Urheberrecht

Thema 2: Verwendung von Videos

Videos sind fast immer durch das Urheberrecht oder sogenannte Leistungsschutzrechte geschützt. Das bedeutet, dass man sie nicht nutzen kann, ohne hierbei Regeln zu beachten. Welche Regeln das sind, wird in diesem Beitrag erklärt.

Wie bei Fotos und Bildern (siehe hierzu Thema 1: Verwendung von Bildern) müssen bei der Nutzung sowohl Persönlichkeitsrechte als auch Urheber- und Leistungsschutzrechte beachtet werden. Die Persönlichkeitsrechte schützen die auf den Videos zu sehenden Personen.

Urheber- und Leistungsschutzrechte beziehen sich dagegen auf das Video selbst. Will man ein Video, das man nicht selbst gemacht hat, kopieren, es online stellen oder sonst wie nutzen, muss man hierfür eine Erlaubnis haben. Fast alle Videos sind durch Urheber- oder Leistungsschutzrechte geschützt. Das Urheberrecht schützt den Filmemacher davor, dass ein geschütztes „Werk“ ohne seine Zustimmung genutzt wird. Ein „Werk“ ist ein Video nur, wenn es eine gewisse „kreative Qualität“ hat.

Das „Laufbildrecht“

Das sogenannte „Laufbildrecht“ ist ein Leistungsschutzrecht. Leistungsschutzrechte sind dem Urheberrecht sehr ähnlich und haben im Wesentlichen die gleichen Auswirkungen. Der wesentliche Unterschied zwischen dem Urheberrecht und dem Laufbildrecht liegt darin, dass für letzteres keine Qualitätsanforderungen gelten. Auch ganz alltägliche Urlaubs-, Party- oder Handyvideos sind durch das Laufbildrecht geschützt. Weil die Unterschiede davon abgesehen gering sind, kommt es bei den meisten Fragen nicht darauf an, ob das jeweilige Video durch das Urheber- oder das Laufbildrecht geschützt ist. Wichtig ist lediglich zu wissen, dass an Videos eigentlich immer Rechte bestehen.

Welche Regeln zu beachten sind, hängt von dem Video und dessen Inhalt ab, sowie von der Frage, wer es gemacht hat und wie es genutzt werden soll. In den folgenden Fallbeispielen wird erklärt, was das in bestimmten Konstellationen bedeutet.

Fallbeispiel 1:
Ein Nutzer lädt ein Video hoch, dass aus Ausschnitten von Youtube-Videos besteht, die von den Nutzern selbst gedreht wurden.

Will man ein Video auf der Lernplattform oder der Community hochladen, braucht man vom Inhaber der Rechte eine Erlaubnis. Dass das Video bei YouTube ohnehin online steht, ändert hieran nichts. Denn hiermit ist nicht gesagt, dass der Filmemacher generell damit einverstanden ist, dass sein Video auch an anderer Stelle online genutzt wird.

Eine Erlaubnis zur Nutzung solcher Videos kann sich auch aus dem Gesetz ergeben. Möglich sind Zitate, die aber bestimmten Voraussetzungen unterliegen (siehe hierzu Fallbeispiel 1 im Thema 1, es gelten die gleichen Regeln wie bei Fotos). Einfach nur ein Video hochzuladen und darauf hinzuweisen, dass es sich die Unterrichtsteilnehmer einmal ansehen sollten, genügt den Zitatregeln nicht. Es müsste vielmehr in ein eigenes Werk eingebettet werden und in dem eigenen Werk müsste sich der Autor mit dem Video auseinandersetzen.

Videos einbetten

Eine Alternative zum Hochladen des Videos liegt darin, dass es „eingebettet“ (embedded) wird. Die großen Videoplattformen bieten alle diese Funktionalität an. Das Einbetten führt dazu, dass auf der eigenen Website (oder in einem virtuellen Lernraum) ein Player angezeigt wird. Klickt der jeweilige Nutzer auf den Player, wird das Video abgespielt, ohne dass er dafür auf YouTube umgeleitet werden muss.

Der rechtliche Unterschied liegt darin, dass das Video beim „einbetten“ nicht auf einen anderen Server kopiert wird. Es wird vielmehr vom YouTube-Server abgespielt. Rechtlich entspricht das dem Setzen eines Links. Statt das Video in die eigene Seite einzubetten, könnte man auch einen Link setzen, der auf die Originalseite bei YouTube führt und der Nutzer könnte es von dort abspielen. Das ist nach dem Urheber- und Laufbildrecht erlaubt, man braucht hierfür keine Zustimmung des Rechteinhabers.

Ob Embedding mit dem Setzen eines Hyperlinks rechtlich gleichzusetzen sind, wurde von den Gerichten noch nicht ausdrücklich entschieden. Es handelt sich also um eine Grauzone. Die meisten Juristen gehen jedoch davon aus, dass das der Fall ist. Man braucht also keine Erlaubnis, wenn man ein Video einbettet. Kopiert man es jedoch und lädt es in eine Lernplattform oder auf eine Website hoch, ist eine Erlaubnis erforderlich.

Bei Videos, die aus Zusammenschnitten anderer Videos bestehen (wie im Fallbeispiel), kann sich darüber hinaus noch die Frage stellen, ob der Nutzer, der es bei YouTube hochgeladen hat, selbst dazu befugt war. Hierfür bräuchte er im Zweifel die Zustimmung aller anderen Filmer, von denen er Ausschnitte verwendet hat. Natürlich kann man nie beurteilen, ob diese Befugnisse eingeholt oder in der Rechtssprache „alle Rechte geklärt wurden“. Das ist ein weiterer guter Grund dafür, das Video nicht selbst hochzuladen, sondern es zu einzubetten. Warum das so ist, ist kompliziert zu erklären. Kurz gesagt haftet man für die Nutzung (kopieren, hochladen) fremder, geschützter Inhalte weiter gehend, als wenn man nur hierauf verlinkt oder sie einbettet.

Persönlichkeitsrechte

Auch aus persönlichkeitsrechtlicher Sicht ist das Einbetten weniger problematisch. Grundsätzlich ist es so, dass jede auf einem Video zu sehende Person (wenn es sich nicht gerade um Popstars oder Politiker handelt) gefragt werden muss, bevor das Video online gestellt wird. Und zwar von jedem, der das Video online stellt. Natürlich ist es einem unmöglich, diese Einwilligungen einzuholen, wenn man ein fremdes Video von YouTube nutzen will. Auch hier dürfte jedoch gelten (wie gesagt, haben die Gerichte das noch nicht entschieden), dass man für das Einbetten des Videos weniger streng haftet als für das hochladen.

Fallbeispiel 2:
Ein Nutzer lädt ein Sprachlernvideo der Deutschen Welle hoch.

Wer ein Video gemacht hat, ist für die Frage, ob es geschützt ist, unerheblich. Die Regeln sind immer die gleichen, ganz egal, ob es sich um ein Nutzervideo oder einen professionell erstellten Film der Deutschen Welle handelt.

Das bedeutet, dass man das Video nicht hochladen darf, ohne hierfür eine Erlaubnis von der Deutschen Welle zu haben. Die Erlaubnis kann man per E-Mail oder sogar telefonisch einholen (E-Mail oder Brief ist generell besser, weil man dann „etwas Schriftliches hat“). Wenn das Video aus einer Webpräsenz der Deutschen Welle stammt und daneben der Hinweis steht, dass es zu Unterrichtszwecken ohne Zustimmung genutzt werden darf, ist das natürlich etwas anderes.

Fallbeispiel 3:
Ein Nutzer lädt Mitschnitte von Konzerten, Theaterstücken und Lesungen hoch, die er selbst gemacht hat.

Bei Live-Veranstaltungen zu filmen ist schon an sich generell verboten. Umso weniger ist es erlaubt, solche Videos ins Internet zu stellen.

Fallbeispiel 4:
Ein Nutzer lädt Mitschnitte von Fernsehsendungen hoch, die er selbst aufgezeichnet hat.

Fernsehsendungen sind, egal, ob es sich um Reportagen, Filme, Ratgebersendungen oder Sonstiges handelt, geschützt. Daher dürfen sie auch nicht beliebig genutzt werden. Will man sie lediglich aufnehmen, um sie sich später im privaten Kreis anzusehen, ist das gestattet. Auch erlaubt ist es, wenn ein Lehrer eine solche Aufnahme in seiner Klasse zeigt. Grund hierfür ist, dass die Vorführung im Schulunterricht als nicht-öffentliche Nutzung anzusehen ist, die urheberrechtlich gestattet ist.

Einen Fernsehmitschnitt online zu stellen, ist etwas anderes. Eine Website wie PASCH-net, auf die alle registrierten Lehrkräfte und Schüler zugreifen können, ist nach der urheberrechtlichen Definition öffentlich. Fernseh- oder Radiomitschnitte dürfen nicht öffentlich zugänglich gemacht werden.

Fallbeispiel 5:
Ein Nutzer lädt ein selbst gedrehtes Video hoch, dass eine andere Person zeigt. Er hat diese nicht gefragt, ob er das Video hochladen darf.

Sofern die fremde Person kein „Celebrity“ (Popstar, Politiker etc.) ist, darf das Video nicht auf PASCH-net hochgeladen werden. Die auf dem Video zu sehende Person müsste hierfür um Erlaubnis gefragt werden.

Wie man die Erlaubnis einholt, ist variabel. Man sich muss hierfür keinen schriftlichen Vertrag oder eine schriftliche Erklärung auf Papier unterzeichnen lassen. Eine E-Mail geht auch, sogar mündliche Zustimmungen reichen aus. So könnte man der gefilmten Person sagen, dass man das Video auf PASCH-net hochladen möchte. Äußert sie keine Einwände, ist die Genehmigung erteilt. Es muss nur klar sein, was man mit dem Video vorhat.

Fallbeispiel 6:
Ein Nutzer lädt einen Werbeclip hoch, den er im Internet gefunden hat.

Auch hier ist das Ergebnis mit dem in Beispiel 1 gleich. Was für einen Inhalt das Video hat, ist genauso unerheblich wie die Frage, wer es gemacht und online gestellt hat. Für das Hochladen des Werbeclips bedarf es also einer Zustimmung des Rechteinhabers (zum Beispiel der Agentur oder des Websitebetreibers, der das Video ins Netz gestellt hat).

Fallbeispiel 7:
Ein Nutzer lädt ein selbst produziertes Video hoch, als Hintergrundmusik wird der neueste Song von Lady Gaga verwendet.

In diesem Beispiel geht es nicht um die Rechte an dem Video (die hat der Nutzer ja selbst), sondern um die Rechte an der Musik. „Kommerzielle“ Musik in Videos zu verwenden und die Videos online zu stellen, bedarf einer Erlaubnis der Rechteinhaber. Solche Erlaubnisse einzuholen und die erforderlichen Rechte zu „klären“ ist sehr kompliziert und aufwendig und für Laien im Prinzip unmöglich. An einer Musikaufnahme bestehen viele verschiedene Rechte, die unterschiedlichen Rechteinhabern zustehen. Um alle Rechte für Nutzung in dem Video zu klären, müsste man mit Plattenlabels, unter Umständen Verwertungsgesellschaften (wie die GEMA) und weiteren Rechteinhaber Vereinbarungen schließen. Will man sich rechtlich auf der sicheren Seite bewegen, bleibt nur, selbst produzierte Musik zu verwenden oder „Open Music“, die unter Open-Content-Lizenzen steht (wie auf www.jamendo.com) oder bei der zum Beispiel eine Band darauf hingewiesen hat, dass sie gegen solche Nutzungen nichts einzuwenden hat.

Fallbeispiel 8:
Ein Nutzer bettet ein Musikvideo von U2 auf PASCH-net ein, das von der Plattenfirma bei YouTube eingestellt wurde.

Eine solche Nutzung ist rechtlich kein Problem. Das Einbetten von Videos ist rechtlich anders zu bewerten als das Hochladen. Weitere Informationen zu dieser Frage finden sich in Fallbeispiel 1.

Fallbeispiel 9:
Ein Nutzer lädt den Trailer des Spielfilms „Pirates of the Caribbean 5“ hoch.

Auch hier gelten die Regeln, die in anderen Fallbeispielen (zum Beispiel 1, 2 und 6) erklärt wurden. Was auf dem Video zu sehen ist, spielt keine Rolle. Wenn nicht gerade der Rechteinhaber (hier Disney) erlaubt hat, den Trailer online zu stellen (was sehr unwahrscheinlich ist), ist das nicht erlaubt.

Fallbeispiel 10:
Ein Nutzer setzt einen Link auf ein illegal bei YouTube eingestelltes Video.

Einen Link zu setzen ist keine urheberrechtliche Nutzungshandlung (siehe oben bei Fallbeispiel 1 und im Thema 6: Arbeit mit Referenzen). Allerdings darf man auch nicht auf Webinhalte (Videos oder anderes) verlinken, wenn eindeutig erkennbar ist, dass sie illegal ins Netz gestellt wurden. Hierfür kann man haftbar gemacht werden.

In den meisten Fällen wird es allerdings nicht eindeutig erkennbar sein, ob ein Video rechtmäßig oder rechtswidrig ins Netz gelangt ist. Wenn das unklar ist, haftet man nur eingeschränkt. Wie weit eine solche Haftung geht, was „einem passieren kann“, ist ein schwieriges und umstrittenes Thema. Nach manchen Gerichten kann der Rechteinhaber auch dann eine (kostenpflichtige) Abmahnung schicken (für die man Abmahnkosten bezahlen muss), wenn man gar nicht wusste, dass der Inhalt auf den man verlinkt, rechtswidrig ins Netz gestellt wurde. Andere Gerichte gehen davon aus, dass erst dann Abmahnkosten gefordert werden können, wenn der Linksetzende (vom Rechteinhaber) darauf aufmerksam gemacht wurde, dass es sich um einen rechtswidrig hochgeladenen Inhalt handelt und er den Link nicht sofort gelöscht hat. Diese Fragen sind sehr komplex, so dass es unmöglich ist, hier auf alle Einzelheiten einzugehen.

In jedem Fall ist es – natürlich – ratsam, nicht auf illegale Inhalte zu verlinken. Sowohl aus moralischen als auch aus rechtlichen Gründen.

Fallbeispiel 11:
Ein Nutzer lädt ein Musikvideo einer bekannten Band hoch, das er irgendwo im Internet gefunden hat.

Siehe Fallbeispiel 6 (unter anderem). Das Musikvideo ist geschützt und darf nur mit Zustimmung der Rechteinhaber hochgeladen werden. Eine rechtlich unproblematische Alternative wäre, es einzubetten (sofern das möglich ist) oder einen Link auf das Video zu setzen.

Dr. Till Kreutzer, iRights.info
Copyright: www.pasch-net.de
November 2011
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