Urheberrecht

Thema 4: Bearbeitungen von Texten

Auch für Änderungen an Texten und anderen Werken enthält das Urheberrecht Regeln. Grundsätzlich darf man geschützte Werke nur ändern und die Änderungen wieder veröffentlichen, wenn der Autor dem zugestimmt hat. Allerdings stellt sich natürlich häufig die Frage, an welchem Punkt aus einem fremden Text ein eigener Text wird. Wenn man beispielsweise einen Text umschreibt, ihn kürzt und redigiert: Ist das schon ein eigener Text oder noch eine Bearbeitung des Vorbildes? Mit anderen Worten: Darf man seine eigene Fassung einfach online stellen oder muss man den Autoren des Vorbilds fragen?

Die Frage, wann aus einem fremden Text ein eigener Text wird, ist sehr schwer zu beantworten. Konkret geht es darum zu beurteilen, wie weit man sich vom Vorbild entfernen, wie sehr man es umgestalten und verändern muss, bis man sagen kann, dass es sich um ein eigenständiges Werk handelt.

Bearbeitungen und Umgestaltungen

Juristisch ausgedrückt spricht man von der Unterscheidung zwischen „Bearbeitungen und Umgestaltungen“ und „freien Benutzungen“. Bearbeitungen und Umgestaltungen dürfen nur mit Zustimmung des „Original-Autors“ öffentlich zugänglich gemacht (also zum Beispiel auf der Lernplattform oder in der Community hochgeladen) werden. Freie Benutzungen sind dagegen – wie der Name schon sagt – frei von solchen Beschränkungen.

Werden Texte gekürzt oder geringfügig umgeschrieben, ihr Aufbau verändert oder dergleichen, handelt es sich um Bearbeitungen oder Umgestaltungen. Gleiches gilt zum Beispiel für Übersetzungen, die Übertragung von Musikstücken in eine andere Tonart und Ähnliches.

Um ein eigenständiges und damit vom Urheber am Vorbild unabhängiges Werk zu schaffen, sind viel weitreichendere Änderungen erforderlich.

Um ein eigenständiges Werk handelt es sich vor allem, wenn der Inhalt des Textes, an dem man sich orientiert, in eigenen Worten wiedergegeben wird. Der Inhalt eines Textes ist selbst nämlich nicht urheberrechtlich geschützt, sondern nur die Worte, in denen der Inhalt wiedergegeben wurde.

Beispiel: Man findet in einer Zeitung eine Meldung darüber, dass die UNESCO sich bei einer Sitzung auf bestimmte neue internationale Normen für die Berufsbildung geeinigt hat. Diese Information ist nicht geschützt, man kann sie jederzeit mit anderen Worten in einem eigenen Text wiedergeben. Ein Eingriff in das Urheberrecht ist ausgeschlossen, weil man ja den fremden Text nicht umschreibt oder dergleichen, sondern neu formuliert.

Abgesehen von solchen eindeutigen Fällen, kann die Abgrenzung zwischen Bearbeitungen und freien Benutzungen sehr schwierig werden. Die Rechtsprechung ist hier generell sehr streng. Üblicherweise (es gibt Ausnahmen, siehe unten) muss man sich beim Verfassen seines eigenen Textes so weit vom Vorbild entfernen, dass es im Prinzip nicht mehr erkennbar ist, dass zwischen beiden Werken ein Zusammenhang besteht. Ist erkennbar, dass der andere Text als Grundlage benutzt wurde, wird es sich meist schon um eine Bearbeitung handeln. Viel mehr als die Übernahme des Inhalts ist letztlich kaum möglich.

Daher gilt der Grundsatz: Neu schreiben, statt umschreiben!

Wenige Ausnahmen

Es gibt einige wenige Ausnahmen von dieser strengen Regel. Sie gelten vor allem für Parodien, Satiren und Karikaturen. Der Hintergedanke dafür, dass man in Bezug auf solche Formen der Auseinandersetzung mit fremden Inhalten weniger strenge Regeln aufstellt, als in anderen Fällen, ist folgender: Zum einen machen Parodien, Karikaturen oder Satiren keinen Sinn, wenn man das Werk, mit dem man sich auseinandersetzt, nicht erkennbar ist. Zum anderen haben es wenige Menschen gern, wenn sich jemand mit ihren Werken kritisch auseinandersetzt, indem er sie parodiert. Würde man für solche Handlungen eine Erlaubnis vom Urheber des Vorbilds benötigen, wären sie meist nicht möglich.

Parodien, Karikaturen und Satire sind aber wünschenswert. Sie dienen der Meinungsfreiheit, der politischen und kulturellen Auseinandersetzung. Eine freie Benutzung kann hier daher auch dann vorliegen, wenn das Vorbild, auf das sich das neue Werk bezieht, in der Parodie, Karikatur oder Satire eindeutig erkennbar bleibt. Dementsprechend bedarf es hierfür keiner Erlaubnis vom Rechteinhaber.

Kurzzusammenfassungen

Eine weitere Ausnahme gilt nach neuerer Rechtsprechung für Kurzzusammenfassungen (Abstracts) von Zeitungsartikeln. Die Gerichte haben entschieden, dass Abstracts unter Umständen freie Benutzungen des Vorbilds sein können, auch wenn sie sich ausdrücklich hierauf beziehen. Ob das so ist, hängt allerdings vom Einzelfall ab. Entscheidend ist vor allem, ob und wenn wie viele Formulierungen der Autor des Abstracts aus dem Originaltext übernimmt. Formuliert er vollständig neu, handelt es sich nur um eine Wiedergabe des gleichen Inhalts. Mit anderen Worten, das Abstract kann, ohne gegen das Urheberrecht zu verstoßen, frei veröffentlicht werden.

Enthält die Zusammenfassung jedoch viele Sätze aus dem Original, handelt es sich eher um eine Bearbeitung, die nicht ohne Zustimmung veröffentlicht werden darf. Um zu prüfen, welcher Fall vorliegt, vergleichen die Gerichte die beiden Texte. Je mehr Übereinstimmungen festgestellt werden, desto geringer die Aussicht, dass der neue Text ein eigenständiges Werk ist. Wie viel genau geändert werden muss, um von einer freien Benutzung ausgehen zu können, kann man nicht pauschal sagen.

Ebenso wenig wie das Gesetz stellen die Gerichte keine Regeln auf, die sagen würden, wie viel Prozent eines Werkes oder wie viele Textpassagen übernommen werden können, ohne dass das eigene Werk zur Bearbeitung wird. Die Beurteilung hängt vielmehr immer vom Einzelfall ab, also dem konkreten Vergleich von Vorbild und neuem Text. Das macht es natürlich sehr schwierig, das Ganze einzuschätzen. Für einen juristischen Laien wird die Beurteilung in der Regel unmöglich sein. Man kann daher nur dazu raten, nicht fremde Texte umzuändern, umzuschreiben oder umzustellen, sondern eigene Texte zu schreiben, die den Inhalt in anderen Worten wiedergeben.

Fallbeispiel 1:
Eine Lehrkraft nimmt einen Zeitungstext und bearbeitet (vereinfacht, kürzt etc.) ihn.

Solche Veränderungen lassen kein neues, eigenständiges Werk entstehen. Es handelt sich um Umänderungen oder Bearbeitungen. Soll der Text der Lehrkraft auf PASCH-net veröffentlicht werden, wäre hierfür die Zustimmung des Verlags oder Autors erforderlich.

Fallbeispiel 2:
Eine Lehrkraft findet auf einer News-Website im Internet eine interessante Nachricht. Er liest sie und einige andere Texte zu dem Thema und schreibt dann einen eigenen Text darüber. Hierin zitiert er auch (mit Quellenangabe) einige der anderen Meldungen.

Der Text der Lehrkraft ist im Zweifel eigenständig und kann daher ohne weiteres ins Netz gestellt werden. Die einzelnen Zitate sind nach der urheberrechtlichen Zitatregelung zulässig und führen generell nicht dazu, dass ein eigenständiger Text als Bearbeitung der anderen Texte ansehen würde. Immer vorausgesetzt, dass der neue Text an sich mit eigenen Worten formuliert wurde.

Fallbeispiel 3:
Die Lehrkraft findet einen interessanten Text im Internet und entwickelt dazu Übungen. Sie verlinkt auf den Text und bittet die Unterrichtsteilnehmer darum, ihn sich durchzulesen (auf der anderen Website).

Auch diese Variante ist ohne weiteres zulässig. Auf einen Text zu verlinken ist keine urheberrechtlich relevante Nutzungshandlung und damit ohne weiteres erlaubt (ansonsten könnte das Internet ja auch gar nicht funktionieren). Übungen zu einem Text zu entwickeln ist ebenso unproblematisch. Da der Autor des Textes kein Urheberrecht an dessen Inhalt (sondern nur an seinen eigenen Formulierungen) hat, kann jeder ohne Einschränkungen Übungen, Aufgaben oder andere eigene Texte formulieren, die sich hierauf beziehen.


Dr. Till Kreutzer, iRights.info
Copyright: www.pasch-net.de
November 2011
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