Jugendliche lernen anders

Warum lassen sich Schüler im Unterricht so schnell ablenken?

Ein bekanntes Phänomen: die Aufmerksamkeit für den Unterricht schwindet bei Jugendlichen im Vergleich zu erwachsenen Lernern viel schneller. Oft lassen sie sich von ihren Mitschülern oder anderen Dingen ablenken.

Sicher haben Sie das schon öfter erlebt: Sie geben ihren Schülerinnen und Schülern eine Aufgabe, an der sie selbständig arbeiten sollen. Nach nur wenigen Minuten werden die ersten Schüler unruhig, plaudern mit ihren Mitschülern, müssen scheinbar dringend mal raus, blättern lustlos in ihren Büchern oder malen Strichmännchen in ihre Hefte.

Warum können sich Jugendliche vergleichsweise kurz konzentrieren? Und warum lassen sie sich so schnell ablenken? Ein wesentliche Rolle spielt dabei das jugendliche Gehirn. Bis vor nicht allzu langer Zeit glaubte man noch, dass das menschliche Gehirn mit der Pubertät schon vollständig entwickelt ist. Erst vor einigen Jahren haben Neurowissenschaftler herausgefunden, dass auch während der Jugendphase noch bedeutende Reifungsprozesse im Gehirn stattfinden, die sich über mehrere Jahre erstrecken.

Der Bereich des Gehirns, der sich ganz zum Schluss entwickelt und erst im frühen Erwachsenenalter vollständig ausgereift ist, ist der präfrontale Cortex (Frontallappen). Dieser Teil des Gehirns befindet sich an der Stirnseite und ist unter anderem für die Steuerung der Aufmerksamkeit verantwortlich.

Experimentelle Studien haben tatsächlich gezeigt, dass Jugendliche ihre Aufmerksamkeit weniger gut regulieren können als Erwachsene. Für Jugendliche ist es sehr viel mühsamer und teilweise sogar unmöglich, sich auf eine bestimmte Sache zu konzentrieren und irrelevante Dinge um sich herum auszuschalten. Die Fähigkeit, Wesentliches zu fokussieren und Unwesentliches auszublenden ist bei Erwachsenen sehr viel besser ausgeprägt.

Im Unterricht ist dieses „Defizit“ des jugendlichen Gehirns oft sehr anstrengend und manchmal auch nervenaufreibend für Lehrer. Anstatt sich darüber zu ärgern, können Sie versuchen, den Unterricht dementsprechend anzupassen.

So ist es beispielsweise wichtig, dass verschiedene Sozialformen im Unterricht vorkommen. Das heißt, Unterricht im Plenum, Einzelarbeit und Gruppenarbeit sollten sich abwechseln. Jede Unterrichtsstunde sollte klar strukturiert sein, so dass es den Schülern leichter fällt, dem Unterrichtsverlauf zu folgen, ohne den Faden zu verlieren. Längere Aufgaben sind einfacher zu bearbeiten, wenn sie in kleinere Teilaufgaben unterteilt sind. Außerdem unterstützen visuelle Unterrichtsmaterialien die Aufmerksamkeit von Jugendlichen. So ist es für jugendliche Schüler weniger mühsam, sich auf ein bestimmtes Thema zu konzentrieren, wenn Sie Bilder, Filme oder andere Anschauungsmaterialien im Unterricht einsetzen.

Dr. Dorothé Salomo
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