Jugendliche lernen anders

Warum sprechen Schüler häufig nur ungern vor der Klasse?

Kennen Sie das? Sie stellen Ihren Schülerinnen und Schülern im Unterricht eine Frage. Doch statt einer Antwort erhalten Sie kollektives Schweigen.

Einige der Jugendlichen schauen verlegen nach unten, andere blättern eifrig in ihrem Buch oder suchen scheinbar etwas in ihrer Tasche.

Seltsam – gerade in der Pause waren die Schüler noch überaus gesprächig, und nun im Deutschunterricht verstummen sie plötzlich. Woran liegt das?

Das Selbstvertrauen von Jugendlichen ist im Vergleich zu dem von Kindern und Erwachsenen relativ niedrig. Ein wichtiger Grund dafür sind die enormen körperlichen Veränderungen zu Beginn der Jugendphase, die vor allem durch Hormone ausgelöst werden: Ein Wachstumsschub sorgt dafür, dass die Körpergröße innerhalb kurzer Zeit stark zunimmt und die Körperproportionen sich verändern. Außerdem beginnt mit der Pubertät die Geschlechtsreife und die Ausbildung von sekundären Geschlechtsmerkmalen. Eine verstärkte Aktivität der Talgdrüsen in der Haut hat zudem einen neuen Körpergeruch zur Folge und führt häufig auch zu Pickeln oder gar Akne.

Bei all diesen Veränderungen ist es nicht verwunderlich, dass Jugendliche sich in dieser Phase viele Sorgen darüber machen, ob mit ihnen alles in Ordnung ist und ob ihr Körper der „Norm“ entspricht. Besonders Mädchen sind in dieser Zeit sehr unsicher und oft auch unzufrieden mit ihrem sich verändernden Körper. Dabei machen sie sich besonders viele Gedanken darüber, wie sie von Gleichaltrigen gesehen werden. Ständig haben sie das Gefühl, dass ihr Aussehen und ihr Verhalten von allen anderen ganz genau beobachtet und beurteilt werden.

Dementsprechend unangenehm ist es Jugendlichen, wenn sie vor anderen Fehler machen. Das führt dazu, dass sie nicht gern vor der Klasse sprechen. Studien haben gezeigt, dass Schüler mit steigendem Alter tatsächlich gehemmt sind, wenn sie im Unterricht Fragen beantworten sollen, einen Vortrag vor der Klasse halten oder laut vorlesen müssen. Beim Sprechen in der Fremdsprache sind diese Hemmungen dann häufig noch stärker.

Das Problem können Sie teilweise umgehen, indem Sie die Schüler beispielweise in kleine Gruppen einteilen, in denen sie gemeinsam an Fragestellungen und Aufträgen arbeiten – und ihre Ergebnisse abschließend gemeinsam vor der Klasse präsentieren. Denn zusammen mit anderen fühlen sich Jugendliche deutlich selbstsicherer.

Dr. Dorothé Salomo
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