den Mannschaften spielen Fußballer mit und ohne Migrationshintergrund zusammen
das Zusammengehörigkeitsgefühl, die Zusammengehörigkeitsgefühle: das Gefühl und Bewusstsein, zusammenzugehören
der Spitzensport: Sport, in dem sehr hohe Leistungen erbracht werden
pragmatisch: hier: auf ein bestimmtes Ergebnis gerichtet
der Vorreiter, die Vorreiter: jemand, der etwas macht, bevor andere es tun
Christian Eichler
ist Sportkorrespondent der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und veröffentlichte mehrere Bücher über Fußball.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Juni 2015

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